Donnerstag, 19. September 2019

Mauerfall

Vor einigen Jahren, als ich anfing, diesen Blog zu schreiben, habe ich das Foto einer Mauer in der Nachbarschaft gepostet, die jederzeit umzufallen drohte. Aber lange passierte nichts. Vor ein paar Monaten sah es dann schon sehr kritisch aus. Wir anderen Nachbarn gingen schon Wetten ein, wann die Mauer endgültig einstürzen würde.


Ein paar Tage später hörte ich stundenlang einen Bagger, der in der Nähe arbeitete. Als ich nachschauen ging, war der schon dabei, die Überreste der Mauer, die auf die Straße gefallen war, zu entfernen. So sieht das Ganze jetzt aus:

Na hoffentlich kommt das alles nicht mit dem ersten großen Regenguß herunter!


Auch in einem Blumentopf kann es sehr gemütlich sein!



Am Dorffriedhof

Ich wohne ja ganz nah am Friedhof im Dorf. Trotz seiner tollen Lage am Hügel und seiner wunderschönen Aussicht aufs Meer hinunter besuche ich ihn nur selten, denn er ist leider recht ungepflegt (im Gegensatz zu manch anderen Friedhöfen hier). Vor einiger Zeit ging ich aber doch wieder einmal nachschauen, was sich da oben tut. Hier ein kleiner Rundgang:

An und für sich ja ganz idyllisch .... 

wenn nicht schon manche Gräber auseinanderfallen würden

Das scheint überhaupt ein selbst gezimmertes sein

Und dieser alte Sarg ist zur letzten Ruhestätte von Gerümpel geworden

während sich im Knochenhaus jemand gefunden zu haben scheint, der einmal aufgeräumt hat ...


Ein paar Giftige

Wenn wir schon bei den Toten sind: ein paar giftige Nachbarinnen mit Keppelzahn gibt es hier, aber um die geht es jetzt nicht. Sondern um zwei giftige Tiere. Gott sei Dank bin ich ihnen erst begegnet, als sie schon tot waren. Aber so schlimm ist es auch nicht, wenn man ihnen lebendig begegnet, denn sie sind nicht von sich aus aggressiv. Falls man aber auf sie draufsteigt, dann beißen sie schon zu.
Die eine ist die Sandviper, die ich immer wieder einmal im Garten unter einem Busch entdecke. Die auf dem Foto hat offensichtlich vor dem Überqueren des Weges nicht nach links und rechts geschaut. Nach ihrem Biss sollte man sich lieber in ein Krankenhaus begeben.


Der andere ist der Skolopender. Hier sind gleich zwei von ihnen vor lauter Durst in meinen Pool gestürzt und darin ertrunken. Diese Tausendfüßer bringen einen zwar nicht um, sie verursachen einem aber starke und lang andauernde Schmerzen, genauso wie ein Skorpion.

Dann soll es noch die Schwarze Witwe geben. Kleine schwarze Spinnen sieht man ja oft, aber ob das die Schwarze Witwe ist, weiß ich nicht. Ich kenne auch niemanden, der schon bewußt mit ihr zu tun hatte.
Das war's dann schon auch mit dem giftigen Getier hier, aber wie gesagt soll es ja auch Menschen mit Giftzahn geben ....


Öffentliche Kunst in Athen

Seit Beginn der Krise wurden in Athen - auch in der Innenstadt - viele Geschäfte geschlossen. Das heißt, die Rollbalken sind unten. Und wenn die anderen zur Mittagspause oder am Abend ebenfalls ihre Rollbalken herunterlassen, wird die Stadt zu einem einzigen, großen Graffiti. Renoviert und neu gebaut wird so gut wie nichts, und so bringt die Street Art als einzige Farbe in die Stadt. Natürlich gibt es auch häßliche Graffitis, ebenso aber Witziges und Lustiges sowie Künstlerisches. Vor einiger Zeit hat sogar die Stadtverwaltung Künstler aufgerufen, Stromkästen zu bemalen. Mir gefällt's!






