Sonntag, 9. März 2014

Fasching:

Der Fasching wird hier groß gefeiert. Am Faschingssamstag steigen überall Partys und es erwachen auch Lokale zum Leben, die ich sonst bis jetzt nur geschlossen gesehen habe. Der Faschingsmontag ist sogar ein Feiertag. In vielen Orten gibt es Umzüge. Den im nächsten Ort habe ich versäumt, denn es hat in Strömen geregnet. Ich habe aber danach noch ein paar Wägen des Umzugs gefunden ….






Sogar Faschingskrapfen gibt es. Sie sind nur halb so groß und nicht mit Marillenmarmelade gefüllt, und noch dazu gratis beim Bäcker.



In der darauf folgenden Fastenzeit werden viel Gemüse und Meeresfrüchte gegessen, denn die Speisen sollen kein Blut und keine Milch beinhalten.

Archäologie in Obststeigen:

Vor einiger Zeit beschloss ich, das Archäologische Museum aufzusuchen, um mich über die örtlichen Funde kundig zu machen. Dabei stieß ich auf einen Herrn, der im Freien Scherben zu einem Krug zusammensetzte. Er erzählte mir, daß er mehr oder weniger nur noch ein archäologischer Tagelöhner sei, der durchs ganze Land ziehe, um jeweils für einige Wochen schlecht bezahlte Arbeit zu finden. Er verwies mich an einen deutschen Kollegen, den ich auch im Museum fand. Dieser hat fünf Jahre eine Notgrabung geleitet, und zwar auf dem riesigen Gelände des jetzigen Luxushotels Costa Navarino. Die Scherben versucht er jetzt zusammenzusetzen. Das ist Arbeit für Jahre. Er ist umgeben von unzähligen meterhoch aufgestapelten Türmen von Obststeigen, in denen die Scherben gelagert sind. Fotografieren durfte ich die Obststeigen nicht, dazu hätte ich eine Genehmigung des Ministeriums gebraucht. Und es soll ja vor der wissenschaftlichen Publizierung nicht an die Öffentlichkeit dringen, was alles gefunden wurde, obwohl ich ja eh nur die Obstkisten fotografieren wollte. Der deutsche Herr ist übrigens in Wien angestellt. Die Griechen haben natürlich kein Geld mehr für die Archäologie, die Deutschen haben inzwischen auch schon des öfteren aufgegeben, aber die Wiener Akademie hat noch Geld. Mal sehen, wie lange noch 





Geschichten von der Krise - Teil 1:

Warum ein Hotel daran Schuld ist, daß ich kein Heizöl bekomme:

Der Tankstellenbesitzer kann meinen 800l-Öltank nicht befühlen, weil er kein Geld hat, das Öl vorzubestellen (in Wirklichkeit Diesel fürs Auto, denn das kostet hier gleich viel, ist aber besser in der Qualität). 800l verkauft eine Tankstelle in Österreich vermutlich in einer halben Stunde. Wie kommt es, daß er kein Geld hat? Er hat vor der Krise ein Hotel gekauft, und zwar mit einem Kredit von der Bank. Die Bank hat den Kauf zu 100% finanziert Seit zwei Jahren kann der Mann nun seinen Kredit nicht zurückbezahlen, hat alle Zahlungen an die Bank eingestellt und bekommt infolge dessen auch kein Geld mehr. Nun hat er sich an einen von sechs Anwälten in Griechenland gewendet, die Kreditnehmer vertreten, die nicht mehr bezahlen können oder wollen. Der Anwalt habe ihm geraten, gar nichts mehr zurückzuzahlen, die Chancen stünden gut, daß die Bank eines Tages gar nichts mehr von ihm fordern würde.

Warum ein junger Installateur vermutlich bald keine Ölheizung mehr reparieren kann:

Der Installateur erzählte kürzlich, daß er schon seit ewigen Zeiten weder ein Service noch eine Reparatur einer Ölheizung gemacht hat. Im Winter viel eingeheizt hat man hier nie, aber jetzt verheizen die Leute bestenfalls Holz. Das Öl können sie sich nicht mehr leisten.

