Die liebevolle Wachablöse:
Sie sind eine Eliteeinheit, die Evzonen, die vor dem Grab des unbekannten Soldaten am Fuße des griechischen Parlaments Wache halten. Und die Wachablöse ist eine Touristenattraktion. Eine seltsame Zeremonie, finde ich. Na gut, Strumpfhosen trägt auch Robin Hood im Film, und der war ein Held. Dazu noch Bommeln an den Wadeln und den Schuhen und ein ganz langer am Barett. Soll auch sein, eine gewöhnliche Militäruniform trägt ja eh jeder. Und dann noch ein Rockerl und drei Kilo schwere Holzschuhe, mit Nägeln und einem Hufeisen beschlagen (so sieht es zumindest aus).
Wenn sie damit fertig sind, folgt der seltsame Teil der Zeremonie. Ein dritter Soldat in normaler Uniform tritt auf und richtet die beiden anderen nacheinander ein. Er fasst sie an den Schultern und stellt sie zentimetergenau an die richtige Stelle neben ihren Wachhäuschen. Dabei spricht er mit ihnen, sie müssen aber ernst geradeaus schauen. Erzählt er ihnen einen Witz, um zu testen, ob sie ernst bleiben können? Vielleicht ist es aber auch etwas Liebevolles, denn danach wird das Barett auf dem Kopf gerichtet, mal ein bisschen mehr nach links, vorne oder rechts. Oder entschuldigt er sich beim Kameraden, weil er ihm so nahe treten muss? Ein griechisch sprachiges Mäuschen wäre ich gerne gewesen! Dann kommt die lange Quaste des Käppis dran. Mit ihr streicht er dem Träger fast zärtlich übers Gesicht, bevor er sie ihm auf die Schulter legt. Noch ein bisschen an der Uniform zupfen und in Ordnung bringen. Das alles nicht unbedingt zackig militärisch, sondern eher so wie es Mama bei ihren Kindern macht, wenn sie in der Früh in die Schule gehen.
Ja, und dann müssen sie eine Weile da so stehen, bis zur nächsten Wachablöse. Und dann darf man sich mit ihnen fotografieren lassen. Aber nur in einem gewissen Abstand, und nicht angreifen, und ernst muss man dabei sein, man bekommt genaue Instruktionen vom dritten Soldaten. Nur er darf den Wächtern nahe kommen. Als ein junges asiatisches Mädchen, das die Anweisungen anscheinend nicht verstanden hat, sich zu sehr annähert, wird sofort eingegriffen. Und wenn es ganz schlimm wird, lauert schon eine Spezialeinheit Polizisten hinter den Bäumen, um wieder Ordnung zu schaffen. Das hängt aber wohl eher nicht mit aufdringlichen Mädchen zusammen, sondern mit der Tatsache, dass auf dem Syntagma-Platz vor dem Parlament immer wieder Demonstrationen stattfinden, in die sich leider auch Gruppen mischen, die gewalttätig werden.
Auf zur Demo und zum Streik!
Seit Jahren wird in der Athener Innenstadt gegen die Sparauflagen demonstriert. Meist friedlich, manchmal mischen sich, wie gesagt, auch Anarchisten, Terroristen oder wie man sie auch nennen mag, unter die Demonstranten, werfen Molotow-Cocktails und zünden Autos und Häuser in der Umgebung an. Rund um den Syntagma-Platz, also mitten in der Innenstadt gibt es eine ganze Menge Geschäfte und Häuser, die inzwischen nur mehr verbarrikadiert und abgebrannt da stehen, weil keine Versicherung den Schaden übernimmt und weil die Gefahr zu groß ist, dass sie wieder angezündet werden. Und die Wirtschaftskrise tut ihr übriges, dass es zu keinem Wiederaufbau kommt.
