Mystras:
Auf nach Mystras! Alle wissen Bescheid, was das ist? Ich jedenfalls habe erst darüber gelesen, als ich zum ersten Mal auf den Peloponnes kam. Angeblich die meist besuchte Sehenswürdigkeit. Orte wie Olympia, Mykene oder Epidauros kennt man ja aus der Schule. Aber Mystras? Über das Mittelalter in Griechenland lernt man dann doch nicht mehr so viel. Und dass am Peloponnes praktisch jedes Dorf seine Burg hat. Diese Behauptung ist vielleicht übertrieben, aber der Eindruck kann entstehen. Die meisten Burgen stammen aus dem Mittelalter, erbaut von Franken, Byzantinern, Türken. Und dann hat man sie sich gegenseitig weggenommen, und so wurden aus Kirchen Moscheen und umgekehrt usw.
Mystras war zunächst eine fränkische Burg, wurde dann aber rasch zu einer byzantinischen, also griechischen Stadt und blieb es auch lange. Erbaut auf einem großen Hügel oder einem kleinen Berg, wie man es nimmt. Die Burg thront heute noch erhaben ganz oben auf dem Berg, wenn auch nur noch als Ruine.
| Das ist nur ein Teil des Berges, die Stadt zieht sich noch weit hinunter. |
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| Aufstieg geschafft! Jetzt die Sonne genießen! |
| Auch ein paar andere erklimmen den höchsten Punkt mit der wunderbaren Aussicht auf die Stadt Sparti und das antike Sparta. |
Zwei "Einstiege" gibt es in die Stadt. Einen unter der Burg, und man darf dann erst einmal über äußerst steinige Wege den steilen Berg zur Ruine besteigen, bevor es wieder hinunter geht. Der zweite Eingang ist ganz unten am Hügel. Wie man es auch dreht und wendet, der Besuch wird ein Hatscher. Fängt man oben an, muss man zunächst zur Burg hinauf und kann dann über zahlreiche Stationen bis nach unten gehen. Dort angekommen, ist man aber weit weg von seinem Auto. Das parkt nämlich viel weiter oben. Mit der Eintrittskarte darf man bei beiden Eingängen hinein, sodass man zwischendurch mit dem Auto zum anderen fahren kann. Wie man es nimmt, man trottet trotzdem ewig bergauf und bergab. Einen Shuttledienst von ganz unten nach oben gibt es nicht. Jedenfalls nicht in der Nachsaison. Touristische Infrastruktur ist in Griechenland ja oft ein Fremdwort. Aber ehrlich gesagt finde ich es auch ganz schön, dass alles ursprünglich geblieben ist. Gepflasterte Wege in weltberühmten Ausgrabungen? Ein kleines Cafe zum Durstlöschen zwischendurch? Wo denkt man denn hin?
| Vor dem Despotenpalast |
Fußmarod darf man auch in keiner Weise sein bei dieser Sehenswürdigkeit. Und ein bisschen Ausdauer zahlt sich auch aus, denn es werden einem sportliche Qualitäten abverlangt. Und die Bewohner hatten das damals täglich! Na ja, mangels Fitnesscenter musste man sich ja irgendwie gesund halten! Die ganz sportlichen kommen im Hochsommer, idealer Weise noch mit Flip Flops, schließlich hat es ja 40 Grad! Ich persönlich habe meine Wanderschuhe vorgezogen. Am Ende der Besichtigung, zum Glück schon am Weg zum Auto, löste sich die Sohle meines Schuhs, so strapaziös war der Aufstieg! Nein, der Grund dafür war nicht der schlechte Weg, aber das ist eine andere Geschichte.
| Nein, die Kirche ist nicht schief. Ich habe nur keinen geraden Stein gefunden, um meine Kamera abzustellen. |
| Wie in vielen südlichen Ländern hängt man den Körperteil, der einem weh tut, oder das, was man sich wünscht, in der Kirche auf. |
So, inzwischen wisst ihr, dass der Besuch von Mystras anstrengend sein kann, aber was gibt es nun dort alles zu sehen? Der ganze Berg war eine dicht verbaute Stadt. Die Lage orientierte sich am Vorhandensein von Wasser und der schweren Einnehmbarkeit. Teile der Stadt sind nur noch Ruinen, andere sind teilweise erhalten oder werden wieder aufgebaut, so der Palast des Despoten. Einige wunderbare Kirchen sind so in Teilen wieder auferstanden. Die Stadt war Bischofssitz. Und ein Kloster ist noch heute von Nonnen bewohnt. Sie sind die einzigen Einwohner der Stadt, die schon an Bedeutung verlor, als sie von den Türken eingenommen wurde, und die während des Unabhängigkeitskampfes der Griechen im 19. Jahrhundert stark beschädigt wurde. Ihre Überreste sind heute UNESCO-Weltkulturerbe.
