Donnerstag, 5. Juni 2014

Zündeln:

Zündeln darf man nicht, das lernt schon jedes Kind, und außer bei einem Lagerfeuer bei den Pfadfindern und daheim im Kamin hat man in unseren Breiten kaum die Gelegenheit, ein Feuer zu machen. Hier aber kommen die Zündler auf ihre Rechnung, denn Garten- und Feldabfälle  müssen ja auch entsorgt werden, und hier liefert man seinen Grünschnitt nicht auf der Gemeinde in der Grünschnitt-Abteilung ab. Hier verbrennt man das Zeug. Eigentlich darf man das ja nicht, wenn ich es richtig verstanden habe. Weil es aber alle tun (was sollen sie sonst tun?) ist es irgendwie dann doch wieder erlaubt, aber nur von Oktober bis April. Und so darf auch der Beste aller Ehemänner endlich seit seiner Kindheit wieder ein Feuer machen. Sorgsam überprüft er die Windrichtung, damit nicht versehentlich die aufgehängte Wäsche einer Nachbarin geräuchert wird. Und los geht's! Ist es nicht eine Freude?





Rosen:

Rosenliebhaber kommen jetzt auf ihre Rechnung. Überall blühen sie. Und am schönsten die, um die sich keiner kümmert.





Innendesign:

Wenn sie was können, die Griechen, dann ist es Innendesign. Kaum ein Cafe, eine Konditorei oder eine Bäckerei haben eine schlechte Einrichtung (mit Ausnahme der absolut kommunistisch aussehenden). Auch die Restaurants sind nach dem letzten Schrei eingerichtet. Im Moment passend zur Krise ist Shabby Style angesagt.





(Griechische) Männlichkeit:

Seit ich Stadtwesen mich hier mehr im ländlichen Raum aufhalte, wird mir immer klarer, was einen Mann zum Mann macht. Also - da muß zunächst ein ordentlicher Traktor her. Groß muß er sein und viel PS muß er haben. Ein Motorrad wäre natürlich auch nicht schlecht. Und wenn es dafür nicht reicht, muß eben ein Moped herhalten. Vielleicht läßt es sich ja irgendwie aufmotzen. Obwohl meiner Meinung nach klassische griechische Mopeds nicht gerade sehr sexy aussehen, aber bitte. Mich müssen sie eh nicht beeindrucken. 
Nicht vergessen werden darf die Kettensäge, benzinbetrieben, nicht elektrisch natürlich. Da blüht Mann auf. Holz machen ist schon eine lässige Angelegenheit. Das laute, knatternde Geräusch ist einfach Musik in den Ohren.
Hoppla - habe ich jetzt etwa ein paar Klischees bemüht? Die Herren der Schöpfung mögen es mir verzeihen! Aber trotz all ihrer Männlichkeit gibt es im ländlichen Raum viele junge Männer, die keine Frau haben. Und Abhilfe ist nicht in Sicht. "Bauer sucht Frau" gibt es nämlich angeblich nicht im griechischen Fernsehen.




Großbaustelle Garten:

Der Beste aller Ehemänner hat sich Olivenbäume gewünscht. Denn eigentlich hatten wir ja davon geträumt, inmitten eines großen Olivenhains zu wohnen. Aber bekanntlich kann man nicht alles haben, und so wurde es ein Grundstück mit nur vier Olivenbäumen. Es müssen also mehr davon her. Und alte sollen es sein, die schon etwas darstellen. Einen großen Olivenbaum kann man umpflanzen, wenn man ihm beim Ausgraben einen großen Teil der Wurzeln und der Krone entfernt. Dann bleibt er eine Saison stehen, und es wird überprüft, ob er überlebt. Wenn er wieder eingegraben wird, muß er mit einem Kran in das vorbereitete Loch gehoben werden. So wird der Garten zur Großbaustelle. Und die Felder des Nachbarn gleich mit. Denn die Straßen sind hier so eng, daß Bagger, Traktor und LKW großzügig auf dessen Grundstück ihre Runden drehen, um in meinen Garten zu kommen. Aber man ist hier nicht so, die Besitzstörungsklage, die in unseren Breiten jetzt käme, bleibt aus. Der Bagger macht die Löcher für die diversen Bäume. Der Beste aller Ehemänner hat nämlich auch eine ganze Menge Obstbäume bestellt, obwohl er gar kein Obst ißt. Da bin ich ja in Zukunft immer gut versorgt aus dem Eigenbau. Die großen Bäume werden in die Löcher gehoben, die kleinen händisch eingegraben. Nach ein paar Stunden ist der Zauber vorbei, und ich freue mich schon auf die zukünftigen Ernten!






