Dienstag, 24. Februar 2015

Der griechische Kinder-Sicherheitszaun:

Griechische Männer haben ja bekanntlich zwei linke Hände. Eine Glühbirne auszuwechseln ist bereits eine "spannende Herausforderung" (diesen Ausdruck habe ich bei meiner früheren Arbeit als positive Umschreibung für "Problem" gelernt).
So fiel mir eines Frühjahrs in meiner Wiener Nachbarschaft ein Grieche auf, der ein eigenartiges Netz auf seinem Balkon zu montieren versuchte. Das Ganze glückte allerdings erst nach mehreren Versuchen. Ich fragte mich, zu welchem Behufe er wohl diese Konstruktion gemacht hatte. Für eine Katze wäre es ja ein Leichtes gewesen, über den halbhohen Zaun auf der Terrasse zu klettern.
Die Erklärung fand ich hier in Griechenland, wo solche Balkon-Bastelarbeiten häufig zu bestaunen sind, und zwar vor Wohnungen von Familien mit kleinen Kindern. Während der Österreicher eher auf Gut-auf-sein-Kind-Aufpassen setzt, geht der Grieche auf Nummer Sicher. Die dabei verwendeten Plastiknetze sind überall erhältlich. Mangels Kinder habe ich eines für die Hunde eingesetzt. Funktioniert hervorragend!





Noch einmal auf dem Finanzamt:

Ihr erinnert euch an meine Freundin Maria, die unverrichteter Dinge wieder vom Finanzamt abziehen musste und das wichtige Dokument der Nicht-Steuerschuld nicht erlangen konnte? Nun, sie hat einen zweiten Anlauf gemacht. 
Gleich um acht Uhr früh stand sie vor den Pforten des Amtes, um keine Zeit zu verlieren beim Abarbeiten der verschiedenen Schalter auf den verschiedenen Stockwerken. Zunächst musste sie einmal eine halbe Stunde warten, obwohl sie die erste war, denn die Beamtenschaft des Finanzamtes musste zuerst einsatzfähig werden, das heißt Kaffee kochen und trinken, kurz (oder länger) sich über den vorangegangenen Abend der Kollegen kundig machen und den Computer einschalten.
Dann war es so weit. Die Dame hinter dem Schreibtisch beäugte äußerst kritisch die vorgelegten Dokumente und ließ aus ihrer Miene erkennen, dass sie eventuell nicht zufrieden sein würde. Dann blickte sie lange auf den Bildschirm - der Computer war übrigens noch gar nicht hochgefahren - und schaute noch stirnrunzelnder drein. Danach startete die Inquisition. Hat meine Freundin ein Haus? Hat sie ein Auto? Hat sie gar eine Firma, mit der sie Steuern unterschlagen könnte? Aber Maria beantwortete alle Fragen standhaft mit Nein, denn schließlich entsprach dies auch der Wahrheit. Zu Guter Letzt ließ sich die Beamtin doch dazu hinreißen, das begehrte Formular auszudrucken.
Maria hat sich diesen Tag rot in ihrem Kalender angestrichen und wird von nun an den Jahrestag bis zu ihrem Lebensende feiern.


Wahnwitziges Unternehmen Firmengründung:

