Der Klopapierschwanz
Vor einiger Zeit hatte ich einen Termin bei Gericht. Ich fuhr nach Kalamata und parkte auf dem großen Parkplatz. Dort suchte ich die öffentliche Toilette auf, bevor ich mich auf den Weg zum Gericht machte. Leider war die Toilette nicht sehr sauber, und daher belegte ich die Klobrille mit Klopapier, bevor ich das WC benutzte. Danach marschierte ich durch die Stadt bis zum Gerichtsgebäude. Dort wartete ich auf den Anwalt und ging in der Halle des Gerichts auf und ab, denn das Gebäude war nicht geheizt und es war ein kalter Wintertag. Plötzlich kam ein Mann auf mich zu und redete auf mich ein. Ich verstand kein Wort. Aber er schaute immer hinter meinem Rücken. Was will er, dachte ich mir. Hat vielleicht ein Dieb meinen Rucksack geöffnet? Aber von so einem dreisten Diebstahl hatte ich in der Gegend noch nie gehört. Was wollte er dann? Schließlich fing er an, an meiner Hinterseite herum zu zupfen. Erst da sah ich, dass ich sozusagen einen Klopapierschwanz hatte! Er war in der Toilette an meiner Hose hängen geblieben, und ich war so durch die ganze Stadt marschiert!Als ich noch jünger war, hätte ich mich jetzt ganz furchtbar geniert, aber heute muss ich darüber lachen. Gott sei Dank hat mich der freundliche Herr von meinem Schwanz befreit, bevor ich vors hohe Gericht trat!
| Mit diesem Papier wär mir das nicht passiert! |
Kommunikatives Autofahren:
Die Griechen sind ein kommunikatives Völkchen, sie reden gern miteinander. Deshalb kann man sie auch immer nach dem Weg fragen. Man bekommt auch immer eine Antwort, auch wenn die Auskunft nicht stimmt, weil der Befragte nämlich gar keine Ahnung hat, wo der gesuchte Ort liegt. Zu sagen, dass man es nicht wüßte, wäre wie in den anderen Balkan-Ländern nicht denkbar. Denn wie wir schon an früherer Stelle gelernt haben - der Grieche weiß alles und kann alles! Und außerdem will er höflicherweise eine Auskunft geben.Die Kommunikation im Verkehr muß aber nicht unbedingt verbal erfolgen. Wer bedient schon gerne den schnöden Blinker, wenn er doch auch die Hand aus dem Fenster strecken und winken kann? Das kann aber auch damit zu tun haben, daß man keinen Blinker mehr hat oder dieser defekt ist. Außerdem lüftet man gerne die linke Hand während des Autofahrens. Oft kommt man übrigens gut zurecht, wenn man weder blinkt noch winkt. Der hinter einem sieht ja doch eh, was man vorne so tut. Und übersieht er es einmal, ja dann - dann ist es halt blöd gelaufen.
Blinken beim Einparken tun übrigens nur die Ausländer, und dieses Blinken wird auch nicht als ein Einpark-Blinken erkannt. Schon steht der Hintermann 20 cm hinter einem, und den Parkplatz zum Parallel-Einparken kann man sich einrexen (für diejenigen, die nicht mit Rex-Gläsern vertraut sind = in die Haare schmieren). Das Einparken funktioniert nur, wenn man zuvor die Warnblinkanlage anwirft. Das ist das Zeichen für den Nachkommenden, dass man irgend etwas vor hat - meistens mitten auf der Straße stehen bleiben oder einparken. Ich suche die Taste immer noch verzweifelt, wenn ein Parkplatz auftaucht, denn welcher Nicht-Südländer braucht sie schon oft? Außer Panne und Stau auf der Autobahn fiele mir nichts weiter ein.
Besonders kommunikativ geht es auf großen Kreuzungen zu. Nachdem man ja oft die Verkehrsregeln nicht so gut kennt (zu einem Führerschein kann man in Griechenland ja nicht nur durch Fahrschule und positiv absolvierte Fahrprüfung gelangen), bremst man sich sicherheitshalber einmal ein und schaut, was der andere so tut. Man sucht Augenkontakt mit den Verkehrsgegnern und schnapst sich durch Winken und freundliches Zulächeln aus, wer zuerst darf. Und dann gibt es immer die ganz Freundlichen, die prinzipiell die anderen zuerst fahren lassen. Jedenfalls läuft das Ganze meist in sehr freundlicher Atmosphäre ab.
Wo die Griechen auch nicht kleinlich sind, ist, wenn sie zuckeln. Wie gesagt - nicht jeder hat eine Fahrschule durchlaufen, und man ist halt einfach unsicher. Deswegen hält man es lieber gemütlich, besonders wenn man am rechten Rand fahren soll, was ja gar nicht so einfach ist. Aber die Nachkommenden aufhalten will man auch wieder nicht. Deshalb wird ausnahmsweise der rechte - manchmal auch der linke - Blinker angeworfen, dazu oft der Arm beim Fenster hinausgestreckt und gewinkt, daß der Hintermann doch überholen soll. Gerne wird das an unübersichtlichen Stellen gemacht, wo das Überholen super gefährlich ist. Und dann wundern sie sich, dass man nicht überholt, wo sie es doch nur gut meinen.