Griechische Technik:

Viele Griechen können nur schwer nachvollziehen, warum die Ausländer hier so pingelig sind, wenn es ums Anschließen der Badezimmerarmaturen oder der Heizung geht, oder warum die Steckdose ausgerechnet gerade montiert sein soll. Dann tropft der Wasserhahn eben, und auch aus einer schiefen Steckdose kommt Strom. Was soll's?

Man beachte das frei aufgehängte Ofenrohr und den kreativen Kabelsalat.




Ein größeres Gewirr bei den Leitungen habe ich bis jetzt nur in Thailand gesehen. 




Alles wird gebraucht:

Man hat etwas, was man nicht mehr braucht? Hier braucht es sicher jemand anderer. Schlechtes Gewissen muß man keines haben, wenn man alte Möbel rausschmeißt, nur weil sie einem nicht mehr gefallen. Denn es findet sich garantiert einer, der sie haben will und für den sie noch gut genug sind. So braucht man sich auch keine Gedanken machen, wie man das Zeug aus dem Haus bekommt. Der Beschenkte organisiert das schon! Kleinere Dinge wiederum stellt man nur neben den Müllcontainer, und spätestens eine halbe Stunde später sind sie schon weg. Wer Altmetall hat, wartet, bis wieder ein Roma vorbei kommt, der es sammelt. Manche Dinge sind ja doch viel einfacher hier!

Oscar muß ausziehen:

Es ist so weit - Oscar hat uns enttäuscht und muß ausziehen. Vielleicht findet er einen anderen Herrn, der mit ihm zufrieden ist, obwohl er nur dann heizt, wenn es ihm genehm ist, und obwohl er säuft wie eine Schnapsdrossel. Zur Erinnerung: Oscar war meine Heizung, die mich im Winter kalt gelassen hat. Wir haben die Geduld mit ihm verloren. Somit muß Oscar raus, Buderus kommt hinein. Auf daß ich im nächsten Winter warme Füße habe!
Wie immer mußte der Top-Installateur in der Umgebung her. Für Samstag um neun Uhr hat er sich angekündigt. Hier wird nämlich auch am Samstag gearbeitet, das nenne ich Arbeitsmoral! Aus Erfahrung wissen wir, daß aber am Samstag die Kräfte schon etwas erlahmt sind und wir erst um zehn Uhr mit der Anlieferung unseres neuen Hausgenossen rechnen müssen. So war es denn auch. Fünf Leute sind mit Buderus angerückt. Stelle sich einer vor, daß bei uns ein Handwerker mit fünf Arbeitskräften daherkommt! Das könnte keiner bezahlen. Warum es so viele sein müssen, stellt sich bald heraus. Buderus wird mit vereinten Kräften in den Keller transportiert. Dann wird überlegt, welches Material man für seine Installation benötigt. Danach schwingt sich die Hälfte der Crew ins Auto, um in einem Baumarkt im nächsten Ort die Materialien zu besorgen. Die andere Hälfte des Trupps macht inzwischen eine zweistündige Pause unter dem Baum - die ideale Burnout-Vorbeugung. 



