Freitag, 27. Juli 2018

Mein Reifen-Trauma

Über meinen ersten platten Reifen und die teilweise katastrophal löchrigen Straßen hier habe ich ja an früherer Stelle schon berichtet. Aber dieses Jahr ist das Thema wirklich akut geworden!


Auf Reisen in Ex-Jugoslawien las ich immer die Schilder der „Vulkanisere“, wußte aber nie genau, was die eigentlich machen. Hier heißen sie „Vukanisateur“, und ich weiß inzwischen ganz genau, was die tun. Leider. Ich könnte mir wahrscheinlich schon selber den kaputten Reifen vulkanisieren, so oft habe ich bereits zugeschaut.
Mit meinem alten Auto hatte ich einen klassischen Patschen, der sich leider nicht beheben ließ, weil das Loch in der Seitenwand des Reifens war. Der Vulkanisateur war aber so nett und hat mir zumindest das Notrad montiert. So ein Notrad ist aber kleiner als ein normales und man darf nur langsam damit fahren. Das sollte ja nicht so schlimm sein, denn ein neuer Reifen ist schnell gekauft. Würde man meinen, denn mein Auto war mit Allwetter-Reifen bestückt, und die hat in Griechenland keiner. Also mußte einer in Italien bestellt werden. Es wurde aber nicht mein Reifen allein auf die Reise geschickt, das wäre zu teuer gewesen. Deshalb hat man abgewartet, bis mehr zusammenkam und hat dann alles gemeinsam versendet. Das hat sage und schreibe vier Wochen gedauert. Ich bin in der Zwischenzeit mit dem Notrad herumgeeiert, mit einem Tempo wie ein alter Grieche in seinem noch älteren Pickup.
Mit meinem neuen Auto fuhr ich nach einem Regenguss durch eine wassergefüllte Senke. Leider verbarg sich darin ein tiefes Loch mit scharfer Kante. Das Geräusch beim Durchfahren überzeugte mich sofort, dass mein Reifen geplatzt und hinüber war. Ich fuhr aber noch schnell bis zu meinem Haus weiter - die letzten Meter bereits auf der Felge - denn irgendwo in der Botanik stehenbleiben und auf den ÖAMTC oder ARBÖ warten, das spielt es hier nicht. Einen Pannendienst, der kommt und einem hilft, gibt es nicht. Es gibt nur einen Abschleppdienst und der nahm das ganze Auto mit, um einen Reifen zu wechseln. Er lieferte es im eine Stunde entfernten Kalamata ab. Dort mußte wieder ein neuer Reifen bestellt werden. Und wieder gab es ein Problem (wundert uns das?). Denn es war Winter und mein neues Auto hat Sommerreifen wie alle Autos hier. Aber im Winter werden keine Sommerreifen produziert. Nach zwei Tagen fand die Werkstätte dann den einzig verfügbaren Reifen in ganz Griechenland. Bis er geliefert und montiert war, verging eine Woche. Eine Woche ohne Auto in einer Gegend, wo dreimal am Tag ein Bus fährt! Da kann man sich gleich erschießen!




Kurz nach diesem Vorfall meldete mein Bordcomputer, dass ich den Reifendruck prüfen solle. Nach einigem Suchen fand sich eine Schraube in meinem nagelneuen Reifen. Zum Glück verlor ich nur langsam Luft und begab mich zum Vulkanisateur. Dieser vulkanisierte den Reifen (er klebte auf die Innenseite des Reifens eine Art Pflaster). Diesmal ist das Problem schnell gelöst, dachte ich. Aber nein, schon kurz vor meinem Haus forderte mich mein Freund, der Bordcomputer schon wieder auf, den Reifendruck zu prüfen. Da war ich aber schon zu erschöpft und pfiff darauf. Am nächsten Tag in der Früh war der „reparierte“ Reifen wieder platt. Selbst ist die Frau, und so füllte ich den Reifen mit dem hauseigenen Kompressor wieder auf und fuhr zu einem anderen Vulkanisateur. Dieser entfernte das Pflaster des Vorgängers und steckte einen Pfropfen in das Loch.
Ende gut, alles gut, würde man nun meinen. Aber nein, schon eine Woche später meldete sich mein Freund, der Bordcomputer, wieder bei mir und hieß mich den Reifendruck prüfen. Ich konnte es nicht glauben und zweifelte schon an der Elektronik des Autos. Mein Freund ließ aber nicht locker mit seinen Meldungen, und so ließ ich meine Reifen überprüfen. Und siehe da, wieder hatte eine Schraube den Weg in einen meiner Reifen gefunden! Diesmal fuhr ich gleich zum besseren Vulkanisateur, der mir den Schaden um € 5,- behob. Für die Hälfte des anderen übrigens, der nur herumgepfuscht hatte.
Nun fahre ich schon drei Tage ohne jegliche Reifendruck-Kommunikation mit meinem Bordcomputer-Freund. Alles, was er zu mir sagt, wenn ich einsteige, ist