 


Essgewohnheiten und verwirrende Speisen-Bezeichnungen

Griechen sind große Fleischesser. Einen griechischen Mann, der nicht täglich seinen Brocken Fleisch bekommt, habe ich bis jetzt nicht kennengelernt.
Die Frauen kommen manchmal auch ohne aus und beschränken sich dann auf Salat. Aber der Salat hat so seine Tücken! Zunächst einmal bekommt man ihn in der Taverne selten mit einem Löffel, man muß ihn irgendwie anders auf seinen Teller kriegen, oder es essen der Einfachheit halber alle aus einer Schüssel.
Auch die Bezeichnungen mancher Salate sind verwirrend. Ein Cesar Salat kann hier alles Mögliche sein, ein Kartoffelsalat (den es sehr selten gibt) besteht manchmal nur aus gekochten Erdäpfeln mit Olivenöl übergossen. Das häufigste Missverständnis kommt aber beim Tomatensalat auf. Man würde sich Paradeiser und Zwiebel erwarten. Aber nein, der griechische Tomatensalat ist ein griechischer Bauernsalat ohne Feta-Käse, besteht also aus Paradeisern, Gurken, Paprika und Zwiebeln. Andere griechische Salate wiederum würden wir als Aufstriche bezeichnen, so zum Beispiel den Melizanosalata, den Melanzani-Aufstrich.

Dann gibt es noch Horta, das sind gekochte grüne Blätter. Das kann Spinat sein, aber auch Löwenzahn oder was sonst noch so an grünen Blättern auf der Wiese wächst - je nach Saison.


Pommes frites sind hier immer eine Vorspeise. Wer sie also als Beilage zur Hauptspeise haben will, muß das auch sagen und hoffen, dass es der Kellner bis dahin nicht wieder vergessen hat. Überhaupt unterschiedet man nicht so genau zwischen Vor- und Hauptspeise. In machen Tavernen kommt alles auf den Tisch, wie es halt gerade in der Küche fertig wird. Und in einem Cafe haben sie es einmal geschafft, mein Essen geschlagene 30 Minuten nach dem meiner Freundin zu bringen.
Tortengabeln gibt es nicht, nur große, und zu härteren Mehlspeisen bekommt man gleich Messer und Gabel. Zum Kaffee gibt es immer einen Löffel, aber zum Kakao nie.
Kamillentee ist kein Tee, denn Tee ist nur Schwarztee. Den viele übrigens den gelben Tee nennen, weil es sich meistens um den Yellow Label von Lipton handelt.
Wenn man Souvlaki (den typisch griechischen Schweinespieß) verlangt, wird man oft gefragt, wieviele man will. Denn bei dieser Speise bestellt man oft nicht in Portionen, sondern nach Anzahl der Spieße.



Viele ausländische Touristen ordern Eiskaffee, aber den kennt man hier nicht. Am besten verlangt man einen Frappé-Kaffee und eine Kugel Eis und wirft diese dann selber in den Kaffee. Das geht schneller als umständliche Erklärungen.
Was mich besonders hart trifft, ist die Tatsache, dass es in den meisten Tavernen keine Desserts gibt. Außer in manchen, wo eine Kleinigkeit auf Kosten des Hauses angeboten wird. Aber da muß man halt nehmen, was es eben gerade gibt. Im Cafe gibt es keine Torten, dazu muß man in die Sacharoplastio, die Konditorei, aber die findet man nicht überall. Auch in den Bäckereien gibt es Torten, dafür aber meistens wieder keinen Platz zum Sitzen.
Ihr seht also, die Nahrungsaufnahme ist nicht immer leicht, aber vom Fleisch bin ich trotzdem noch nicht gefallen!
Das Tischabräumen geht in manchen Tavernen ruckzuck. Denn jeder Tisch hat ein Papiertischtuch. Nach Abzug der Gäste wird das Geschirr abgeräumt, die Essensreste werden auf das Tischtuch gekippt, dieses über den Speiseresten zusammengeschlagen und alles zusammen  in den Müll geworfen.
Wohl bekomm’s - Kali orexi!







