Die Vor- und Nachteile der Krise:
Ich muß gleich vorausschicken - es handelt sich um die Vor- und Nachteile für mich und nicht unbedingt für die Griechen. Diese Aufzählung ist daher rein subjektiv.
- In praktisch allen Geschäften (außer solchen mit Lebensmitteln) ist man allein und wird sofort bedient.
- Wenn man etwas in einem Geschäft bestellt, bekommt man es üblicherweise innerhalb weniger Tage geliefert.
- Man bekommt fast immer einen Rabatt.
- Wenn man einen Handwerker braucht, ist er spätestens am nächsten Tag da.
- Auf der Autobahn ist man fast alleine, denn die meisten können sich die Maut nicht leisten.
- Häuser sind günstig zu haben. Die Preise, die die letzten dreißig Jahre nur gestiegen sind, sind um dreißig bis vierzig Prozent gefallen.
- Man bekommt viele kostengünstige Produkte zu kaufen, die man bei uns gar nicht findet, und nicht immer sind sie schlecht in der Qualität. In den 1€-Shops gibt es meistens wirklich nur Dinge um 1€ und nicht um 10€ wie bei uns.
- Den Radiosendern ist das Geld ausgegangen, und deswegen leisten sie sich fast keine bis überhaupt keine Moderatoren mehr und spielen den ganzen Tag Musik mit nur ganz wenig Werbung. Das ist wunderbar, denn wie in anderen Ländern würde sonst auf vielen Sendern den ganzen Tag eh nur Blödsinn gequargelt.
- Durch die Globalisierung gibt es wie überall fast keine Produkte mehr, die rein in Griechenland hergestellt werden. Noch dazu ist das Land sowieso nicht mit viel Industrie gesegnet. So kann zum Beispiel der Hersteller von Farben und Lacken nicht liefern, weil er keine Farbdosen mehr aus dem Ausland geliefert bekommt. Oder die Zentralheizung kann wochenlang nicht repariert werden, weil der Ersatzteil erst importiert werden muß, der Importeur aber seine Rechnungen beim Hersteller nicht bezahlt hat (weil ihn seine Kunden nicht bezahlen) und er somit nicht geliefert bekommt. So sitzt man hier und wartet manchmal auf die einfachsten Dinge.
Bankgeschäfte:
Einen Bankbesuch macht man hier am besten bewaffnet - mit seinem Reisepass. Egal, was man braucht, sei es sein eigenes Geld oder einen PIN für die Bankomatkarte, nichts geht ohne Paß. Verwaltung ist alles! Wie manches in diesem Land recht unkompliziert funktioniert, so geht anderes wieder nur sehr bürokratisch. Eine Bank ist dafür die beste Gelegenheit.
Abenteuerlich geht es zu, wenn man ein Konto eröffnen will. Hat man die richtigen Beziehungen (und die hat man besser!), ist das Ganze nur eine Angelegenheit von Tagen. Hat man keine Beziehungen, muß man einen Wulst an Dokumenten vorlegen, die man oft gar nicht hat (welcher Unselbständige in Österreich hat eine Steuererklärung?), und das alles natürlich übersetzt und im Heimatland beglaubigt, darunter Dinge wie die letzte Stromrechnung, was ja noch die einfachste Übung sein dürfte.
Hier kennt man seine Bankberater noch, denn im Gegensatz zu bei uns, erledigt man das meiste noch persönlich auf der Bank. Der Bankdirektor sitzt gleich neben dem Eingang und hat so alles im Blick - Mitarbeiter und Kunden. Er sitzt nicht irgendwo versteckt, wo man ihn nie erreichen kann, so wie bei uns.
An manchen Tagen steht die Schlange der Bankkunden schon auf der Straße angestellt, bevor sie überhaupt durch die Sicherheitsschleuse kommt. Drinnen angelangt, zieht man eine Nummer wie bei uns auf dem Amt, dann nimmt man in einer der zwei Sesselreihen vor den Schaltern Platz und wartet, bis seine Nummer aufgerufen wird. Endlich drangekommen, zückt man am besten als erstes den Paß. Den braucht man ja, wie wir schon gelernt haben, immer.
Zum Geldabheben nimmt man sich besser eine größere Tasche mit, denn große Banknoten gibt es nicht einmal auf der Bank. Der Schalterbeamte entschuldigt sich schon, weil er einem so unmöglich große Scheine wie hundert Euro gibt. Und natürlich kommt aus dem Bankomat und am Schalter kein druckfrischer Schein zum Einsatz. Man bekommt ungeordnete alte Lappen. Aber Hauptsache, das Geld kommt überhaupt!
Übrigens habe ich gerade heute wieder die Bankbeamtin besucht, die mich kürzlich in Ermangelung meines Paßes wieder weggeschickt hat. Heute habe ich ihr den Paß hingelegt, sie hat aber nicht einmal hineingeschaut, ob es meiner ist. Aber trotzdem: Vuaschrift is Vuaschrift!