Mit Eintreffen des Materials geht es weiter und bald ist Buderus fertig installiert. Willkommen Buderus. Ich hoffe, Du heizt mir nächsten Winter ordentlich ein!








Mein Mitbewohner im Schlafzimmer





Geografieunterricht auf dem Tavernentischtuch:

In griechischen Tavernen wird immer ein beschichtetes Papiertischtuch auf dem Tisch ausgebreitet, wenn ein Gast kommt. Das ist praktisch, denn nach dem Essen werden die Überreste vom Teller oft gleich aufs Tischtuch geleert und das Ganze wird gemeinsam entsorgt. Eine etwas andere Tischkultur eben. Und damit die Touristen wissen, wo sie sind, gibt es gleich auch Nachhilfe in Geografie. 






Im Heimatmuseum?


Ein Besuch im Heimatmuseum? Nein, denn davon gibt es hier nicht so viele. Es handelt sich um einen Besuch beim Holz- und Schraubenhändler. Mit dieser Waage wird noch täglich gearbeitet. Und der Holzhändler ist nicht der einzige. Kürzlich habe ich sechs Meter Schnur nicht nach Metern gekauft, sondern nach Gewicht. Andere Länder, andere Sitten!



Griechischer Wein:

"Griechischer Wein" - so besang schon vor vielen Jahren Udo Jürgens dieses populäre Getränk, und der Melodie nach zu schließen, müßte es auch wunderbar schmecken. Ja, es gibt ihn, den guten griechischen Wein, und manch einer hat schon eine Auszeichnung bekommen. Was man hier allerdings in der gemeinen Taverne so als Schankwein vorgesetzt bekommt - und besser noch was so mancher Bauer selbst produziert - läßt doch etwas zu wünschen übrig. Für die Tavernen abgefüllt in große Kartons und von den Privaten in leere Wasser-Plastikflaschen, stimmt einen schon die Farbe des Weins manchmal bedenklich. Auch bei der Riechprobe zuckt man öfter zurück. Ist das Wein? Und bei der Trinkprobe fragt man sich dann, wann wohl der Magendurchbruch kommt. Oder schlägt sich das Ganze vielleicht gar aufs Augenlicht? Diese Perlen haben jedoch ihre treuen Verbraucher. Das sind jene, die sich den Wein erst gut trinken müssen. Ab dem dritten Glas schmeckt er ihnen schon vorzüglich, und dann geht es flott dahin. Auch so mancher Tourist schluckt "das Weinchen", wie man hier sagt, tapfer hinunter.
Mich persönlich betrifft die Sache nicht, denn ich trinke fast keinen Wein (obwohl ich schon einen gefunden habe, der mir sehr gut schmeckt), aber ich fühle mit den Weintrinkern mit!





Die Wasserflaschen-Wünschelrute:

In einen griechischen Garten gehört ein Pool, zumindest in meinen. Denn ich schwimme gerne in meinem Geburtsanzug, wie es im Englischen so schön heißt, und das ist an den Stränden hier nicht so gerne gesehen. Außerdem kann man einen Pool bekanntlich heizen, und das Meer kommt hier temperaturmäßig nur langsam in Fahrt. Dafür bleibt es im Herbst lange warm. Angepasst an die Wassersituation hier wird der Pool nur eine erweiterte Badewanne, also nicht sehr groß. Nichtsdestotrotz muß ein Loch gebaggert werden. Der Olivenbaum-Bagger kommt wieder zum Einsatz und baggert hurtig  drauf los. Doch da fällt jemandem ein, daß angeblich da, wo der Pool hin soll, die Wasserleitung des Dorfs verläuft. Sofort werden die Arbeiten eingestellt und es wird einmal besprochen. Man beschließt zu testen, ob hier Wasser ist. Zu diesem Behufe stellt man sich eine Plastik-Wasserflsche auf die Hand und geht langsam ein paar Schritte in die Richtung, wo das Wasser sein soll. Bei jedem, der die paar Schritte macht - und es sind inzwischen viele Personen auf dem Grundstück - fällt die Flasche über der vermeintlichen Leitung hinunter. Nur beim besten aller Ehemänner und mir nicht. Ist ja auch klar, daß das Wasser in der Flasche beim Gehen zu schwappen beginnt und nach ein paar Schritten umfällt. Eine alte Radioantenne wird auch noch ausprobiert, auch sie schlägt wunderbarerweise aus.  Was tun? Nun muß das Problem anders gelöst werden. Ein Anruf und bald braust auf einem Moped ein Mann daher - wer er war, weiß ich bis jetzt nicht - und erklärt den Anwesenden, daß das Wasserrohr an der Grundstücksgrenze verläuft und nicht da, wo der Pool hin soll. Die Lage ist gerettet, das Loch ist fertig und das Dorf hat noch Wasser!





