Donnerstag, 22. Februar 2018

Das griechische Nationalgetränk:

Was ist wohl das griechische Nationalgetränk? Ouzo oder Retsina würden jetzt sicher viele sagen. Und für manchen Griechen ist es das wohl auch. Retsina, der Wein, den jeder Griechenland-Tourist kennt, ist auf dem Peloponnes kein großes Thema. Der wird woanders gemacht. Was kann dann wohl das beliebteste Getränk sein?
Es ist der Nescafe Frappe. Ohne diesen käme die Nation in der Früh wahrscheinlich gar nicht auf Touren. Gegessen wird oft nichts, aber ein Nes gehört zum Standardprogramm. Einmal zum Munterwerden, und dann in den diversen Arbeitspausen, bei der Zigarette, beim Plausch mit den Freunden, den ganzen Tag also. Cafes gibt es praktisch überall - zum dort Trinken, zum Mitnehmen. Wer im Büro sitzt oder sonst wo bei der Arbeit, ruft im nächsten Cafe an. Zu Fuß oder zu Moped wird der Kaffee auf runden Tabletts gebracht, man kann also keine Entzugserscheinungen bekommen.
Während der Bestellung muß man schon dazu sagen, wieviel Zucker und Milch man haben will, die werden dann eingerührt.
Gibt es auch als Instantgetränk zum Selbermachen
Der Nescafé Frappe ist immer aufgeschäumt, eine griechische Spezialität. Und da ich keine Kaffeetrinkerin bin, nehme ich den Kakao. Auch der kommt mit einer dicken Schicht Schaum oben drauf. Allerdings nie mit Löffel. Den brauche ich aber, um den guten Schaum herunterzulöffeln, bevor ich den Kakao trinke. Deswegen bestelle ich immer einen Kakao mit Löffel. Die halbe Zeit vergessen sie ihn aber, weil wer außer mir braucht schon einen Löffel zum Kakao?




Wenn das Geschäft zu klein ist, muß man eben die Warenpräsentation auf das geparkte Auto auslagern.





Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?

Kürzlich hatte ich eine kleine Gemeindeabgabe zu bezahlen. Bei uns bekäme man eine Vorschreibung mit der Summe und man würde das Ganze überweisen oder einziehen lassen. Hier läuft es natürlich anders, wie ihr euch vorstellen könnt.
Zunächst wurde ein Schreiben von der Gemeinde ausgeteilt, dass in Kürze etwas zu zahlen wäre. Man solle sich bei Kiria Papadopoulou (Frau Papadopoulou) melden. Als gute Ausländerin mit Zahlungsmoral ging ich dort schon am nächsten Tag hin. Kiria Papadopoulou kannte ich ja schon und ich begab mich direkt in ihr Büro. Sie warf einen kurzen Blick auf das mitgebrachte Schreiben und teilte mir mit, dass sie nicht zuständig sei. Sie schickte mich zu einem Herrn am Schalter im übernächsten Raum, der ebenfalls nur den Kopf schüttelte, mich an der Hand nahm und ins Büro einer anderen Dame führte. Die war mir neu, meinte aber, sie wäre zuständig, aber ich wäre zu früh dran, denn es sei in der Sache noch nichts vorbereitet worden. Ich solle doch in einer Woche wiederkommen.
Warum die dann dieses Schreiben schon ausgeteilt haben, dass man etwas zu zahlen hat, so etwas frage ich mich hier schon lange nicht mehr. Logische Abfolgen sind nicht unbedingt eine Stärke der griechischen Verwaltung. Und der Privatwirtschaft auch nicht, aber dazu später.
Allerdings studierte die Dame das mitgebrachte Schreiben dann doch etwas näher, warf ihren Computer an und meinte, dass ich doch schon heute zahlen könne. Ich solle doch einmal Platz nehmen. Dann mußte ich noch tausend Angaben machen, die sie alle am Computer eintippte. Sie war sehr freundlich, mußte aber anscheinend verschiedenste Formulare ausfüllen, und das dauerte eben. Dann überreichte sie mir mehrere Ausdrucke, mit denen ich zur Kassa gehen mußte. Die Bezahlung an der Kassa lief recht problemlos ab. Der Kassier behielt eine Kopie, eine war für mich und er druckte zwei weitere Formulare aus - davon wieder eines für mich. Damit war aber die Angelegenheit noch nicht erledigt, denn ich mußte mit einer Kopie wieder zurück zu meiner Dame. Der hatte ich somit nachgewiesen, dass die Gebühr bezahlt wurde, und damit konnte sie mir auf das andere Formular ihren Stempel geben.
Ich lege übrigens Wert auf die Feststellung,                                                                                       dass das griechische Wort IDIOTIS auf Deutsch NICHT IDIOT heißt!
 Jetzt ist aber alles erledigt! Dachte ich, denn nun schickte sie mich mit zwei identen Formularen in eine Art Registratur, wo dieser Vorgang der Bezahlung eine Aktennummer bekam. Der Registrateur (ich nenne ihn einmal so) interessierte sich aber hauptsächlich dafür, woher ich komme, erklärte mir, dass die Sisi-Filme seine Lieblingsfilme seien und ich ihr übrigens ganz ähnlich schaue (???). In seiner Verzückung vergab er für diesen einen Vorgang zwei Aktennummern. Ich machte ihn aber auf sein Versehen aufmerksam, worauf er sicherheitshalber einen Anruf tätigte, um sich meine Behauptung bestätigen zu lassen. Dann wurde die eine Aktenzahl ausgebessert und ich durfte zurück zu meiner zuständigen Dame. Diese hatte noch einen anderen Stempel im Repertoire, der auf die Formulare kam. Und jetzt fehlte nur noch die Unterschrift des Bürgermeisters oder eines anderen nicht anwesenden Häuptlings, so genau habe ich das nicht verstanden. Sie entließ mich mit ein paar Papieren, die die Bezahlung belegten und würde das ganz wichtige nachschicken, sobald es unterschrieben sei.
So verließ ich das Gemeindeamt nach Bezahlung von heißen 12 € nach 25 Minuten. Ich bin schon gespannt, wie es im nächsten Jahr ablaufen wird. Bis dahin haben sie sich sicher schon etwas Neues einfallen lassen, wie es noch etwas komplizierter geht.