Mein nicht-griechischer Freund Max hat beschlossen, der griechischen Krise ein Schnippchen zu schlagen und trotz allem hier eine Firma zu gründen. Das Ganze unter vielen Fragen von Griechen, warum er sich ausgerechnet dieses Land ausgesucht hat, und mit vielen Voraussagen, dass er kläglich scheitern wird. Was ihm keiner gesagt hat, ist, dass er schon fast an der Bürokratie zur Gründung der Firma scheitern würde. Griechenland, das ausländische Investoren bitter nötig hätte, tut wirklich alles, um die paar Mutigen, die es trotzdem wagen, auch noch zu vertreiben. Ein bisschen kann ich es auch verstehen, denn man versucht manisch, jede Steuerhinterziehung oder jedes Weißwaschen von Schwarzgeld zu verhindern. Aber man schießt sich damit ein fulminantes Eigentor.
Zuerst benötigt man einen Steuerberater (hier fast immer eine Steuerberaterin). Diese braucht einmal einen ganzen Stoß Dokumente, um mit ihrer Arbeit überhaupt beginnen zu können. Nach kurzer Zeit schickt sie Max zur Bank, um €25 einzuzahlen. Nur dann kann sie weitermachen. Max darf aber nur zu einer bestimmten Bank gehen, denn nur von dort akzeptiert das Finanzamt die Überweisung. Nachdem griechische Banken aber nie so leer sind wie österreichische, muß der Gute eineinhalb Stunden warten, um sein Geld loszuwerden. Endlich ist er an der Reihe, und nun kann die Steuerberaterin weitermachen. Am nächsten Tag macht sie sich auf, um für ihren Klienten bei der Handelskammer und auf dem Finanzamt vorzusprechen. Aber blöderweise hat sich vor zwei Tagen das sich sonst nur wöchentlich ändernde Gesetz wieder einmal geändert, und so muss Max weitere Dokumente vorlegen, um wieder neue Papiere zu bekommen, die er braucht, um ein Firmenkonto zu eröffnen. Schlussendlich hat er von Handelskammer und Finanzamt, was er benötigt. Nun muss er nur noch diverse private Unterlagen beschaffen - dass er seine Telefon- und Stromrechnung bezahlt, dass er nicht bankrott ist, am besten noch einen Steuerbescheid aus seiner Heimat usw. Eine Bescheinigung über seinen monatlichen Verbrauch an Klopapier ist nicht erforderlich. 
Auf der Bank ein ähnliches Bild wie auf dem Finanzamt. Eine unheimlich motivierte Mitarbeiterin blickt mit strengem Blick über ihren Brillenrand hinweg und schüttelt den Kopf. Dann erklärt sie ihm in einem halbstündigen Vortrag, dass sie seinen  Antrag auf ein Konto nicht entgegennehmen kann - ein fehlender Stempel hier, eine fehlende Kopie da. Ja, ihr habt richtig gelesen, man stellt einen Antrag auf ein Konto, welcher dann von den "Anwälten" - so die lapidare Auskunft auf allen Banken - zehn Tage lang geprüft wird, ob man würdig ist, ein Konto zu führen. Die "Anwälte" sind eine Art Bankenaufsicht, die jeden Antrag prüfen müssen. Aber weil sich hier ja auch die Banker nicht so genau auskennen, bekommt man meistens auch keine brauchbaren Erklärungen, wie alles funktioniert, und der Ausländer tappt oft im Dunkeln, worum es sich eigentlich handelt. Dabei ist er aber gar nicht alleine, denn vielen Griechen geht es genauso.
Noch kämpft Max mit der Bank. Ein paar Dinge konnten schon geregelt werden, ein paar sind noch ausständig. Viel Glück, Max!




Und noch ein Amt:



Ich gehe zu K.E.P., eigentlich eine tolle Sache, die es bei uns nicht gibt. Es handelt sich wörtlich übersetzt um das Amt "Zentrum für Hilfe für die Bürger". Dort kann man alles erledigen, was der Durchschnittsbürger so braucht - den Pass verlängern, Strom oder Telefon umändern, etwas beglaubigen lassen. Sehr bürgernah, fallweise sogar beheizt, mit meist relativ kurzen Wartezeiten. Man zieht eine Nummer und siehe da - man kommt schon als nächster dran! Aber dann geht die Dame hinter dem Schreibtisch auf einen kurzen Plausch zu einem Herrn, der sich auf diese Weise elegant vordrängt. Nach einer Viertelstunde hat sie nun endlich Zeit für mich, und ich bekomme meine Stempel. Und kosten tun sie auch nichts! Manchmal ist es sogar auf einem griechischen Amt schön!



Man muss hinter Gitter, wenn man ins Amt will, aber man darf danach wieder raus!


Vom Amt zur Polizei:

Auf der Polizei geht es nicht immer so bürgernah zu. Aber der Personalausweis - vorort selbst gebastelt und nicht aus der Druckerei - dauert nur zwanzig Minuten und kostet 23 Cents! Österreichischer Bürokratie-Gott, schau oha!


