Dienstag, 3. November 2015

Mystras:


Auf nach Mystras! Alle wissen Bescheid, was das ist? Ich jedenfalls habe erst darüber gelesen, als ich zum ersten Mal auf den Peloponnes kam. Angeblich die meist besuchte Sehenswürdigkeit. Orte wie Olympia, Mykene oder Epidauros kennt man ja aus der Schule. Aber Mystras? Über das Mittelalter in Griechenland lernt man dann doch nicht mehr so viel. Und dass am Peloponnes praktisch jedes Dorf seine Burg hat. Diese Behauptung ist vielleicht übertrieben, aber der Eindruck kann entstehen. Die meisten Burgen stammen aus dem Mittelalter, erbaut von Franken, Byzantinern, Türken. Und dann hat man sie sich gegenseitig weggenommen, und so wurden aus Kirchen Moscheen und umgekehrt usw.




Mystras war zunächst eine fränkische Burg, wurde dann aber rasch zu einer byzantinischen, also griechischen Stadt und blieb es auch lange. Erbaut auf einem großen Hügel oder einem kleinen Berg, wie man es nimmt. Die Burg thront heute noch erhaben ganz oben auf dem Berg, wenn auch nur noch als Ruine. 


Das ist nur ein Teil des Berges, die Stadt zieht sich noch weit hinunter.





Aufstieg geschafft! Jetzt die Sonne genießen!

Auch ein paar andere erklimmen den höchsten Punkt mit der wunderbaren Aussicht auf die Stadt Sparti und das antike Sparta.


Zwei "Einstiege" gibt es in die Stadt. Einen unter der Burg, und man darf dann erst einmal über äußerst steinige Wege den steilen Berg zur Ruine besteigen, bevor es wieder hinunter geht. Der zweite Eingang ist ganz unten am Hügel. Wie man es auch dreht und wendet, der Besuch wird ein Hatscher. Fängt man oben an, muss man zunächst zur Burg hinauf und kann dann über zahlreiche Stationen bis nach unten gehen. Dort angekommen, ist man aber weit weg von seinem Auto. Das parkt nämlich viel weiter oben. Mit der Eintrittskarte darf man bei beiden Eingängen hinein, sodass man zwischendurch mit dem Auto zum anderen fahren kann. Wie man es nimmt, man trottet trotzdem ewig bergauf und bergab. Einen Shuttledienst von ganz unten nach oben gibt es nicht. Jedenfalls nicht in der Nachsaison. Touristische Infrastruktur ist in Griechenland ja oft ein Fremdwort. Aber ehrlich gesagt finde ich es auch ganz schön, dass alles ursprünglich geblieben ist. Gepflasterte Wege in weltberühmten Ausgrabungen? Ein kleines Cafe zum Durstlöschen zwischendurch? Wo denkt man denn hin?






Vor dem Despotenpalast


Fußmarod darf man auch in keiner Weise sein bei dieser Sehenswürdigkeit. Und ein bisschen Ausdauer zahlt sich auch aus, denn es werden einem sportliche Qualitäten abverlangt. Und die Bewohner hatten das damals täglich! Na ja, mangels Fitnesscenter musste man sich ja irgendwie gesund halten! Die ganz sportlichen kommen im Hochsommer, idealer Weise noch mit Flip Flops, schließlich hat es ja 40 Grad! Ich persönlich habe meine Wanderschuhe vorgezogen. Am Ende der Besichtigung, zum Glück schon am Weg zum Auto, löste sich die Sohle meines Schuhs, so strapaziös war der Aufstieg! Nein, der Grund dafür war nicht der schlechte Weg, aber das ist eine andere Geschichte.




Nein, die Kirche ist nicht schief. Ich habe nur keinen geraden Stein gefunden, um meine Kamera abzustellen.



Wie in vielen südlichen Ländern hängt man den Körperteil, der einem weh tut, oder das, was man sich wünscht, in der Kirche auf.



