Mein Reifen-Trauma
Über meinen ersten platten Reifen und die teilweise katastrophal löchrigen Straßen hier habe ich ja an früherer Stelle schon berichtet. Aber dieses Jahr ist das Thema wirklich akut geworden!
Auf Reisen in Ex-Jugoslawien las ich immer die Schilder der „Vulkanisere“, wußte aber nie genau, was die eigentlich machen. Hier heißen sie „Vukanisateur“, und ich weiß inzwischen ganz genau, was die tun. Leider. Ich könnte mir wahrscheinlich schon selber den kaputten Reifen vulkanisieren, so oft habe ich bereits zugeschaut.
Mit meinem alten Auto hatte ich einen klassischen Patschen, der sich leider nicht beheben ließ, weil das Loch in der Seitenwand des Reifens war. Der Vulkanisateur war aber so nett und hat mir zumindest das Notrad montiert. So ein Notrad ist aber kleiner als ein normales und man darf nur langsam damit fahren. Das sollte ja nicht so schlimm sein, denn ein neuer Reifen ist schnell gekauft. Würde man meinen, denn mein Auto war mit Allwetter-Reifen bestückt, und die hat in Griechenland keiner. Also mußte einer in Italien bestellt werden. Es wurde aber nicht mein Reifen allein auf die Reise geschickt, das wäre zu teuer gewesen. Deshalb hat man abgewartet, bis mehr zusammenkam und hat dann alles gemeinsam versendet. Das hat sage und schreibe vier Wochen gedauert. Ich bin in der Zwischenzeit mit dem Notrad herumgeeiert, mit einem Tempo wie ein alter Grieche in seinem noch älteren Pickup.
Mit meinem neuen Auto fuhr ich nach einem Regenguss durch eine wassergefüllte Senke. Leider verbarg sich darin ein tiefes Loch mit scharfer Kante. Das Geräusch beim Durchfahren überzeugte mich sofort, dass mein Reifen geplatzt und hinüber war. Ich fuhr aber noch schnell bis zu meinem Haus weiter - die letzten Meter bereits auf der Felge - denn irgendwo in der Botanik stehenbleiben und auf den ÖAMTC oder ARBÖ warten, das spielt es hier nicht. Einen Pannendienst, der kommt und einem hilft, gibt es nicht. Es gibt nur einen Abschleppdienst und der nahm das ganze Auto mit, um einen Reifen zu wechseln. Er lieferte es im eine Stunde entfernten Kalamata ab. Dort mußte wieder ein neuer Reifen bestellt werden. Und wieder gab es ein Problem (wundert uns das?). Denn es war Winter und mein neues Auto hat Sommerreifen wie alle Autos hier. Aber im Winter werden keine Sommerreifen produziert. Nach zwei Tagen fand die Werkstätte dann den einzig verfügbaren Reifen in ganz Griechenland. Bis er geliefert und montiert war, verging eine Woche. Eine Woche ohne Auto in einer Gegend, wo dreimal am Tag ein Bus fährt! Da kann man sich gleich erschießen!
Kurz nach diesem Vorfall meldete mein Bordcomputer, dass ich den Reifendruck prüfen solle. Nach einigem Suchen fand sich eine Schraube in meinem nagelneuen Reifen. Zum Glück verlor ich nur langsam Luft und begab mich zum Vulkanisateur. Dieser vulkanisierte den Reifen (er klebte auf die Innenseite des Reifens eine Art Pflaster). Diesmal ist das Problem schnell gelöst, dachte ich. Aber nein, schon kurz vor meinem Haus forderte mich mein Freund, der Bordcomputer schon wieder auf, den Reifendruck zu prüfen. Da war ich aber schon zu erschöpft und pfiff darauf. Am nächsten Tag in der Früh war der „reparierte“ Reifen wieder platt. Selbst ist die Frau, und so füllte ich den Reifen mit dem hauseigenen Kompressor wieder auf und fuhr zu einem anderen Vulkanisateur. Dieser entfernte das Pflaster des Vorgängers und steckte einen Pfropfen in das Loch.
Ende gut, alles gut, würde man nun meinen. Aber nein, schon eine Woche später meldete sich mein Freund, der Bordcomputer, wieder bei mir und hieß mich den Reifendruck prüfen. Ich konnte es nicht glauben und zweifelte schon an der Elektronik des Autos. Mein Freund ließ aber nicht locker mit seinen Meldungen, und so ließ ich meine Reifen überprüfen. Und siehe da, wieder hatte eine Schraube den Weg in einen meiner Reifen gefunden! Diesmal fuhr ich gleich zum besseren Vulkanisateur, der mir den Schaden um € 5,- behob. Für die Hälfte des anderen übrigens, der nur herumgepfuscht hatte.
Nun fahre ich schon drei Tage ohne jegliche Reifendruck-Kommunikation mit meinem Bordcomputer-Freund. Alles, was er zu mir sagt, wenn ich einsteige, ist
Und das ist ja wirklich nützlich, wenn man noch nicht ganz wach ist in der Früh.
