Der griechische Kinder-Sicherheitszaun:
Griechische Männer haben ja bekanntlich zwei linke Hände. Eine Glühbirne auszuwechseln ist bereits eine "spannende Herausforderung" (diesen Ausdruck habe ich bei meiner früheren Arbeit als positive Umschreibung für "Problem" gelernt).
So fiel mir eines Frühjahrs in meiner Wiener Nachbarschaft ein Grieche auf, der ein eigenartiges Netz auf seinem Balkon zu montieren versuchte. Das Ganze glückte allerdings erst nach mehreren Versuchen. Ich fragte mich, zu welchem Behufe er wohl diese Konstruktion gemacht hatte. Für eine Katze wäre es ja ein Leichtes gewesen, über den halbhohen Zaun auf der Terrasse zu klettern.
Die Erklärung fand ich hier in Griechenland, wo solche Balkon-Bastelarbeiten häufig zu bestaunen sind, und zwar vor Wohnungen von Familien mit kleinen Kindern. Während der Österreicher eher auf Gut-auf-sein-Kind-Aufpassen setzt, geht der Grieche auf Nummer Sicher. Die dabei verwendeten Plastiknetze sind überall erhältlich. Mangels Kinder habe ich eines für die Hunde eingesetzt. Funktioniert hervorragend!
Noch einmal auf dem Finanzamt:
Ihr erinnert euch an meine Freundin Maria, die unverrichteter Dinge wieder vom Finanzamt abziehen musste und das wichtige Dokument der Nicht-Steuerschuld nicht erlangen konnte? Nun, sie hat einen zweiten Anlauf gemacht.
Gleich um acht Uhr früh stand sie vor den Pforten des Amtes, um keine Zeit zu verlieren beim Abarbeiten der verschiedenen Schalter auf den verschiedenen Stockwerken. Zunächst musste sie einmal eine halbe Stunde warten, obwohl sie die erste war, denn die Beamtenschaft des Finanzamtes musste zuerst einsatzfähig werden, das heißt Kaffee kochen und trinken, kurz (oder länger) sich über den vorangegangenen Abend der Kollegen kundig machen und den Computer einschalten.
Dann war es so weit. Die Dame hinter dem Schreibtisch beäugte äußerst kritisch die vorgelegten Dokumente und ließ aus ihrer Miene erkennen, dass sie eventuell nicht zufrieden sein würde. Dann blickte sie lange auf den Bildschirm - der Computer war übrigens noch gar nicht hochgefahren - und schaute noch stirnrunzelnder drein. Danach startete die Inquisition. Hat meine Freundin ein Haus? Hat sie ein Auto? Hat sie gar eine Firma, mit der sie Steuern unterschlagen könnte? Aber Maria beantwortete alle Fragen standhaft mit Nein, denn schließlich entsprach dies auch der Wahrheit. Zu Guter Letzt ließ sich die Beamtin doch dazu hinreißen, das begehrte Formular auszudrucken.
Maria hat sich diesen Tag rot in ihrem Kalender angestrichen und wird von nun an den Jahrestag bis zu ihrem Lebensende feiern.
Wahnwitziges Unternehmen Firmengründung:
Mein nicht-griechischer Freund Max hat beschlossen, der griechischen Krise ein Schnippchen zu schlagen und trotz allem hier eine Firma zu gründen. Das Ganze unter vielen Fragen von Griechen, warum er sich ausgerechnet dieses Land ausgesucht hat, und mit vielen Voraussagen, dass er kläglich scheitern wird. Was ihm keiner gesagt hat, ist, dass er schon fast an der Bürokratie zur Gründung der Firma scheitern würde. Griechenland, das ausländische Investoren bitter nötig hätte, tut wirklich alles, um die paar Mutigen, die es trotzdem wagen, auch noch zu vertreiben. Ein bisschen kann ich es auch verstehen, denn man versucht manisch, jede Steuerhinterziehung oder jedes Weißwaschen von Schwarzgeld zu verhindern. Aber man schießt sich damit ein fulminantes Eigentor.
Zuerst benötigt man einen Steuerberater (hier fast immer eine Steuerberaterin). Diese braucht einmal einen ganzen Stoß Dokumente, um mit ihrer Arbeit überhaupt beginnen zu können. Nach kurzer Zeit schickt sie Max zur Bank, um €25 einzuzahlen. Nur dann kann sie weitermachen. Max darf aber nur zu einer bestimmten Bank gehen, denn nur von dort akzeptiert das Finanzamt die Überweisung. Nachdem griechische Banken aber nie so leer sind wie österreichische, muß der Gute eineinhalb Stunden warten, um sein Geld loszuwerden. Endlich ist er an der Reihe, und nun kann die Steuerberaterin weitermachen. Am nächsten Tag macht sie sich auf, um für ihren Klienten bei der Handelskammer und auf dem Finanzamt vorzusprechen. Aber blöderweise hat sich vor zwei Tagen das sich sonst nur wöchentlich ändernde Gesetz wieder einmal geändert, und so muss Max weitere Dokumente vorlegen, um wieder neue Papiere zu bekommen, die er braucht, um ein Firmenkonto zu eröffnen. Schlussendlich hat er von Handelskammer und Finanzamt, was er benötigt. Nun muss er nur noch diverse private Unterlagen beschaffen - dass er seine Telefon- und Stromrechnung bezahlt, dass er nicht bankrott ist, am besten noch einen Steuerbescheid aus seiner Heimat usw. Eine Bescheinigung über seinen monatlichen Verbrauch an Klopapier ist nicht erforderlich.