So, inzwischen wisst ihr, dass der Besuch von Mystras anstrengend sein kann, aber was gibt es nun dort alles zu sehen? Der ganze Berg war eine dicht verbaute Stadt. Die Lage orientierte sich am Vorhandensein von Wasser und der schweren Einnehmbarkeit. Teile der Stadt sind nur noch Ruinen, andere sind teilweise erhalten oder werden wieder aufgebaut, so der Palast des Despoten. Einige wunderbare Kirchen sind so in Teilen wieder auferstanden. Die Stadt war Bischofssitz. Und ein Kloster ist noch heute von Nonnen bewohnt. Sie sind die einzigen Einwohner der Stadt, die schon an Bedeutung verlor, als sie von den Türken eingenommen wurde, und die während des Unabhängigkeitskampfes der Griechen im 19. Jahrhundert stark beschädigt wurde. Ihre Überreste sind heute UNESCO-Weltkulturerbe.


Wer weit außerhalb der Saison kommt, wird mit wenigen Mitbesuchern belohnt. Und mit einer wunderbaren Aussicht auf Sparti (ja, das ehemaligen Sparta mit seinen harten Kämpfern!) und die Gebirge rundherum. Die Anstrengung hat sich ausgezahlt, nur in neue Schuhe muss ich investieren, damit ich noch viele andere nicht ausgebaute griechische Sehenswürdigkeiten erforschen kann!







Sparta:

Ganz schön aufregend, einmal all die Orte in natura zu sehen, die einem vor langer Zeit in der Schule nahegebracht wurden! Sparta, die Spartaner, die spartanische Lebensweise! Die gründlich ausgewählten Männer von Sparta wurden schon von Jugend an gedrillt und zu harten Kämpfern gemacht und mussten dieses Leben bis zum sechzigsten Lebensjahr durchhalten. Keine Weicheier also!

Der große Held von Sparta ist Leonidas. Er steht im modernen Sparta als Statue vor dem Stadium. Ob sich die heutigen Sportler auch so abhärten? Auf dem Sportplatz ist was los, immerhin, denn die meisten Griechen sind Sportmuffel. Aber zurück zu Leonidas! Er opferte sich und seine 300 Männer in einem aussichtslosen Kampf in der berühmten Schlacht bei den Thermopylen, um den Rückzug der Griechen vor dem persischen Heer von Xerxes zu decken. Ein klassischer griechischer Held! 







Ich stand gerade allein vor Leonidas und bewunderte ihn, nur ein vorbeikommender mazedonischer Albaner fotografierte mich vor dem Helden. Da fuhr ein Bus vor. Dem entstieg eine japanische Reisegruppe. Sicherheitshalber hatten die meisten von ihnen gelbe Warnwesten an. Sollte das verhindern, dass einer von ihnen verlorengeht? Nun ja, es war an diesem Tag keine andere Reisegruppe in Sparta, und ganz bestimmt kein einziger sonstiger Japaner. Aber sicher ist sicher, und so behielten sie die Westen auch gleich beim Abendessen im Hotel an.




Aufzeigen, wer ein Bier will!

Im heutigen Sparti weist außer Leonidas und dem Museum nichts auf die ruhmvolle Vergangenheit hin. Aber gleich vor der Stadt ist zu besichtigen, was vom berühmten Sparta übrig geblieben ist. Praktisch, wie das Leben in Griechenland oft ist, kann man mit dem Auto bis direkt in die Ausgrabung fahren. Eintritt ist auch keiner zu bezahlen. (Eintritte in griechische Museen sind übrigens absolut leistbar!). Rundherum wird an verschiedenen Stellen gegraben und ein bisschen wieder aufgebaut. Von den kargen Resten der Akropolis, der Burg, hat man einen wunderschönen Ausblick auf das neue Sparti und das Taygetos-Gebirge, das ich überwinden musste, um hier her zu gelangen. Auch mein Martyrium vom Vortag, der Berg mit der Stadt Mystras, ist deutlich zu sehen.




Am praktischsten fährt man gleich direkt mit dem Auto in die Ausgrabung.


Die ausgegrabenen Säulen werden einmal schön säuberlich unter den Oliven geordnet. Und falls dann einmal Geld da ist, werden sie vielleicht wieder aufgestellt (oder nicht).
Im Hintergrund die moderne Stadt Sparti.