Abrasiert!

Gerüchteweise sollen manche Griechen ja nicht gründlich arbeiten. Das stimmt nicht, ich kann es euch beweisen!
Kürzlich kam irgendjemand, der für Straßen zuständig ist, auf die Idee, dass man die Straßenränder mähen könnte - etwas, dass nur äußerst selten vorkommt. Zu diesem Behufe engagierte man zwei Bauern mit Traktor und darauf montierten Mähbalken. Nun gut, die Traktoren fuhren los, einer nach dem anderen, damit auch alles gründlich erledigt wird. Leider war es ein sehr windiger Tag, und unter dem geschnittenen Gras und Buschwerk kamen all die Abfälle hervor, die die griechischen Autofahrer üblicherweise während der Fahrt aus dem Fenster werfen. Diese verwehte der Wind gleich über die ganze Straße. Aber ihr könnt beruhigt sein - jetzt sind sie alle wieder am Straßenrand! 
Für die Abfälle konnten die Traktorfahrer nichts, denn die tauchten ja unter ihren Mähbalken auf. Aber an einem Straßenrand befinden sich üblicherweise noch andere Dinge, nämlich Begrenzungspflöcke (in Griechenland nicht immer) und Verkehrszeichen. Gründlich, wie die zwei Herren waren, haben sie gleich die Kunststoff-Begrenzungspflöcke mit abgemäht und Verkehrszeichen gekappt. Das ganze Ausmaß dieser ausführlichen Arbeit konnte ich leider nicht fotografisch dokumentieren, denn es fand an engen und kurvigen Stellen der Straße statt, wo ich nicht stehenbleiben und aussteigen konnte, denn sonst wäre ich auch gleich von jemanden abrasiert worden.





Archaische Autoreparatur

Kürzlich hörte ich, wie der alte Nachbar Adonis sein Auto startete, dieses aber nicht und nicht anspringen wollte. Nicht nur Adonis ist schon alt, auch sein Pick up ist inzwischen in die Jahre gekommen, und so eierte der Motor herum, bevor er abstarb. Adonis probierte es noch zweimal, aber ohne Erfolg. Dann stieg er aus und ging ins Haus. Eine Minute später kam er mit einem Benzinkanister zurück und füllte einmal den Tank nach. Vermutlich geht in der alten Kiste die Benzinanzeige nicht mehr und er kann nur raten, ob er noch genug Treibstoff hat. Danach setzte er sich wieder ins Auto und startete noch einmal. Wieder kam nur ein Eiern und ein darauf folgendes Absterben. Adonis verschwand abermals im Haus und kam gleich darauf mit einem großen Hammer zurück. Er öffnete die Motorhaube, haute ein paar Mal kräftig auf irgendwas im Motorraum und probierte noch einmal zu starten. Ein paar Schnaufer machte der Pick up, aber dann lief er wie ein Glöckerl! Motorhaube zu, Hammer zurück ins Haus und Abfahrt!
Man kann den Griechen nur wünschen, dass ihre alten Kraxn ohne Elektronik und digitalem Schnickschnack noch lange laufen, denn bei den Modellen, die unsereins fährt, würde wahrscheinlich auch der alte Adonis nichts mehr ausrichten!