Auf der Bank ein ähnliches Bild wie auf dem Finanzamt. Eine unheimlich motivierte Mitarbeiterin blickt mit strengem Blick über ihren Brillenrand hinweg und schüttelt den Kopf. Dann erklärt sie ihm in einem halbstündigen Vortrag, dass sie seinen Antrag auf ein Konto nicht entgegennehmen kann - ein fehlender Stempel hier, eine fehlende Kopie da. Ja, ihr habt richtig gelesen, man stellt einen Antrag auf ein Konto, welcher dann von den "Anwälten" - so die lapidare Auskunft auf allen Banken - zehn Tage lang geprüft wird, ob man würdig ist, ein Konto zu führen. Die "Anwälte" sind eine Art Bankenaufsicht, die jeden Antrag prüfen müssen. Aber weil sich hier ja auch die Banker nicht so genau auskennen, bekommt man meistens auch keine brauchbaren Erklärungen, wie alles funktioniert, und der Ausländer tappt oft im Dunkeln, worum es sich eigentlich handelt. Dabei ist er aber gar nicht alleine, denn vielen Griechen geht es genauso.
Noch kämpft Max mit der Bank. Ein paar Dinge konnten schon geregelt werden, ein paar sind noch ausständig. Viel Glück, Max!
Und noch ein Amt:
Ich gehe zu K.E.P., eigentlich eine tolle Sache, die es bei uns nicht gibt. Es handelt sich wörtlich übersetzt um das Amt "Zentrum für Hilfe für die Bürger". Dort kann man alles erledigen, was der Durchschnittsbürger so braucht - den Pass verlängern, Strom oder Telefon umändern, etwas beglaubigen lassen. Sehr bürgernah, fallweise sogar beheizt, mit meist relativ kurzen Wartezeiten. Man zieht eine Nummer und siehe da - man kommt schon als nächster dran! Aber dann geht die Dame hinter dem Schreibtisch auf einen kurzen Plausch zu einem Herrn, der sich auf diese Weise elegant vordrängt. Nach einer Viertelstunde hat sie nun endlich Zeit für mich, und ich bekomme meine Stempel. Und kosten tun sie auch nichts! Manchmal ist es sogar auf einem griechischen Amt schön!
| Man muss hinter Gitter, wenn man ins Amt will, aber man darf danach wieder raus! |
Vom Amt zur Polizei:
Auf der Polizei geht es nicht immer so bürgernah zu. Aber der Personalausweis - vorort selbst gebastelt und nicht aus der Druckerei - dauert nur zwanzig Minuten und kostet 23 Cents! Österreichischer Bürokratie-Gott, schau oha!
| Leicht zu finden ist sie nicht, die Polizei. Es gibt nur ein kleines Schild an der Tür. |
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| Der "barrierefreie" Zugang. |
Wie in der guten, alten Zeit!
Wer erinnert sich noch bei uns an die Zeit der Stempelmarken? Für die KFZ-Steuer haben wir sie alle gebraucht. Heute keine Spur mehr von ihnen. Aber in Griechenland erleben sie weiterhin eine Hochblüte!
Und so eine wunderbare Kollektion an Stempeln hatte ich noch zu Beginn meiner Berufstätigkeit in den Achtzigern. Die Notarin hier ist noch immer reichlich mit ihnen gesegnet.
Blumenzeit:
Im Winter werden von Roma-Kindern Narzissen verkauft. Hier die etwas seltsame und nicht erfolgreiche Geschäftsanbahnung bei einem Bankmanager. Der Bub kommt gruß- und wortlos in die Bank und setzt sich vor dem Schreibtisch des Managers auf den Sessel. Dieser sieht ihn genauso wortlos an und verlässt seinen Platz. Der Bub bleibt noch fünf Minuten sitzen und geht dann wieder aus der Bank. Die Ausländerin (ich) schaut dem ganzen Treiben verwundert zu ……..
Der neueste Trend an Stoptafeln im Straßenverkehr - die aus Sparmaßnahmen nicht bedruckte, weiße Tafel, zu erkennen nur an ihrer Form. Nein, das ist natürlich nur meine Auslegung. Aber gespart dürften sie trotzdem haben, denn die Farbe hat nicht lange gehalten. Oder die Tafeln stehen hier schon seit der Einführung von Verkehrszeichen oder so ähnlich.
Aktueller Straßenbericht:
Autofahren wird hier nie eintönig. Immer gibt es einen Grund, um abzubremsen - ein Hund, ein Fuchs, ein Dachs, aber viel öfter Schlaglöcher oder Mugel = ausgebesserte Schlaglöcher. Ein Loch mit dreißig Zentimeter Tiefe kommt schon mal vor. Kein Grund, sich darüber aufzuregen. Einfach ausweichen oder ganz langsam durchfahren. Einmal im Jahr wird das Loch mit Sand zugeschüttet, und wenn es hoch hergeht, sogar asphaltiert. Dabei wird meist aber ein Asphalthügel aufgeworfen, über den es einen dann haut. Man hat also die Wahl, ob man in das Loch hineinpumpern will oder ob es einen drüberhaut.
| Manchmal wird die Straße von ganz alleine zum Sprunghügel, denn da sinkt sie ab oder wölbt sich auf. |
Und wenn die Straße einmal repariert wird, dann ist die Baustellenabsicherung äußerst kreativ. Und etwas kostengünstiger. Die Asfinag könnte sich ein Beispiel nehmen!




Love this entry - great walk through Greece on a daily basis.
AntwortenLöschenDie Stempel sind am besten - man findet in der jeweiligen Bürokratie immer noch einige Ableger von anno dazumal - auch hier in Canada.
Endrick