Heute ist leider genau in der Gasse, wo ich die Tiefgarage benutzen will, eine Demo (wer glaubt, dass im achten Bezirk in Wien Parkplatznot herrscht, der fahre nach Athen!). Nachdem ich eine andere teure Garage gefunden habe, sehe ich mir das Ganze einmal an, sicherheitshalber nur aus der Entfernung, man weiss ja nie. "Ochi - nein" lese ich auf einem der Transparente. Die Demonstranten treten friedlich auf, ein Teil von ihnen sitzt in den umliegenden Cafés. Auf ihren Mopeds wehen schwarze Fahnen. Was sie sagen, verstehe ich leider nicht. Und die Polizei, die sich natürlich in einiger Entfernung eingefunden hat, hört wahrscheinlich gar nicht mehr zu, so oft haben sie die Parolen schon gehört.
Gegen die Sparmassnahmen wird übrigens auch öfter gestreikt. Am liebsten im öffentlichen Dienst und in den Banken. Dort sind es meist aber nur einzelne Gewerkschaftsmitglieder, die nicht zur Arbeit erscheinen. Interessanterweise gibt es auch Streiks von privaten Geschäftsinhabern, in Österreich nicht vorstellbar. Welche Geschäftsleute verzichten schon freiwillig auf Umsatz? Griechen sind da anders, für manche ist Stolz wichtiger als Geld.
| Fertig gestreikt für heute - morgen ist auch noch ein (Demo)-Tag! |
Zum Streiken wird - auch sehr interessant - immer wieder von der Regierungspartei aufgerufen. Nicht von der Regierung, aber der Partei, die an der Macht ist und die Sparmassnahmen durchsetzt. Da ist für jemanden wie mich, die mit der Idee der Sozialpartnerschaft aufgewachsen ist und wo es bestenfalls einmal in tausend Jahren einen Streik von Arbeitnehmern gegenüber Arbeitgebern gibt, erst einmal ein großes Umdenken angesagt. So laviert sich auch der griechische Premier durch. Er führt die Sparmassnahmen ein, lässt aber gleichzeitig wissen, dass er eigentlich eh gegen diese ist, indem er seine Partei zum Streik aufrufen lässt. Und es wird ja gar nicht gegen die Regierung gestreikt, sondern gegen die Kräfte von außen, die Schuld an dem ganzen Desaster sind, also die Deutschen und Konsorten!
Neues Familienmitglied:
Die Familie hat sich vergrößert! Entstanden nicht durch gut durchdachte Familienplanung, sondern durch das Einfach-vor-der-Tür-Stehen einer Katze.
Miezi schlüpfte eines Abends durch unseren Zaun und fand sich auch sogleich im Maul unseres Hundes Linos, von wo sie der Beste aller Ehemänner noch retten konnte. Miezi war erst vier Wochen alt und zog somit bei uns ein. Das bedeutete ein hartes Training für unsere Hunde, die Katzen ja als Beute sahen. Inzwischen sind sie fast schon Freunde geworden und Miezi teilt manchmal kräftig Hunde-Ohrfeigen aus. Zwei Geschichten über Miezis Einzug und ihre Pubertät findet ihr hier:
https://www.fischundfleisch.com/judith-innreither/miezikatze-7582
https://www.fischundfleisch.com/judith-innreither/hyperaktives-kind-lieber-eine-ohrfeige-oder-doch-gleich-den-pracker-verwenden-8457
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Auf ins Paradies!
Dieser Ort wird Paradiesia ausgesprochen. Ob es wohl wirklich paradiesisch dort ist? Oder ist es Paradeiser-Land? Vermutlich das Paradeiser-Paradies. Sollte ich einmal hinkommen, lasse ich euch wissen, wie es war.
Strandparadies
Apropos Paradies - entlang des westlichen Peloponnes reihen sich Sandstrände an Sandstrände, viele davon unverbaut. Obwohl es angeblich Pläne dafür gibt. "Gab" müsste man vermutlich sagen, der Krise sei Dank!
Olympia
Olympia, die Geburtsstätte der Olympischen Spiele. Die ganze Welt kommt hier her, viele auf Kreuzfahrtschiffen. Wer den Ort aber außerhalb der Hochsaison besucht, hat es recht gemütlich, denn dann sind nicht viele Leute unterwegs.
Die Ausgrabung von Olympia ist wunderbar! Erstens, weil es wirklich interessant ist (man sollte sich allerdings etwas einlesen, was die einzelnen Ruinen früher einmal waren). Zweitens, - und das ist ganz wichtig - es gibt viele Bäume auf dem Gelände und man ist der Sonne nicht erbarmungslos ausgeliefert wie an manchen anderen Ausgrabungen. Das ist ein Kriterium, das man nicht unbeachtet lassen sollte, denn manch einer hat es einfach nicht ausgehalten, auch im Frühjahr oder Herbst.