Was ziehe ich heute an?

 



Traktorendemo

Die Bauern in meiner Gegend haben am meisten im Winter zu tun, denn sie sind Olivenbauern, und da findet die Ernte statt. Wenn aber alle Säcke bei der Olivenmühle abgeliefert worden sind und das Öl gepreßt ist, finden sie Zeit für anderes. Da geht man dann gerne wehrlose Singvögel mit dem Schrotgewehr abschießen, und dann ist auch Zeit fürs Demonstrieren. Fast alle Jahre finden Traktordemos statt. Die Bauern fahren mit ihren Traktoren auf und parken sie geballt am Straßenrand. Wenn es ganz hoch hergeht, blockieren sie auch die Autobahn, aber das kommt zum Glück nicht so oft vor. In Zeiten wie diesen gibt es ja immer wieder negative Maßnahmen wie höhere Sozialversicherungsbeiträge oder andere neue Regelungen zum Nachteil der Bevölkerung, gegen die man sich auflehnen muß. Man übergibt die Forderungen dem Bürgermeister oder sonstigen Politikern. Welche Regierung gerade an der Macht ist, ist dabei nicht so maßgeblich, denn meist ist man schon bald unzufrieden, egal, wen man vorher gewählt hat. Aber das kennt man ja auch aus unserer Heimat. Der Spuk dauert ein paar Wochen, dann werden die schwarzen Fahnen wieder eingemottet, und man wendet sich bis zum nächsten Jahr wieder seiner Feldarbeit zu.





 

Nach Schnee im letzten kalten Winter kam die große Trockenheit. Ein halbes Jahr regnete es fast überhaupt nicht. Sogar die Kakteen sahen schon sehr traurig aus. 

schon ganz ausgetrocknet

nach dem ersten großen Regen

 

 

Hundsein in Griechenland:

Ich versuche ja gerne, meinen Geschichten eine humorvolle Note zu geben, aber es gibt hier auch Themen, wo es meistens nicht viel zu lachen gibt.
Eines davon sind die Hunde in diesem Land. Blöder Hund, fauler Hund, armer Hund. Es gibt so viele Bezeichnungen für Hunde, hier trifft auf die meisten „armer Hund“ zu. Denn das Land ist reich gesegnet mit Streunerhunden, welche sich unkontrolliert vermehren. Wie werden sie zu Streunern? Entweder werden sie schon als solche geboren oder sie werden ausgesetzt. Da gibt es Leute, die sich einen Hund zulegen, dann die Freude daran verlieren und den Hund sich selbst überlassen. Und außerdem wird kaum ein Hund kastriert. Es gibt Aktionen für Gratis-Kastrationen für Einheimische (die Ausländer zahlen eh brav), die kaum in Anspruch genommen werden. Von diesem Thema will man nichts hören, dabei kommt ja eh der Hund unters Messer und nicht der Besitzer.
Hunde werden gerne vergiftet, manchmal auch die des Nachbarn, weil sie zu laut bellen oder weil einem der Nachbar unsympathisch ist. Denn hier redet man nicht so gerne über Probleme, das löst man dann eben so.
Viele Hunde, die gehalten werden, verbringen ihr ganzes Leben an der Kette. Artgerechtes Tierfutter gibt es nicht, nur Essensabfälle. Wenn sie Glück haben, wird ihnen ein windschiefe Hütte gezimmert. Unglaublich, dass die Hunde dann noch freundlich mit dem Schwanz wedeln, wenn die Abfälle gebracht werden. Viele Hundehalter fürchten sich sogar vor ihren Tieren und kommen ihnen nicht zu nah. Von Streicheln ist natürlich gar nicht die Rede.


