Ein Grieche denkt anders
bzw.
Wir denken offensichtlich anders als die Griechen
Ein Grieche fragt mich, ob ich ihn bis zum nächsten Ort mitnehmen kann, sein Auto ist in der Werkstatt.
Er steigt ein und sagt "Wow, das Auto ist ganz neu!"
Ich "Nein, schon fünf Jahre alt."
Er "Tatsächlich, und da ist es so sauber?"
Ich persönlich hätte ja immer gedacht, daß man einfach nur zu putzen braucht, um etwas sauber zu halten, aber diese Methode dürfte sich noch nicht überall herumgesprochen haben.
Flugangst:
Flugangst ist ja am Balkan weit verbreitet, so auch unter den Griechen. Kürzlich saß ein netter griechischer Herr im Flieger nach Athen neben mir. Kurz vor dem Start bekreuzigte er sich, danach noch einmal und danach noch einmal. Da wurde sogar mir alter Flugtante schon ganz anders. Es wird doch wohl alles gut gehen? Wir erhoben uns in die Lüfte, aber der nette Herr saß wie zur Salzsäule erstarrt auf seinem Sitz, den Blick starr geradeaus gerichtet. Es hatte ihn doch nicht der Angst-Schlag getroffen? Aber nein - kaum hatten wir die Reiseflughöhe erreicht und es ertönte der kurze Gong, erwachte er plötzlich zum Leben und wurde fast wieder er selbst. Trotzdem hat er vor lauter Nervosität sein Essen nicht hinunter bekommen (ja, es gibt noch Fluglinien, wo man etwas zu essen bekommt!).
Ab dem Sinkflug vor der Landung fing die ganze Prozedur wieder von vorne an. Das letzte Bekreuzigen fand nach dem geglückten Aufsetzen der Maschine statt. Ich hoffe, der nette Herr gehört nicht zu jenen, die auch beim Vorbeifahren an jeder Kirche, Kapelle und jedem Marterl das Kreuz schlagen, denn dann hat er während Heimatferien viel zu tun ….
Apropos Marterl:
Immer, wenn einer mit dem Auto in den Graben fährt - und das scheint oft zu sein - wird an der Stelle, wo das Unglück passiert ist, ein Marterl aufgestellt. Über die Griechen und das Autofahren habe ich mich ja an früherer Stelle schon ausgelassen - die seltene Verwendung des Blinkers, die dafür exzessive Verwendung der Warnblinkanlage, die glatzerten Reifen, das Mysterium des Vorrangs und des Kreisverkehrs, all das führt zur häufigen Errichtung der kleinen Häuschen am Wegesrand.
Meine nicht griechische Freundin war von den kleinen Häuserln so angetan, daß sie auch eines wollte - für sich selbst zu Hause im Garten oder so, und natürlich ohne Todesfall. Da ist ihr aber der griechische Verkäufer der Fertigmarterl in die Quere gekommen, denn der hat nicht eingesehen, warum man sich so etwas freiwillig in den Garten stellt, und hat sich schlichtweg geweigert, ihr eins zu verkaufen. Umsatz hin oder her!
Und das bringt mich gleich zu den Kapellen:
Fertighäuser gibt es meines Wissens nicht in Griechenland. Aber Fertigkapellen stehen abholbereit am Straßenrand. Falls also jemand mal eine braucht - ich könnte eine vermitteln …
Verbreitete griechische Ansichten:
"Ein Hund wird blind, wenn er Zucker frisst." Hatte ich vorher noch nie gehört. Außerdem kenne ich Hunde, die täglich Kuchen fressen, und die sind noch immer nicht blind. Meine Recherche hat ergeben: ein Hund kann von größeren Mengen Schokolade sterben, weil Theobromin auf ihn giftig wirkt. Blind wird er aber nicht.
"Schlangen können Hausmauern hinaufkriechen." Gesehen habe ich das auch noch nie, aber ich wohne ja auch in keiner so schlangenreichen Gegend. Laut meiner Recherche können Schlangen Mauern hinaufklettern, wenn es Ritzen gibt oder Spalten, aber auf einer ganz glatten Mauer geht das nicht.