Leicht zu finden ist sie nicht, die Polizei. Es gibt nur ein kleines Schild an der Tür.

Der "barrierefreie" Zugang.


Wie in der guten, alten Zeit!

Wer erinnert sich noch bei uns an die Zeit der Stempelmarken? Für die KFZ-Steuer haben wir sie alle gebraucht. Heute keine Spur mehr von ihnen. Aber in Griechenland erleben sie weiterhin eine Hochblüte! 


Und so eine wunderbare Kollektion an Stempeln hatte ich noch zu Beginn meiner Berufstätigkeit in den Achtzigern. Die Notarin hier ist noch immer reichlich mit ihnen gesegnet.




Blumenzeit:

Im Winter werden von Roma-Kindern Narzissen verkauft. Hier die etwas seltsame und nicht erfolgreiche Geschäftsanbahnung bei einem Bankmanager. Der Bub kommt gruß- und wortlos in die Bank und setzt sich vor dem Schreibtisch des Managers auf den Sessel. Dieser sieht ihn genauso wortlos an und verlässt seinen Platz. Der Bub bleibt noch fünf Minuten sitzen und geht dann wieder aus der Bank. Die Ausländerin (ich) schaut dem ganzen Treiben verwundert zu ……..





Der etwas andere Mauerfall:

Wann wird sie umfallen? Ich nehme Wetten entgegen!



Sparmaßnahme:

Der neueste Trend an Stoptafeln im Straßenverkehr - die aus Sparmaßnahmen nicht bedruckte, weiße Tafel, zu erkennen nur an ihrer Form. Nein, das ist natürlich nur meine Auslegung. Aber gespart dürften sie trotzdem haben, denn die Farbe hat nicht lange gehalten. Oder die Tafeln stehen hier schon seit der Einführung von Verkehrszeichen oder so ähnlich.






Aktueller Straßenbericht:

Autofahren wird hier nie eintönig. Immer gibt es einen Grund, um abzubremsen - ein Hund, ein Fuchs, ein Dachs, aber viel öfter Schlaglöcher oder Mugel = ausgebesserte Schlaglöcher. Ein Loch mit dreißig Zentimeter Tiefe kommt schon mal vor. Kein Grund, sich darüber aufzuregen. Einfach ausweichen oder ganz langsam durchfahren. Einmal im Jahr wird das Loch mit Sand zugeschüttet, und wenn es hoch hergeht, sogar asphaltiert. Dabei wird meist aber ein Asphalthügel aufgeworfen, über den es einen dann haut. Man hat also die Wahl, ob man in das Loch hineinpumpern will oder ob es einen drüberhaut. 


Die Straße entlang des Meeres bröckelt schön langsam weg. Man wartet auf die Investition des Scheichs aus den Golfstaaten, der diese zugesagt hat. Ich traue mich aber fast wetten, dass es zu dieser Investition nicht kommen wird.


Manchmal wird die Straße von ganz alleine zum Sprunghügel, denn da sinkt sie ab oder wölbt sich auf.





Und wenn die Straße einmal repariert wird, dann ist die Baustellenabsicherung äußerst kreativ. Und etwas kostengünstiger. Die Asfinag könnte sich ein Beispiel nehmen!




Montag, 26. Januar 2015

 Aktueller Sonderbericht - ich war bei den Wahlen!


Sonderberichterstatterin und unabhängige Wahlbeobachterin Judith war bei der griechischen Wahl. Also nicht in Athen bei Herrn Tsipras, aber in einem Dorf, und hat sich das Ganze einmal angesehen.

In Griechenland gibt es eine Meldepflicht wie bei uns, aber man muss nicht dort gemeldet sein, wo man wohnt, sondern meist ist man dort gemeldet, wo man ursprünglich herkommt. Außerdem gibt es eine Wahlpflicht, deren Nichteinhaltung mit Strafe geahndet wird. So ist gestern ungefähr die halbe Bevölkerung Athens aus der Stadt ausgefallen und zum Wählen in ihren Heimatort gefahren. So viele Autos auf der teuren Mautautobahn habe ich bis jetzt nicht gesehen.

