Freitag, 6. Januar 2017

Erste Hilfe

Vor ein paar Tagen ist passiert, was ich immer schon befürchtet habe - mein Auto hatte einen Patschen. Aber zum Glück nicht irgendwo in der Pampa ohne Handy-Empfang (ich fahre ja gerne irgendwo in der Botanik herum - mein Forscherdrang treibt mich an), sondern 100m von einer Autowerkstätte entfernt.
ÖAMTC ist hier nicht, also mache ich mich zu Fuß auf den Weg in Richtung Werkstätte. Ich muß am Geschäft für Boots- und Tauchbedarf vorbei. Dort steht Fotis am Eingang und überwacht seine Umgebung, wenn er gerade keine Kunden hat. Da ich weder ein Boot besitze noch tauchen gehe, sind wir beide bis jetzt nicht miteinander ins Geschäft gekommen. Trotzdem ist Fotis immer äußerst freundlich und grüßt mich schon von Weitem. Neugierig ist er außerdem, und so muß ich Rede und Antwort stehen, warum ich in aller Früh schon bei ihm vorbei gehe und wo ich hin will. Ich erzähle ihm von meinem Missgeschick, und er erklärt mir gleich, dass diese Autowerkstätte mir nicht helfen kann, da muß ich zum Vulkanisateur, wie er sagt, ans andere Ortsende. Er schleppt mich in sein Geschäft, wo ich einmal Platz nehme und einen Kaffee angeboten bekomme. Dann wird der Vulkanisateur angerufen. Fotis befördert sein legendäres Telefonbuch aus der Lade, es besteht zur Hälfte nur noch aus Fetzen. Entschuldigend erklärt er mir, dass die griechische Post inzwischen aus Geldmangel keine Telefonbücher mehr druckt. Irgendwo findet er dann nach einigem Suchen auch die Nummer und erklärt am Telefon, was mein Problem ist. 




Zehn Minuten später fährt - wie üblich - ein junger Mann auf seinem Moped vor, mit einem Kompressor in der Hand. Mein Reifen wird kurz wieder aufgepumpt, und rasch folge ich dem Mopperl zu seiner Werkstatt. Dort wird mein Reifen geflickt, und schon bin ich wieder unterwegs.
Bei allem, was in Griechenland nicht funktioniert - ich finde es immer wieder wunderbar, wie freundlich und hilfsbereit die Leute hier sind und wie unkompliziert manches abläuft. 






Rosinen

Hier entstehen gerade Rosinen. Die frischen Trauben werden auf Netzen aufgelegt und von Zeit zu Zeit gewendet. Für die Bienen und Wespen liegt hier ein Festessen und sie schwirren wie die Wilden um die Trauben herum. Zum Glück werden aus diesen Weintrauben sehr gute Rosinen, denn der Wein, der hier produziert wird, ist oft nicht gerade empfehlenswert - ein richtiger Heckenklescher eben!







 

Oregano

Am Land gehen viele Griechen in der Natur Kräutersuchen. Bei diesem Grünzeug wußte ich nicht gleich, worum es sich handelt. Aber dann schoß es mir ein - das kann nur Oregano sein. Den kennt man in unseren Breiten üblicherweise nur getrocknet. Maria, die Sammlerin, hat gemeint, ich müßte gleich einmal kosten, und ich habe mir mutig ein Büschel in den Mund gesteckt. Teufel, das Zeug ist aber auch scharf, wenn es frisch ist!



 


Angebot

In einem meiner letzten Posts habe ich gebrauchte Panzerfahrzeuge angeboten. Seltsamerweise war euer Echo nicht so groß. Heute hätte ich einen gebrauchten Bus anzubieten. Hat jemand Interesse? Ist günstig zu haben!




Die Ruck-Zuck-Autowäsche

Manchmal ist das Leben in Griechenland beschwerlich. Zum Beispiel wenn man mit Ämtern und Banken zu tun hat, oder wenn man sich nicht verständigen kann. Aber es kann auch sehr schön sein, und zwar bei den kleinen erfreulichen Dingen des Lebens. Dazu gehört für mich eindeutig die Autowäsche. Mühte ich mich zu Beginn noch mit Kärcher, Staubsauger und Putzfetzen ab (hier bleiben noch viel mehr Insekten auf der Windschutzscheibe picken als bei uns), lasse ich jetzt putzen. Und nein, ich habe kein schlechtes Gewissen, denn immerhin haben hier eine ganze Menge Leute einen Job, wenn auch vermutlich nicht grandios bezahlt. Aber sie haben immerhin einen.
Man kann sich „mesa“ und/oder „exo“ aussuchen, innen und/oder außen.
Ich fahre also in die Putzstation ein, und schon kommt ein Einweiser, der mein Auto unter das richtige Dach dirigiert. Dort stürzen sich sofort vier Personen auf das Innere meines Autos, während ich gemütlich ins improvisierte Cafe mit Ventilatoren, Fernsehen, Getränken und Snacks schlendere, von wo aus ich bei der Reinigung meines Flitzers zusehen kann. 