Mystras - der ganze Berg war eine Stadt.

 
Wie jede Stadt in Griechenland hat auch Sparti ein archäologisches Museum. Da hat es mich aber gerissen, als ich plötzlich an Charlton Heston vorbeiging. Aber die Beschriftung zeigte, dass es sich gar nicht um ihn handelte, sondern um einen gewissen Julius Cäsar! 

Außerdem wird man im sonst etwas verstaubten Museum mit schönen antiken Körpern verwöhnt!






Auch Lakonien, die Provinz, in der sich Sparta befindet, ist Olivenland. Und wer mehr über die Geschichte dieses Baumes erfahren will, ist in einem zur Abwechslung wunderbar modernen Museum gut aufgehoben, dem Olivenmuseum von Sparti.




Die Ausgrabung von Sparta liegt inmitten von Olivenhainen, einige Bäume davon schon Jahrhunderte alt.
Ja, und das war es dann auch schon wieder in Sparta. Wahrscheinlich bin ich über Boden geschritten, wo sich schon manche Größe der Antike aufgehalten hat. Sehr erhebend!

Montag, 27. April 2015

Überfallsartig in Pension gegangen:

Seit man nach dem großen Erdbeben von 1986 sichere Häuser in Skelettbauweise baut, sind die alten zusehends dem Verfall preisgegeben. Zuerst stürzt irgendwann das Dach ein, dann eine Mauer. Und wenn das in der Stadt passiert, wird der Rest vielleicht einmal aus Sicherheitsgründen  abgetragen. 

So wie hier geschehen. Man mußte schon immer die Straßenseite wechseln, damit einem nichts auf den Kopf fällt, aber nun scheint sich der Besitzer doch dazu durchgerungen haben, die Ruine abreißen zu lassen. Das war schnell erledigt, aber der Bagger steht nun schon seit mehreren Monaten in der Baulücke. Also entweder ist der Baggerfahrer überfallsartig nach dem Abriß in Pension gegangen, oder der Bagger hat inzwischen keinen neuen Auftrag bekommen und wartet hier auf seinen nächsten Einsatz. Oder der Bagger ist kaputt gegangen, und es war noch kein Geld für die Reparatur da. Jedenfalls macht sich darüber außer mir, der Ausländerin, niemand Gedanken. Vermutlich wird es mir auch nicht gelingen, mit meinen österreichischen Genen den Kopf so richtig griechisch frei zu kriegen.




Spezialransport auf dem Papaki (=Moped)




Vorsicht!

Vorsicht in der Mülltonne - 10% Steigung




Gottes Angesicht:

Jetzt weiß ich endlich, wie Gott aussieht und welchen Beruf er hat - gesehen auf dem Linienbus nach Athen




Tier-Verbote:

Englischsprachige Tiere dürfen nicht auf den Strand, griechisch- und deutschsprachige nicht ins Meer. Da kann man nur hoffen, dass die Fische im Meer eine andere Sprache sprechen.




Fahrerflucht einmal anders herum:

Ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit nur, und schon war es geschehen! Der Beste aller Ehemänner war auf das Auto vor ihm aufgefahren, als dieses unvermittelt abbremste. Er vermeinte die Stoßstange des anderen Autos knacken gehört zu haben. Just in dem Moment, als er aussteigen wollte, um den eventuellen Schaden zu begutachten, stieg aber die Fahrerin aufs Gas und brauste davon. Da war er ganz schön überrascht, der Beste aller Ehemänner! Und hat es einmal so hingenommen, dass das Schadensopfer vom Tatort sozusagen geflüchtet ist. Auf eine Selbstanzeige hat er verzichtet, mit solchen Lappalien gibt sich die Polizei hier nicht ab, der Polizeichef würde einen wahrscheinlich persönlich vor die Tür setzen, denn der hat anderes zu tun.