Ich habe meine Freundin zur Wahl begleitet. Wie bei uns findet diese in der Schule statt, in zwei Klassenzimmern. Ihren Personalausweis musste sie kurz herzeigen, und dann konnte sie schon wählen. Ein Aufwand wie bei uns wird nicht gemacht - keine Riesen-Kommission, wo alles doppelt und dreifach kontrolliert wird. Es läuft ein bisschen lockerer ab. Was ich aber ganz interessant fand, waren die vielen Werbezettel der verschiedenen Parteien, die auf einem Tisch lagen. Noch in letzter Minute soll der Wähler auf die "richtige" Partei aufmerksam gemacht werden. Doch nein! Es gibt nämlich keine gedruckte Liste, auf der man bei der gewünschten Partei ein Kreuz macht, sondern für jede Partei, die antritt, gibt es einen eigenen Zettel. Man geht also hinter den Paravent und sucht den richtigen Zettel aus, steckt ihn in ein Kuvert und wirft dieses in die gläserne Wahlurne. Die restlichen Zettel nimmt man besser mit nach Hause (ich durfte sie als Souvenir behalten), denn sonst kommt wohl noch einer auf die Idee und wirft einen anderen, liegengebliebenen Zettel ein?

Briefwahl gibt es übrigens keine. Deshalb die Völkerwanderung an diesem Tag. Wer weit weg wohnt von dem Ort, an dem er gemeldet ist, bekommt bis zu zwei Tage Urlaub. Da zahlt sich das Wählen schon aus! Abgesehen davon, dass die griechischen Kandidaten einen noch weniger motivieren, zur Wahl zu gehen, als die österreichischen. Aber man muss ja! Wenn man nicht geht, muss man vorweisen können, warum man verhindert war.

In früheren Jahren haben übrigens politische Parteien schon einmal ganze Busse und sogar Flugzeuge gechartert, um im Ausland lebende Griechen zur Wahl zu bringen. Das nennt man Einsatz (von Steuergeld vermutlich)!


Die Auswahl an zu wählenden Parteien ist gross.

Neben ein paar exotischen Ländern in Übersee erfreut sich der Kommunismus in Griechenland noch immer relativ grosser Beliebtheit.

Welchen nehmen wir denn? Sie weiss es schon ganz genau.

Kurze Auswahl hinter dem Paravent. Manche machen es auch ganz spannend und bleiben extra lang drinnen.

Und rein in die Urne!

Freitag, 23. Januar 2015

Ein Grieche denkt anders

bzw.

Wir denken offensichtlich anders als die Griechen

Ein Grieche fragt mich, ob ich ihn bis zum nächsten Ort mitnehmen kann, sein Auto ist in der Werkstatt. 
Er steigt ein und sagt "Wow, das Auto ist ganz neu!" 
Ich "Nein, schon fünf Jahre alt." 
Er "Tatsächlich, und da ist es so sauber?"
Ich persönlich hätte ja immer gedacht, daß man einfach nur zu putzen braucht, um etwas sauber zu halten, aber diese Methode dürfte sich noch nicht überall herumgesprochen haben.



Flugangst:

Flugangst ist ja am Balkan weit verbreitet, so auch unter den Griechen. Kürzlich saß ein netter griechischer Herr im Flieger nach Athen neben mir. Kurz vor dem Start bekreuzigte er sich, danach noch einmal und danach noch einmal. Da wurde sogar mir alter Flugtante schon ganz anders. Es wird doch wohl alles gut gehen? Wir erhoben uns in die Lüfte, aber der nette Herr saß wie zur Salzsäule erstarrt auf seinem Sitz, den Blick starr geradeaus gerichtet. Es hatte ihn doch nicht der Angst-Schlag getroffen? Aber nein - kaum hatten wir die Reiseflughöhe erreicht und es ertönte der kurze Gong, erwachte er plötzlich zum Leben und wurde fast wieder er selbst. Trotzdem hat er vor lauter Nervosität sein Essen nicht hinunter bekommen (ja, es gibt noch Fluglinien, wo man etwas zu essen bekommt!). 
Ab dem Sinkflug vor der Landung fing die ganze Prozedur wieder von vorne an. Das letzte Bekreuzigen fand nach dem geglückten Aufsetzen der Maschine statt. Ich hoffe, der nette Herr gehört nicht zu jenen, die auch beim Vorbeifahren an jeder Kirche, Kapelle und jedem Marterl das Kreuz schlagen, denn dann hat er während Heimatferien viel zu tun ….