"Die Griechen müssen so viele Steuern zahlen." Steuern hat es immer gegeben, aber auch viel Kreativität, um diese zu umgehen. Damit ist es nun teilweise vorbei. Und damit die Steuern auch wirklich bezahlt werden, gibt es nun strengere Regeln und höhere Strafen bei Nichtbezahlung. Manches davon ist für uns eher skurril. Zum Beispiel die KFZ-Steuer. Sie muß einmal im Jahr auf der Post einbezahlt werden, und zwar zwischen 22. Dezember und 5. Jänner. Dann steht das ganze Land auf der Post Schlange. Die Beitragshöhe bezieht sich wie bei uns auf die Stärke des Motors. Wer aber ein neues Auto im Dezember kauft, bezahlt für das Jahr genauso viel wie der, der im Jänner kauft. Ich nehme einmal an, dass im Dezember die Autoverkaufszahlen nicht nicht gerade einen Höhenflug hinlegen. Wer zu spät dran ist mit dem Einzahlen, bezahlt die doppelte Steuer. Viele zahlen aber auch gar nichts, und es hat leider keine Folgen. Nur für die Unfallopfer, die von solchen Personen geschädigt werden…
Also rein ins Amt! Zwei sehr positive Dinge fallen mir gleich auf: Erstens, es ist eingeheizt. Das ist nicht selbstverständlich. Aber das Finanzamt ist in Kalamata und da wird beim Heizen generell nicht so gespart wie auf dem Land. Und auch wenn alle Steuern direttissima an die Deutschen geschickt werden (die böse Frau Merkel), dürfte doch noch etwas für die Heizung übrig geblieben sein.
Zweiter positiver Punkt: es gibt keine langen Schlangen und die Wartezeiten sind sehr human. Aber wer geht hier auch schon freiwillig aufs Finanzamt?
Der richtige Schalter ist rasch gefunden, aber der Finanzbeamte schaut sehr streng. Noch ein kurzes Stoßgebet, vielleicht hilft's. Er verlangt die notwendigen Dokumente, um dann ein sehr wichtiges Papier ausstellen zu können - die Bescheinigung, dass man dem Finanzamt nichts schuldig ist und dass alle Steuern bezahlt sind. Ohne dieses Papier ist man bei vielen Unternehmungen kaum handlungsfähig, zum Beispiel beim Verkauf eines Hauses oder der Gründung einer Firma.
Maria legt alles vor, und dann folgt ein längerer Blick in den Computer. Der Beamte kritzelt ein paar Zahlen auf das von Maria ausgefüllte Formular und erklärt ihr, dass sie eine Steuerschuld von €154 hat, und zwar aus 2010. Meine Freundin kann es nicht glauben, hat sie doch damals eine Steuerberaterin angeheuert und bezahlt, um sich darum zu kümmern. Wie dem auch sei, die Schuld über ursprünglich €40 ist innerhalb der letzten Jahre mit Zinsen auf €154 angewachsen. Maria war ja geistig schon auf alles vorbereitet, und so ist sie nun auch willens, ihre alte Schuld zu bezahlen. Das soll sie am Schalter neun tun.
Dort angekommen, gibt es zwar einen Schalter am Gang, es stellt sich aber heraus, dass man in das Büro hineingehen muss. Ich bleibe draußen und schaue mir das Schauspiel von dort an. Ein bisschen warten, dann eine kurze Diskussion mit der Dame am Schreibtisch, dann weiter zur anderen Dame auf der anderen Seite des Büros, dann zurück zur ersten. Zwischendurch wird noch der Kollege befragt, der aber gerade mit der Reparatur des Druckers beschäftigt ist. Er stellt den Drucker auf den Kopf, schüttelt ihn in allen Richtungen, bis viel Schmutz und ein seit einem Jahr verschollenes Lineal herausfallen, und begutachtet dann sein Werk. Dazwischen eine kurze Info an meine Freundin, welche daraufhin das Stockwerk wechselt und dort ihr Glück im Bezahlen ihrer Schuld versucht. Ich gehe nicht mit und schaue mir inzwischen alles an. Am Gang sind die alten, ausgemusterten Drucker und Kopierer abgestellt, ein zerlegter Kasten, ein wunderschöner antiker Schreibtisch (wen muss man bestechen, um den zu bekommen?), und die alten Akten stehen sozusagen zur freien Entnahme in den Regalen. Das zum Thema Datenschutz.
Nach zwanzig Minuten kommt Maria und ist den Tränen nahe. Sie darf ihre alte Schuld nicht bezahlen. Sie muss zuerst eine Erklärung abgeben, warum sie für dieses Jahr nicht bezahlt hat. Die Tatsache, dass ihre damalige Steuerberaterin die Daten zwar im Computer eingegeben, aber nie richtig abgeschickt hat, hilft ihr nicht weiter. Und die Chancen, dass diese den von ihr verursachten Schaden bezahlt, gehen gleich null.
Maria hat nun eine neue Steuerberaterin und macht in ein paar Tagen einen neuerlichen Anlauf beim Finanzamt. Viel Glück!
"Die Griechen müssen so viele Steuern zahlen." Steuern hat es immer gegeben, aber auch viel Kreativität, um diese zu umgehen. Damit ist es nun teilweise vorbei. Und damit die Steuern auch wirklich bezahlt werden, gibt es nun strengere Regeln und höhere Strafen bei Nichtbezahlung. Manches davon ist für uns eher skurril. Zum Beispiel die KFZ-Steuer. Sie muß einmal im Jahr auf der Post einbezahlt werden, und zwar zwischen 22. Dezember und 5. Jänner. Dann steht das ganze Land auf der Post Schlange. Die Beitragshöhe bezieht sich wie bei uns auf die Stärke des Motors. Wer aber ein neues Auto im Dezember kauft, bezahlt für das Jahr genauso viel wie der, der im Jänner kauft. Ich nehme einmal an, dass im Dezember die Autoverkaufszahlen nicht nicht gerade einen Höhenflug hinlegen. Wer zu spät dran ist mit dem Einzahlen, bezahlt die doppelte Steuer. Viele zahlen aber auch gar nichts, und es hat leider keine Folgen. Nur für die Unfallopfer, die von solchen Personen geschädigt werden…
Auf dem Finanzamt:
Ich begleite meine Freundin Maria aufs Finanzamt. Sie hat ein paar Dinge dort zu erledigen und tritt diesen Weg schon mit etwas Nervosität an. Vor dem Eingang schickt sie einen flehentlichen Blick gen Himmel und sagt "Gott hilf mir!".Also rein ins Amt! Zwei sehr positive Dinge fallen mir gleich auf: Erstens, es ist eingeheizt. Das ist nicht selbstverständlich. Aber das Finanzamt ist in Kalamata und da wird beim Heizen generell nicht so gespart wie auf dem Land. Und auch wenn alle Steuern direttissima an die Deutschen geschickt werden (die böse Frau Merkel), dürfte doch noch etwas für die Heizung übrig geblieben sein.
Zweiter positiver Punkt: es gibt keine langen Schlangen und die Wartezeiten sind sehr human. Aber wer geht hier auch schon freiwillig aufs Finanzamt?
Der richtige Schalter ist rasch gefunden, aber der Finanzbeamte schaut sehr streng. Noch ein kurzes Stoßgebet, vielleicht hilft's. Er verlangt die notwendigen Dokumente, um dann ein sehr wichtiges Papier ausstellen zu können - die Bescheinigung, dass man dem Finanzamt nichts schuldig ist und dass alle Steuern bezahlt sind. Ohne dieses Papier ist man bei vielen Unternehmungen kaum handlungsfähig, zum Beispiel beim Verkauf eines Hauses oder der Gründung einer Firma.
Maria legt alles vor, und dann folgt ein längerer Blick in den Computer. Der Beamte kritzelt ein paar Zahlen auf das von Maria ausgefüllte Formular und erklärt ihr, dass sie eine Steuerschuld von €154 hat, und zwar aus 2010. Meine Freundin kann es nicht glauben, hat sie doch damals eine Steuerberaterin angeheuert und bezahlt, um sich darum zu kümmern. Wie dem auch sei, die Schuld über ursprünglich €40 ist innerhalb der letzten Jahre mit Zinsen auf €154 angewachsen. Maria war ja geistig schon auf alles vorbereitet, und so ist sie nun auch willens, ihre alte Schuld zu bezahlen. Das soll sie am Schalter neun tun.
| kreativer Wegweiser zum Schalter 9 |
Dort angekommen, gibt es zwar einen Schalter am Gang, es stellt sich aber heraus, dass man in das Büro hineingehen muss. Ich bleibe draußen und schaue mir das Schauspiel von dort an. Ein bisschen warten, dann eine kurze Diskussion mit der Dame am Schreibtisch, dann weiter zur anderen Dame auf der anderen Seite des Büros, dann zurück zur ersten. Zwischendurch wird noch der Kollege befragt, der aber gerade mit der Reparatur des Druckers beschäftigt ist. Er stellt den Drucker auf den Kopf, schüttelt ihn in allen Richtungen, bis viel Schmutz und ein seit einem Jahr verschollenes Lineal herausfallen, und begutachtet dann sein Werk. Dazwischen eine kurze Info an meine Freundin, welche daraufhin das Stockwerk wechselt und dort ihr Glück im Bezahlen ihrer Schuld versucht. Ich gehe nicht mit und schaue mir inzwischen alles an. Am Gang sind die alten, ausgemusterten Drucker und Kopierer abgestellt, ein zerlegter Kasten, ein wunderschöner antiker Schreibtisch (wen muss man bestechen, um den zu bekommen?), und die alten Akten stehen sozusagen zur freien Entnahme in den Regalen. Das zum Thema Datenschutz.
Maria hat nun eine neue Steuerberaterin und macht in ein paar Tagen einen neuerlichen Anlauf beim Finanzamt. Viel Glück!
| Heiliger Xerox, steh uns bei! |
| Die Kaffeeversorgung der Beamten funktioniert einwandfrei |





apropos Marterl ''und hat sich schlichtweg geweigert, ihr eins zu verkaufen. Umsatz hin oder her!'' Sag ihr doch einfach, sie soll eine großen gelben Pfeil mit scharfen Haken auf den Asphalt beim Haus malen, dann stellt sicher bal einer ein neues Marterl auf..............
AntwortenLöschenIch geb's weiter! :-)
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