Wie kommt es dann, dass die Frau einfach abgehauen ist? Ich stelle mir das so vor: ein Blick in den Rückspiegel hat ihr gezeigt, dass ein Ausländer involviert ist. Das kann lästig werden, denn der möchte wahrscheinlich seinen Schaden repariert haben, auch wenn er noch so klein ist. Was sie dabei vielleicht nicht bedacht hat, war, dass sie ja gar nicht Schuld war. Der Nachkommende hat genügend Abstand zu halten. Aber bei Verkehrsregeln sind Griechen nicht so firm. Und außerdem würde es mich nicht wundern, wenn die Dame gar keine KFZ-Versicherung hatte. Die ist zwar in Griechenland genauso wie in Österreich für jeden vorgeschrieben, fällt aber in Krisenzeiten oft dem Sparstift zum Opfer. In diesem Land ist eine beträchtliche Zahl an unversicherten PKWs unterwegs. Man kann sich glücklich schätzen, wenn man mit keinem von ihnen in Berührung kommt.

Kürzlich hat mir aber eine griechische Bekannte erzählt, dass jetzt hart gegen die Nichtzahler vorgegangen wird. In Österreich ist man ja sein Kennzeichen rasch los, wenn man seine Versicherung nicht zahlt, und so dachte ich, es wäre jetzt auch hier so. Aber nein! Die drastische Maßnahme besteht darin, dass das Amt dem Fahrzeughalter eine Mahnung schickt mit einer Drohung, dass das Ganze zu Gericht geht und die Kennzeichen abmontiert werden. Bei der rasanten Abwicklung an manchen Stellen hier würde mich ehrlich interessieren, wie viele Autofahrer so schon um ihr Kennzeichen gekommen sind.

Kleine Bemerkung am Rande: zur Not fährt man halt ohne Nummerntafel!



Dienstag, 24. Februar 2015

Der griechische Kinder-Sicherheitszaun:

Griechische Männer haben ja bekanntlich zwei linke Hände. Eine Glühbirne auszuwechseln ist bereits eine "spannende Herausforderung" (diesen Ausdruck habe ich bei meiner früheren Arbeit als positive Umschreibung für "Problem" gelernt).
So fiel mir eines Frühjahrs in meiner Wiener Nachbarschaft ein Grieche auf, der ein eigenartiges Netz auf seinem Balkon zu montieren versuchte. Das Ganze glückte allerdings erst nach mehreren Versuchen. Ich fragte mich, zu welchem Behufe er wohl diese Konstruktion gemacht hatte. Für eine Katze wäre es ja ein Leichtes gewesen, über den halbhohen Zaun auf der Terrasse zu klettern.
Die Erklärung fand ich hier in Griechenland, wo solche Balkon-Bastelarbeiten häufig zu bestaunen sind, und zwar vor Wohnungen von Familien mit kleinen Kindern. Während der Österreicher eher auf Gut-auf-sein-Kind-Aufpassen setzt, geht der Grieche auf Nummer Sicher. Die dabei verwendeten Plastiknetze sind überall erhältlich. Mangels Kinder habe ich eines für die Hunde eingesetzt. Funktioniert hervorragend!





Noch einmal auf dem Finanzamt:

Ihr erinnert euch an meine Freundin Maria, die unverrichteter Dinge wieder vom Finanzamt abziehen musste und das wichtige Dokument der Nicht-Steuerschuld nicht erlangen konnte? Nun, sie hat einen zweiten Anlauf gemacht. 
Gleich um acht Uhr früh stand sie vor den Pforten des Amtes, um keine Zeit zu verlieren beim Abarbeiten der verschiedenen Schalter auf den verschiedenen Stockwerken. Zunächst musste sie einmal eine halbe Stunde warten, obwohl sie die erste war, denn die Beamtenschaft des Finanzamtes musste zuerst einsatzfähig werden, das heißt Kaffee kochen und trinken, kurz (oder länger) sich über den vorangegangenen Abend der Kollegen kundig machen und den Computer einschalten.
Dann war es so weit. Die Dame hinter dem Schreibtisch beäugte äußerst kritisch die vorgelegten Dokumente und ließ aus ihrer Miene erkennen, dass sie eventuell nicht zufrieden sein würde. Dann blickte sie lange auf den Bildschirm - der Computer war übrigens noch gar nicht hochgefahren - und schaute noch stirnrunzelnder drein. Danach startete die Inquisition. Hat meine Freundin ein Haus? Hat sie ein Auto? Hat sie gar eine Firma, mit der sie Steuern unterschlagen könnte? Aber Maria beantwortete alle Fragen standhaft mit Nein, denn schließlich entsprach dies auch der Wahrheit. Zu Guter Letzt ließ sich die Beamtin doch dazu hinreißen, das begehrte Formular auszudrucken.
Maria hat sich diesen Tag rot in ihrem Kalender angestrichen und wird von nun an den Jahrestag bis zu ihrem Lebensende feiern.


