Donnerstag, 19. September 2019

Abrasiert!

Gerüchteweise sollen manche Griechen ja nicht gründlich arbeiten. Das stimmt nicht, ich kann es euch beweisen!
Kürzlich kam irgendjemand, der für Straßen zuständig ist, auf die Idee, dass man die Straßenränder mähen könnte - etwas, dass nur äußerst selten vorkommt. Zu diesem Behufe engagierte man zwei Bauern mit Traktor und darauf montierten Mähbalken. Nun gut, die Traktoren fuhren los, einer nach dem anderen, damit auch alles gründlich erledigt wird. Leider war es ein sehr windiger Tag, und unter dem geschnittenen Gras und Buschwerk kamen all die Abfälle hervor, die die griechischen Autofahrer üblicherweise während der Fahrt aus dem Fenster werfen. Diese verwehte der Wind gleich über die ganze Straße. Aber ihr könnt beruhigt sein - jetzt sind sie alle wieder am Straßenrand! 
Für die Abfälle konnten die Traktorfahrer nichts, denn die tauchten ja unter ihren Mähbalken auf. Aber an einem Straßenrand befinden sich üblicherweise noch andere Dinge, nämlich Begrenzungspflöcke (in Griechenland nicht immer) und Verkehrszeichen. Gründlich, wie die zwei Herren waren, haben sie gleich die Kunststoff-Begrenzungspflöcke mit abgemäht und Verkehrszeichen gekappt. Das ganze Ausmaß dieser ausführlichen Arbeit konnte ich leider nicht fotografisch dokumentieren, denn es fand an engen und kurvigen Stellen der Straße statt, wo ich nicht stehenbleiben und aussteigen konnte, denn sonst wäre ich auch gleich von jemanden abrasiert worden.





Archaische Autoreparatur

Kürzlich hörte ich, wie der alte Nachbar Adonis sein Auto startete, dieses aber nicht und nicht anspringen wollte. Nicht nur Adonis ist schon alt, auch sein Pick up ist inzwischen in die Jahre gekommen, und so eierte der Motor herum, bevor er abstarb. Adonis probierte es noch zweimal, aber ohne Erfolg. Dann stieg er aus und ging ins Haus. Eine Minute später kam er mit einem Benzinkanister zurück und füllte einmal den Tank nach. Vermutlich geht in der alten Kiste die Benzinanzeige nicht mehr und er kann nur raten, ob er noch genug Treibstoff hat. Danach setzte er sich wieder ins Auto und startete noch einmal. Wieder kam nur ein Eiern und ein darauf folgendes Absterben. Adonis verschwand abermals im Haus und kam gleich darauf mit einem großen Hammer zurück. Er öffnete die Motorhaube, haute ein paar Mal kräftig auf irgendwas im Motorraum und probierte noch einmal zu starten. Ein paar Schnaufer machte der Pick up, aber dann lief er wie ein Glöckerl! Motorhaube zu, Hammer zurück ins Haus und Abfahrt!
Man kann den Griechen nur wünschen, dass ihre alten Kraxn ohne Elektronik und digitalem Schnickschnack noch lange laufen, denn bei den Modellen, die unsereins fährt, würde wahrscheinlich auch der alte Adonis nichts mehr ausrichten!


 

Telefon mit Zusatznutzen

Öffentliche Fernsprecher gibt es auch in Griechenland nicht mehr oft. Vor einiger Zeit aber war ich in einem Dorf, wo noch einer war. Bei genauerem Hinsehen entdeckte ich, dass dort jemand einen Sack Blumenerde abgelegt hatte. Wurde er zur späteren Verwendung nur zwischengelagert, oder sollte er so etwas wie ein weicher Polster für Vieltelefonierer sein? Oder hat er einfach nur farblich dazugepaßt? Oder hat dort jemand eine Blumenerdenspende deponiert, die sich ein Garten-Bedürftiger abholen kann? Auf jeden Fall werde ich dort nachsehen, was aus dem Sack geworden ist, wenn ich wieder komme!




Die Verantwortlichen für die sommerliche Geräuschkulisse:

Was gehört zu einem Sommerurlaub im Süden? Sonne, Strand, Meer, Pinien, Palmen und - ja, natürlich - die Geräuschkulisse der Grillen und Zikaden! Die Saison dieser Tiere ist längst vorbei, es ist sozusagen herbstliche Ruhe eingezogen. Wer sie im Urlaub immer hört, aber nicht weiß, wie sie genau aussehen, hat hier die Gelegenheit. Das ist eine frisch geschlüpfte Zikade, daneben noch ihre alte Hülle, der sie gerade entstiegen ist. Ihre Farbe wechselt noch zu Braun, und dann steht dem ohrenbetäubenden Lärm nichts mehr im Weg!




Hoppla!



Das Adonis-Mißverständnis  

Auch in unseren Breiten lernt man in der Schule über die griechischen Götter, und Adonis, der Gott der Schönheit, ist wohl jedem bekannt. Auch in der Gegenwart gibt es in Griechenland viele Adonisse. Nur leider sind sie nicht immer so schön, und ich habe mir oft gedacht "Die tragen eine Bürde mit sich herum, haben von ihren Eltern diesen Namen bekommen und gleichen dem schönen Gott so gar nicht, sind manchmal sogar schiach wie der Zins (auf Hochdeutsch etwa "häßlich wie die Nacht")". 
Aber erstens werden hier sehr viele Kinder nach den Großeltern benannt (wie schon in einem früheren Post erklärt). Und wenn der Opa nun mal Adonis heißt, hat das Kind eben keine Chance auf Kevin oder Justin.
Und zweitens wurde ihre Namenswahl gar nicht vom Gott der Schönheit inspiriert! Sondern die sind ganz ordinäre Antons! Im Griechischen schreibt man sie nämlich "Antonis", aber ausgesprochen wird das Ganze als "Adonis". Es handelt sich also um ganz normales Antons oder Tonis.
Den Gott Adonis gibt es natürlich auch noch, der wird aber auf dem i betont!







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