Und das ist ja wirklich nützlich, wenn man noch nicht ganz wach ist in der Früh.


Ein spezielles Kafenion

Ein Kafenion kennt jeder Griechenland-Besucher. Es sind die spartanisch eingerichteten Cafés, in denen nur Männer sitzen, die meist gescheit daherreden. In unserem Dorf gibt es ein spezielles Exemplar - es ist Kaffeehaus, Lager und Müllraum zugleich. Ein paar Stammbesucher scheinen sich aber trotzdem recht wohl zu fühlen!






Feuer!

Die griechisch-orthodoxe Kirche verbietet ihren Gläubigen ja die Feuerbestattung, aber kürzlich wären die Insassen (oder besser Inliegenden) des örtlichen Friedhofs fast noch nachträglich kremiert worden. Denn direkt daneben brach auf dem Gelände der Burg ein Feuer aus, das Bäume, Sträucher und Wiesen verbrannte. Durch ein Großaufgebot an Feuerwehren der Umgebung konnte ein Übergreifen auf die Gebäude der Burg und den Friedhof verhindert werden, obwohl es ein extrem heißer und stürmischer Tag war. Das Feuer soll durch Selbstentzündung von Glasscherben ausgelöst worden sein.






Schlampigkeit verursacht immer wieder Brände. So warf jemand in diesem Olivenhain eine Zigarette weg.




In der Umgebung soll es eine ganze Menge an Marihuana-Feldern geben (manch einer hat es sogar schon in seinem Garten angebaut). Ich hörte, dass die Besitzer solcher Felder diese auch anzünden, wenn die Gefahr von Polizeikontrollen droht. Und dabei soll dann manchmal auch gleich die ganze Umgebung mit abgebrannt sein.
Eine Feuerversicherung ist hier auf jeden Fall ratsam!


PS: Diesen Beitrag habe ich ein paar Tage vor der großen Brandkatastrophe in der Nähe von Athen geschrieben. Die tragischen und traurigen Details kennt ihr ja aus den Medien. Was ihr vielleicht nicht gehört habt: Der Metropolit (Erzbischof) von Kalavrita hat verlautbart, dass die Schuld an den Vorkommnissen der griechische Premier Tsipras trägt. Er hat Gott erzürnt, weil er Atheist ist. Das braucht wohl keinen weiteren Kommentar.



Bienenfresser

Neuerdings besuchen mich fallweise die wunderbar bunten Bienenfresser. Sie sitzen meist auf der Stromleitung neben dem Haus, fangen Bienen und Käfer, und kürzlich flatterten sogar ein paar direkt vor meinem Fenster und schauten neugierig herein.






Antike Dramen

Bei meinem letzten Wien-Besuch sah ich mir in der Burg „Antigone“ an. Die Inszenierung nervte mich, denn wer läßt sich schon gern während der ganzen Vorstellung von hundert Scheinwerfern ins Gesicht leuchten? Da lobe ich mir die griechischen Aufführungen, denn hier ist man mit Kulisse und Beleuchtung sparsamer (was vielleicht mit Geldmangel zu tun hat?). Dafür verstehe ich die Schauspieler nicht, aber ich lese immer mit, worum es gerade geht. So habe ich mir in letzter Zeit einige klassische und andere alte Stücke zu Gemüte geführt. Diese finden oft im Sommer in antiken Theatern und Stadien statt. Schon faszinierend, wenn man weiß, dass da bereits vor über 2000 Jahren Leute auf meinem Platz saßen und vielleicht dasselbe Schauspiel angeschaut haben! 