Montag, 26. Mai 2014

Und irgndwaunn bleib i daunn durt!

"Und irgndwaunn bleib i daunn durt!". Wieviele Österreicher haben sich das in Anlehnung an den STS-Song nicht schon gedacht?
Kürzlich wurde ich von einem griechischen Freund gefragt, warum man als "Europäer" (das sind die aus dem "zivilisierten" Teil Europas), freiwillig nach Griechenland kommt. Also:
  • Mir gefällt das Klima. Es ist wärmer, hat aber doch Jahreszeiten.
  • Mir gefällt die Landschaft hier. Hügelig mit den Bergen im Hintergrund und dem Meer im Vordergrund. 


  • Mir gefällt die Flora. Hier blüht immer etwas, und im Winter ist alles wunderbar grün. Jede Woche entdecke ich Neues.
  • Mir gefällt die Fauna. Große Tiere gibt es hier nicht mehr. Aber man sieht schon mal die Abdrücke von Wildschweinen und hört das Heulen der Schakale. Von verschiedenen Insekten wimmelt es nur so. Und im Winter zwitschert es den ganzen Tag von den Singvögeln, die hierher gezogen sind. Am meisten gefällt mir natürlich meine private Fauna mit Karli, Berti und Saschi!

  • Mir gefällt die freundliche Art der Menschen hier. Sie sind unaufdringlich, entspannt, hilfsbereit und gastfreundlich.
  • Nach Jahren der Lichtverschmutzung kann ich jetzt immer den Sternenhimmel genießen. Ich hatte schon gar nicht mehr in Erinnerung, was alles da draußen im Weltall ist.
  • Hier ist vieles einfacher. Man darf es als korrekter Europäer fast nicht sagen.                                                          Es ist sicher nicht gut, aber angenehm unkompliziert. Zum Beispiel kommt aller Müll in dieselbe Mülltonne. Keine fünf verschiedenen Mistkübel mehr und Sammeln von verschieden Abfällen. Es gibt sogar Recycling-Tonnen, aber die werden angeblich auf derselben Müllhalde entleert wie der andere Müll, also bleibt man bei der einen Tonne.                                                   Die griechische Sackerlwirtschaft habe ich am Anfang nicht mitgemacht. Brav habe ich meine Einkaufstasche mitgebracht und alles so nach Hause transportiert, jetzt vergesse ich aber immer öfter und es sammeln sich auch schon Unmengen an Plastiksackerln bei mir an.         
  • Der Straßenverkehr hat irgendwie schon Regeln, aber wer hält sich schon daran? Es ist ein tolles Gefühl, wenn man Stoptafeln, doppelte Sperrlinien und schraffierte Flächen überfährt, Parkverbote missachtet und praktisch nie blinkt (soll sich doch der hinter mir überraschen lassen, was ich als nächstes tue). Und das alles ohne jegliche Folgen, denn die Polizei macht nur ganz selten auf Hauptstrecken Verkehrskontrollen. Einzig Alkohol am Steuer kann ich wirklich nicht gut heißen, denn das kann ja bekanntlich auch für andere schlecht ausgehen. Kürzlich fuhr ich am helllichten Tag hinter einem Besoffenen, der tatsächlich eine Schlangenlinie über beide Fahrsteifen zog. Von Überholen ist da natürlich keine Rede.
  • Ein Smartphone braucht man hier wirklich nicht! Wo mir in Wien Susi (wo ist der nächste Bankomat, wo die nächste Apotheke, etc.) und Handyparken bzw. Info über Kurzparkzonen wertvolle Dienste geleistet haben, fragt man hier einfach oder weiß es einfach eh schon. Emails können auch warten, bis ich wieder zu Hause bin. Hier glotzen nicht alle Kinder im Restaurant neben dem Essen auf ihre Computerspiele, und nicht jeder checkt minütlich seinen Email-Eingang. Das liegt aber, glaube ich, nicht daran, daß die Griechen um so vieles vernünftiger sind (oder vielleicht sind sie es doch?), sondern an der finanziellen Lage und daran, daß zum Beispiel der EDV-Unterricht hier ohne Computer stattfindet, die meisten Leute also auch weniger Bezug zu solchen Dingen haben.
  • Mir gefällt, daß hier ein guter Mix von Menschen aus ganz Europa ist, die sich in der Gegend angesiedelt haben. Die internationale Community besteht hauptsächlich aus Griechen, die früher im Ausland gelebt haben, Deutschen, Schweizern, Holländern, Belgiern, Österreichern, schrulligen und nicht schrulligen Engländern und Südosteuropäern, die aber im Gegensatz zu den Westeuropäern hauptsächlich zum Arbeiten hier her gekommen sind.

