Das Dörfchen Koryfasio:
In meinem Dorf Tragana ist nichts los, aber im Nachbardorf Koryfasio spielt sich das Leben ab!
In einem österreichischen Dorf so klein wie Koryfasio gibt es gar nichts, aber in Koryfasio gibt es die volle Infrastruktur:
zwei Damen- und zwei Herrenfriseure (Barbiere)
vier Supermärkte, davon einer modern, mit Englischkenntnissen und absolut brauchbar, zwei mit Ostblock-Touch
eine Apotheke
zwei Tavernen
einen Fleischhauer
zwei Cafés und mehrere Kafeneions
einen Baumarkt
Im Dorf kennen uns schon alle und winken uns zu, denn schließlich sind wir die einzigen Ausländer und eine Attraktion. Zuweilen schüttelt uns auch der Tavernenwirt mit ernster Miene die Hand.
Am liebsten besuchen wir aber die Lokale, die von den freundlichen Frauen geführt werden. "Die schöne Elena" bringt uns immer unseren Tee und Kuchen. Kurioserweise trinken wir Ausländer Kamillentee. Zu Beginn konnte sie es kaum glauben und sich nicht dazu entschließen, Kamillentee auf Lager zu legen. Wenn wir ins Cafe kamen, schurlte sie schnell ins Nachbarcafe und borgte sich welchen aus. Aber jetzt hat sie sich mit dieser seltsamen ausländischen Gewohnheit schon angefreundet.
Im Cafe sehen wir jeden Tag die selben Männer sitzen, die sehr wichtige Besprechungen haben - zum Glück verstehen wir sie nicht! Idealerweise sitzt auch jeder an seinem eigenen Tisch und schreit zu den anderen hinüber. Wozu einen Tisch teilen? Dann sieht das Cafe ja leer aus!
Wenn man kann, fährt man mit einem großen neuen Auto vor, auch wenn man das Geld besser in ein schon arg angegriffenes bzw. bereits teilweise fehlendes Gebiß investieren sollte. Andere wieder benötigen zum Gehen ins Cafe einen Stock - der untere Teil eines Sonnenschirms läßt sich dafür besonders gut einsetzen.
In der Taverne bedient uns die freundliche Mary, die einzige mit Englischkenntnissen in Koryfasios Gastgewerbe. Ihre Mutter begrüßt uns immer freundlich mit dem Fleischerbeil winkend aus der Küche und schickt uns als Nachspeise einen Kuchen.
Im Supermarkt, wo die Wartezeit an der Kassa im Schnitt eine Minute ausmacht, kann man diese Zeit mit Fernsehen überbrücken, denn selbstverständlich hat jedes Verkaufs- oder gastronomische Lokal einen Flachbildfernseher.
Auch am Sonntag und spät am Abend kann man noch gemütlich für den spontan geplanten Barbecue einkaufen. Service nennt man das, und er wird mir sehr zu Hause abgehen!


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