Der 500er-Schock:
Wer einen erstaunten Blick und danach ein ablehnendes Kopfschütteln von Griechen erleben will, der bezahle mit einem Fünfhunderter! Na gut, beim Bäcker, wo das Brot 80 Cents kostet, wäre es gemein. Aber auch in Geschäften, wo man 300 oder 400 Euro bezahlt, stößt man auf ratlose Gesichter. Zuerst wird die Banknote erstaunt angeschaut, vermutlich hat man so etwas nie bis sehr selten in der Hand gehabt. Dann kommt ein "Dio lepta!" - "Zwei Minuten!", und dann sieht man den Geschäftsinhaber mit dem seltenen Schein von einem Nachbargeschäft zum anderen laufen. Manchmal klappt es und er hat Wechselgeld mitgebracht. Meist klappt es nicht, und es wird ein Anruf getätigt. Dann wieder die berühmten "zwei Minuten" und es braust ein Familienmitglied auf dem Moped heran und bringt das erlösende Wechselgeld! Da hat man dann etwas zu erzählen im Kafeneion über die verrückten Ausländer mit ihren abartigen Scheinen!
Der Papa zählt das Geld:
Dieses Land ist das Land der Familienunternehmen. Alles, was an Geschäften nicht wirklich groß oder eine Kette ist, wird von einer Familie geführt. Zuerst fiel mir das gar nicht so auf, aber als ich dann in einem etwas größeren Unternehmen war und dort alle auffallend dieselbe Nase hatten, ist es mir gedämmert. Oft ist es ein Ehepaar (das aber optisch nicht so wirkt), eine ältere Dame, wo der Ehemann immer als Staffage auf einem Sessel irgendwo im Geschäft sitzt und zusieht, oder Vater und Sohn, und manchmal sind es auch alle. Und wohnen tut man gleich über dem Geschäft. Aus diesem Grund ist auch der Sohn, der ein bißchen Englisch spricht, nach einem kurzen Anruf immer gleich zur Stelle.
Aufgefallen ist mir auch schon, daß der Papa immer für das Geld zuständig ist und an der Kassa sitzt. Er muß immer gefragt werden, wenn es um einen möglichen Rabatt geht. Irgendwie komisch, wenn ein erwachsender Mann wegen jeder Kleinigkeit den Papa fragen gehen muß, auch wenn der schon ein Tattergreis ist. Aber was uns befremdlich vorkommt, ist hier ganz normal. So hat man sich schon daran gewöhnt, zum fünfzigjährigen Sohn zu sagen "Geh' doch mal den Papa fragen!".
Die griechische Siesta:
Und so ist mir nun auch klar, warum man hier zwei mal am Tag arbeiten geht. Die meisten Geschäfte machen nämlich am Nachmittag eine drei- bis vierstündige Siesta. Vier mal am Tag im Auto oder am Moped sitzen, um zur und von der Arbeit zu fahren, ist ja doch etwas aufwändig. Aber das muß man ja nicht! Man arbeitet im Familienbetrieb und wohnt oben drüber. Das Arbeitsleben kann so einfach sein! Man muß es nur mit dem Papa aushalten können.
Die Möwen-Gang ist wieder unterwegs! Schon von weitem hört man sie schreien.

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