Da wird gesaugt, gesprüht und poliert. Dann springt einer auf den Fahrersitz und fährt meinen Mucki (ja, so heißt mein Gefährt) zum Hochdruckreinigen weiter. Den zermatschten Insekten auf Windschutzscheibe und Kühlergrill wird der Garaus gemacht. Meinem Pickerl übrigens auch - es ist schon weggekärchert. Während mein Auto vorne schon fertig bearbeitet ist, fährt es in die Waschstraße ein und wird gleichzeitig hinten noch eingeschäumt. 




Bleibt man während dieser Prozedur im Auto sitzen, wird es einem etwas schaurig zumute, denn die Waschanlage ist zugegebenerweise nicht mehr die neueste, es riecht modrig, und an den Wänden hat sich ein grüner Belag gebildet. Die Bürsten klappen meine eingeklappten Seitenspiegel immer wieder aus und sogar nach vorne, aber man soll nicht kleinlich sein. Endlich kommt man ans Ende, wo die Luft zum Trocknen aus einem etwas steinzeitlich anmutenden Rohr bläst, und dann wird man auch schon wieder ins Freie geschoben. Weiter geht’s in die nächste Station, wo wieder vier Putzer warten, die noch einmal nachpolieren.


Nach spätestens zwanzig Minuten wird das Auto beim Cafe vorgefahren. Man hat inzwischen 12 € für mesa kai exo oder 6 € für nur exo an der Kasse bezahlt. Damit kann auch ein Nicht-Schwerverdiener leben. Und ich mache mich wieder auf den Weg, um neuen Staub und Dreck einzufangen …




"Schräge Hundehütten"

Wie Hunde hier behandelt werden, brauche ich nicht zu beschreiben. Es ist ja wohl bekannt, dass es den Tieren hier nicht immer so gut geht. Und auch nicht jeder Hund hat eine Hütte, in der er sich bei Regen oder Hitze verkriechen kann. Eine fertige Hütte kaufen ist auch nicht jedermanns Sache. Und so zimmert man halt aus diversen Abfällen etwas, das einer Hütte ähnlich sein soll. Dabei kommen ziemlich schräge Dinge heraus, und zwar im wahrsten Sinn des Wortes.
Dieses architektonische Wunderwerk gehört Max, einem typischen griechischen Hofhund.




Ungebetener Besuch

Kürzlich war ungebetener Besuch im Keller. Ich dürfte ihn aber zufällig schon mit der Kellertür etwas k.o. geschlagen haben, denn er sah bereits  etwas lahm aus, als ich ihn entdeckte. 



Bei aller Tierliebe habe ich ihn aber dann trotzdem ins Jenseits befördert.
Hier werden vor allem Leute, die im Garten arbeiten - üblicherweise Ausländer, Griechen haben meist keinen Ziergarten - von Skorpionen gestochen. Sterben tut man nicht daran, aber die Schmerzen sind lang andauernd und intensiv. Außerdem kann man von den vielen Bakterien in diesen Tieren (auch von Schlangen) unangenehme Infektionen bekommen und muß am besten sofort nach dem Stich Antibiotika einnehmen.
Vor einigen Monaten hat es unsere Miezi erwischt. Soeben sprang sie noch fröhlich an uns vorbei. Und dann schrie sie nur noch und hat sich ausgerechnet hinter dem dornigsten Busch im Garten verkrochen. Ich hinterher, wahrscheinlich knapp am Skorpion vorbei, und habe sie heraus geholt. Miezi bekam innerhalb einiger Minuten eine richtig dicke Pfote und wollte sich vor lauter Schmerzen nicht angreifen lassen. Da wußte ich aber noch gar nicht, was das Problem war. Erst auf der Fahrt zum Tierarzt machte ich mir einen Reim auf die ganze Sache. In der Zwischenzeit hatte die arme Miezi schon aufgehört zu schreien und lag nur noch teilnahmslos da. Kostas, der Tierarzt, war schon telefonisch vorgewarnt und hat Miezi gleich zwei Injektionen verpaßt, dazu noch eine ordentliche Ladung Antibiotika, damit nicht zu viel Gewebe durch das Gift abstirbt. Einen Tag war Miezi außer Gefecht, dann hat sie sich schon wieder zu neuen Abenteuern aufgemacht, und bis jetzt hat sie es offensichtlich auch geschafft, weiteren Skorpionen aus dem Weg zu gehen.



Freiluftdiscos

Als ich in den Achtzigern in Griechenland auf Maturareise war, gingen wir des öfteren in die Freiluft-Disco (damals hießen Clubs noch Disco) und ließen den Abend dort ausklingen. Oder haben sogar den nächsten Tag dort begrüßt. Na ja, so genau weiß ich das nicht mehr, ist aber auch nicht so wichtig. 


In den Neunzigern jedenfalls, als die Griechen Unmengen an Geld ausgaben und praktisch jeden Tag feierten, erlebten die Freiluftdiscos ihren Höhepunkt und waren jede Nacht voll.
Heute geben sie ein eher trauriges Bild ab. Nur wenige werden noch fallweise an ein paar Tagen im Jahr geöffnet und lassen Sentimentalität aufkommen. Die Gebäude verfallen, so wie alles hier, was nicht mehr gebraucht wird. Tja, das waren sie, die guten alten Zeiten!


Damals auf Maturareise in der Freiluftdisco:



 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen