Sackerlwirtschaft
Als meine Freundin Maria einmal mit mir nach Wien fuhr, kaufte sie sich im Drogeriemarkt ein Duschgel. Sie bezahlte an der Kasse, und die Kassierin wandte sich der nächsten Dame in der Schlange zu. Maria blieb aber stehen und sah die Kassierin erwartungsvoll an. Ich fragte, was denn los sei, und sie fragte mich konsterniert zurück, wo das Sackerl für das Duschgel sei. Ich erklärte ihr, dass man bei uns für solche Kleinigkeiten kein Sackerl bekommt bzw. dass man dafür bezahlen müsse. Ungläubig und nicht begeistert schüttelte Maria den Kopf. Ich erklärte ihr weiter, dass zu viele Sackerl Verschwendung seien und sie ewig nicht abbaubar wären. Und dass man am besten seine eigene Tasche mit hat. Das alles kam Maria äußerst spanisch vor. Nie im Leben hat sie sich über solche Themen Gedanken gemacht - wie auch die meisten anderen Griechen nicht.
Denn hier ist das Sackerl-Schlaraffenland. Man kriegt immer und für alles eines - für die kleinsten und die riesigsten Einkäufe. Bei Geschenken kommt zuerst ein kleines mit Mascherl, dann ein größeres. Und kürzlich stülpte mir die Verkäuferin noch ein riesiges über den Koffer, den ich gekauft habe und mit dem ich gleich weggefahren bin. Sie ließ sich einfach nicht davon abhalten. Überhaupt stoßen meine Sackerl-Abwehrversuche auf wenig Verständnis. Meine Kommentare wie „Man hat eh schon zu viele Sackerl zu Hause!“ oder „Verschwendung von Ressourcen“ ziehen an den Kassen diverser Geschäfte nur seltsame Blicke nach sich.
Im Supermarkt packt die Kassierin noch fleißig den Wocheneinkauf in mindestens zehn Sackerl mit ein.
Ich bin schon gespannt, was passiert, wenn Plastiksackerl verboten werden. EU-Verordnungen und diverse Gesetze werden hier ja immer wieder so was von ignoriert, sodaß ich meine, wir werden hier weiterhin in der Sackerlwirtschaft untergehen!
Schneller als die Polizei erlaubt
In Athen kommt man im Verkehr manchmal schon ins Schwitzen, denn die Moped- und Motorradfahrer fahren wie die Irren, überholen auf allen Seiten, schlängeln sich im Abstand von einem Zentimeter vorbei, und vor allem gibt es Unmengen von ihnen.
Auf dem Land allerdings geht es ganz anders zu. Es gibt zum Glück nur wenige Raser, dafür aber ein Großaufgebot an Schleichern. Mit 40 km/h auf der Überlandstraße ist da keine Ausnahme. Das liegt daran, dass man entweder das Fahren nie richtig gelernt hat (eine Fahrschule hat nicht jeder absolviert) oder dass man mit einer alten Schüssel unterwegs ist, die knapp vor dem Auseinanderfallen und mit profillosen Reifen bestückt ist.
Ich meine, dass ich keine Raserin bin, aber ich fahre auf jeden Fall flotter dahin, als die Geschwindigkeitsbeschränkungen es zulassen. In Ermangelung von Kontrollen der Verkehrspolizei fahre ich nach Gefühl. Die Polizei hier muß nämlich Benzin sparen und fährt kaum Streife oder kontrolliert Autofahrer.
Kasernen mit Teenagern?