Wahnwitziges Unternehmen Firmengründung:

Mein nicht-griechischer Freund Max hat beschlossen, der griechischen Krise ein Schnippchen zu schlagen und trotz allem hier eine Firma zu gründen. Das Ganze unter vielen Fragen von Griechen, warum er sich ausgerechnet dieses Land ausgesucht hat, und mit vielen Voraussagen, dass er kläglich scheitern wird. Was ihm keiner gesagt hat, ist, dass er schon fast an der Bürokratie zur Gründung der Firma scheitern würde. Griechenland, das ausländische Investoren bitter nötig hätte, tut wirklich alles, um die paar Mutigen, die es trotzdem wagen, auch noch zu vertreiben. Ein bisschen kann ich es auch verstehen, denn man versucht manisch, jede Steuerhinterziehung oder jedes Weißwaschen von Schwarzgeld zu verhindern. Aber man schießt sich damit ein fulminantes Eigentor.
Zuerst benötigt man einen Steuerberater (hier fast immer eine Steuerberaterin). Diese braucht einmal einen ganzen Stoß Dokumente, um mit ihrer Arbeit überhaupt beginnen zu können. Nach kurzer Zeit schickt sie Max zur Bank, um €25 einzuzahlen. Nur dann kann sie weitermachen. Max darf aber nur zu einer bestimmten Bank gehen, denn nur von dort akzeptiert das Finanzamt die Überweisung. Nachdem griechische Banken aber nie so leer sind wie österreichische, muß der Gute eineinhalb Stunden warten, um sein Geld loszuwerden. Endlich ist er an der Reihe, und nun kann die Steuerberaterin weitermachen. Am nächsten Tag macht sie sich auf, um für ihren Klienten bei der Handelskammer und auf dem Finanzamt vorzusprechen. Aber blöderweise hat sich vor zwei Tagen das sich sonst nur wöchentlich ändernde Gesetz wieder einmal geändert, und so muss Max weitere Dokumente vorlegen, um wieder neue Papiere zu bekommen, die er braucht, um ein Firmenkonto zu eröffnen. Schlussendlich hat er von Handelskammer und Finanzamt, was er benötigt. Nun muss er nur noch diverse private Unterlagen beschaffen - dass er seine Telefon- und Stromrechnung bezahlt, dass er nicht bankrott ist, am besten noch einen Steuerbescheid aus seiner Heimat usw. Eine Bescheinigung über seinen monatlichen Verbrauch an Klopapier ist nicht erforderlich. 
Auf der Bank ein ähnliches Bild wie auf dem Finanzamt. Eine unheimlich motivierte Mitarbeiterin blickt mit strengem Blick über ihren Brillenrand hinweg und schüttelt den Kopf. Dann erklärt sie ihm in einem halbstündigen Vortrag, dass sie seinen  Antrag auf ein Konto nicht entgegennehmen kann - ein fehlender Stempel hier, eine fehlende Kopie da. Ja, ihr habt richtig gelesen, man stellt einen Antrag auf ein Konto, welcher dann von den "Anwälten" - so die lapidare Auskunft auf allen Banken - zehn Tage lang geprüft wird, ob man würdig ist, ein Konto zu führen. Die "Anwälte" sind eine Art Bankenaufsicht, die jeden Antrag prüfen müssen. Aber weil sich hier ja auch die Banker nicht so genau auskennen, bekommt man meistens auch keine brauchbaren Erklärungen, wie alles funktioniert, und der Ausländer tappt oft im Dunkeln, worum es sich eigentlich handelt. Dabei ist er aber gar nicht alleine, denn vielen Griechen geht es genauso.
Noch kämpft Max mit der Bank. Ein paar Dinge konnten schon geregelt werden, ein paar sind noch ausständig. Viel Glück, Max!




Und noch ein Amt:



Ich gehe zu K.E.P., eigentlich eine tolle Sache, die es bei uns nicht gibt. Es handelt sich wörtlich übersetzt um das Amt "Zentrum für Hilfe für die Bürger". Dort kann man alles erledigen, was der Durchschnittsbürger so braucht - den Pass verlängern, Strom oder Telefon umändern, etwas beglaubigen lassen. Sehr bürgernah, fallweise sogar beheizt, mit meist relativ kurzen Wartezeiten. Man zieht eine Nummer und siehe da - man kommt schon als nächster dran! Aber dann geht die Dame hinter dem Schreibtisch auf einen kurzen Plausch zu einem Herrn, der sich auf diese Weise elegant vordrängt. Nach einer Viertelstunde hat sie nun endlich Zeit für mich, und ich bekomme meine Stempel. Und kosten tun sie auch nichts! Manchmal ist es sogar auf einem griechischen Amt schön!



Man muss hinter Gitter, wenn man ins Amt will, aber man darf danach wieder raus!


Vom Amt zur Polizei:

Auf der Polizei geht es nicht immer so bürgernah zu. Aber der Personalausweis - vorort selbst gebastelt und nicht aus der Druckerei - dauert nur zwanzig Minuten und kostet 23 Cents! Österreichischer Bürokratie-Gott, schau oha!


Leicht zu finden ist sie nicht, die Polizei. Es gibt nur ein kleines Schild an der Tür.

Der "barrierefreie" Zugang.


Wie in der guten, alten Zeit!

Wer erinnert sich noch bei uns an die Zeit der Stempelmarken? Für die KFZ-Steuer haben wir sie alle gebraucht. Heute keine Spur mehr von ihnen. Aber in Griechenland erleben sie weiterhin eine Hochblüte! 


Und so eine wunderbare Kollektion an Stempeln hatte ich noch zu Beginn meiner Berufstätigkeit in den Achtzigern. Die Notarin hier ist noch immer reichlich mit ihnen gesegnet.




Blumenzeit:

Im Winter werden von Roma-Kindern Narzissen verkauft. Hier die etwas seltsame und nicht erfolgreiche Geschäftsanbahnung bei einem Bankmanager. Der Bub kommt gruß- und wortlos in die Bank und setzt sich vor dem Schreibtisch des Managers auf den Sessel. Dieser sieht ihn genauso wortlos an und verlässt seinen Platz. Der Bub bleibt noch fünf Minuten sitzen und geht dann wieder aus der Bank. Die Ausländerin (ich) schaut dem ganzen Treiben verwundert zu ……..





Der etwas andere Mauerfall:

Wann wird sie umfallen? Ich nehme Wetten entgegen!



Sparmaßnahme:

Der neueste Trend an Stoptafeln im Straßenverkehr - die aus Sparmaßnahmen nicht bedruckte, weiße Tafel, zu erkennen nur an ihrer Form. Nein, das ist natürlich nur meine Auslegung. Aber gespart dürften sie trotzdem haben, denn die Farbe hat nicht lange gehalten. Oder die Tafeln stehen hier schon seit der Einführung von Verkehrszeichen oder so ähnlich.






Aktueller Straßenbericht:

Autofahren wird hier nie eintönig. Immer gibt es einen Grund, um abzubremsen - ein Hund, ein Fuchs, ein Dachs, aber viel öfter Schlaglöcher oder Mugel = ausgebesserte Schlaglöcher. Ein Loch mit dreißig Zentimeter Tiefe kommt schon mal vor. Kein Grund, sich darüber aufzuregen. Einfach ausweichen oder ganz langsam durchfahren. Einmal im Jahr wird das Loch mit Sand zugeschüttet, und wenn es hoch hergeht, sogar asphaltiert. Dabei wird meist aber ein Asphalthügel aufgeworfen, über den es einen dann haut. Man hat also die Wahl, ob man in das Loch hineinpumpern will oder ob es einen drüberhaut. 