 

Telefon mit Zusatznutzen

Öffentliche Fernsprecher gibt es auch in Griechenland nicht mehr oft. Vor einiger Zeit aber war ich in einem Dorf, wo noch einer war. Bei genauerem Hinsehen entdeckte ich, dass dort jemand einen Sack Blumenerde abgelegt hatte. Wurde er zur späteren Verwendung nur zwischengelagert, oder sollte er so etwas wie ein weicher Polster für Vieltelefonierer sein? Oder hat er einfach nur farblich dazugepaßt? Oder hat dort jemand eine Blumenerdenspende deponiert, die sich ein Garten-Bedürftiger abholen kann? Auf jeden Fall werde ich dort nachsehen, was aus dem Sack geworden ist, wenn ich wieder komme!




Die Verantwortlichen für die sommerliche Geräuschkulisse:

Was gehört zu einem Sommerurlaub im Süden? Sonne, Strand, Meer, Pinien, Palmen und - ja, natürlich - die Geräuschkulisse der Grillen und Zikaden! Die Saison dieser Tiere ist längst vorbei, es ist sozusagen herbstliche Ruhe eingezogen. Wer sie im Urlaub immer hört, aber nicht weiß, wie sie genau aussehen, hat hier die Gelegenheit. Das ist eine frisch geschlüpfte Zikade, daneben noch ihre alte Hülle, der sie gerade entstiegen ist. Ihre Farbe wechselt noch zu Braun, und dann steht dem ohrenbetäubenden Lärm nichts mehr im Weg!




Hoppla!



Das Adonis-Mißverständnis  

Auch in unseren Breiten lernt man in der Schule über die griechischen Götter, und Adonis, der Gott der Schönheit, ist wohl jedem bekannt. Auch in der Gegenwart gibt es in Griechenland viele Adonisse. Nur leider sind sie nicht immer so schön, und ich habe mir oft gedacht "Die tragen eine Bürde mit sich herum, haben von ihren Eltern diesen Namen bekommen und gleichen dem schönen Gott so gar nicht, sind manchmal sogar schiach wie der Zins (auf Hochdeutsch etwa "häßlich wie die Nacht")". 
Aber erstens werden hier sehr viele Kinder nach den Großeltern benannt (wie schon in einem früheren Post erklärt). Und wenn der Opa nun mal Adonis heißt, hat das Kind eben keine Chance auf Kevin oder Justin.
Und zweitens wurde ihre Namenswahl gar nicht vom Gott der Schönheit inspiriert! Sondern die sind ganz ordinäre Antons! Im Griechischen schreibt man sie nämlich "Antonis", aber ausgesprochen wird das Ganze als "Adonis". Es handelt sich also um ganz normales Antons oder Tonis.
Den Gott Adonis gibt es natürlich auch noch, der wird aber auf dem i betont!







Mittwoch, 18. September 2019

Lampen-Kasserole

Sehr häufig auf griechischen Speisekarten findet man Lampen. Zum Glück muss man aber nicht auf Metall, Glas und Kabeln herumkauen, sondern diese Gerichte schmecken immer irgendwie nach Lamm (was aber bekanntlich auch nicht jedermanns Sache ist).
Im griechischen Alphabet gibt es kein "b", sondern nur ein "p". "mp" wird aber wie "b" ausgesprochen. Daher werden die Lämmer (Englisch "lamb") öfter zu Lampen!
In anderen Lokalen wird wiederum Papier aufgetragen, wo sich der Gast Paprika erhofft hätte ("paper" statt "pepper").
Haben wir ein Glück, dass sie nicht immer das servieren, was auf der Karte ist! 