Katzen zahlen übrigens keinen Eintritt


Frühverkehr

In meiner Gegend gibt es an manchen Tagen erheblichen Frühverkehr. Kein Wunder, dass der Bus immer Verspätung hat!


 

Schildkröten

Schildkröten sieht man leider nicht mehr oft, aber manchmal, wenn ich durch die Botanik gehe, pfaucht mich eine an oder schmatzt so lautstark beim Blätterfressen, dass sie mir dann doch auffällt. Von Sascha wird sie nur kurz beschnüffelt, mit der kann man nicht viel anfangen!





Apotheken

In Griechenland fühlen sich viele Leute berufen, irgendein Geschäft zu eröffnen. Nicht immer bzw. meistens sind sie aber gar nicht vom Fach und scheitern. Was man hier aber nicht in Konkurs gehen sieht, das sind - genauso wie in Österreich - die Apotheken. Sie überleben alle. Und dabei gibt es sie wie Sand am Meer. In diesem Viertel in Kalamata finden sich gleich neun Geschäfte. Und die Preise sind nur ein Bruchteil von dem in Österreich. So sind zum Beispiel viele Antibiotika um € 3,- zu haben, die Hälfte der österreichischen Rezeptgebühr. Eine Schachtel Schmerztabletten um € 1,-. Die sind noch dazu auch im Supermarkt erhältlich. Wenn hier schon alle Apotheker mit viel geringeren Spannen und viel mehr Konkurrenz sehr gut leben können, welch Schlaraffenland muß wohl Österreich für Apotheker sein?
(Sollte es Apotheker unter den Lesern geben, bitte um Aufklärung, falls ich mich irre!) 


















Freiluft-Klos!


Dienstag, 10. Juli 2018

Ein denkwürdiges Klassik-Konzert oder Die Tücken einer Freiluft-Aufführung

Zu jeder Gelegenheit gibt es in Griechenland Vorführungen von griechischem Volkstanz, der mich aber wenig interessiert. Dafür gibt es in der Provinz kaum klassische Musik, die mich allerdings schon interessiert. Da lobe ich mir den Sommer, wo ausländische Touristen im Land sind, denn dann läßt sich doch hin und wieder eine Aufführung klassischer Stücke finden.
So kaufte ich Karten (€ 8,- pro Person) für ein Konzert mit griechischen und österreichischen Musikern. Es fand in einem kleinen Park mit hohem und altem Baumbestand vor einer schönen Kirche statt. Eine wunderbare Kulisse für Mozart, Schubert und Beethoven.
Zu meiner Überraschung startete es auch fast pünktlich. Die griechische Violinistin stieg auf die Bühne und erklärte dem Publikum auf Griechisch, was sie nun spielen würde. Das Publikum war allerdings zu 90-95% deutschsprachig und sah einigermaßen hilflos drein, weil es nichts verstand. Die Dame auf der Bühne fiedelte drauf los, bremste sich aber dann ein und erklärte uns doch noch alles auf Englisch. Na immerhin!
Aber in der Zwischenzeit hatte sich das Publikum schon dem Popen der Kirche zugewandt, der vor selbiger auf und ab ging und bereits seit 20 Minuten in sein Handy schrie. Die Tatsache, dass das Konzert bereits begonnen hatte, ließ ihn absolut kalt. Auch die Blicke der Deutschsprachigen, die ihn eigentlich töten sollten, taten nicht das ihrige. Er schrie weiter in sein Handy. Nun blickten alle erwartungsvoll den Organisator des Konzerts an, der der Störung ein Ende machen sollte, aber der tat gar nichts. Entweder hatte er die Störung nicht als solche wahrgenommen (Griechen sind nicht lärmempfindlich und quatschen gerne während Konzerten) oder er hatte zu viel Achtung vor Hochwürden. Nach 10 Minuten verschwand der Gottesmann immerhin mit seinem Handy in der Kirche.



