Montag, 26. Januar 2015

 Aktueller Sonderbericht - ich war bei den Wahlen!


Sonderberichterstatterin und unabhängige Wahlbeobachterin Judith war bei der griechischen Wahl. Also nicht in Athen bei Herrn Tsipras, aber in einem Dorf, und hat sich das Ganze einmal angesehen.

In Griechenland gibt es eine Meldepflicht wie bei uns, aber man muss nicht dort gemeldet sein, wo man wohnt, sondern meist ist man dort gemeldet, wo man ursprünglich herkommt. Außerdem gibt es eine Wahlpflicht, deren Nichteinhaltung mit Strafe geahndet wird. So ist gestern ungefähr die halbe Bevölkerung Athens aus der Stadt ausgefallen und zum Wählen in ihren Heimatort gefahren. So viele Autos auf der teuren Mautautobahn habe ich bis jetzt nicht gesehen.

Ich habe meine Freundin zur Wahl begleitet. Wie bei uns findet diese in der Schule statt, in zwei Klassenzimmern. Ihren Personalausweis musste sie kurz herzeigen, und dann konnte sie schon wählen. Ein Aufwand wie bei uns wird nicht gemacht - keine Riesen-Kommission, wo alles doppelt und dreifach kontrolliert wird. Es läuft ein bisschen lockerer ab. Was ich aber ganz interessant fand, waren die vielen Werbezettel der verschiedenen Parteien, die auf einem Tisch lagen. Noch in letzter Minute soll der Wähler auf die "richtige" Partei aufmerksam gemacht werden. Doch nein! Es gibt nämlich keine gedruckte Liste, auf der man bei der gewünschten Partei ein Kreuz macht, sondern für jede Partei, die antritt, gibt es einen eigenen Zettel. Man geht also hinter den Paravent und sucht den richtigen Zettel aus, steckt ihn in ein Kuvert und wirft dieses in die gläserne Wahlurne. Die restlichen Zettel nimmt man besser mit nach Hause (ich durfte sie als Souvenir behalten), denn sonst kommt wohl noch einer auf die Idee und wirft einen anderen, liegengebliebenen Zettel ein?

Briefwahl gibt es übrigens keine. Deshalb die Völkerwanderung an diesem Tag. Wer weit weg wohnt von dem Ort, an dem er gemeldet ist, bekommt bis zu zwei Tage Urlaub. Da zahlt sich das Wählen schon aus! Abgesehen davon, dass die griechischen Kandidaten einen noch weniger motivieren, zur Wahl zu gehen, als die österreichischen. Aber man muss ja! Wenn man nicht geht, muss man vorweisen können, warum man verhindert war.

In früheren Jahren haben übrigens politische Parteien schon einmal ganze Busse und sogar Flugzeuge gechartert, um im Ausland lebende Griechen zur Wahl zu bringen. Das nennt man Einsatz (von Steuergeld vermutlich)!


Die Auswahl an zu wählenden Parteien ist gross.

Neben ein paar exotischen Ländern in Übersee erfreut sich der Kommunismus in Griechenland noch immer relativ grosser Beliebtheit.

Welchen nehmen wir denn? Sie weiss es schon ganz genau.

Kurze Auswahl hinter dem Paravent. Manche machen es auch ganz spannend und bleiben extra lang drinnen.

Und rein in die Urne!

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