Die rostige Tonne ist die Hundehütte
Das Land wird aber langsam etwas hundefreundlicher. Leider aber nicht so, wie ich mir das wünschen würde. Hunde werden jetzt salonfähig, aber es muß ein Rassehund sein! Man kann sich doch nicht mit einer Promenadenmischung zeigen! Es muß schon einer von diesen Mini-Hunden sein oder ein Husky (denn der leidet sicher gar nicht unter dem griechischen Klima).
Und auch ich bin hier auf den Hund gekommen. Man bringt es einfach nicht übers Herz, zuzusehen, wie die armen Tiere auf der Straße hungern müssen. Zwei Hundeherren gehören nun zu meinem Haushalt. Sie gehören zu den wenigen Glücklichen, die eine warme Hütte mit weichen  Decken haben, Hundefutter zu fressen bekommen (und von Zeit zu Zeit einen großen Knochen!), geimpft und ärztlich versorgt werden, falls notwendig, nicht an der Kette hängen und täglich spazieren gehen dürfen. Auch gebadet werden sie hie und da, das müßte aber nicht unbedingt sein, wenn es nach ihnen ginge. Leider kann man nicht alle Tiere retten, und so bleibt einem nichts anderes übrig, als mit der Situation zu leben. So traurig es auch ist.




Was der Griechenland-Sommerurlauber nicht sieht, der im ruhigen Meer planscht - aufgewühltes Meer in Methoni nach dem großen Gewitter







Trinkgeld-"Schale" bei der Autowäsche





 
















Perfekter Schutz fürs Kind mit dem absolut passenden Helm. Der Fahrer hat mich übrigens kurz davor rechts auf dem Bankett überholt und war somit eine Minute vor mir beim Supermarkt. Der Hunger muß wohl schon sehr groß gewesen sein.




Sonntag, 2. Juli 2017

Das Personal darf geschlagen werden

Griechenland hat ähnliche Gesetze wie Österreich, was den Arbeitnehmerschutz betrifft. Was aber seit der Krise nicht mehr viele Arbeitgeber kümmert. Ihre Angestellten bekommen € 500 oder weniger monatlich auf die Hand und werden nicht bei der Sozialversicherung angemeldet, haben somit keine Krankenversicherung und bekommen keine Pension. Körperlich gezüchtigt werden sie aber üblicherweise nicht.
Ich darf aber meinen Gartenhelfer sogar schlagen! 
Immer, wenn ich gröbere Arbeiten im Garten zu verrichten habe, kommt Nikos, der Albaner, auch die Maschine genannt, weil er so stark ist. Im Nu gräbt er Löcher im steinigen Untergrund wie kein anderer und mischt händisch Zement schneller als jede Mischmaschine. Die menschliche Maschine braucht aber natürlich viel Treibstoff in Form von Bier. Deshalb arbeitet Nikos auch am liebsten bei den Ausländern, die hier wohnen. Denn von denen bekommt er üblicherweise verläßlich seine Bezahlung und zum Lohn dazu noch ein paar Bierchen und eine Jause. Und auch die seelische Ölung ist sehr wichtig - mit jedem Lob legt Nikos noch ein Schäuferl nach. Und so ist er manchmal ein bißchen übereifrig, hauptsächlich, wenn es darum geht, Unkraut aus den Beeten zu entfernen. Denn Nikos ist nicht immer ganz so klar, was in den Beeten wachsen soll und was nicht - was also „exo“ muß - heraus! Und so hat hat er mir schon mehrmals in unbeobachteten Augenblicken Pflanzen ausgerissen und vernichtet, die ich eingesetzt und mühsam gepflegt hatte, um den Garten schöner werden zu lassen. 
Außerdem hackt Nikos immer mit so viel Schwung in den Boden, dass er bereits drei Mal ein Loch in die Wasserleitung, die hier ja nur in 30 cm Tiefe liegt, geschlagen hat. Natürlich konnte er nichts dafür, aber war das jedes Mal eine Mühsal, bis der Beste aller Ehemänner die Löcher wieder geflickt hatte! Inzwischen schaue ich Nikos schon genau auf die Finger und verhindere Katastrophen dieser Art, aber mit dem Unkraut klappt es noch immer nicht so richtig. Und so mußte kürzlich eine mühsam von mir versorgte Pflanze daran glauben. Ein paar Wochen schon hatte ich sie gehegt und gepflegt, und in nur einer Minute hatte Nikos ihr den Garaus gemacht. Meine Frustration stand mir ins Gesicht geschrieben und ich sagte zu ihm „Nicht schon wieder! Was hast du gemacht?“ und ballte heimlich die Fäuste. Nikos, ein gestandener Kerl, hat das bemerkt (bei den Menschen ist er offensichtlich sensibler als bei Pflanzen) und hat mir seine Schulter dargeboten. „Schlag zu!“ meinte er. Ich war ganz überrascht, aber er hat nur gelacht, und dann habe ich ihm drei ordentliche Boxer verpaßt, die er sicherlich gar nicht einmal gespürt hat. Dann mußten wir beide lachen.
Nächste Woche kommt Nikos wieder vorbei. Ich bin schon gespannt, ob dann alle klappt - oder nicht. Vielleicht darf ich ihm ja wieder eine verpassen!




Herrn Hund geht's gut, denn "Oma" und "Opa" waren zu Besuch, und da gibt es gleich Doppelstreicheleinheiten. Und als echter Austro-Grieche trägt er natürlich ein rot-weiß-rotes Halsband!





Und Frau Miezi hat zwar ihre eigene Wasserschüssel, trinkt aber aus unerfindlichen Gründen gerne aus dem Klo. Da gab es einmal den Schlager "Ich möcht' so gern dein Badewasser schlürfen" - wir haben hier die Variante "Ich möcht's so gern dein WC-Wasser schlürfen".




Kürzlich habe ich in Kalamata diesen Herrn entdeckt  - eine Schaufensterpuppe mit etwas realistischeren Dimensionen als normal. Ein paar Tage später wollte ich ihn wieder bewundern, da war er aber weg. Vermutlich auf Grund eines Ansturms dickerer Herren oder so .....




Wenn der Handwerker zwei Mal klingelt …

„Wenn der Postmann zwei Mal klingelt …“ - so heißt es so schön, aber in Griechenland klingelt der Postler nur selten. Denn im Dorf, wo es weder Straßenbezeichnungen noch Hausnummern gibt, landet die diverse Post an einer zentralen Stelle, das heißt entweder im Mini-Markt oder in der Taverne, je nachdem, was es gerade gibt. Früher - und manchmal noch heute - gab es übrigens Tavernen, die auch der Markt für die notwendigsten Artikel zum Überleben waren, aber das sei nur am Rande erwähnt. Im Mini-Markt oder in der Taverne kehrt man deshalb am besten öfters ein. Dann erfährt man auch, ob man Post bekommen hat.

Nun aber endlich zu den Handwerkern. Ein Handwerker kommt selten ein Mal. Denn ein Handwerker hier hat so gut wie nie das mit, was er gerade braucht. Wie der Installateur die neue Heizung brachte und sich dann an Ort und Stelle erst Gedanken machte, was er zur Installation benötigt, habe ich ja an früherer Stelle schon beschrieben. Neuestes Beispiel - der Schwimmbadfirma. Kürzlich gab die Beleuchtung des Pools den Geist auf. Um sicher zu gehen, dass mein Hilferuf auch wirklich registriert wird, habe ich beim Pool-Menschen sowohl angerufen als auch ein Email geschickt und natürlich genau erklärt, was das Problem ist. Für mich als Laien ist es einmal naheliegend, dass die Lampe kaputt sein könnte. Ich würde daher schon eine mitbringen. Nicht so der Professionist. Abgesehen davon, dass er mich eh vergessen hat, so scheint es, oder dass er mich zumindest ignoriert. Schließlich ist Hochsommer und mein Problem ist sicher nicht das wichtigste, das er zu beheben hat. Aber blöderweise fahren wir eines Tages auf der Straße aneinander vorbei. Ich greife sofort zum Handy und frage, ob er denn auf dem Weg zu mir sei. Er: „Natürlich!“. Bei meinem Anblick ist es ihm wieder eingeschossen, dass ich ja seit einiger Zeit auf ihn warte. Also wird kurz umdisponiert, sein eigentliches Ziel muß warten.
Eine Überprüfung des Sachverhalts ergibt, dass die Lampe kaputt ist. Ja, so ein Wunder, damit hätte ich jetzt nicht gerechnet! Ersatzlampe hat er keine dabei, aber das wäre ja auch wirklich zu viel verlangt. Wenn er das nächste Mal in der Nähe ist, bringt er eine mit. Sagt er. Na mal sehen, wie lange ich unbeleuchtet nachtbaden werde …






Mein Kaktus hat ein großes Herz!