Die Geschichte geht weiter 

Erinnert Ihr Euch noch an den Tankstellenbesitzer, der kein Öl liefern konnte, weil er es nicht vorfinanzieren konnte? Nun, als er es letztendlich dann doch lieferte, hatte er wieder nicht die bestellte Menge mit, und noch dazu hatte er seinen Zähler manipuliert. Als der Beste aller Ehemänner das bemerkt hat (leider erst, nachdem der Öllieferant wieder abgefahren war), wurde er fuchsteufelswild, hat die Tankstelle aufgesucht und die Summe zurückverlangt, um die wir beschissen wurden, und ist letztendlich mit der Hälfte der Summe nach Hause gekommen. Der Tankstellenbesitzer hat dann aber offensichtlich nachgedacht, daß ihm dadurch ein Kunde abhanden kommen könnte und dieser die Geschichte ja sogar noch anderen Ausländern weiter erzählen könnte - den fast einzigen, die im Moment gute, liquide Kundschaft sind. Deshalb durfte der Beste aller Ehemänner sich noch zusätzlich einen Hochdruckreiniger aussuchen, den es auch auf der Tankstelle zu kaufen gibt. Der Beste aller Ehemänner - wieder zu Hause mit der Schachtel eingetroffen, stellt fest, daß Teile von dem Gerät fehlen. Er fährt wieder zurück und will sich die fehlenden Stücke aus einer anderen Schachtel herausnehmen, aber - siehe da - auch diese sind schon ganz zerfleddert und nur noch bruchstückhaft vorhanden. Der Tankstellenbesitzer hat versprochen, die fehlenden Teile innerhalb einer Woche zu besorgen ……





Und hier kommt die Fortsetzung:

Öl haben wir, aber die Heizung funktioniert trotzdem nicht. Jetzt muß der Installateur her, und zwar der beste, der auch prompt kommt. Er soll das Ganze zum Laufen bringen und die Heizung richtig einstellen. Also, Messgeräte hat er mal keine, er arbeitet nach Gefühl, und auch Werkzeug dazu borgt er sich vom Besten aller Ehemänner aus. So ein Heizungsbrenner hat ja allerhand Schrauben, da kann man einmal ein bißchen herumdrehen. Lieber heraus- oder hinein drehen? Er entscheidet sich für heraus. Dann noch ein paar Schläuche montieren, von denen der Beste aller Ehemänner aber in Erinnerung hat, daß sie vorher anders angebracht waren. Dann noch ein Glas herausnehmen. Letztendlich läßt er sich vom Besten aller Ehemänner überzeugen, daß er es doch anders machen soll, und die Heizung legt einmal los. Nun kommt der Abgastest. Bei uns würde jetzt einer eine Sonde in das Heizungsrohr stecken. Hier aber läuft der Installateur zig Mal nach draußen, um zu kontrollieren, wie der Rauch aussieht, der aus dem Rauchfang kommt. Aufregend - wie im Vatikan! Ist er schwarz oder ist er weiß? Kommt viel oder wenig? Kommt überhaupt etwas? Irgendwann ist er mit dem Rauchergebnis zufrieden (Habemus papam!) und zieht von dannen. Honorar verlangt er fast keines. Irgendwie ist nämlich ersichtlich, daß er vielleicht nicht den vollen Durchblick hat. Eine halbe Stunde später gibt die Heizung wieder den Geist auf ….


OSCAR sitzt im Keller und heizt uns leider nicht ein

Habemus papam, aber keine Wärme!



1 Kommentar:

  1. Tolle story, aber passend zu dem was wir so von diesem Land verstehen und glauben. Das Gerät sieht ja gut aus, aber es scheint am trainierten Personal zu hapern. Also, Anleitung drei-mal lesen, an's Internet gehen und selbst das Einstellen lernen. Willst Du 'ne Adresse von einem trainierten Fachman hier in TO, der aus der gegend kommt? Eventuell Ratschläge per e-mail.

    Gruß

    Endrick

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