Gott sei Dank gibt es in Griechenland mehr Schleicher als Raser, denn mit ihnen läuft der Verkehr auf jeden Fall sicherer ab. Und ein nettes Winken würde der Autofahrstimmung auch in unseren Breiten manchmal ganz gut tun!
Plastik-Mistgabeln?
Was ist denn das? Mistgabeln aus Plastik? Rechen?So etwas braucht man nur in Gegenden mit Olivenbäumen. Damit werden bei der Ernte die Oliven vom Baum abgeschlagen. Ich hab es nie probiert, aber es soll ziemlich anstrengend sein, so den ganzen Tag auf die Äste zu schlagen.
Gute Manieren
Einen griechischen Herrn Knigge oder Elmayer gibt es vermutlich nicht, denn auf Umgangsformen, die bei uns wichtig sind, legt man hier nicht so großen Wert, zumindest nicht auf dem Land.Hier zählt noch der Mann! Man gibt zuerst ihm die Hand und nicht der Dame. Hier steht man nicht auf, um jemanden zu begrüßen, auch der Anwalt nicht, wenn seine Klientel zu ihm kommt. Hier hantiert man mit Messer und Gabel, wie es einem halt gelingt. Daß man das Besteck parallel auf den Teller legt, sobald man mit dem Essen fertig ist, das kennt man nicht. Dabei wäre es so praktisch, denn dann müßte einen der Kellner nicht immer extra fragen, ob man schon fertig ist. Interessanterweise fragt er das aber auch immer, wenn absolut nichts mehr auf dem Teller ist.
Aber ich schweife ab. Wichtig hier ist, dass man bei der Begrüßung den anderen fragt, wie es ihm geht. Je nach Sympathie kann sich diese Frage mehrmals innerhalb einiger Minuten wiederholen. Wie beim Ping-Pong geht es hin und her. Ansonsten drückt man einfach durch Herzlichkeit sein Mitgefühl oder seine Freude aus.
Aber es gibt natürlich Gelegenheiten, wo man ein bestimmtes Verhalten erwartet, wie zum Beispiel bei Trauerfällen (obwohl es in manchen Gegenden allerdings ziemlich egal zu sein scheint, was man bei einem Begräbnis trägt). Nacktheit kann man Griechen nicht zumuten, darüber regen sie sich ziemlich auf, aber auch bei uns werden die Leute ja immer „gschamiger“.
Ein freundliches Lächeln hilft aber auf jeden Fall immer!
Das Haus am Meer
Viele Griechen haben ein Haus am Meer. Die einen wohnen sowieso dort. Die anderen leben in Athen (denn dort lebt die Hälfte der griechischen Bevölkerung), kommen aber oft von einer Insel oder einer anderen Gegend am Meer. Unsereiner stellt sich immer ein idyllisches Haus im mediterranen Stil mit Meerblick vor. Die Realität sieht aber ganz anders aus. Das „Haus“ ist oft das Haus der Eltern oder Großeltern, das verlassen und bestenfalls im Sommer bewohnbar ist, weil ohne Heizung und in einem schlechten Zustand. Die Größe ist manchmal die eines Schuppens (den man bei uns übrigens schon lange abgerissen hätte). Vorsicht also, wenn man von Griechen in deren Haus am Meer eingeladen wird. Wenn der Freund nicht gerade ein Millionär ist, sollte man seine Erwartungen einmal sicherheitshalber hinunterschrauben.Sie kann sich einfach nicht entscheiden!
Museen sind nicht immer fad!
Museen sind oft gar nicht so verstaubt, wie manch einer vielleicht glaubt. Da gibt es durchaus auch sehr interessante Dinge zu sehen.Was glaubt ihr zum Beispiel, was das ist?
Ganz einfach - ein antiker Topf fürs Baby!
Auch in Sachen Intimfrisur stand man der heutigen Zeit um nichts nach:
Der Kappelmann:
Ich liebe die Autobahn, die über den Peloponnes bis hinunter in den Süden nach Kalamata führt! Denn sie ist neu und außer im Sommer nur wenig befahren. Ein Grund dafür sind wohl auch die geschmolzenen Mautgebühren. Diese sind an Stationen entlang der Autobahn zu bezahlen. Man muss sich also immer wieder einbremsen, um seinen Obulus zu berappen. Bei der Anfahrt zu diesen Stationen bin ich immer schon auf der Suche nach dem "Kappelmann", dem Mann mit der Kappe, denn bei dem kann man bar bezahlen.Der Kappelmann ist oft auch eine Frau. Ich beneide die Angestellten in den kleinen Häuschen nicht - Fenster auf, Fenster zu, eisiger Wind im Winter, Hitze im Sommer, immer dieselbe schiefe Bewegung beim Aus-dem-Fenster-Hinausgreifen. Trotzdem sind sie immer freundlich, grüßen und bedanken sich. Trotz aller Freundlichkeit würde ich lieber die elektronische Maut bezahlen, wo der Schranken von selber aufgeht, denn das ist zeitsparender. Aber zwei Mal hat an der Verkaufstelle für die Geräte dafür der Computer nicht funktioniert, und dann hieß es "Ist für ausländische Kennzeichen nicht zu haben!" Na gut, dann halte ich weiter Ausschau nach dem Kappelmann! Die echten im Häuschen drinnen haben übrigens kein Kappel auf!

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