Montag, 27. April 2015

Überfallsartig in Pension gegangen:

Seit man nach dem großen Erdbeben von 1986 sichere Häuser in Skelettbauweise baut, sind die alten zusehends dem Verfall preisgegeben. Zuerst stürzt irgendwann das Dach ein, dann eine Mauer. Und wenn das in der Stadt passiert, wird der Rest vielleicht einmal aus Sicherheitsgründen  abgetragen. 

So wie hier geschehen. Man mußte schon immer die Straßenseite wechseln, damit einem nichts auf den Kopf fällt, aber nun scheint sich der Besitzer doch dazu durchgerungen haben, die Ruine abreißen zu lassen. Das war schnell erledigt, aber der Bagger steht nun schon seit mehreren Monaten in der Baulücke. Also entweder ist der Baggerfahrer überfallsartig nach dem Abriß in Pension gegangen, oder der Bagger hat inzwischen keinen neuen Auftrag bekommen und wartet hier auf seinen nächsten Einsatz. Oder der Bagger ist kaputt gegangen, und es war noch kein Geld für die Reparatur da. Jedenfalls macht sich darüber außer mir, der Ausländerin, niemand Gedanken. Vermutlich wird es mir auch nicht gelingen, mit meinen österreichischen Genen den Kopf so richtig griechisch frei zu kriegen.




Spezialransport auf dem Papaki (=Moped)




Vorsicht!

Vorsicht in der Mülltonne - 10% Steigung




Gottes Angesicht:

Jetzt weiß ich endlich, wie Gott aussieht und welchen Beruf er hat - gesehen auf dem Linienbus nach Athen




Tier-Verbote:

Englischsprachige Tiere dürfen nicht auf den Strand, griechisch- und deutschsprachige nicht ins Meer. Da kann man nur hoffen, dass die Fische im Meer eine andere Sprache sprechen.




Fahrerflucht einmal anders herum:

Ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit nur, und schon war es geschehen! Der Beste aller Ehemänner war auf das Auto vor ihm aufgefahren, als dieses unvermittelt abbremste. Er vermeinte die Stoßstange des anderen Autos knacken gehört zu haben. Just in dem Moment, als er aussteigen wollte, um den eventuellen Schaden zu begutachten, stieg aber die Fahrerin aufs Gas und brauste davon. Da war er ganz schön überrascht, der Beste aller Ehemänner! Und hat es einmal so hingenommen, dass das Schadensopfer vom Tatort sozusagen geflüchtet ist. Auf eine Selbstanzeige hat er verzichtet, mit solchen Lappalien gibt sich die Polizei hier nicht ab, der Polizeichef würde einen wahrscheinlich persönlich vor die Tür setzen, denn der hat anderes zu tun.

Wie kommt es dann, dass die Frau einfach abgehauen ist? Ich stelle mir das so vor: ein Blick in den Rückspiegel hat ihr gezeigt, dass ein Ausländer involviert ist. Das kann lästig werden, denn der möchte wahrscheinlich seinen Schaden repariert haben, auch wenn er noch so klein ist. Was sie dabei vielleicht nicht bedacht hat, war, dass sie ja gar nicht Schuld war. Der Nachkommende hat genügend Abstand zu halten. Aber bei Verkehrsregeln sind Griechen nicht so firm. Und außerdem würde es mich nicht wundern, wenn die Dame gar keine KFZ-Versicherung hatte. Die ist zwar in Griechenland genauso wie in Österreich für jeden vorgeschrieben, fällt aber in Krisenzeiten oft dem Sparstift zum Opfer. In diesem Land ist eine beträchtliche Zahl an unversicherten PKWs unterwegs. Man kann sich glücklich schätzen, wenn man mit keinem von ihnen in Berührung kommt.

Kürzlich hat mir aber eine griechische Bekannte erzählt, dass jetzt hart gegen die Nichtzahler vorgegangen wird. In Österreich ist man ja sein Kennzeichen rasch los, wenn man seine Versicherung nicht zahlt, und so dachte ich, es wäre jetzt auch hier so. Aber nein! Die drastische Maßnahme besteht darin, dass das Amt dem Fahrzeughalter eine Mahnung schickt mit einer Drohung, dass das Ganze zu Gericht geht und die Kennzeichen abmontiert werden. Bei der rasanten Abwicklung an manchen Stellen hier würde mich ehrlich interessieren, wie viele Autofahrer so schon um ihr Kennzeichen gekommen sind.

Kleine Bemerkung am Rande: zur Not fährt man halt ohne Nummerntafel!