Meister des Transports

In Griechenland werden Waren und Personen oft auf abenteuerliche Weise transportiert. Wenn ein langer Gegenstand nicht ins Auto paßt, so werden einfach die Fenster geöffnet, und vorne und hinten sitzt einer, der das Ding dann außerhalb des Autos  hält. Riesige Matratzen werden auf winzigen Autos transportiert. Entweder klappt das Ganze dann hinunter auf die Windschutzscheibe, sodass die Fahrt zu einem Blindflug wird, oder sie stellt sich im Fahrtwind auf und bremst das Fahrzeug ordentlich ab. Auf Mopeds fährt man meist einhändig. Am häufigsten sieht man die Auslieferer der Cafes, die die kleinen Tassen des griechischen Kaffees während der Fahrt auf einem Tablett halten. Aber auch diverse Einkäufe werden so nach Hause gebracht. Ebenso muss der Hund manchnal auf dem Moped mit. Er steht auf dem Trittbrett und hält sich mit den Vorderpfoten am Lenker an. Genauso kleine Kinder (die natürlich keine Pfoten haben, außer manchmal dreckige). Hie und da macht man es wie in Asien - Papa, Mama und zwei Kinder auf dem Moped. Die gängigere Variante sind aber drei Personen. Weit aus dem Fahrzeug hinausragende Gegenstände werden natürlich nur in den seltensten Fällen gekennzeichnet. So stach mir erst kürzlich ein langes scharfes Messer fast ins Auge, als ich an der Ampel mit geöffnetem Fenster neben einem Moped anhielt.Ihr seht, man ist hier kreativ bei den Beförderungsmaßnahmen!





Verkehrszeichen

Mit den Verkehrszeichen ist es so eine Sache. Eine Straßenmeisterei, wo alles steht, was man im Verkehr eben so brauchen könnte, habe ich bis jetzt noch nicht gesehen. Aber es ist mir schon aufgefallen, dass die Gemeinde offensichtlich in unregelmäßigen Abständen Lieferungen von Verkehrszeichen und -spiegeln bekommt. Da scheint man aber nehmen zu müssen, was eben so kommt. So war kürzlich offensichtlich eine größere Partie 50er-Beschränkungen dabei. Die wurden fleißig vor Ortschaften und kaputten Straßenabschnitten verteilt. Wären es 40er gewesen, so hätte man halt die aufgestellt. Auch Stopptafeln kommen immer wieder daher, denn sie bleichen sehr schnell aus und sind dann nur noch rein weiße Achtecke. Und hin und wieder schafft es einer nicht mit dem rechtzeitigen Bremsen und die Stopptafel kommt zu Tode (und muss natürlich ersetzt werden). Letztes Jahr wurden großzügig Verkehrspiegel in der Gegend gepflanzt. Leider sind sie sehr schlechter Qualität. Hätte ich mich auf das verlassen, was ich auf ihnen gesehen habe, - nämlich nichts - hätte es ins Auge gehen können. Schnell werden die Dinger blind, stürzen von ihren Befestigungen ab oder werden gleich von einem Autofahrer niederrasiert.
Ja, und was sie genau bedeuten und wie man sie richtig einsetzt, ist offensichtlich auch nicht allen ganz klar. So kommt es immer wieder zu "Verkehrstafelkuriositäten":






Zungenbrecher für Nicht-Griechen:




Das würde ich nur für einen ganz günstigen Preis nehmen!


Baum-Kirchen

Wart ihr schon mal in einer Baumkirche? In den Bergen im Norden des Peloponnes kann man eine besuchen. Zwei große hohle Baumstämme sind zusammengewachsen und miteinander verbunden. Bis zu zwanzig Leute haben darin Platz.
Aus einer anderen Kirche wachsen mehrere Bäume aus dem Dach heraus. Ganz so wird es vermutlich nicht sein, aber weder innerhalb noch außerhalb des Kirchleins sieht man Baumstämme.