Immer wieder sieht man in den Städten Kasernen, aus denen keine Soldaten kommen, sondern Teenager. Und neuerdings sind sie noch dazu bunt gestrichen. Ach ja, es handelt sich ja gar nicht um Kasernen, die sehen nämlich noch furchtbarer aus. Es sind Schulen!Es wird marschiert
Ich habe es ja schon mehrmals erwähnt - so manches in diesem Land hat einen kommunistischen Touch. Nicht nur die Schulen. Die Schüler dürfen hier nämlich marschieren. Und zwar an Feiertagen. Sei es der Nationalfeiertag oder ein kirchlicher - die Kinder tragen Schwarz-Weiß oder Blau-Weiß und marschieren mit Fahnen durch den Ort.Dafür gibt es natürlich das richtige Outfit zu kaufen:
Mascherl-Pyjamas
Nicht nur in Österreich und Deutschland ist der heurige Winter sehr kalt, auch in Griechenland gab und gibt es ungewöhnliche Kälte. Die großen Einkaufsschlager der Saison sind daher Heizdecken fürs Bett und dicke Pyjamas. Dabei ist mir aufgefallen, dass es vermutlich nur sehr wenige Griechinnen gibt, die einen Pyjama ohne Mascherl besitzen. Ich bin inzwischen auch Besitzerin eines griechischen Pyjamas, habe aber das Mascherl schon abmontiert. Auch die dazugehörigen dicken Hauspatschen - natürlich mit Mascherl - habe ich bis jetzt abgewehrt. Aber wer weiß - vielleicht halten die Mascherlpatschen doch noch Einzug, wenn es nicht bald wärmer wird.Es hat geschneit!
Und wenn wir schon bei der Kälte sind - es hat geschneit, und zwar seit ungefähr 25 Jahren wieder einmal.Von meinem Haus kann ich im Winter das höchste, meist schneebedeckte Gebirge des Peloponnes sehen - den Taygetos.
Aber bis zu uns ans Meer kommt der Schnee höchst selten. Hier ein paar Eindrücke davon:
Schwieriger Einkauf
Es ist mich überkommen - ich habe ein Plastikmöbel mit Schubladen gekauft, um allerlei Kleinigkeiten darin zu verstauen. Und jetzt stehe ich da und alles ist kompliziert.
Dabei fing es so gut an. Ich sah das Ding in einem Geschäft ausgestellt, und da machte es einen ganz guten Eindruck. Ich entschied mich für die Farbe Grau. Die Verkäuferin suchte in den vorhandenen Kartons herum und teilte mir dann zeichentechnisch mit, dass sie nur noch die Farbe Beige hätte. Mein Griechisch und ihr Englisch reichten leider nicht für eine detailliertere Besprechung der Sachlage aus. Ich hätte sie nämlich gerne gefragt, woher sie wußte, welche Farbe in welchem Karton ist. Das Plastikmöbel war nämlich in der Türkei hergestellt und dementsprechend auch auf Türkisch beschriftet. Sie war aber sehr bestimmt in ihrer Ansage und ich beschloß, ihr zu glauben. Woher sie die Farben auf Türkisch kannte, war mir ein Rätsel, aber es sollte so sein.
Ich transportierte das gute Ding also nach Hause und packte es aus. Und siehe da - es war grau! Ich war hocherfreut, denn so kam ich doch noch zu meiner Wunschfarbe. Und wunderbarerweise waren sogar ein paar mehr Bestandteile in der Schachtel als ich zum Zusammenbauen brauchte. Gleich eine ganze Schublade extra! Na ja, auf jeden Fall besser als zu wenige Teile. Dann mußte ich aber feststellen, dass die schöne graue Farbe durch einen großen, häßlichen, schwarzen Fleck verunziert war, der sich nicht entfernen ließ. Und überhaupt wurde mir klar, dass das ganze Ding Mist war. Die Schubladen spießten und alles war irgendwie windschief. Also das Ganze wieder abgebaut und zurück in den Karton! Es dauerte dann aber zwei Wochen, bis ich wieder in die Nähe des Geschäfts kam. Bei uns ist ja die Umtauschfrist oft nur zwei Wochen, also hatte ich es schon eilig.