Panijiri

Für einen typischen griechischen Dorfbewohner ist das Leben heute noch so wie bei uns anno dazumal. Man kommt kaum aus dem Dorf heraus, und Höhepunkte sind diverse Feste religiöser Natur, wie Taufen, Hochzeiten, Begräbnisse, Namenstage (Geburtstage werden kaum gefeiert) und Panijiris. Jede Kirche und Kapelle ist einem Heiligen geweiht. Und an dessen Namenstag findet das große Kirchfest statt. Manchmal ist es einfach ein Fest rund um die Kirche mit Wimpeln, Beleuchtung, ein bißchen Musik und Essen. Manches Mal ist es ein Kirtag mit Standln, wo chinesisches Plastik-Spielzeug und Süßes verkauft werden. Und dann gibt es noch die großen Musikfeste in einigen Dörfern, die in der ganzen Umgebung bekannt  sind. Manchmal finden diese in einem Park statt, meistens aber am Sportplatz der örtlichen Schule.
Unter den Basketball-Körben wird also eine Bühne aufgebaut. Die Musiker, die auftreten, kommen oft sogar so weit wie von Athen her.



So gegen 21 bis 22 Uhr geht es schön langsam los (wo ich schon wieder müde werde). Da trudeln die älteren Leute ein.
Zunächst hat man allerhand zu tun. Es wurden lange Reihen von Plastiktischen und -sesseln aufgestellt. Das Papiertischtuch muß man selber auflegen. Dann muß man sich Getränke organisieren. Es gibt „Kellner“, die Getränkedosen in Nylonsackerln herumtragen und zu - für griechische Verhältnisse - horrenden Preisen verkaufen. Dann muß man sich zum Stand mit dem Schweinebraten begeben. Der Schweinebraten ist ein Ferkel, das in der Früh beim Bäcker in den Ofen gelegt wurde und das jetzt am Abend fertig ist. Davon wird ein größeres Stück abgehackt und in Papier verpackt. Dazu gibt es Plastikgabeln und Servietten. Und das war es dann auch schon. Einer am Tisch zersticht das Schwein, und dann langen alle mit den bloßen Händen hin und essen.






Nachdem man sich ja nicht gleich an alle Sitten gewöhnt, sind der Beste aller Ehemänner und ich, ausgerüstet mit Salat, richtigem Besteck (und zwar Messer, Gabel und Löffel) und Senf aus Österreich angereist. Da haben die griechischen Freunde aber geschaut angesichts solchen Luxuses!
Und irgendwann fängt dann die Musik an. Es beginnt mit griechischer Volksmusik, die meist sehr türkisch und arabisch klingt (ganz Meines, ich bin sehr zufrieden!). Einige der Musiker sind wirklich beeindruckend und können was! Aber dann wird es etwas moderner, und die Griechen beginnen zu tanzen. Leider wird es auch immer lauter. Mir dröhnen die Ohren, ich finde es schön langsam unerträglich, und irgendwie hört man nur noch Laut, aber nicht Musik. Das macht aber wiederum die Griechen glücklich. Nach Mitternacht kommt auch das jüngere Publikum und genießt die Ohrenmarter sichtlich. Später erfahre ich, dass für die Veranstalter das Wichtigste nicht ist, dass die Musik so gut wie möglich ist, sondern dass die Musik so laut wie möglich ist. Man muß sie auf jeden Fall noch im Nachbardorf hören, sonst war die Veranstaltung kein Erfolg. Mir hat sie am besten am Parkplatz gefallen, als ich mich auf den Heimweg gemacht habe … 






Apropos Sau - wer will eine Portion? 







Frühjahr ist Schlangenzeit. Diese hat's leider erwischt, sie ist mir unters Auto gekommen, obwohl ich im Schlangenausweichen inzwischen eh schon ziemlich gut bin. 





Die Griechen haben einen schönen Brauch zum 1. Mai. Selbst geflochtene Blumenkränze werden ans Haus gehängt. Einer ist sogar mit Knoblauch verziert. Das bringt sicher Glück!