Apropos Marterl:

Immer, wenn einer mit dem Auto in den Graben fährt - und das scheint oft zu sein - wird an der Stelle, wo das Unglück passiert ist, ein Marterl aufgestellt. Über die Griechen und das Autofahren habe ich mich ja an früherer Stelle schon ausgelassen - die seltene Verwendung des Blinkers, die dafür exzessive Verwendung der Warnblinkanlage, die glatzerten Reifen, das Mysterium des Vorrangs und des Kreisverkehrs, all das führt zur häufigen Errichtung der kleinen Häuschen am Wegesrand.
Meine nicht griechische Freundin war von den kleinen Häuserln so angetan, daß sie auch eines wollte - für sich selbst zu Hause im Garten oder so, und natürlich ohne Todesfall. Da ist ihr aber der griechische Verkäufer der Fertigmarterl in die Quere gekommen, denn der hat nicht eingesehen, warum man sich so etwas freiwillig in den Garten stellt, und hat sich schlichtweg geweigert, ihr eins zu verkaufen. Umsatz hin oder her!








Und das bringt mich gleich zu den Kapellen:

Fertighäuser gibt es meines Wissens nicht in Griechenland. Aber Fertigkapellen stehen abholbereit am Straßenrand. Falls also jemand mal eine braucht - ich könnte eine vermitteln …





Verbreitete griechische Ansichten:

"Ein Hund wird blind, wenn er Zucker frisst." Hatte ich vorher noch nie gehört. Außerdem kenne ich Hunde, die täglich Kuchen fressen, und die sind noch immer nicht blind. Meine Recherche hat ergeben: ein Hund kann von größeren Mengen Schokolade sterben, weil Theobromin auf ihn giftig wirkt. Blind wird er aber nicht.

"Schlangen können Hausmauern hinaufkriechen." Gesehen habe ich das auch noch nie, aber ich wohne ja auch in keiner so schlangenreichen Gegend. Laut meiner Recherche können Schlangen Mauern hinaufklettern, wenn es Ritzen gibt oder Spalten, aber auf einer ganz glatten Mauer geht das nicht.

"Die Griechen müssen so viele Steuern zahlen." Steuern hat es immer gegeben, aber auch viel Kreativität, um diese zu umgehen. Damit ist es nun teilweise vorbei. Und damit die Steuern auch wirklich bezahlt werden, gibt es nun strengere Regeln und höhere Strafen bei Nichtbezahlung. Manches davon ist für uns eher skurril. Zum Beispiel die KFZ-Steuer. Sie muß einmal im Jahr auf der Post einbezahlt werden, und zwar zwischen 22. Dezember und 5. Jänner. Dann steht das ganze Land auf der Post Schlange. Die Beitragshöhe bezieht sich wie bei uns auf die Stärke des Motors. Wer aber ein neues Auto im Dezember kauft, bezahlt für das Jahr genauso viel wie der, der im Jänner kauft. Ich nehme einmal an, dass im Dezember die Autoverkaufszahlen nicht nicht gerade einen Höhenflug hinlegen. Wer zu spät dran ist mit dem Einzahlen, bezahlt die doppelte Steuer. Viele zahlen aber auch gar nichts, und es hat leider keine Folgen. Nur für die Unfallopfer, die von solchen Personen geschädigt werden…



Auf dem Finanzamt:

Ich begleite meine Freundin Maria aufs Finanzamt. Sie hat ein paar Dinge dort zu erledigen und tritt diesen Weg schon mit etwas Nervosität an. Vor dem Eingang schickt sie einen flehentlichen Blick gen Himmel und sagt "Gott hilf mir!".
Also rein ins Amt! Zwei sehr positive Dinge fallen mir gleich auf: Erstens, es ist eingeheizt. Das ist nicht selbstverständlich. Aber das Finanzamt ist in Kalamata und da wird beim Heizen generell nicht so gespart wie auf dem Land. Und auch wenn alle Steuern direttissima an die Deutschen geschickt werden (die böse Frau Merkel), dürfte doch noch etwas für die Heizung übrig geblieben sein.
Zweiter positiver Punkt: es gibt keine langen Schlangen und die Wartezeiten sind sehr human. Aber wer geht hier auch schon freiwillig aufs Finanzamt?
Der richtige Schalter ist rasch gefunden, aber der Finanzbeamte schaut sehr streng. Noch ein kurzes Stoßgebet, vielleicht hilft's. Er verlangt die notwendigen Dokumente, um dann ein sehr wichtiges Papier ausstellen zu können - die Bescheinigung, dass man dem Finanzamt nichts schuldig ist und dass alle Steuern bezahlt sind. Ohne dieses Papier ist man bei vielen Unternehmungen kaum handlungsfähig, zum Beispiel beim Verkauf eines Hauses oder der Gründung einer Firma.



Maria legt alles vor, und dann folgt ein längerer Blick in den Computer. Der Beamte kritzelt ein paar Zahlen auf das von Maria ausgefüllte Formular und erklärt ihr, dass sie eine Steuerschuld von €154 hat, und zwar aus 2010. Meine Freundin kann es nicht glauben, hat sie doch damals eine Steuerberaterin angeheuert und bezahlt, um sich darum zu kümmern. Wie dem auch sei, die Schuld über ursprünglich €40 ist innerhalb der letzten Jahre mit Zinsen auf €154 angewachsen. Maria war ja geistig schon auf alles vorbereitet, und so ist sie nun auch willens, ihre alte Schuld zu bezahlen. Das soll sie am Schalter neun tun.
kreativer Wegweiser zum Schalter 9

Dort angekommen, gibt es zwar einen Schalter am Gang, es stellt sich aber heraus, dass man in das Büro hineingehen muss. Ich bleibe draußen und schaue mir das Schauspiel von dort an. Ein bisschen warten, dann eine kurze Diskussion mit der Dame am Schreibtisch, dann weiter zur anderen Dame auf der anderen Seite des Büros, dann zurück zur ersten. Zwischendurch wird noch der Kollege befragt, der aber gerade mit der Reparatur des Druckers beschäftigt ist. Er stellt den Drucker auf den Kopf, schüttelt ihn in allen Richtungen, bis viel Schmutz und ein seit einem Jahr verschollenes Lineal herausfallen, und begutachtet dann sein Werk. Dazwischen eine kurze Info an meine Freundin, welche daraufhin das Stockwerk wechselt und dort ihr Glück im Bezahlen ihrer Schuld versucht. Ich gehe nicht mit und schaue mir inzwischen alles an. Am Gang sind die alten, ausgemusterten Drucker und Kopierer abgestellt, ein zerlegter Kasten, ein wunderschöner antiker Schreibtisch (wen muss man bestechen, um den zu bekommen?), und die alten Akten stehen sozusagen zur freien Entnahme in den Regalen. Das zum Thema Datenschutz.




Nach zwanzig Minuten kommt Maria und ist den Tränen nahe. Sie darf ihre alte Schuld nicht bezahlen. Sie muss zuerst eine Erklärung abgeben, warum sie für dieses Jahr nicht bezahlt hat. Die Tatsache, dass ihre damalige Steuerberaterin die Daten zwar im Computer eingegeben, aber nie richtig abgeschickt hat, hilft ihr nicht weiter. Und die Chancen, dass diese den von ihr verursachten Schaden bezahlt, gehen gleich null. 
Maria hat nun eine neue Steuerberaterin und macht in ein paar Tagen einen neuerlichen Anlauf beim Finanzamt. Viel Glück!

Heiliger Xerox, steh uns bei!
Die Kaffeeversorgung der Beamten funktioniert einwandfrei



Und hier wieder ein paar Stimmungsfotos: