Sinnvolle Gespräche mit dem Hund:
Da, wo ich her bin, sagt man oft zum Hund "Na, was ist mit Dir?", als ob der Angesprochene Antwort geben könnte. Hier in Griechenland sagt man "Ja, wo bist Du denn?" zum Hund, der vor einem sitzt. Na wo wird er wohl sein? Es wundert mich nicht, daß die Tiere aller Länder einen manchmal anschauen, als hätte man sie nicht ganz beieinander.
Spätes Elternglück:
Der Beste aller Ehemänner und ich sind ja sozusagen späte Eltern geworden.
Für unsere Ratten und natürlich auch uns selber haben wir eine neue Bleibe gesucht (mit Hausisolierung und Heizung und Kamin). Das Umsiedeln hat mich an meine Kindheit erinnert, wo die Kinder oft beim Ausflug im Auto auf Bergstraßen dem Papa von hinten ins "Gnack" gespieben haben. So ist es mir auch ergangen. Zum Glück haben die vier Helden vorher kein Futter bekommen.
Außerdem mußte ich beruhigend auf sie einreden, wenn sie geweint haben. "Wir sind eh gleich da!" habe ich gesagt, auch wenn es noch zehn Kilometer waren. Kommt uns bekannt vor, oder nicht? Ich hatte ja immer geglaubt, daß Hunde so gern Auto fahren. Das dürfte aber nur in Ländern der Fall sein, wo es gute und gerade Straßen gibt. Hier, wo es beständig um die Kurve geht, man in Schlaglöcher rumpelt und es einen über Asphalthügel haut (Ausbesserungen der Straße), wird sogar der vorlauteste Hund ganz ruhig. Entweder leidet er still oder er bringt bestenfalls einen Heuler heraus.
Im neuen Heim angekommen, muß man den Kindern auch die neue Hundehütte schmackhaft machen. Aber außer kurz einmal die Nase reinstecken ist nichts weiter drin. Erst als die Hütte mit mehreren weichen Teppichen ausgestattet wird und direkt neben der Haustür steht, ziehen sie begeistert ein. Auf die Weise entgeht ihnen natürlich nichts, was Frauerl und Herrl so machen, denn schließlich müssen diese ja immer bei der Hütte vorbei. Und auch die Essensausgabe kann man so nicht verpassen. Außerdem läßt sich hier aus erhöhter Lage auch gut jeder vorbeigehende Hund anbellen, man hat sozusagen Oberhand und spielt den Helden.
Und wie das so mit Kindern ist, muß man sich andauernd mit den Ergebnissen ihrer Verdauung auseinandersetzen. Regelmäßig komme ich mir vor, als würde ich beim Entminungsdienst arbeiten. Bewaffnet mit Schauferl und Kübel - zum Glück ohne kugelsichere Weste und Visier - mache ich mich im Garten auf die Suche nach ihren Hinterlassenschaften, denn die lieben Kleinen haben noch nicht kapiert, daß sie ihr Geschäft auf der Wiese nebenan machen sollen. Aber es wird schon werden, man hofft zumindest.
Berti hat ein Gummischnürl gefressen, das auch partout hinten wieder rausgekommen ist, aber leider nicht ganz, dann ist es steckengeblieben, was ihn doch etwas nervös gemacht hat. Auch hier mußte man ein wenig nachhelfen.
Unterhalten muß man sie auch und müde machen, das heißt spazierengehen, damit sie dann nur ermattet in ihrer Hütte liegen und friedlich sind. Wenn sie zu viel Energie haben, spielt es sich in der Hütte ab! Da pumpert es stundenlang, wenn sie sich aufeinander werfen und hin- und herkugeln. Die halbe Nacht hört man sie dann.
Sascha, der kleinste, genannt das Pipihendi oder das Springinkerl, hat seinen sehnlichsten Wunsch erfüllt bekommen, nämlich im Haus zu wohnen. Nur hat er sich seinen Einzug aber sicher anders vorgestellt. Er ist uns vors Auto gesprungen und hat sich einen komplizierten Oberschenkelbruch zugezogen. Er muß mindestens zwei Monate im Haus bleiben und darf sich nicht viel bewegen. Jetzt bin ich also auch noch Krankenschwester. Der Patient ist bis jetzt allerdings sehr angenehm. Die meiste Zeit verbringt er in seinem Hundepark, das ist so etwas wie eine Gehschule. Aber auch er will am liebsten mit Frauli und Herrli auf dem Sofa liegen, genauso wie ein Menschenkind. Daher gibt es am Nachmittag eine ordentliche Arbeitsteilung zwischen dem Besten aller Ehemänner und mir. Ich gehe mit den drei gesunden Ratten an die frische Luft, und er hält gemeinsam mit Sascha ein echt griechisches Mittagsschläfchen.
Aussichten:
Über die Aussichten in meinem neuen Heim kann ich mich nicht beschweren. Auf der einen Seite der Blick auf das schneebedeckte Taygetos-Gebirge, auf der anderen das Meer.
Und - welch ein Zufall - auch der Friedhof ist gleich in der Nähe! Nur ein Blick aus dem Küchenfenster! Meine erste Assoziation war "Telegraph Hill", so viele Maste stehen hier herum. Wozu brauchen Tote so viel Strom? Mit San Francisco gibt es aber weiters keine Ähnlichkeiten.
Aber neben der Kapelle steht noch ein Gebäude, das natürlich mein Interesse erweckt hat. Ich habe meinen Kopf durch dir Tür gesteckt und mir im ersten Moment gedacht, daß es sich um irgendeine Art von Rumpelkammer handeln muß. Bei näherer Betrachtung hat sich aber herausgestellt, daß das viele Kisten mit Knochen sind. Hatte ich das nicht erst kürzlich in Madeira? Es ist nämlich so: die Einheimischen müssen hier nichts für ihr Grab bezahlen. Dafür werden sie nach fünf Jahren wieder ausgegraben. Der älteste Sohn hat die Ehre, die Knochen zu säubern. Die kommen dann in kleine Kisten und in die "Rumpelkammer", wo sie regelmäßig von ihren Angehörigen besucht werden.