Montag, 13. Februar 2017

Sackerlwirtschaft

Als meine Freundin Maria einmal mit mir nach Wien fuhr, kaufte sie sich im Drogeriemarkt ein Duschgel. Sie bezahlte an der Kasse, und die Kassierin wandte sich der nächsten Dame in der Schlange zu. Maria blieb aber stehen und sah die Kassierin erwartungsvoll an. Ich fragte, was denn los sei, und sie fragte mich konsterniert zurück, wo das Sackerl für das Duschgel sei. Ich erklärte ihr, dass man bei uns für solche Kleinigkeiten kein Sackerl bekommt bzw. dass man dafür bezahlen müsse. Ungläubig und nicht begeistert schüttelte Maria den Kopf. Ich erklärte ihr weiter, dass zu viele Sackerl Verschwendung seien und sie ewig nicht abbaubar wären. Und dass man am besten seine eigene Tasche mit hat. Das alles kam Maria äußerst spanisch vor. Nie im Leben hat sie sich über solche Themen Gedanken gemacht - wie auch die meisten anderen Griechen nicht.
Denn hier ist das Sackerl-Schlaraffenland. Man kriegt immer und für alles eines - für die kleinsten und die riesigsten Einkäufe. Bei Geschenken kommt zuerst ein kleines mit Mascherl, dann ein größeres. Und kürzlich stülpte mir die Verkäuferin noch ein riesiges über den Koffer, den ich gekauft habe und mit dem ich gleich weggefahren bin. Sie ließ sich einfach nicht davon abhalten. Überhaupt stoßen meine Sackerl-Abwehrversuche auf wenig Verständnis. Meine Kommentare wie „Man hat eh schon zu viele Sackerl zu Hause!“ oder „Verschwendung von Ressourcen“ ziehen an den Kassen diverser Geschäfte nur seltsame Blicke nach sich.
Im Supermarkt packt die Kassierin noch fleißig den Wocheneinkauf in mindestens zehn Sackerl mit ein.



Und ich gebe es ehrlich zu - ich vergesse inzwischen selbst so gut wie immer meine Einkaufstasche zu Hause. Man gewöhnt sich an die Bequemlichkeit. Zumindest verwende ich aber das Sackerl aus dem ersten Geschäft auch noch für die weiteren Einkäufe und nutze die mit nach Hause gebrachten „sakulicia“ (wie sie hier heißen) weiter. Dazu gibt es praktische Wandhalterungen zu kaufen, wo man die Dinger einfach nur hineinknüllt und wieder herauszieht, sobald man sie braucht. 


Ich bin schon gespannt, was passiert, wenn Plastiksackerl verboten werden. EU-Verordnungen und diverse Gesetze werden hier ja immer wieder so was von ignoriert, sodaß ich meine, wir werden hier weiterhin in der Sackerlwirtschaft untergehen!






 

Schneller als die Polizei erlaubt

In Athen kommt man im Verkehr manchmal schon ins Schwitzen, denn die Moped- und Motorradfahrer fahren wie die Irren, überholen auf allen Seiten, schlängeln sich im Abstand von einem Zentimeter vorbei, und vor allem gibt es Unmengen von ihnen.


Auf dem Land allerdings geht es ganz anders zu. Es gibt zum Glück nur wenige Raser, dafür aber ein Großaufgebot an Schleichern. Mit 40 km/h auf der Überlandstraße ist da keine Ausnahme. Das liegt daran, dass man entweder das Fahren nie richtig gelernt hat (eine Fahrschule hat nicht jeder absolviert) oder dass man mit einer alten Schüssel unterwegs ist, die knapp vor dem Auseinanderfallen und mit profillosen Reifen bestückt ist.
Ich meine, dass ich keine Raserin bin, aber ich fahre auf jeden Fall flotter dahin, als die Geschwindigkeitsbeschränkungen es zulassen. In Ermangelung von Kontrollen der Verkehrspolizei fahre ich nach Gefühl. Die Polizei hier muß nämlich Benzin sparen und fährt kaum Streife oder kontrolliert Autofahrer. 



Kürzlich fuhr ich auf einer der wenigen schnurgeraden Überlandstraßen. Das sind die raren Möglichkeiten, es einmal bei ca. 100 km/h laufen zu lassen, obwohl nur eine Maximalgeschwindigkeit von 60 km/h erlaubt ist. Noch dazu geht es bergab, und sogar die Schleicher werden dadurch schneller. Ich fahre also so dahin und sehe, dass ich einem anderen Auto sehr rasch näher komme. Es bremst sogar beim Bergabfahren, sodass es die 60 km/h einhalten kann. Ich frage mich, was denn das wohl für ein Verrückter sei und setze schwungvoll zum Überholen an. Als ich auf gleicher Höhe bin, interessiert mich doch, wer denn da so schleicht und ich blicke einmal hinüber ins andere Auto. Da schauen mir zwei Polizisten entgegen. Da man nicht mit Polizeiautos auf der Straße rechnet, ist es mir auch gar nicht aufgefallen. Kurz überlege ich, ob ich nicht abbremsen und dann brav hinter dem Polizeiauto herfahren soll, wie man es in Österreich halt machen würde, dann denke ich mir aber „Frechheit siegt“ und steige ordentlich aufs Pedal. Die Polizisten müssen eh weiter Benzin sparen und zuckeln dahin wie zuvor. Nach einer Minute sind sie schon außer Sichtweite. Autofahren kann so schön sein!