Winterwetter

Der Winter im südlichen Griechenland ist ja nicht mit dem in Österreich zu vergleichen. Aber der letzte war eine Katastrophe! In meiner Ecke hier regnet es im Winter immer sehr viel, auf jeden Fall in drei Monaten mehr als in Österreich im ganzen Jahr, schätze ich einmal. Und das ist auch gut so, denn wir brauchen Wasserreserven für den Sommer. Aber der letzte Winter hat uns nichts als Regen beschert, dazu war es ungewöhnlich kalt. Noch nie habe ich meine dicken Daunenjacken hier so viel getragen wie diesen Winter. Auch die ganz alten Griechen sagen, dass sie so etwas noch nie erlebt haben. Noch dazu war der anschließende Frühling genau so unbrauchbar (für griechische Verhältnisse jedenfalls) - immer wieder Regen und starker kalter Wind. Erst Mitte Juni brach dann der Sommer aus, mit etwas zu hohen Temperaturen. Das führte in der Umgebung zu täglichen starken Gewittern. Zum Glück ging dieser Kelch in meiner Gegend an uns vorüber, denn einmal hagelte es golfballgroße Eiskörner. Diese zerbrachen Windschutzscheiben und hinterließen Autos, die aussehen, als hätte sie ein Verrückter mit einem Hammer malträtiert. Jetzt ist wieder schönes Sommerwetter, aber wir hatten in sechs Monaten mehr oder weniger keinen Regen. Mal sehen, wie es weitergeht!

Samstag, 15. Juni 2019

Der Klopapierschwanz

Vor einiger Zeit hatte ich einen Termin bei Gericht. Ich fuhr nach Kalamata und parkte auf dem großen Parkplatz. Dort suchte ich die öffentliche Toilette auf, bevor ich mich auf den Weg zum Gericht machte. Leider war die Toilette nicht sehr sauber, und daher belegte ich die Klobrille mit Klopapier, bevor ich das WC benutzte. Danach marschierte ich durch die Stadt bis zum Gerichtsgebäude. Dort wartete ich auf den Anwalt und ging in der Halle des Gerichts auf und ab, denn das Gebäude war nicht geheizt und es war ein kalter Wintertag. Plötzlich kam ein Mann auf mich zu und redete auf mich ein. Ich verstand kein Wort. Aber er schaute immer hinter meinem Rücken. Was will er, dachte ich mir. Hat vielleicht ein Dieb meinen Rucksack geöffnet? Aber von so einem dreisten Diebstahl hatte ich in der Gegend noch nie gehört. Was wollte er dann? Schließlich fing er an, an meiner Hinterseite herum zu zupfen. Erst da sah ich, dass ich sozusagen einen Klopapierschwanz hatte! Er war in der Toilette an meiner Hose hängen geblieben, und ich war so durch die ganze Stadt marschiert! 
Als ich noch jünger war, hätte ich mich jetzt ganz furchtbar geniert, aber heute muss ich darüber lachen. Gott sei Dank hat mich der freundliche Herr von meinem Schwanz befreit, bevor ich vors hohe Gericht trat!

Mit diesem Papier wär mir das nicht passiert!



Kommunikatives Autofahren:

Die Griechen sind ein kommunikatives Völkchen, sie reden gern miteinander. Deshalb kann man sie auch immer nach dem Weg fragen. Man bekommt auch immer eine Antwort, auch wenn die Auskunft nicht stimmt, weil der Befragte nämlich gar keine Ahnung hat, wo der gesuchte Ort liegt. Zu sagen, dass man es nicht wüßte, wäre wie in den anderen Balkan-Ländern nicht denkbar. Denn wie wir schon an früherer Stelle gelernt haben - der Grieche weiß alles und kann alles! Und außerdem will er höflicherweise eine Auskunft geben.
Die Kommunikation im Verkehr muß aber nicht unbedingt verbal erfolgen. Wer bedient schon gerne den schnöden Blinker, wenn er doch auch die Hand aus dem Fenster strecken und winken kann? Das kann aber auch damit zu tun haben, daß man keinen Blinker mehr hat oder dieser defekt ist. Außerdem lüftet man gerne die linke Hand während des Autofahrens. Oft kommt man übrigens gut zurecht, wenn man weder blinkt noch winkt. Der hinter einem sieht ja doch eh, was man vorne so tut. Und übersieht er es einmal, ja dann - dann ist es halt blöd gelaufen.
Blinken beim Einparken tun übrigens nur die Ausländer, und dieses Blinken wird auch nicht als ein Einpark-Blinken erkannt. Schon steht der Hintermann 20 cm hinter einem, und den Parkplatz zum Parallel-Einparken kann man sich einrexen (für diejenigen, die nicht mit Rex-Gläsern vertraut sind = in die Haare schmieren). Das Einparken funktioniert nur, wenn man zuvor die Warnblinkanlage anwirft. Das ist das Zeichen für den Nachkommenden, dass man irgend etwas vor hat - meistens mitten auf der Straße stehen bleiben oder einparken. Ich suche die Taste immer noch verzweifelt, wenn ein Parkplatz auftaucht, denn welcher Nicht-Südländer braucht sie schon oft? Außer Panne und Stau auf der Autobahn fiele mir nichts weiter ein.