Durch die Musik fühlten sich allerdings einige Vögel in den Bäumen zum Mitmachen motiviert. Leider waren es keine Singvögel. Es startete ein mehrstimmiges heiseres Gekreische. Nun wandten sich die Blicke der Zuhörer den Baumkronen zu, wo die Störenfriede saßen. Die Violinistin machte inzwischen tapfer weiter. Ins heisere Gekreische der einen Vögel fiel ein anderer ein, der aber zumindest einen etwas schöneren Ruf hatte. Und weil sie schon dabei waren, wachte auch noch eine Zikade auf und machte ungehörige Störgeräusche zu den sanften Klängen Mozarts.
Nun gut, die Viecher kann man nicht zum Schweigen bringen, damit muß man leben. Aber dann ging die menschliche Störung los. Eine russische Familie mit kleinen Kindern kam zu spät und setzte sich mit lautem Sesselrücken neben mich. Die Kinder wurden ermahnt, leise zu sein, aber verständlicherweise waren sie es bald müde, nur ruhig dazusitzen. Sie flitzten im Park herum, kamen aber immer wieder zurück zu Mama, um lautstark zu berichten, was sie gesehen hatten. Weitere Ermahnungen folgten. Nur der Vater ließ sich nicht stören und fand die Musik Mozarts so entspannend, dass er auf der Stelle eingeschlafen war. Erst beim Applaus am Ende der Mozart-Sonate wachte er wieder kurz auf.


Dann war die Schubert-Sonate an der Reihe. Die Cellistin erklärte alles, sprach aber so leise, dass wir nichts verstanden. Das hatte seinen Grund vielleicht darin, dass sie lispelte, was aber ihrer meisterhaften Interpretation des Stücks keinen Abbruch tat. Sie war auch schlecht zu hören, weil sich die Vögel in den Bäumen noch immer kräftig austobten. Im Laufe der Zeit wurden diese aber anscheinend müde und wurden etwas leiser. Dafür ratterte draußen eines der griechischen Zweitakter-Mopeds vorbei, die einen ziemlichen Lärm machen. Danach warf jemand irgendwo in der Umgebung für fünf Minuten ein brummendes Gerät an. Inzwischen hatte ich es aber schon fast geschafft, die Nebengeräusche auszublenden. Bis dann irgendein Banause mitten unter Schubert eine Bierdose mit lautem Zisch aufmachte.
In der Pause erzählte ein Österreicher seinem preußischen Sitznachbarn einen ordinären Witz nach dem anderen. Der Deutsche stieg aber leider bei den Pointen öfter aus, denn er beherrschte offensichtlich keinen österreichischen Dialekt, und so mußte der Österreicher meist alleine lachen.
Bei Beethoven waren die Vögel dann doch tatsächlich zu Bett gegangen und nur ein paar Grillen machten angenehme Hintergrundgeräusche zur Musik. Es war schon 23 Uhr, und jetzt würde es sicher leise sein, denn viele Griechen in der Gegend sind Olivenbauern und gehen früh schlafen. Leider nicht alle - denn dann fuhr eine ganze Armada an Zweitakt-Mopeds vorbei, und sämtliche Herren im Publikum, die schon eingeschlafen waren, wachten schlagartig wieder auf. Schon manchem waren die Augenlider schwer geworden, inklusive dem Besten aller Ehemänner. Ein bißchen dösen durften sie noch, aber zum Schlußapplaus war es vorbei mit den angenehm einschläfernden Klängen, die gegen Ende des Konzerts doch noch ungestört vernommen werden konnten.
Gegen Mitternacht wurden wir dann entlassen, und die Vögel in den Baumkronen hatten endlich ihre selige Ruh!




Heikler Schuhkauf

So ein Schuhkauf ist immer eine heikle Angelegenheit, falls sich der Schuh nach dem Kauf als zu klein herausstellt. Also lieber einen, der groß genug ist! Auf den zweiten spare ich noch!




Rückentechnische Herausforderung in Epidaurus

Das Theater von Epidaurus ist weltbekannt. Besichtigt hatte ich es ja schon letztes Jahr, aber ich wollte auch einmal ein antikes Theaterstück dort sehen. Gesagt, getan - kürzlich war es so weit. „Agamemnon“ von Aischylos wurde gegeben, ein fast 2500 Jahre altes Drama. 