 

Kasernen mit Teenagern?

Immer wieder sieht man in den Städten Kasernen, aus denen keine Soldaten kommen, sondern Teenager. Und neuerdings sind sie noch dazu bunt gestrichen. Ach ja, es handelt sich ja gar nicht um Kasernen, die sehen nämlich noch furchtbarer aus. Es sind Schulen!





 

Es wird marschiert

Ich habe es ja schon mehrmals erwähnt - so manches in diesem Land hat einen kommunistischen Touch. Nicht nur die Schulen. Die Schüler dürfen hier nämlich marschieren. Und zwar an Feiertagen. Sei es der Nationalfeiertag oder ein kirchlicher - die Kinder tragen Schwarz-Weiß oder Blau-Weiß und marschieren mit Fahnen durch den Ort. 



Dafür gibt es natürlich das richtige Outfit zu kaufen:



 

Mascherl-Pyjamas 

Nicht nur in Österreich und Deutschland ist der heurige Winter sehr kalt, auch in Griechenland gab und gibt es ungewöhnliche Kälte. Die großen Einkaufsschlager der Saison sind daher Heizdecken fürs Bett und dicke Pyjamas. Dabei ist mir aufgefallen, dass es vermutlich nur sehr wenige Griechinnen gibt, die einen Pyjama ohne Mascherl besitzen. Ich bin inzwischen auch Besitzerin eines griechischen Pyjamas, habe aber das Mascherl schon abmontiert. Auch die dazugehörigen dicken Hauspatschen - natürlich mit Mascherl - habe ich bis jetzt abgewehrt. Aber wer weiß - vielleicht halten die Mascherlpatschen doch noch Einzug, wenn es nicht bald wärmer wird.





 

Es hat geschneit!

Und wenn wir schon bei der Kälte sind - es hat geschneit, und zwar seit ungefähr 25 Jahren wieder einmal. 
Von meinem Haus kann ich im Winter das höchste, meist schneebedeckte Gebirge des Peloponnes sehen - den Taygetos. 


Aber bis zu uns ans Meer kommt der Schnee höchst selten. Hier ein paar Eindrücke davon:










 

Schwieriger Einkauf

Es ist mich überkommen - ich habe ein Plastikmöbel mit Schubladen gekauft, um allerlei Kleinigkeiten darin zu verstauen. Und jetzt stehe ich da und alles ist kompliziert.
Dabei fing es so gut an. Ich sah das Ding in einem Geschäft ausgestellt, und da machte es einen ganz guten Eindruck. Ich entschied mich für die Farbe Grau. Die Verkäuferin suchte in den vorhandenen Kartons herum und teilte mir dann zeichentechnisch mit, dass sie nur noch die Farbe Beige hätte. Mein Griechisch und ihr Englisch reichten leider nicht für eine detailliertere Besprechung der Sachlage aus. Ich hätte sie nämlich gerne gefragt, woher sie wußte, welche Farbe in welchem Karton ist. Das Plastikmöbel war nämlich in der Türkei hergestellt und dementsprechend auch auf Türkisch beschriftet. Sie war aber sehr bestimmt in ihrer Ansage und ich beschloß, ihr zu glauben. Woher sie die Farben auf Türkisch kannte, war mir ein Rätsel, aber es sollte so sein.