Besonders kommunikativ geht es auf großen Kreuzungen zu. Nachdem man ja oft die Verkehrsregeln nicht so gut kennt (zu einem Führerschein kann man in Griechenland ja nicht nur durch Fahrschule und positiv absolvierte Fahrprüfung gelangen), bremst man sich sicherheitshalber einmal ein und schaut, was der andere so tut. Man sucht Augenkontakt mit den Verkehrsgegnern und schnapst sich durch Winken und freundliches Zulächeln aus, wer zuerst darf. Und dann gibt es immer die ganz Freundlichen, die prinzipiell die anderen zuerst fahren lassen. Jedenfalls läuft das Ganze meist in sehr freundlicher Atmosphäre ab.
Wo die Griechen auch nicht kleinlich sind, ist, wenn sie zuckeln. Wie gesagt - nicht jeder hat eine Fahrschule durchlaufen, und man ist halt einfach unsicher. Deswegen hält man es lieber gemütlich, besonders wenn man am rechten Rand fahren soll, was ja gar nicht so einfach ist. Aber die Nachkommenden aufhalten will man auch wieder nicht. Deshalb wird ausnahmsweise der rechte - manchmal auch der linke - Blinker angeworfen, dazu oft der Arm beim Fenster hinausgestreckt und gewinkt, daß der Hintermann doch überholen soll. Gerne wird das an unübersichtlichen Stellen gemacht, wo das Überholen super gefährlich ist. Und dann wundern sie sich, dass man nicht überholt, wo sie es doch nur gut meinen.
Gott sei Dank gibt es in Griechenland mehr Schleicher als Raser, denn mit ihnen läuft der Verkehr auf jeden Fall sicherer ab. Und ein nettes Winken würde der Autofahrstimmung auch in unseren Breiten manchmal ganz gut tun!



Plastik-Mistgabeln?

Was ist denn das? Mistgabeln aus Plastik? Rechen?
So etwas braucht man nur in Gegenden mit Olivenbäumen. Damit werden bei der Ernte die Oliven vom Baum abgeschlagen. Ich hab es nie probiert, aber es soll ziemlich anstrengend sein, so den ganzen Tag auf die Äste zu schlagen.