Im Vorfeld hatte ich schon herumgetüftelt, wo man am besten in dem riesigen Theater mit der einzigartigen Akustik sitzt. Nicht zu tief unten auf den teureren Sitzen, denn da wird man eingestaubt, wenn sich die Schauspieler „auf der Bühne“ (de facto auf dem Sandplatz) viel bewegen. Ganz oben wäre zwar die Akustik noch immer hervorragend, aber die Sicht nicht mehr. Mit einem Operngucker hätte man ja die Schauspieler von Zeit zu Zeit gut anschauen können, nicht aber den eingeblendeten Text auf Englisch. Also entschied ich mich für die Mitte, sowohl von oben nach unten als auch von links nach rechts. Blöderweise hatten sehr viele Menschen ähnliche Überlegungen angestellt. In der Mitte war es am vollsten. Von den antiken Steinreihen waren im Laufe der Jahrtausende schon Teile weggebrochen oder die Sitzfläche war schmal oder uneben. Das heißt, man kommt nicht unbedingt auf dem perfekten Platz zu sitzen. Noch dazu strahlten die alten Steine eine Wärme bzw. fast eine Hitze aus. In Epidaurus ist es nämlich im Sommer immer viel heißer als anderswo, und die Steine geben in der Nacht die Wärme ab, die sie tagsüber speichern. Da ich aber für die unbequemen griechischen Tavernensesseln immer mit einem Sitzkissen ausgestattet bin, konnte mein Polster zumindest die von unten kommende Wärme absorbieren. Für die weiter oben liegenden Körperteile hatte ich einen Fächer mitgebracht.


Dann ging die große Herausforderung los. Keine Rückenlehne! Wer kann heutzutage noch lange aufrecht ohne Lehne sitzen? Ich jedenfalls nicht! Kein Platz, um die Beine auszustrecken, denn dann hätte ich sie den vor mir Sitzenden in den Rücken gestoßen. Der englische Text, der simultan zu den Griechisch sprechenden Schauspielern ablief gezeigt wurde - er war auf den Seiten links und rechts eingeblendet. Und ich saß in der Mitte und bin Gleitsichtbrillenträgerin. Das heißt, ich mußte den Kopf zur Seite drehen, um den Text zu lesen, konnte dann aber die Schauspieler nicht mehr sehen. Mein Nacken wurde irgendwie schon steif und mein restlicher Rücken auch. Vor lauter Rückenschmerzen wetzte ich unermüdlich auf meinem Sitz hin und her.
Obwohl - gar so viel zu sehen auf der Bühne gab es eh nicht. Für Kulissen und Beleuchtung wurde kein Vermögen ausgegeben. Die Schauspieler mußten also nur durch ihre Kunst überzeugen (was ihnen auch gelang).


Meinen Sitznachbarn wurde es langweilig , und sie gingen (obwohl es in dem Stück eine Menge Mord und Totschlag gibt, welchen man aber dezenterweise nicht sieht). Somit hatte ich ein bißchen mehr Platz, um meine Beine seitlich auszustrecken. Das hatte aber zur Folge, dass ich meinen Kopf noch mehr verdrehen mußte. Ich betete schon, dass rasch die noch auf der Bühne Verbliebenen ermordet würden, damit das Ganze bald ein Ende hätte. Zum Glück ging es dann ganz schnell, und ich war von meiner Pein erlöst.
Nächstes Mal schaue ich mir in Epidaurus ein Konzert an, und ich buche mir einen Platz ganz oben, wo nicht mehr viele Leute sitzen und ich mich ausbreiten kann. Billiger ist es außerdem, denn griechische Theaterkarten sind absolut erschwinglich. Da kann ich mich dann hinlegen, aufstehen, strecken und dehnen, und die Musiker schaue ich mir mit dem Operngucker an!



Nur in Griechenland!

Das gibt’s nur in Griechenland! Ich habe ja schon mehrmals erwähnt, dass Griechenland das letzte kommunistische Land Europas ist. Kürzlich kaufte ich bei Public, einer großen Elektronikkette ein. Neben der Kassa (die wieder einmal nicht funktionierte) gab es ein kleines Angebot an Büchern, darunter sogar ein englisches - Das kommunistische Manifest von Marx mit einem Vorwort von Giannis Varoufakis. Erinnert ihr euch? Das war der Finanzminister am Beginn der jetzigen Tsipras-Regierung. Der, der ohne Anzug auf dem Motorrad kam. Er scheint jetzt hauptsächlich Bücher zu schreiben.
Vielleicht lesen ja die treuen Anhänger der griechischen kommunistischen Partei das Buch. Ich habe mir das vor einiger Zeit auch vorgenommen, es war mir aber schon beim Vorwort zu langweilig und anstrengend.