Ich transportierte das gute Ding also nach Hause und packte es aus. Und siehe da - es war grau! Ich war hocherfreut, denn so kam ich doch noch zu meiner Wunschfarbe. Und wunderbarerweise waren sogar ein paar mehr Bestandteile in der Schachtel als ich zum Zusammenbauen brauchte. Gleich eine ganze Schublade extra! Na ja, auf jeden Fall besser als zu wenige Teile. Dann mußte ich aber feststellen, dass die schöne graue Farbe durch einen großen, häßlichen, schwarzen Fleck verunziert war, der sich nicht entfernen ließ. Und überhaupt wurde mir klar, dass das ganze Ding Mist war. Die Schubladen spießten und alles war irgendwie windschief. Also das Ganze wieder abgebaut und zurück in den Karton! Es dauerte dann aber zwei Wochen, bis ich wieder in die Nähe des Geschäfts kam. Bei uns ist ja die Umtauschfrist oft nur zwei Wochen, also hatte ich es schon eilig.
Leider hatte ich es an diesem Tag überhaupt sehr eilig, weil ich noch eine Menge sehr wichtiger Besorgungen zu machen hatte. Dem Personal zu erklären, dass das Stück von schlechter Qualität war und sie mir deshalb das Geld zurückgeben müßten, schminkte ich mir gleich ab. Dazu reichten erstens meine und deren Fremdsprachenkenntnisse nicht aus, und zweitens wäre das für die Verkäuferinnen sicher eine unlösbare Aufgabe. So lange halte ich mich in diesem Land schon auf, dass ich das mich Sicherheit weiß. Weil ich aber keine Zeit hatte, forderte ich nur eine Gutschrift für das zurückgegebene Stück und wollte ein anderes Mal wieder kommen, um mir in Ruhe etwas anderes um das Geld auszusuchen. Bei der Erwähnung der Gutschrift fiel den beiden Damen aber die Lade hinunter. Dazu würden sie meinen Namen, Anschrift und Telefonnummer benötigen, ich solle alles aufschreiben. Mich wundert, dass sie nicht meine Steuernummer verlangten, die ist nämlich in Griechenland sehr beliebt und wird auch von den unmöglichsten Stellen gerne verlangt. Und wenn ich alles aufgeschrieben hätte, würde es längere Zeit dauern, bis sie die Gutschrift ausgestellt hätten. Vermutlich hätte erst irgendjemand anderer einreiten müssen, um die Sache in die Hand zu nehmen. Für das alles hatte ich aber keine Zeit und teilte das den Damen auch mit. Sie hatten aber gleich einen praktischen Vorschlag. Ich solle den Karton doch wieder mitnehmen und ein anderes Mal kommen, wenn ich wieder mehr Zeit hätte. Ich schleppte das Ding also wieder zurück zum Auto und kam erst zwei weitere Wochen später wieder zum Umtausch. Dass jetzt schon ein Monat vergangen war seit dem ursprünglichen Kauf, störte sie keineswegs, aber sie waren sichtlich erleichtert, dass sie der Erstellung einer Gutschrift gerade noch entgangen waren.
Ich kaufte mir übrigens eine ordentliche Ladung Putzmittel um den Betrag, denn da ist die Gefahr, sie umtauschen zu müssen, recht gering.



 

Hilfe, der Kiosk stirbt aus!

Was wäre ein Grieche ohne seinen Kiosk? Alles absolut Lebensnotwendige kann man dort erwerben, zuallererst Zigaretten, dann Kaugummi, Süßes und Eis. Zeitungen und Zeitschriften nicht zu vergessen, alle mit hochintellektuellen Titeln wie „Hello“ oder „OK“. 


Wichtige Kosmetikartikel und natürlich Getränke gehören auch dazu. Je nach Lage zusätzlich Strandspielzeug oder - falls im besseren Athener Bezirk - eine gute Auswahl an feinen Zigarren. 



Sogar einen mit Fahrradverleih habe ich schon entdeckt.


In Athen haben viele Kioske - Periptero auf Griechisch - sogar rund um die Uhr geöffnet. Ich habe einen Freund, der meint, er könne in keinem anderen Land überleben, das nicht ähnliches zu bieten hat. Denn wenn er um zwei Uhr früh Lust auf Schokolade hat, dann muß er seinem Drang folgen können.
Der Kiosk tritt in rauen Mengen auf - in Pylos, einer Kleinstadt mit ein paar Tausend Einwohnern, gibt es auf dem Hauptplatz allein gleich sechs Kioske. Oder besser gesagt - es gab. Denn ein Inhaber verstarb kürzlich plötzlich, und sein Platz durfte nicht mehr neu vergeben werden, der Kiosk wurde für griechische Verhältnisse im Eiltempo nach ein paar Wochen abgerissen.
Da waren’s nur noch fünf. Denn laut Gesetz sollen die Peripteros abgeschafft werden. Noch ist das kein großes Drama, denn es gibt noch ausreichend viele. Und ich weiß auch nicht, ob sich das schon bei allen Griechen herumgesprochen hat. Ich könnte mir vorstellen, dass diese Tatsache zu einem Volksaufstand führen könnte. Andererseits haben sich die Griechen schon viel gefallen lassen in ihrer Geschichte. Mal sehen, den Periptero-Betreibern sei ein langes Leben gewünscht!