Dienstag, 10. Juli 2018

Ein denkwürdiges Klassik-Konzert oder Die Tücken einer Freiluft-Aufführung

Zu jeder Gelegenheit gibt es in Griechenland Vorführungen von griechischem Volkstanz, der mich aber wenig interessiert. Dafür gibt es in der Provinz kaum klassische Musik, die mich allerdings schon interessiert. Da lobe ich mir den Sommer, wo ausländische Touristen im Land sind, denn dann läßt sich doch hin und wieder eine Aufführung klassischer Stücke finden.
So kaufte ich Karten (€ 8,- pro Person) für ein Konzert mit griechischen und österreichischen Musikern. Es fand in einem kleinen Park mit hohem und altem Baumbestand vor einer schönen Kirche statt. Eine wunderbare Kulisse für Mozart, Schubert und Beethoven.
Zu meiner Überraschung startete es auch fast pünktlich. Die griechische Violinistin stieg auf die Bühne und erklärte dem Publikum auf Griechisch, was sie nun spielen würde. Das Publikum war allerdings zu 90-95% deutschsprachig und sah einigermaßen hilflos drein, weil es nichts verstand. Die Dame auf der Bühne fiedelte drauf los, bremste sich aber dann ein und erklärte uns doch noch alles auf Englisch. Na immerhin!
Aber in der Zwischenzeit hatte sich das Publikum schon dem Popen der Kirche zugewandt, der vor selbiger auf und ab ging und bereits seit 20 Minuten in sein Handy schrie. Die Tatsache, dass das Konzert bereits begonnen hatte, ließ ihn absolut kalt. Auch die Blicke der Deutschsprachigen, die ihn eigentlich töten sollten, taten nicht das ihrige. Er schrie weiter in sein Handy. Nun blickten alle erwartungsvoll den Organisator des Konzerts an, der der Störung ein Ende machen sollte, aber der tat gar nichts. Entweder hatte er die Störung nicht als solche wahrgenommen (Griechen sind nicht lärmempfindlich und quatschen gerne während Konzerten) oder er hatte zu viel Achtung vor Hochwürden. Nach 10 Minuten verschwand der Gottesmann immerhin mit seinem Handy in der Kirche.



Durch die Musik fühlten sich allerdings einige Vögel in den Bäumen zum Mitmachen motiviert. Leider waren es keine Singvögel. Es startete ein mehrstimmiges heiseres Gekreische. Nun wandten sich die Blicke der Zuhörer den Baumkronen zu, wo die Störenfriede saßen. Die Violinistin machte inzwischen tapfer weiter. Ins heisere Gekreische der einen Vögel fiel ein anderer ein, der aber zumindest einen etwas schöneren Ruf hatte. Und weil sie schon dabei waren, wachte auch noch eine Zikade auf und machte ungehörige Störgeräusche zu den sanften Klängen Mozarts.
Nun gut, die Viecher kann man nicht zum Schweigen bringen, damit muß man leben. Aber dann ging die menschliche Störung los. Eine russische Familie mit kleinen Kindern kam zu spät und setzte sich mit lautem Sesselrücken neben mich. Die Kinder wurden ermahnt, leise zu sein, aber verständlicherweise waren sie es bald müde, nur ruhig dazusitzen. Sie flitzten im Park herum, kamen aber immer wieder zurück zu Mama, um lautstark zu berichten, was sie gesehen hatten. Weitere Ermahnungen folgten. Nur der Vater ließ sich nicht stören und fand die Musik Mozarts so entspannend, dass er auf der Stelle eingeschlafen war. Erst beim Applaus am Ende der Mozart-Sonate wachte er wieder kurz auf.