Oldtimer-Schau der besondern Art

Alte Kraxn sieht man in Griechenland ja zur Genüge herumfahren. Aber es gibt auch ein inoffizielles Museum von Oldtimer-Rettungswägen. Zu diesem Behufe gehe man nur hinter die Krankenstation von Pylos, und da stehen sie, sogar von Blumen umrankt. 


Die Fahrer diese Rettungswagens brauchten vermutlich auch ein Krankenhaus.
 
Die aktuelle Rettungsflotte der Krankenstation ist übrigens recht marode und gehört eigentlich auch schon zu den Oldtimern. Muß ein Fahrzeug einmal bis nach Athen, kann sich der Patient glücklich schätzen, wenn er dort auch ankommt. Aber spätestens nach einer Fahrt hin und zurück muß das Auto wieder zur Reparatur. Gesund bleiben heißt daher die Devise!


Fußwärmer

Kürzlich saß ich in einer Taverne in Kalamata. Ein großer Streuner, der von allen Leuten verscheucht worden war, steuerte auf mich zu, kroch unter den Tisch, legte seinen Kopf auf meine Füße und genehmigte sich ein Schläfchen. Zum Glück war es an diesem Tag nicht so warm und ich brauchte eh einen Fußwärmer!


 

Donnerstag, 22. Februar 2018

Das griechische Nationalgetränk:

Was ist wohl das griechische Nationalgetränk? Ouzo oder Retsina würden jetzt sicher viele sagen. Und für manchen Griechen ist es das wohl auch. Retsina, der Wein, den jeder Griechenland-Tourist kennt, ist auf dem Peloponnes kein großes Thema. Der wird woanders gemacht. Was kann dann wohl das beliebteste Getränk sein?
Es ist der Nescafe Frappe. Ohne diesen käme die Nation in der Früh wahrscheinlich gar nicht auf Touren. Gegessen wird oft nichts, aber ein Nes gehört zum Standardprogramm. Einmal zum Munterwerden, und dann in den diversen Arbeitspausen, bei der Zigarette, beim Plausch mit den Freunden, den ganzen Tag also. Cafes gibt es praktisch überall - zum dort Trinken, zum Mitnehmen. Wer im Büro sitzt oder sonst wo bei der Arbeit, ruft im nächsten Cafe an. Zu Fuß oder zu Moped wird der Kaffee auf runden Tabletts gebracht, man kann also keine Entzugserscheinungen bekommen.
Während der Bestellung muß man schon dazu sagen, wieviel Zucker und Milch man haben will, die werden dann eingerührt.
Gibt es auch als Instantgetränk zum Selbermachen
Der Nescafé Frappe ist immer aufgeschäumt, eine griechische Spezialität. Und da ich keine Kaffeetrinkerin bin, nehme ich den Kakao. Auch der kommt mit einer dicken Schicht Schaum oben drauf. Allerdings nie mit Löffel. Den brauche ich aber, um den guten Schaum herunterzulöffeln, bevor ich den Kakao trinke. Deswegen bestelle ich immer einen Kakao mit Löffel. Die halbe Zeit vergessen sie ihn aber, weil wer außer mir braucht schon einen Löffel zum Kakao?




Wenn das Geschäft zu klein ist, muß man eben die Warenpräsentation auf das geparkte Auto auslagern.





Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?

Kürzlich hatte ich eine kleine Gemeindeabgabe zu bezahlen. Bei uns bekäme man eine Vorschreibung mit der Summe und man würde das Ganze überweisen oder einziehen lassen. Hier läuft es natürlich anders, wie ihr euch vorstellen könnt.
Zunächst wurde ein Schreiben von der Gemeinde ausgeteilt, dass in Kürze etwas zu zahlen wäre. Man solle sich bei Kiria Papadopoulou (Frau Papadopoulou) melden. Als gute Ausländerin mit Zahlungsmoral ging ich dort schon am nächsten Tag hin. Kiria Papadopoulou kannte ich ja schon und ich begab mich direkt in ihr Büro. Sie warf einen kurzen Blick auf das mitgebrachte Schreiben und teilte mir mit, dass sie nicht zuständig sei. Sie schickte mich zu einem Herrn am Schalter im übernächsten Raum, der ebenfalls nur den Kopf schüttelte, mich an der Hand nahm und ins Büro einer anderen Dame führte. Die war mir neu, meinte aber, sie wäre zuständig, aber ich wäre zu früh dran, denn es sei in der Sache noch nichts vorbereitet worden. Ich solle doch in einer Woche wiederkommen.
Warum die dann dieses Schreiben schon ausgeteilt haben, dass man etwas zu zahlen hat, so etwas frage ich mich hier schon lange nicht mehr. Logische Abfolgen sind nicht unbedingt eine Stärke der griechischen Verwaltung. Und der Privatwirtschaft auch nicht, aber dazu später.
Allerdings studierte die Dame das mitgebrachte Schreiben dann doch etwas näher, warf ihren Computer an und meinte, dass ich doch schon heute zahlen könne. Ich solle doch einmal Platz nehmen. Dann mußte ich noch tausend Angaben machen, die sie alle am Computer eintippte. Sie war sehr freundlich, mußte aber anscheinend verschiedenste Formulare ausfüllen, und das dauerte eben. Dann überreichte sie mir mehrere Ausdrucke, mit denen ich zur Kassa gehen mußte. Die Bezahlung an der Kassa lief recht problemlos ab. Der Kassier behielt eine Kopie, eine war für mich und er druckte zwei weitere Formulare aus - davon wieder eines für mich. Damit war aber die Angelegenheit noch nicht erledigt, denn ich mußte mit einer Kopie wieder zurück zu meiner Dame. Der hatte ich somit nachgewiesen, dass die Gebühr bezahlt wurde, und damit konnte sie mir auf das andere Formular ihren Stempel geben.
Ich lege übrigens Wert auf die Feststellung,                                                                                       dass das griechische Wort IDIOTIS auf Deutsch NICHT IDIOT heißt!
 Jetzt ist aber alles erledigt! Dachte ich, denn nun schickte sie mich mit zwei identen Formularen in eine Art Registratur, wo dieser Vorgang der Bezahlung eine Aktennummer bekam. Der Registrateur (ich nenne ihn einmal so) interessierte sich aber hauptsächlich dafür, woher ich komme, erklärte mir, dass die Sisi-Filme seine Lieblingsfilme seien und ich ihr übrigens ganz ähnlich schaue (???). In seiner Verzückung vergab er für diesen einen Vorgang zwei Aktennummern. Ich machte ihn aber auf sein Versehen aufmerksam, worauf er sicherheitshalber einen Anruf tätigte, um sich meine Behauptung bestätigen zu lassen. Dann wurde die eine Aktenzahl ausgebessert und ich durfte zurück zu meiner zuständigen Dame. Diese hatte noch einen anderen Stempel im Repertoire, der auf die Formulare kam. Und jetzt fehlte nur noch die Unterschrift des Bürgermeisters oder eines anderen nicht anwesenden Häuptlings, so genau habe ich das nicht verstanden. Sie entließ mich mit ein paar Papieren, die die Bezahlung belegten und würde das ganz wichtige nachschicken, sobald es unterschrieben sei.
So verließ ich das Gemeindeamt nach Bezahlung von heißen 12 € nach 25 Minuten. Ich bin schon gespannt, wie es im nächsten Jahr ablaufen wird. Bis dahin haben sie sich sicher schon etwas Neues einfallen lassen, wie es noch etwas komplizierter geht.




Was ziehe ich heute an?

 



Traktorendemo

Die Bauern in meiner Gegend haben am meisten im Winter zu tun, denn sie sind Olivenbauern, und da findet die Ernte statt. Wenn aber alle Säcke bei der Olivenmühle abgeliefert worden sind und das Öl gepreßt ist, finden sie Zeit für anderes. Da geht man dann gerne wehrlose Singvögel mit dem Schrotgewehr abschießen, und dann ist auch Zeit fürs Demonstrieren. Fast alle Jahre finden Traktordemos statt. Die Bauern fahren mit ihren Traktoren auf und parken sie geballt am Straßenrand. Wenn es ganz hoch hergeht, blockieren sie auch die Autobahn, aber das kommt zum Glück nicht so oft vor. In Zeiten wie diesen gibt es ja immer wieder negative Maßnahmen wie höhere Sozialversicherungsbeiträge oder andere neue Regelungen zum Nachteil der Bevölkerung, gegen die man sich auflehnen muß. Man übergibt die Forderungen dem Bürgermeister oder sonstigen Politikern. Welche Regierung gerade an der Macht ist, ist dabei nicht so maßgeblich, denn meist ist man schon bald unzufrieden, egal, wen man vorher gewählt hat. Aber das kennt man ja auch aus unserer Heimat. Der Spuk dauert ein paar Wochen, dann werden die schwarzen Fahnen wieder eingemottet, und man wendet sich bis zum nächsten Jahr wieder seiner Feldarbeit zu.