Gute Manieren

Einen griechischen Herrn Knigge oder Elmayer gibt es vermutlich nicht, denn auf Umgangsformen, die bei uns wichtig sind, legt man hier nicht so großen Wert, zumindest nicht auf dem Land.
Hier zählt noch der Mann! Man gibt zuerst ihm die Hand und nicht der Dame. Hier steht man nicht auf, um jemanden zu begrüßen, auch der Anwalt nicht, wenn seine Klientel zu ihm kommt. Hier hantiert man mit Messer und Gabel, wie es einem halt gelingt. Daß man das Besteck parallel auf den Teller legt, sobald man mit dem Essen fertig ist, das kennt man nicht. Dabei wäre es so praktisch, denn dann müßte einen der Kellner nicht immer extra fragen, ob man schon fertig ist. Interessanterweise fragt er das aber auch immer, wenn absolut nichts mehr auf dem Teller ist.
Aber ich schweife ab. Wichtig hier ist, dass man bei der Begrüßung den anderen fragt, wie es ihm geht. Je nach Sympathie kann sich diese Frage mehrmals innerhalb einiger Minuten wiederholen. Wie beim Ping-Pong geht es hin und her. Ansonsten drückt man einfach durch Herzlichkeit sein Mitgefühl oder seine Freude aus.
Aber es gibt natürlich Gelegenheiten, wo man ein bestimmtes Verhalten erwartet, wie zum Beispiel bei Trauerfällen (obwohl es in manchen Gegenden allerdings ziemlich egal zu sein scheint, was man bei einem Begräbnis trägt). Nacktheit kann man Griechen nicht zumuten, darüber regen sie sich ziemlich auf, aber auch bei uns werden die Leute ja immer „gschamiger“.
Ein freundliches Lächeln hilft aber auf jeden Fall immer!




Das Haus am Meer

Viele Griechen haben ein Haus am Meer. Die einen wohnen sowieso dort. Die anderen leben in Athen (denn dort lebt die Hälfte der griechischen Bevölkerung), kommen aber oft von einer Insel oder einer anderen Gegend am Meer. Unsereiner stellt sich immer ein idyllisches Haus im mediterranen Stil mit Meerblick vor. Die Realität sieht aber ganz anders aus. Das „Haus“ ist oft das Haus der Eltern oder Großeltern, das verlassen und bestenfalls im Sommer bewohnbar ist, weil ohne Heizung und in einem schlechten Zustand. Die Größe ist manchmal die eines Schuppens (den man bei uns übrigens schon lange abgerissen hätte). Vorsicht also, wenn man von Griechen in deren Haus am Meer eingeladen wird. Wenn der Freund nicht gerade ein Millionär ist, sollte man seine Erwartungen einmal sicherheitshalber hinunterschrauben.























Sie kann sich einfach nicht entscheiden!







In die Schule gehen ist Schwerarbeit! 





Museen sind nicht immer fad!

Museen sind oft gar nicht so verstaubt, wie manch einer vielleicht glaubt. Da gibt es durchaus auch sehr interessante Dinge zu sehen.
Was glaubt ihr zum Beispiel, was das ist?


Ganz einfach - ein antiker Topf fürs Baby!



Auch in Sachen Intimfrisur stand man der heutigen Zeit um nichts nach:



Der Kappelmann:

Ich liebe die Autobahn, die über den Peloponnes bis hinunter in den Süden nach Kalamata führt! Denn sie ist neu und außer im Sommer nur wenig befahren. Ein Grund dafür sind wohl auch die geschmolzenen Mautgebühren. Diese sind an Stationen entlang der Autobahn zu bezahlen. Man muss sich also immer wieder einbremsen, um seinen Obulus zu berappen. Bei der Anfahrt zu diesen Stationen bin ich immer schon auf der Suche nach dem "Kappelmann", dem Mann mit der Kappe, denn bei dem kann man bar bezahlen.


 Der Kappelmann ist oft auch eine Frau. Ich beneide die Angestellten in den kleinen Häuschen nicht - Fenster auf, Fenster zu, eisiger Wind im Winter, Hitze im Sommer, immer dieselbe schiefe Bewegung beim Aus-dem-Fenster-Hinausgreifen. Trotzdem sind sie immer freundlich, grüßen und bedanken sich. Trotz aller Freundlichkeit würde ich lieber die elektronische Maut bezahlen, wo der Schranken von selber aufgeht, denn das ist zeitsparender. Aber zwei Mal hat an der Verkaufstelle für die Geräte dafür der Computer nicht funktioniert, und dann hieß es "Ist für ausländische Kennzeichen nicht zu haben!" Na gut, dann halte ich weiter Ausschau nach dem Kappelmann! Die echten im Häuschen drinnen haben übrigens kein Kappel auf!