Dann war die Schubert-Sonate an der Reihe. Die Cellistin erklärte alles, sprach aber so leise, dass wir nichts verstanden. Das hatte seinen Grund vielleicht darin, dass sie lispelte, was aber ihrer meisterhaften Interpretation des Stücks keinen Abbruch tat. Sie war auch schlecht zu hören, weil sich die Vögel in den Bäumen noch immer kräftig austobten. Im Laufe der Zeit wurden diese aber anscheinend müde und wurden etwas leiser. Dafür ratterte draußen eines der griechischen Zweitakter-Mopeds vorbei, die einen ziemlichen Lärm machen. Danach warf jemand irgendwo in der Umgebung für fünf Minuten ein brummendes Gerät an. Inzwischen hatte ich es aber schon fast geschafft, die Nebengeräusche auszublenden. Bis dann irgendein Banause mitten unter Schubert eine Bierdose mit lautem Zisch aufmachte.
In der Pause erzählte ein Österreicher seinem preußischen Sitznachbarn einen ordinären Witz nach dem anderen. Der Deutsche stieg aber leider bei den Pointen öfter aus, denn er beherrschte offensichtlich keinen österreichischen Dialekt, und so mußte der Österreicher meist alleine lachen.
Bei Beethoven waren die Vögel dann doch tatsächlich zu Bett gegangen und nur ein paar Grillen machten angenehme Hintergrundgeräusche zur Musik. Es war schon 23 Uhr, und jetzt würde es sicher leise sein, denn viele Griechen in der Gegend sind Olivenbauern und gehen früh schlafen. Leider nicht alle - denn dann fuhr eine ganze Armada an Zweitakt-Mopeds vorbei, und sämtliche Herren im Publikum, die schon eingeschlafen waren, wachten schlagartig wieder auf. Schon manchem waren die Augenlider schwer geworden, inklusive dem Besten aller Ehemänner. Ein bißchen dösen durften sie noch, aber zum Schlußapplaus war es vorbei mit den angenehm einschläfernden Klängen, die gegen Ende des Konzerts doch noch ungestört vernommen werden konnten.
Gegen Mitternacht wurden wir dann entlassen, und die Vögel in den Baumkronen hatten endlich ihre selige Ruh!




Heikler Schuhkauf

So ein Schuhkauf ist immer eine heikle Angelegenheit, falls sich der Schuh nach dem Kauf als zu klein herausstellt. Also lieber einen, der groß genug ist! Auf den zweiten spare ich noch!




Rückentechnische Herausforderung in Epidaurus

Das Theater von Epidaurus ist weltbekannt. Besichtigt hatte ich es ja schon letztes Jahr, aber ich wollte auch einmal ein antikes Theaterstück dort sehen. Gesagt, getan - kürzlich war es so weit. „Agamemnon“ von Aischylos wurde gegeben, ein fast 2500 Jahre altes Drama. 


Im Vorfeld hatte ich schon herumgetüftelt, wo man am besten in dem riesigen Theater mit der einzigartigen Akustik sitzt. Nicht zu tief unten auf den teureren Sitzen, denn da wird man eingestaubt, wenn sich die Schauspieler „auf der Bühne“ (de facto auf dem Sandplatz) viel bewegen. Ganz oben wäre zwar die Akustik noch immer hervorragend, aber die Sicht nicht mehr. Mit einem Operngucker hätte man ja die Schauspieler von Zeit zu Zeit gut anschauen können, nicht aber den eingeblendeten Text auf Englisch. Also entschied ich mich für die Mitte, sowohl von oben nach unten als auch von links nach rechts. Blöderweise hatten sehr viele Menschen ähnliche Überlegungen angestellt. In der Mitte war es am vollsten. Von den antiken Steinreihen waren im Laufe der Jahrtausende schon Teile weggebrochen oder die Sitzfläche war schmal oder uneben. Das heißt, man kommt nicht unbedingt auf dem perfekten Platz zu sitzen. Noch dazu strahlten die alten Steine eine Wärme bzw. fast eine Hitze aus. In Epidaurus ist es nämlich im Sommer immer viel heißer als anderswo, und die Steine geben in der Nacht die Wärme ab, die sie tagsüber speichern. Da ich aber für die unbequemen griechischen Tavernensesseln immer mit einem Sitzkissen ausgestattet bin, konnte mein Polster zumindest die von unten kommende Wärme absorbieren. Für die weiter oben liegenden Körperteile hatte ich einen Fächer mitgebracht.