 

Nach Schnee im letzten kalten Winter kam die große Trockenheit. Ein halbes Jahr regnete es fast überhaupt nicht. Sogar die Kakteen sahen schon sehr traurig aus. 

schon ganz ausgetrocknet

nach dem ersten großen Regen

 

 

Hundsein in Griechenland:

Ich versuche ja gerne, meinen Geschichten eine humorvolle Note zu geben, aber es gibt hier auch Themen, wo es meistens nicht viel zu lachen gibt.
Eines davon sind die Hunde in diesem Land. Blöder Hund, fauler Hund, armer Hund. Es gibt so viele Bezeichnungen für Hunde, hier trifft auf die meisten „armer Hund“ zu. Denn das Land ist reich gesegnet mit Streunerhunden, welche sich unkontrolliert vermehren. Wie werden sie zu Streunern? Entweder werden sie schon als solche geboren oder sie werden ausgesetzt. Da gibt es Leute, die sich einen Hund zulegen, dann die Freude daran verlieren und den Hund sich selbst überlassen. Und außerdem wird kaum ein Hund kastriert. Es gibt Aktionen für Gratis-Kastrationen für Einheimische (die Ausländer zahlen eh brav), die kaum in Anspruch genommen werden. Von diesem Thema will man nichts hören, dabei kommt ja eh der Hund unters Messer und nicht der Besitzer.
Hunde werden gerne vergiftet, manchmal auch die des Nachbarn, weil sie zu laut bellen oder weil einem der Nachbar unsympathisch ist. Denn hier redet man nicht so gerne über Probleme, das löst man dann eben so.
Viele Hunde, die gehalten werden, verbringen ihr ganzes Leben an der Kette. Artgerechtes Tierfutter gibt es nicht, nur Essensabfälle. Wenn sie Glück haben, wird ihnen ein windschiefe Hütte gezimmert. Unglaublich, dass die Hunde dann noch freundlich mit dem Schwanz wedeln, wenn die Abfälle gebracht werden. Viele Hundehalter fürchten sich sogar vor ihren Tieren und kommen ihnen nicht zu nah. Von Streicheln ist natürlich gar nicht die Rede.


Die rostige Tonne ist die Hundehütte
Das Land wird aber langsam etwas hundefreundlicher. Leider aber nicht so, wie ich mir das wünschen würde. Hunde werden jetzt salonfähig, aber es muß ein Rassehund sein! Man kann sich doch nicht mit einer Promenadenmischung zeigen! Es muß schon einer von diesen Mini-Hunden sein oder ein Husky (denn der leidet sicher gar nicht unter dem griechischen Klima).
Und auch ich bin hier auf den Hund gekommen. Man bringt es einfach nicht übers Herz, zuzusehen, wie die armen Tiere auf der Straße hungern müssen. Zwei Hundeherren gehören nun zu meinem Haushalt. Sie gehören zu den wenigen Glücklichen, die eine warme Hütte mit weichen  Decken haben, Hundefutter zu fressen bekommen (und von Zeit zu Zeit einen großen Knochen!), geimpft und ärztlich versorgt werden, falls notwendig, nicht an der Kette hängen und täglich spazieren gehen dürfen. Auch gebadet werden sie hie und da, das müßte aber nicht unbedingt sein, wenn es nach ihnen ginge. Leider kann man nicht alle Tiere retten, und so bleibt einem nichts anderes übrig, als mit der Situation zu leben. So traurig es auch ist.




Was der Griechenland-Sommerurlauber nicht sieht, der im ruhigen Meer planscht - aufgewühltes Meer in Methoni nach dem großen Gewitter







Trinkgeld-"Schale" bei der Autowäsche





 
















Perfekter Schutz fürs Kind mit dem absolut passenden Helm. Der Fahrer hat mich übrigens kurz davor rechts auf dem Bankett überholt und war somit eine Minute vor mir beim Supermarkt. Der Hunger muß wohl schon sehr groß gewesen sein.