Nach der Besichtigung gibt es noch aufschlussreiche Museen zu besichtigen, durch die man alle zusätzlichen Informationen bekommt, um sich ein gutes Bild von der Bedeutung des Ortes zu machen.
| Auf ins berühmteste Stadion der Welt! |
| In diesem Museum erfährt man alles über den Ablauf der Olympischen Spiele. |
| Es wird noch immer gegraben. |
| Die Werkstatt des Phidias, wo er die riesige Zeus-Statue für den Tempel schuf. |
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| So hat es einmal ausgesehen! |
| Fries des Zeus-Tempels |
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| Marc Aurel ist heute etwas kopflos. |
Und danach geht's in die Taverne! Man wird in allen Sprachen bedient, und in allen Sprachen gehen einen auch die Händler auf die Nerven, die einen eventuell mit ihren Preisen übers Ohr hauen wollen. Ihre Hauptopfer sind aber eh die Amerikaner, die oft auch griechische Wurzeln haben, und ein "typisch griechisches" Souvenir mit nach Hause nehmen wollen, zum Beispiel Schmuck, den in Griechenland kein Mensch trägt.
Nichtsdestotrotz zahlt sich ein Besuch aus, auch schon wegen der sehr hübschen, bergigen und grünen Gegend. Und fühlt es sich nicht toll an, Wege zu beschreiten, wo schon Nero oder sonstige Wahnsinnige der Geschichte unterwegs waren? Nicht zu vergessen die Sportler, die damals vielleicht noch mit weniger Doping als heute ausgekommen sind.
Wenn ich gewusst hätte, dass der Leiner auch nach Griechenland liefert ...
Besuch eines Oligarchen in seinem von Philippe Starck designten Boot - bombensicher und extra luxuriös. Schön ist anders, finde ich. Aber geschenkt würde ich es auch nehmen, da wär' ich nicht so ...
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| Beeindruckender Fuhrpark |
Mann mit Messer und Gewehr!
Kürzlich gehe ich mit den Hunden spazieren und biege in einen Feldweg ein, da steht ein Mann mit einem großen Messer vor mir! Oh Schreck, normalerweise begegnet mir niemand auf meinen Streifzügen. Aber es ist Winter. Es regnet viel, und das Unkraut wuchert. Das Unkraut ist aber nicht für jeden Unkraut, denn viele Griechen kennen sich gut mit den Pflanzen aus und gehen Horta-Schneiden. Ich habe also einen Horta-Sammler vor mir. Auch wenn ich ihn nicht gleich als solchen erkannt habe, denn er versteckt sich hinter einem Busch. Das wiederum hat mit der Angst vieler Griechen vor Hunden zu tun. Sascha, die Neugierdshundenase hat den Herrn gleich ordentlich beschnüffelt, und das war ihm nicht geheuer.
Horta bekommt man in den meisten Tavernen das ganze Jahr über. Horta steht für gekochte grüne Blätter. Oft ist es Spinat, es können aber auch Löwenzahn oder Brennnesseln sein. Manche Blätter sind bitter, sodass sie mehrfach gekocht werden, bevor sie auf den Teller kommen. Gewürzt wird das Ganze mit viel Zitrone. Wir würden es als Beilage sehen, aber es kommt meist vor der Hauptspeise auf den Tisch. Eine Speisenfolge gibt es ja nicht unbedingt in Griechenland.
Aber zurück zu den Männern in der Botanik. Im Winter wird man oft noch von Jägern überrascht, die auf Singvögel ballern. Man scheint ja sonst keine Hobbys zu haben. Die Jäger fürchten sich nicht so vor Hunden, sie schießen eher auf sie. Da ist es besser, man verlegt seinen Spazierweg umgehend. Und ich kenne auch Leute, die von Jägern angeschossen wurden, natürlich unabsichtlich, und meistens andere Jäger. Aber sicher ist sicher, Verrückte gibt es überall.









