Mondän trifft auf bäuerlich:
Wie Ihr schon mitbekommen habt, befinde ich mich hier in einer eher ländlichen Gegend. Aber wie verschlägt es einen dort hin? Zum ersten Mal landete ich hier, als der beste aller Ehemänner ein Inserat sah, in dem ein neues Hotel in Griechenland vorgestellt wurde. Schon wurde es gebucht, und bei meiner Ankunft bemerkte ich, daß es sich hier tatsächlich um ein In-Hotel handelt. Reiche und Wohlhabende aller Art (Athener, Russen, Amerikaner, Deutsche, Österreicher und der Rest der Welt) gehen hier aus und ein. Das heißt - eigentlich mehr ein, denn die einfache Umgebung interessiert viele Reiche nicht. Man bewegt sich üblicherweise aus der Hotelstadt nicht heraus.Da ich aber unter einem Forschertrieb leide, wurde sofort auch die Umgebung untersucht. Wunderschöne Landschaft und Strände! Ansonsten einfache Dörfer mit vielen Bauern. Keine weiß-blauen Häuser wie auf den Kykladen. Und viele altertümliche Gefährte auf den Straßen.
Wo unter der Woche nur die Traktoren aus den Fünfzigern tuckern, die spoilerverzierten, aber sonst völlig verbeulten Mazdas aus den Achtzigern herumgurken und die auffrisierten und furchtbaren Lärm verursachenden Zweitakter-Mopeds ihre Runden ziehen, fallen plötzlich ab Freitag Nachmittag die Luxuskarossen ein - die Mercedesse mit Flügeltüren, die Lotusse, Maseratis und Ferraris, die es trotz der griechischen Bodenwellen bis hierher geschafft haben, und die größten geländegängigen Autos am Markt. Statt verstaubter Bauern im löchrigen T-Shirt besiedeln nun die durchgestylten Großstädter die Straßen. Über ihnen braust der Helikopter hinweg, der die ganz Eiligen ins Hotel fliegt.
Am Wochenende fallen dann ein paar Familien per Rad aus dem Hotel aus (vermutlich keine Griechen), und manch einer verirrt sich in die kleine Lokalmeile in Gialova oder in den lokalen Supermarkt. Am Sonntag Abend setzt sich dann der ganze Tross wieder in entgegengesetzte Richtung in Bewegung und der Spuk hat ein Ende. Tourismus auf Griechisch!

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