Dann ging die große Herausforderung los. Keine Rückenlehne! Wer kann heutzutage noch lange aufrecht ohne Lehne sitzen? Ich jedenfalls nicht! Kein Platz, um die Beine auszustrecken, denn dann hätte ich sie den vor mir Sitzenden in den Rücken gestoßen. Der englische Text, der simultan zu den Griechisch sprechenden Schauspielern ablief gezeigt wurde - er war auf den Seiten links und rechts eingeblendet. Und ich saß in der Mitte und bin Gleitsichtbrillenträgerin. Das heißt, ich mußte den Kopf zur Seite drehen, um den Text zu lesen, konnte dann aber die Schauspieler nicht mehr sehen. Mein Nacken wurde irgendwie schon steif und mein restlicher Rücken auch. Vor lauter Rückenschmerzen wetzte ich unermüdlich auf meinem Sitz hin und her.
Obwohl - gar so viel zu sehen auf der Bühne gab es eh nicht. Für Kulissen und Beleuchtung wurde kein Vermögen ausgegeben. Die Schauspieler mußten also nur durch ihre Kunst überzeugen (was ihnen auch gelang).


Meinen Sitznachbarn wurde es langweilig , und sie gingen (obwohl es in dem Stück eine Menge Mord und Totschlag gibt, welchen man aber dezenterweise nicht sieht). Somit hatte ich ein bißchen mehr Platz, um meine Beine seitlich auszustrecken. Das hatte aber zur Folge, dass ich meinen Kopf noch mehr verdrehen mußte. Ich betete schon, dass rasch die noch auf der Bühne Verbliebenen ermordet würden, damit das Ganze bald ein Ende hätte. Zum Glück ging es dann ganz schnell, und ich war von meiner Pein erlöst.
Nächstes Mal schaue ich mir in Epidaurus ein Konzert an, und ich buche mir einen Platz ganz oben, wo nicht mehr viele Leute sitzen und ich mich ausbreiten kann. Billiger ist es außerdem, denn griechische Theaterkarten sind absolut erschwinglich. Da kann ich mich dann hinlegen, aufstehen, strecken und dehnen, und die Musiker schaue ich mir mit dem Operngucker an!



Nur in Griechenland!

Das gibt’s nur in Griechenland! Ich habe ja schon mehrmals erwähnt, dass Griechenland das letzte kommunistische Land Europas ist. Kürzlich kaufte ich bei Public, einer großen Elektronikkette ein. Neben der Kassa (die wieder einmal nicht funktionierte) gab es ein kleines Angebot an Büchern, darunter sogar ein englisches - Das kommunistische Manifest von Marx mit einem Vorwort von Giannis Varoufakis. Erinnert ihr euch? Das war der Finanzminister am Beginn der jetzigen Tsipras-Regierung. Der, der ohne Anzug auf dem Motorrad kam. Er scheint jetzt hauptsächlich Bücher zu schreiben.
Vielleicht lesen ja die treuen Anhänger der griechischen kommunistischen Partei das Buch. Ich habe mir das vor einiger Zeit auch vorgenommen, es war mir aber schon beim Vorwort zu langweilig und anstrengend.





Oldtimer-Schau der besondern Art

Alte Kraxn sieht man in Griechenland ja zur Genüge herumfahren. Aber es gibt auch ein inoffizielles Museum von Oldtimer-Rettungswägen. Zu diesem Behufe gehe man nur hinter die Krankenstation von Pylos, und da stehen sie, sogar von Blumen umrankt. 


Die Fahrer diese Rettungswagens brauchten vermutlich auch ein Krankenhaus.
 
Die aktuelle Rettungsflotte der Krankenstation ist übrigens recht marode und gehört eigentlich auch schon zu den Oldtimern. Muß ein Fahrzeug einmal bis nach Athen, kann sich der Patient glücklich schätzen, wenn er dort auch ankommt. Aber spätestens nach einer Fahrt hin und zurück muß das Auto wieder zur Reparatur. Gesund bleiben heißt daher die Devise!


Fußwärmer

Kürzlich saß ich in einer Taverne in Kalamata. Ein großer Streuner, der von allen Leuten verscheucht worden war, steuerte auf mich zu, kroch unter den Tisch, legte seinen Kopf auf meine Füße und genehmigte sich ein Schläfchen. Zum Glück war es an diesem Tag nicht so warm und ich brauchte eh einen Fußwärmer!


 

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