Donnerstag, 27. März 2014

Heute war ich schon im Meer! Allerdings nur mit meinem rechten Fuß und das nur für eine Sekunde. Den hat es unerwartet erwischt, als ich dieses Foto mit Selbstauslöser gemacht habe. Das nenne ich fotografische Aufopferung, ich bin begeistert von mir!






Nun komme ich einmal zu den typisch griechischen Klischees. Wie man weiß, ist davon nicht alles richtig, aber doch einiges! Es gibt hier aber auch viele Leute, die den negativen Klischees nicht entsprechen, das muß auch gesagt werden.


Griechische Geschäftstüchtigkeit:

Die griechische Geschäftstüchtigkeit gibt es - sagen wir mal - nur in beschränktem Ausmaß.
Der eine Gärtner erklärt mir, als ich meine Lücken in den Beeten mit Pflanzen auffüllen will, daß ich eigentlich eh nichts brauche oder das ja im nächsten Jahr erledigen kann.
Der andere Gärtner antwortet nur mit "Nein", als ich ihn frage, ob er auch Englisch kann. Erst als ich ihm verständlich mache, daß er jemanden holen oder anrufen soll, telefoniert er mit seiner Tochter, damit ich der erklären kann, was ich will.
Wenn es etwas nicht gibt oder nicht so gibt, wie man es sich vorstellt, kommt selten jemand auf die Idee, einem doch etwas Ähnliches anzubieten. Am besten schaut man sich selbst im Geschäft um, was man alles so brauchen könnte.
Andererseits wird man hier selten das Opfer von ruchlosen Marketingmaßnahmen, denn Marketing ist für viele ein Fremdwort. Das ist dann irgendwie auch wieder sympathisch!
Der Grieche wartet auch gerne auf das Wunder, das ihm ohne viel Arbeit ein gutes Einkommen bringt. Hier in der Gegend soll das Wunder in Form von reichen Russen in Erscheinung treten. Es trifft allerdings nur sehr selten ein. 
Aber der Juwelier lernt lieber Russisch als Englisch, denn wozu sich mit zwanzig Leuten abgeben, mit denen man Englisch sprechen muß? Dann doch lieber mit dem einen reichen Russen, der noch dazu so beschränkt ist, daß er zu überhöhten Preisen kauft. Träumen von warmen Eislutschern nennt man das bei uns.
Oder der Betreiber des leeren Frozen Yogurt-Geschäfts, dem ich letzten Juni darauf aufmerksam gemacht habe, daß nicht jeder diesen Ausdruck versteht und er doch vielleicht besser zeigen soll, was er eigentlich verkauft. Er erklärt mir, daß ihm das schon mehrere Leute gesagt hätten, daß er das vielleicht im nächsten Jahr machen werde, schultert sein Handtuch und geht an den Strand.
Auch wieder irgendwo sympathisch. Von "Burnout" hat hier noch kaum jemand etwas gehört. Bestenfalls glaubt man, es sei jemandes Haus abgebrannt.
Sympathisch vielleicht schon, aber definitiv nicht ziel- und unter anderem in die Krise führend, wie wir wissen. 
Und man sollte halt auch rechnen können, ob das, was man macht, profitabel ist. Aber kaufmännisches Rechnen ist auch nicht jedermanns Sache. Siehe dazu die hausgemachte Nudeln verkaufende Hausfrau, die nicht richtig auf einen Zwanziger herausgeben kann. 
Und wenn es sich finanziell nicht ausgeht, zieht man halt wieder zu den Eltern und zweigt etwas von Omas Rente ab. Irgendwie kommt man schon über die Runden.


To xero:

Der Beste aller Ehemänner hat die Theorie entworfen, daß sich ein Grieche zuerst überlegt, was er am schlechtesten kann, und dann genau in dem Bereich ein Geschäft aufmacht. Hier fühlen sich nämlich offensichtlich viele Leute zu Tätigkeiten berufen, zu denen sie kein Talent haben, und eine Ausbildung sowieso nicht.
Dazu gibt es die Gegentheorie "Der Grieche weiß alles und kann alles.". Er braucht sich also nicht zu überlegen, was er gut oder schlecht kann, er kann sowieso alles.
To xero - ich weiß! Diesen Satz hört man in einer Diskussion zwischen Griechen im Minutentakt, was wohl die zweite Theorie bestätigt. Und eine Meinung zu auch unwichtigen Dingen hat man auf jeden Fall einmal. Und der, der auf alle Meinungen hört, der hat es nicht leicht, denn er wird nie wissen, was er tun soll.


Bezahlung für Arbeit: 

Die Arbeitslosigkeit hier ist sehr hoch, aber trotzdem gibt es viele Arbeiten, zu denen sich nur Ausländer hergeben. So gibt es gestaffelte Raten für die Arbeit von Griechen, Albanern und Pakistanern bzw. Bangla Deshern. 
Der Grieche sollte am meisten verdienen, ist aber auch schon immer wieder in der Situation, daß er nur arbeitet und bezahlt wird, wenn es Arbeit gibt. So manch einer ist zum Tagelöhner geworden. Er erfährt kurzfristig, ob und welche Arbeit es gibt. Gibt es keine, gibt es auch kein Geld.
Die Albaner sind auf die Olivenernte und den Steinmauerbau spezialisiert. Sie bekommen € 50 pro Tag, haben dafür aber üblicherweise auch Arbeitsmaterialien mit.
Die Pakistaner und Bangla Desher wiederum sind für die niedrigsten körperlichen Arbeiten zuständig und verdienen € 25. Dafür werden Steine geschleppt, Holz gehackt und ähnliches.
Und dann gibt es noch wenige West- und Mitteleuropäer - oft Frauen, die mit Griechen verheiratet sind - die im Service arbeiten oder putzen oder Lokale betreiben. Diese sind beliebt bei Ausländern, die hier ein Haus haben, denn sie garantieren einen gewissen Standard.
Tja, so läuft das hier. Wer also gerne in den griechischen Arbeitsmarkt eintreten will, weiß jetzt bescheid, was ihn erwartet.