Leider hatte ich es an diesem Tag überhaupt sehr eilig, weil ich noch eine Menge sehr wichtiger Besorgungen zu machen hatte. Dem Personal zu erklären, dass das Stück von schlechter Qualität war und sie mir deshalb das Geld zurückgeben müßten, schminkte ich mir gleich ab. Dazu reichten erstens meine und deren Fremdsprachenkenntnisse nicht aus, und zweitens wäre das für die Verkäuferinnen sicher eine unlösbare Aufgabe. So lange halte ich mich in diesem Land schon auf, dass ich das mich Sicherheit weiß. Weil ich aber keine Zeit hatte, forderte ich nur eine Gutschrift für das zurückgegebene Stück und wollte ein anderes Mal wieder kommen, um mir in Ruhe etwas anderes um das Geld auszusuchen. Bei der Erwähnung der Gutschrift fiel den beiden Damen aber die Lade hinunter. Dazu würden sie meinen Namen, Anschrift und Telefonnummer benötigen, ich solle alles aufschreiben. Mich wundert, dass sie nicht meine Steuernummer verlangten, die ist nämlich in Griechenland sehr beliebt und wird auch von den unmöglichsten Stellen gerne verlangt. Und wenn ich alles aufgeschrieben hätte, würde es längere Zeit dauern, bis sie die Gutschrift ausgestellt hätten. Vermutlich hätte erst irgendjemand anderer einreiten müssen, um die Sache in die Hand zu nehmen. Für das alles hatte ich aber keine Zeit und teilte das den Damen auch mit. Sie hatten aber gleich einen praktischen Vorschlag. Ich solle den Karton doch wieder mitnehmen und ein anderes Mal kommen, wenn ich wieder mehr Zeit hätte. Ich schleppte das Ding also wieder zurück zum Auto und kam erst zwei weitere Wochen später wieder zum Umtausch. Dass jetzt schon ein Monat vergangen war seit dem ursprünglichen Kauf, störte sie keineswegs, aber sie waren sichtlich erleichtert, dass sie der Erstellung einer Gutschrift gerade noch entgangen waren.
Ich kaufte mir übrigens eine ordentliche Ladung Putzmittel um den Betrag, denn da ist die Gefahr, sie umtauschen zu müssen, recht gering.
Hilfe, der Kiosk stirbt aus!
Was wäre ein Grieche ohne seinen Kiosk? Alles absolut Lebensnotwendige kann man dort erwerben, zuallererst Zigaretten, dann Kaugummi, Süßes und Eis. Zeitungen und Zeitschriften nicht zu vergessen, alle mit hochintellektuellen Titeln wie „Hello“ oder „OK“.
Wichtige Kosmetikartikel und natürlich Getränke gehören auch dazu. Je nach Lage zusätzlich Strandspielzeug oder - falls im besseren Athener Bezirk - eine gute Auswahl an feinen Zigarren.
Sogar einen mit Fahrradverleih habe ich schon entdeckt.
In Athen haben viele Kioske - Periptero auf Griechisch - sogar rund um die Uhr geöffnet. Ich habe einen Freund, der meint, er könne in keinem anderen Land überleben, das nicht ähnliches zu bieten hat. Denn wenn er um zwei Uhr früh Lust auf Schokolade hat, dann muß er seinem Drang folgen können.
Der Kiosk tritt in rauen Mengen auf - in Pylos, einer Kleinstadt mit ein paar Tausend Einwohnern, gibt es auf dem Hauptplatz allein gleich sechs Kioske. Oder besser gesagt - es gab. Denn ein Inhaber verstarb kürzlich plötzlich, und sein Platz durfte nicht mehr neu vergeben werden, der Kiosk wurde für griechische Verhältnisse im Eiltempo nach ein paar Wochen abgerissen.
Da waren’s nur noch fünf. Denn laut Gesetz sollen die Peripteros abgeschafft werden. Noch ist das kein großes Drama, denn es gibt noch ausreichend viele. Und ich weiß auch nicht, ob sich das schon bei allen Griechen herumgesprochen hat. Ich könnte mir vorstellen, dass diese Tatsache zu einem Volksaufstand führen könnte. Andererseits haben sich die Griechen schon viel gefallen lassen in ihrer Geschichte. Mal sehen, den Periptero-Betreibern sei ein langes Leben gewünscht!

























Hallo Judith -- interessanter Blog, wie immer. Man muß sich nur wundern, wie lange die Griechen noch denken die Augen einfach schließen zu können und hoffen ''es wird schon werden''? Das Problem aber geht wohl an die EU zurück und deren Bedürfnis, so viele Länder wie möglich unter die Haube zu bringen. Da sollten sich höchstens drei oder vier ökonomisch gleich starke Länder verbunden haben anstatt diesem Zirkus mit all möglichen ''me too'' Ländern. Die Grundidee war wohl gut, aber nicht komplett durchdacht; und dies kann man ja nun auf allen Seiten sehen.
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