Die Straße entlang des Meeres bröckelt schön langsam weg. Man wartet auf die Investition des Scheichs aus den Golfstaaten, der diese zugesagt hat. Ich traue mich aber fast wetten, dass es zu dieser Investition nicht kommen wird.


Manchmal wird die Straße von ganz alleine zum Sprunghügel, denn da sinkt sie ab oder wölbt sich auf.





Und wenn die Straße einmal repariert wird, dann ist die Baustellenabsicherung äußerst kreativ. Und etwas kostengünstiger. Die Asfinag könnte sich ein Beispiel nehmen!




Montag, 26. Januar 2015

 Aktueller Sonderbericht - ich war bei den Wahlen!


Sonderberichterstatterin und unabhängige Wahlbeobachterin Judith war bei der griechischen Wahl. Also nicht in Athen bei Herrn Tsipras, aber in einem Dorf, und hat sich das Ganze einmal angesehen.

In Griechenland gibt es eine Meldepflicht wie bei uns, aber man muss nicht dort gemeldet sein, wo man wohnt, sondern meist ist man dort gemeldet, wo man ursprünglich herkommt. Außerdem gibt es eine Wahlpflicht, deren Nichteinhaltung mit Strafe geahndet wird. So ist gestern ungefähr die halbe Bevölkerung Athens aus der Stadt ausgefallen und zum Wählen in ihren Heimatort gefahren. So viele Autos auf der teuren Mautautobahn habe ich bis jetzt nicht gesehen.

Ich habe meine Freundin zur Wahl begleitet. Wie bei uns findet diese in der Schule statt, in zwei Klassenzimmern. Ihren Personalausweis musste sie kurz herzeigen, und dann konnte sie schon wählen. Ein Aufwand wie bei uns wird nicht gemacht - keine Riesen-Kommission, wo alles doppelt und dreifach kontrolliert wird. Es läuft ein bisschen lockerer ab. Was ich aber ganz interessant fand, waren die vielen Werbezettel der verschiedenen Parteien, die auf einem Tisch lagen. Noch in letzter Minute soll der Wähler auf die "richtige" Partei aufmerksam gemacht werden. Doch nein! Es gibt nämlich keine gedruckte Liste, auf der man bei der gewünschten Partei ein Kreuz macht, sondern für jede Partei, die antritt, gibt es einen eigenen Zettel. Man geht also hinter den Paravent und sucht den richtigen Zettel aus, steckt ihn in ein Kuvert und wirft dieses in die gläserne Wahlurne. Die restlichen Zettel nimmt man besser mit nach Hause (ich durfte sie als Souvenir behalten), denn sonst kommt wohl noch einer auf die Idee und wirft einen anderen, liegengebliebenen Zettel ein?

Briefwahl gibt es übrigens keine. Deshalb die Völkerwanderung an diesem Tag. Wer weit weg wohnt von dem Ort, an dem er gemeldet ist, bekommt bis zu zwei Tage Urlaub. Da zahlt sich das Wählen schon aus! Abgesehen davon, dass die griechischen Kandidaten einen noch weniger motivieren, zur Wahl zu gehen, als die österreichischen. Aber man muss ja! Wenn man nicht geht, muss man vorweisen können, warum man verhindert war.

In früheren Jahren haben übrigens politische Parteien schon einmal ganze Busse und sogar Flugzeuge gechartert, um im Ausland lebende Griechen zur Wahl zu bringen. Das nennt man Einsatz (von Steuergeld vermutlich)!


Die Auswahl an zu wählenden Parteien ist gross.

Neben ein paar exotischen Ländern in Übersee erfreut sich der Kommunismus in Griechenland noch immer relativ grosser Beliebtheit.

Welchen nehmen wir denn? Sie weiss es schon ganz genau.

Kurze Auswahl hinter dem Paravent. Manche machen es auch ganz spannend und bleiben extra lang drinnen.

Und rein in die Urne!