Ein spezielles Kafenion
Ein Kafenion kennt jeder Griechenland-Besucher. Es sind die spartanisch eingerichteten Cafés, in denen nur Männer sitzen, die meist gescheit daherreden. In unserem Dorf gibt es ein spezielles Exemplar - es ist Kaffeehaus, Lager und Müllraum zugleich. Ein paar Stammbesucher scheinen sich aber trotzdem recht wohl zu fühlen!
Feuer!
Die griechisch-orthodoxe Kirche verbietet ihren Gläubigen ja die Feuerbestattung, aber kürzlich wären die Insassen (oder besser Inliegenden) des örtlichen Friedhofs fast noch nachträglich kremiert worden. Denn direkt daneben brach auf dem Gelände der Burg ein Feuer aus, das Bäume, Sträucher und Wiesen verbrannte. Durch ein Großaufgebot an Feuerwehren der Umgebung konnte ein Übergreifen auf die Gebäude der Burg und den Friedhof verhindert werden, obwohl es ein extrem heißer und stürmischer Tag war. Das Feuer soll durch Selbstentzündung von Glasscherben ausgelöst worden sein.
In der Umgebung soll es eine ganze Menge an Marihuana-Feldern geben (manch einer hat es sogar schon in seinem Garten angebaut). Ich hörte, dass die Besitzer solcher Felder diese auch anzünden, wenn die Gefahr von Polizeikontrollen droht. Und dabei soll dann manchmal auch gleich die ganze Umgebung mit abgebrannt sein.
Eine Feuerversicherung ist hier auf jeden Fall ratsam!
PS: Diesen Beitrag habe ich ein paar Tage vor der großen Brandkatastrophe in der Nähe von Athen geschrieben. Die tragischen und traurigen Details kennt ihr ja aus den Medien. Was ihr vielleicht nicht gehört habt: Der Metropolit (Erzbischof) von Kalavrita hat verlautbart, dass die Schuld an den Vorkommnissen der griechische Premier Tsipras trägt. Er hat Gott erzürnt, weil er Atheist ist. Das braucht wohl keinen weiteren Kommentar.
Bienenfresser
Neuerdings besuchen mich fallweise die wunderbar bunten Bienenfresser. Sie sitzen meist auf der Stromleitung neben dem Haus, fangen Bienen und Käfer, und kürzlich flatterten sogar ein paar direkt vor meinem Fenster und schauten neugierig herein.
Antike Dramen
Bei meinem letzten Wien-Besuch sah ich mir in der Burg „Antigone“ an. Die Inszenierung nervte mich, denn wer läßt sich schon gern während der ganzen Vorstellung von hundert Scheinwerfern ins Gesicht leuchten? Da lobe ich mir die griechischen Aufführungen, denn hier ist man mit Kulisse und Beleuchtung sparsamer (was vielleicht mit Geldmangel zu tun hat?). Dafür verstehe ich die Schauspieler nicht, aber ich lese immer mit, worum es gerade geht. So habe ich mir in letzter Zeit einige klassische und andere alte Stücke zu Gemüte geführt. Diese finden oft im Sommer in antiken Theatern und Stadien statt. Schon faszinierend, wenn man weiß, dass da bereits vor über 2000 Jahren Leute auf meinem Platz saßen und vielleicht dasselbe Schauspiel angeschaut haben!
| Katzen zahlen übrigens keinen Eintritt |
Frühverkehr
In meiner Gegend gibt es an manchen Tagen erheblichen Frühverkehr. Kein Wunder, dass der Bus immer Verspätung hat!
Schildkröten
Schildkröten sieht man leider nicht mehr oft, aber manchmal, wenn ich durch die Botanik gehe, pfaucht mich eine an oder schmatzt so lautstark beim Blätterfressen, dass sie mir dann doch auffällt. Von Sascha wird sie nur kurz beschnüffelt, mit der kann man nicht viel anfangen!
Apotheken
In Griechenland fühlen sich viele Leute berufen, irgendein Geschäft zu eröffnen. Nicht immer bzw. meistens sind sie aber gar nicht vom Fach und scheitern. Was man hier aber nicht in Konkurs gehen sieht, das sind - genauso wie in Österreich - die Apotheken. Sie überleben alle. Und dabei gibt es sie wie Sand am Meer. In diesem Viertel in Kalamata finden sich gleich neun Geschäfte. Und die Preise sind nur ein Bruchteil von dem in Österreich. So sind zum Beispiel viele Antibiotika um € 3,- zu haben, die Hälfte der österreichischen Rezeptgebühr. Eine Schachtel Schmerztabletten um € 1,-. Die sind noch dazu auch im Supermarkt erhältlich. Wenn hier schon alle Apotheker mit viel geringeren Spannen und viel mehr Konkurrenz sehr gut leben können, welch Schlaraffenland muß wohl Österreich für Apotheker sein?
(Sollte es Apotheker unter den Lesern geben, bitte um Aufklärung, falls ich mich irre!)