Wer weit außerhalb der Saison kommt, wird mit wenigen Mitbesuchern belohnt. Und mit einer wunderbaren Aussicht auf Sparti (ja, das ehemaligen Sparta mit seinen harten Kämpfern!) und die Gebirge rundherum. Die Anstrengung hat sich ausgezahlt, nur in neue Schuhe muss ich investieren, damit ich noch viele andere nicht ausgebaute griechische Sehenswürdigkeiten erforschen kann!
Sparta:
Ganz schön aufregend, einmal all die Orte in natura zu sehen, die einem vor langer Zeit in der Schule nahegebracht wurden! Sparta, die Spartaner, die spartanische Lebensweise! Die gründlich ausgewählten Männer von Sparta wurden schon von Jugend an gedrillt und zu harten Kämpfern gemacht und mussten dieses Leben bis zum sechzigsten Lebensjahr durchhalten. Keine Weicheier also!
Der große Held von Sparta ist Leonidas. Er steht im modernen Sparta als Statue vor dem Stadium. Ob sich die heutigen Sportler auch so abhärten? Auf dem Sportplatz ist was los, immerhin, denn die meisten Griechen sind Sportmuffel. Aber zurück zu Leonidas! Er opferte sich und seine 300 Männer in einem aussichtslosen Kampf in der berühmten Schlacht bei den Thermopylen, um den Rückzug der Griechen vor dem persischen Heer von Xerxes zu decken. Ein klassischer griechischer Held!
Ich stand gerade allein vor Leonidas und bewunderte ihn, nur ein vorbeikommender mazedonischer Albaner fotografierte mich vor dem Helden. Da fuhr ein Bus vor. Dem entstieg eine japanische Reisegruppe. Sicherheitshalber hatten die meisten von ihnen gelbe Warnwesten an. Sollte das verhindern, dass einer von ihnen verlorengeht? Nun ja, es war an diesem Tag keine andere Reisegruppe in Sparta, und ganz bestimmt kein einziger sonstiger Japaner. Aber sicher ist sicher, und so behielten sie die Westen auch gleich beim Abendessen im Hotel an.
| Aufzeigen, wer ein Bier will! |
Im heutigen Sparti weist außer Leonidas und dem Museum nichts auf die ruhmvolle Vergangenheit hin. Aber gleich vor der Stadt ist zu besichtigen, was vom berühmten Sparta übrig geblieben ist. Praktisch, wie das Leben in Griechenland oft ist, kann man mit dem Auto bis direkt in die Ausgrabung fahren. Eintritt ist auch keiner zu bezahlen. (Eintritte in griechische Museen sind übrigens absolut leistbar!). Rundherum wird an verschiedenen Stellen gegraben und ein bisschen wieder aufgebaut. Von den kargen Resten der Akropolis, der Burg, hat man einen wunderschönen Ausblick auf das neue Sparti und das Taygetos-Gebirge, das ich überwinden musste, um hier her zu gelangen. Auch mein Martyrium vom Vortag, der Berg mit der Stadt Mystras, ist deutlich zu sehen.
| Am praktischsten fährt man gleich direkt mit dem Auto in die Ausgrabung. |
| Mystras - der ganze Berg war eine Stadt. |
Wie jede Stadt in Griechenland hat auch Sparti ein archäologisches Museum. Da hat es mich aber gerissen, als ich plötzlich an Charlton Heston vorbeiging. Aber die Beschriftung zeigte, dass es sich gar nicht um ihn handelte, sondern um einen gewissen Julius Cäsar!
Außerdem wird man im sonst etwas verstaubten Museum mit schönen antiken Körpern verwöhnt!
Auch Lakonien, die Provinz, in der sich Sparta befindet, ist Olivenland. Und wer mehr über die Geschichte dieses Baumes erfahren will, ist in einem zur Abwechslung wunderbar modernen Museum gut aufgehoben, dem Olivenmuseum von Sparti.
| Die Ausgrabung von Sparta liegt inmitten von Olivenhainen, einige Bäume davon schon Jahrhunderte alt. |











