Zündeln:
Zündeln darf man nicht, das lernt schon jedes Kind, und außer bei einem Lagerfeuer bei den Pfadfindern und daheim im Kamin hat man in unseren Breiten kaum die Gelegenheit, ein Feuer zu machen. Hier aber kommen die Zündler auf ihre Rechnung, denn Garten- und Feldabfälle müssen ja auch entsorgt werden, und hier liefert man seinen Grünschnitt nicht auf der Gemeinde in der Grünschnitt-Abteilung ab. Hier verbrennt man das Zeug. Eigentlich darf man das ja nicht, wenn ich es richtig verstanden habe. Weil es aber alle tun (was sollen sie sonst tun?) ist es irgendwie dann doch wieder erlaubt, aber nur von Oktober bis April. Und so darf auch der Beste aller Ehemänner endlich seit seiner Kindheit wieder ein Feuer machen. Sorgsam überprüft er die Windrichtung, damit nicht versehentlich die aufgehängte Wäsche einer Nachbarin geräuchert wird. Und los geht's! Ist es nicht eine Freude?
Rosen:
Rosenliebhaber kommen jetzt auf ihre Rechnung. Überall blühen sie. Und am schönsten die, um die sich keiner kümmert.
Innendesign:
Wenn sie was können, die Griechen, dann ist es Innendesign. Kaum ein Cafe, eine Konditorei oder eine Bäckerei haben eine schlechte Einrichtung (mit Ausnahme der absolut kommunistisch aussehenden). Auch die Restaurants sind nach dem letzten Schrei eingerichtet. Im Moment passend zur Krise ist Shabby Style angesagt.
(Griechische) Männlichkeit:
Seit ich Stadtwesen mich hier mehr im ländlichen Raum aufhalte, wird mir immer klarer, was einen Mann zum Mann macht. Also - da muß zunächst ein ordentlicher Traktor her. Groß muß er sein und viel PS muß er haben. Ein Motorrad wäre natürlich auch nicht schlecht. Und wenn es dafür nicht reicht, muß eben ein Moped herhalten. Vielleicht läßt es sich ja irgendwie aufmotzen. Obwohl meiner Meinung nach klassische griechische Mopeds nicht gerade sehr sexy aussehen, aber bitte. Mich müssen sie eh nicht beeindrucken.
Nicht vergessen werden darf die Kettensäge, benzinbetrieben, nicht elektrisch natürlich. Da blüht Mann auf. Holz machen ist schon eine lässige Angelegenheit. Das laute, knatternde Geräusch ist einfach Musik in den Ohren.
Hoppla - habe ich jetzt etwa ein paar Klischees bemüht? Die Herren der Schöpfung mögen es mir verzeihen! Aber trotz all ihrer Männlichkeit gibt es im ländlichen Raum viele junge Männer, die keine Frau haben. Und Abhilfe ist nicht in Sicht. "Bauer sucht Frau" gibt es nämlich angeblich nicht im griechischen Fernsehen.
Großbaustelle Garten:
Der Beste aller Ehemänner hat sich Olivenbäume gewünscht. Denn eigentlich hatten wir ja davon geträumt, inmitten eines großen Olivenhains zu wohnen. Aber bekanntlich kann man nicht alles haben, und so wurde es ein Grundstück mit nur vier Olivenbäumen. Es müssen also mehr davon her. Und alte sollen es sein, die schon etwas darstellen. Einen großen Olivenbaum kann man umpflanzen, wenn man ihm beim Ausgraben einen großen Teil der Wurzeln und der Krone entfernt. Dann bleibt er eine Saison stehen, und es wird überprüft, ob er überlebt. Wenn er wieder eingegraben wird, muß er mit einem Kran in das vorbereitete Loch gehoben werden. So wird der Garten zur Großbaustelle. Und die Felder des Nachbarn gleich mit. Denn die Straßen sind hier so eng, daß Bagger, Traktor und LKW großzügig auf dessen Grundstück ihre Runden drehen, um in meinen Garten zu kommen. Aber man ist hier nicht so, die Besitzstörungsklage, die in unseren Breiten jetzt käme, bleibt aus. Der Bagger macht die Löcher für die diversen Bäume. Der Beste aller Ehemänner hat nämlich auch eine ganze Menge Obstbäume bestellt, obwohl er gar kein Obst ißt. Da bin ich ja in Zukunft immer gut versorgt aus dem Eigenbau. Die großen Bäume werden in die Löcher gehoben, die kleinen händisch eingegraben. Nach ein paar Stunden ist der Zauber vorbei, und ich freue mich schon auf die zukünftigen Ernten!
Griechische Technik:
Viele Griechen können nur schwer nachvollziehen, warum die Ausländer hier so pingelig sind, wenn es ums Anschließen der Badezimmerarmaturen oder der Heizung geht, oder warum die Steckdose ausgerechnet gerade montiert sein soll. Dann tropft der Wasserhahn eben, und auch aus einer schiefen Steckdose kommt Strom. Was soll's?
Alles wird gebraucht:
Man hat etwas, was man nicht mehr braucht? Hier braucht es sicher jemand anderer. Schlechtes Gewissen muß man keines haben, wenn man alte Möbel rausschmeißt, nur weil sie einem nicht mehr gefallen. Denn es findet sich garantiert einer, der sie haben will und für den sie noch gut genug sind. So braucht man sich auch keine Gedanken machen, wie man das Zeug aus dem Haus bekommt. Der Beschenkte organisiert das schon! Kleinere Dinge wiederum stellt man nur neben den Müllcontainer, und spätestens eine halbe Stunde später sind sie schon weg. Wer Altmetall hat, wartet, bis wieder ein Roma vorbei kommt, der es sammelt. Manche Dinge sind ja doch viel einfacher hier!
Oscar muß ausziehen:
Es ist so weit - Oscar hat uns enttäuscht und muß ausziehen. Vielleicht findet er einen anderen Herrn, der mit ihm zufrieden ist, obwohl er nur dann heizt, wenn es ihm genehm ist, und obwohl er säuft wie eine Schnapsdrossel. Zur Erinnerung: Oscar war meine Heizung, die mich im Winter kalt gelassen hat. Wir haben die Geduld mit ihm verloren. Somit muß Oscar raus, Buderus kommt hinein. Auf daß ich im nächsten Winter warme Füße habe!
Wie immer mußte der Top-Installateur in der Umgebung her. Für Samstag um neun Uhr hat er sich angekündigt. Hier wird nämlich auch am Samstag gearbeitet, das nenne ich Arbeitsmoral! Aus Erfahrung wissen wir, daß aber am Samstag die Kräfte schon etwas erlahmt sind und wir erst um zehn Uhr mit der Anlieferung unseres neuen Hausgenossen rechnen müssen. So war es denn auch. Fünf Leute sind mit Buderus angerückt. Stelle sich einer vor, daß bei uns ein Handwerker mit fünf Arbeitskräften daherkommt! Das könnte keiner bezahlen. Warum es so viele sein müssen, stellt sich bald heraus. Buderus wird mit vereinten Kräften in den Keller transportiert. Dann wird überlegt, welches Material man für seine Installation benötigt. Danach schwingt sich die Hälfte der Crew ins Auto, um in einem Baumarkt im nächsten Ort die Materialien zu besorgen. Die andere Hälfte des Trupps macht inzwischen eine zweistündige Pause unter dem Baum - die ideale Burnout-Vorbeugung.
Mit Eintreffen des Materials geht es weiter und bald ist Buderus fertig installiert. Willkommen Buderus. Ich hoffe, Du heizt mir nächsten Winter ordentlich ein!
Mit Eintreffen des Materials geht es weiter und bald ist Buderus fertig installiert. Willkommen Buderus. Ich hoffe, Du heizt mir nächsten Winter ordentlich ein!
Geografieunterricht auf dem Tavernentischtuch:
In griechischen Tavernen wird immer ein beschichtetes Papiertischtuch auf dem Tisch ausgebreitet, wenn ein Gast kommt. Das ist praktisch, denn nach dem Essen werden die Überreste vom Teller oft gleich aufs Tischtuch geleert und das Ganze wird gemeinsam entsorgt. Eine etwas andere Tischkultur eben. Und damit die Touristen wissen, wo sie sind, gibt es gleich auch Nachhilfe in Geografie.
Im Heimatmuseum?
Ein Besuch im Heimatmuseum? Nein, denn davon gibt es hier nicht so viele. Es handelt sich um einen Besuch beim Holz- und Schraubenhändler. Mit dieser Waage wird noch täglich gearbeitet. Und der Holzhändler ist nicht der einzige. Kürzlich habe ich sechs Meter Schnur nicht nach Metern gekauft, sondern nach Gewicht. Andere Länder, andere Sitten!
Griechischer Wein:
"Griechischer Wein" - so besang schon vor vielen Jahren Udo Jürgens dieses populäre Getränk, und der Melodie nach zu schließen, müßte es auch wunderbar schmecken. Ja, es gibt ihn, den guten griechischen Wein, und manch einer hat schon eine Auszeichnung bekommen. Was man hier allerdings in der gemeinen Taverne so als Schankwein vorgesetzt bekommt - und besser noch was so mancher Bauer selbst produziert - läßt doch etwas zu wünschen übrig. Für die Tavernen abgefüllt in große Kartons und von den Privaten in leere Wasser-Plastikflaschen, stimmt einen schon die Farbe des Weins manchmal bedenklich. Auch bei der Riechprobe zuckt man öfter zurück. Ist das Wein? Und bei der Trinkprobe fragt man sich dann, wann wohl der Magendurchbruch kommt. Oder schlägt sich das Ganze vielleicht gar aufs Augenlicht? Diese Perlen haben jedoch ihre treuen Verbraucher. Das sind jene, die sich den Wein erst gut trinken müssen. Ab dem dritten Glas schmeckt er ihnen schon vorzüglich, und dann geht es flott dahin. Auch so mancher Tourist schluckt "das Weinchen", wie man hier sagt, tapfer hinunter.
Mich persönlich betrifft die Sache nicht, denn ich trinke fast keinen Wein (obwohl ich schon einen gefunden habe, der mir sehr gut schmeckt), aber ich fühle mit den Weintrinkern mit!
Die Wasserflaschen-Wünschelrute:
In einen griechischen Garten gehört ein Pool, zumindest in meinen. Denn ich schwimme gerne in meinem Geburtsanzug, wie es im Englischen so schön heißt, und das ist an den Stränden hier nicht so gerne gesehen. Außerdem kann man einen Pool bekanntlich heizen, und das Meer kommt hier temperaturmäßig nur langsam in Fahrt. Dafür bleibt es im Herbst lange warm. Angepasst an die Wassersituation hier wird der Pool nur eine erweiterte Badewanne, also nicht sehr groß. Nichtsdestotrotz muß ein Loch gebaggert werden. Der Olivenbaum-Bagger kommt wieder zum Einsatz und baggert hurtig drauf los. Doch da fällt jemandem ein, daß angeblich da, wo der Pool hin soll, die Wasserleitung des Dorfs verläuft. Sofort werden die Arbeiten eingestellt und es wird einmal besprochen. Man beschließt zu testen, ob hier Wasser ist. Zu diesem Behufe stellt man sich eine Plastik-Wasserflsche auf die Hand und geht langsam ein paar Schritte in die Richtung, wo das Wasser sein soll. Bei jedem, der die paar Schritte macht - und es sind inzwischen viele Personen auf dem Grundstück - fällt die Flasche über der vermeintlichen Leitung hinunter. Nur beim besten aller Ehemänner und mir nicht. Ist ja auch klar, daß das Wasser in der Flasche beim Gehen zu schwappen beginnt und nach ein paar Schritten umfällt. Eine alte Radioantenne wird auch noch ausprobiert, auch sie schlägt wunderbarerweise aus. Was tun? Nun muß das Problem anders gelöst werden. Ein Anruf und bald braust auf einem Moped ein Mann daher - wer er war, weiß ich bis jetzt nicht - und erklärt den Anwesenden, daß das Wasserrohr an der Grundstücksgrenze verläuft und nicht da, wo der Pool hin soll. Die Lage ist gerettet, das Loch ist fertig und das Dorf hat noch Wasser!