Was mir hier nicht gefällt:


  • Wie sagte kürzlich der Beste aller Ehemänner zu einem Griechen? "Griechenland ist ein wunderbares Land, aber Ihr müßt Eure Sprache ändern!" Der gute Mann lachte laut auf, aber er wird sich vermutlich nicht vom Griechischen abbringen lassen. Abgesehen von komplizierter Grammatik und langen Wörtern hätten sie zumindest irgendwann zur lateinischen Schrift wechseln können. Aber was soll's? Werden wir uns halt weiterg'frettn damit!
  • Die meisten Einheimischen trinken das Wasser aus der Leitung, aber von einigen Zugezogenen habe ich schon gehört, daß sie gröbere Verdauungsprobleme davon bekommen haben. Und auch ich bilde mir ein, daß mir davon flau im Magen wird. Das heißt also regelmäßiges nach Hause Schleppen von sauschweren Mineralwasserflaschen und Unmengen von Müll. 
  • Schwächelnder Wasserdruck in der Leitung macht das Duschen ein bißchen langweilig, aber das automatische Bewässern des Gartens fast unmöglich, weil das schwache Rinnsal irgendwo in der Leitung verreckt.  
  • Müll in der Natur, obwohl 200m weiter der Müllcontainer steht.

  • Griechen, die Hundebabys in den Gärten von Ausländern aussetzen. Wahrscheinlich besser für den Hund, aber die anderen können doch nicht alle Probleme dieses Landes lösen.
  • Wenn mir noch etwas einfällt, melde ich mich wieder!

Die griechische Mittagspause:

An die griechische Mittagspause werde ich mich wohl nie gewöhnen. So viel Südländerin kann ich nicht werden.
Es fängt schon damit an, wie man "Mittag" definiert. Für mich findet "Mittag" zwischen zwölf und ein Uhr statt, bevor der frühe Nachmittag anbricht. In Griechenland beginnt der Mittag zwischen ein und zwei Uhr mit dem Mittagessen. Danach haut man sich aufs Ohr und macht eine kleine Pause bis fünf Uhr oder länger. Das heißt, daß Geschäfte zwischen acht und zehn Uhr aufmachen und zwischen ein und ein Uhr dreißig wieder schließen, bevor sie von ca. fünf oder halb sechs wieder bis acht oder neun oder manchmal länger geöffnet haben. Hat man viel zu erledigen, muß man sich sputen, denn bald sind die Geschäfte wieder zu. Dann muß man für einige Stunden eine Beschäftigung finden, bevor man weiter einkaufen kann.
Im Hochsommer kann ich ja eindeutig einen Sinn in dieser Regelung erkennen, denn in der Nachmittagshitze würde wohl kaum jemand besonders aktiv sein. Aber im Winter warten zu müssen, bis es dunkel ist, bevor man einkaufen gehen kann, ist für mich nicht attraktiv. So sieht man denn auch am Abend nur wenige Leute in den Geschäften. Und um diese Uhrzeit interessiert mich dann doch das Abendessen schon viel mehr als irgendwelche Erledigungen.
Zwischendurch gibt es aber auch große oder ganz kleine Geschäfte, die den ganzen Tag offen halten. Da soll noch einer den Überblick bewahren. Aber das ist ja bei uns auch nicht gerade übersichtlich gestaltet.
Tagsüber schlafen ist auch so eine Sache, die nicht meine ist. Im Hochsommer schlafe ich schon mal vor lauter Hitze ein, aber im Winter ist der Nachmittag ja die beste Zeit, um hinaus zu gehen. Den schönen Tag schlafend vorbeigehen zu lassen, um dann danach im Dunkeln zu munkeln, empfinde ich als Zeitverschwendung. Dabei bin ich nicht allein, denn es gibt auch Griechen, die nie tagsüber schlafen. Man muß sich also gut merken, wen man tagsüber anrufen darf und wen nicht. Denn jemanden während seines Mittagsschläfchens anzurufen schickt sich nicht. Diese Leute rufen auch partout dann zurück, wenn ich beim Abendessen sitze - viel zu früh für das Gefühl vieler Griechen. 
Einen finanziellen Vorteil haben die Tavernenbesitzer. Zuerst kommen die  Ausländer zum Abendessen. Und wenn diese das Lokal wieder verlassen, trudeln schön langsam die Griechen ein. Sie können/müssen also in zwei Schichten arbeiten. Segen oder Fluch?


Architektonische Besonderheiten:


  • Das griechische Haus oder die griechische Wohnung sind nach unserer Sichtweise - gelinde gesagt - verbaut. Denn man tritt durch die Eingangstür und steht üblicherweise im Wohnzimmer. Einen Platz zum Schuhe abstellen gibt es nicht, denn die behält man praktischerweise gleich an. Und für Taschen und Jacken findet sich schon irgendwo ein Plätzchen.
  • Was es kaum gibt, sind Stockhäuser mit einem Stiegenhaus innen. Da muß man schon ein bißchen suchen, um so etwas zu finden. Üblicherweise führt außen eine Treppe in den ersten Stock. Superpraktisch, wenn man im Winter bei Regen ins Erdgeschoß muß!
  • Eine Spezialität sind die Badezimmer ohne Deckenbeleuchtung. Die Beleuchtung des Spiegelschranks muß ausreichen. Das hat natürlich auch seine Vorteile. Man schreckt sich in der Früh nicht so, wenn man in den Spiegel schaut.
  • In der Küche sehr beliebt sind Gitter zum aufrechten Einschlichten von Tellern. So bringt man zehn Teller unter, wo man mit klassischem Stapeln fünfzig hinstellen kann.
  • Im Schlafzimmer befindet sich neben einem zu kleinen Doppelbett von 160 cm Breite (für mich ein bequemes Einzelbett) immer ein Einbauschrankungetüm. Normalerweise sind die Schlafzimmer so klein, daß man nur umzufallen braucht, um auf jeden Fall auf dem Bett zu landen. Einen 3m-Schiebeschrank, wie bei uns oft üblich, sucht man hier vergebens. Ich hätte mir gerne einen in den Keller gestellt, aber es ist keiner zu bekommen. Meine letzte Hoffnung ist Ikea, wo ich allerdings auf der griechischen Website bis jetzt keine bei uns üblichen Schränke gesehen habe. Aber ich werde mich einmal auf den dreistündigen Weg machen und selbst nachschauen.
  • Terrassentüren hat hier fast jeder, aber die Terrassentür zumachen, wenn man draußen ist, kann man nicht, denn es gibt weder einen Griff, noch hält die Tür von alleine, ohne immer wieder weit aufzugehen. Fliegengitter sind oft eingebaut, was ganz wichtig ist. Bei der Terrassentür zieht man es wie eine Rollo zum Boden hinunter (was man genau einmal macht, weil man sich nicht zehn Mal am Tag bis zum Boden bücken will) oder man schiebt es von links nach rechts, wozu man schon einiges Geschick benötigt, um nicht aus der Führung zu kommen. Die Spezialität in meinem Haus ist, daß man das Gitter, sobald es einmal eingerastet ist, von außen nicht wieder öffnen kann, man also einen Retter von innen braucht. Was, wenn alle zugleich auf der Terrasse sein wollen? Dann sind alle Terrassenbesucher ausgesperrt oder, wenn man auf das Gitter verzichtet, alle Fliegen und Gelsen im Haus, weil man ja die Tür von außen nicht zumachen kann. Da hilft nur noch der Einfallsreichtum eines Hobbyhandwerkers (= des Besten aller Ehemänner). 
  • Fenster und Türen kippen kann man hier nicht. Ich habe erst ein Haus mit dieser Funktion gesehen. Schade! 
  • Isolierung ist hier leider ein ziemliches Fremdwort. Auch in nach griechischer Manier isolierten Häusern wird es trotz tagelangem Sonnenscheins im Frühjahr nicht sehr warm. 
  • Ein Detail am Rande, das mir noch aufgefallen ist, betrifft englische Hausbewohner hier. In allen Häusern von Engländern, die ich gesehen habe, war das Bücherregal im Stiegenhaus - eigentlich ganz praktisch, um den Platz fürs Regal für anderes zu nutzen. 
  • PS: Der Beste aller Ehemänner ist ja ein Tüftler und hat schon den Trick herausgefunden, wie man das Fliegengitter wieder öffnen kann. Insekten, Ihr könnt jetzt anfliegen, bei mir kommt Ihr nicht mehr rein!


Preise:

Arbeit für 53 2-metrige Zypressen in steinige Erde pflanzen 150,-
1 Laib Brot 0,80 
1 Artischocke 0,40
Essen restaurant, 2 Vorspeisen, 1 Hauptspeise, Wasser, Bier 22,-   
Maut Kalamata - Athen 17,-
1/4 griechische Butter 2,50
1/4 deutsche Butter bei Lidl 1,69
Milch 1,37 - 1,57
1,5 l Flasche Wasser im Restaurant 1,00
6 Flaschen Wasser im Supermarkt 0,99 - 1,50  
Heiße Schokolade 2,50 
Cappuccino 2,50
Büschel Kräutertee 1,-
Hängematte 9,90
Schlauchwagen billig 5,-
Diesel 1,32 - 1,40
Auskünfte bei Bauingenieur, Anwalt, Notar 0,-   
handgepflückter Blumenstrauß 1,-     
Kinderhaus aus schlechtem Holz, genutzt als Hundehütte 258,-
Jahresservice Ford Kuga in der Ford-Werkstätte 176,-
Parken am Flughafen Kalamata 0,-   
Nobelfriseur Haare schneiden 18,-

Der Nobelfriseur hat ja wirklich gute Preise, allerdings nur eine kurzärmelige Jacke zum Drüberziehen, sodaß man die geschnittenen Haare praktisch überall auf und unter der Kleidung hat. Bürste zum Abbürsten gibt es aber auch keine. Die Friseurin hat meine Kleidung mit einem breiten Tixoband behandelt, auf dem die Haare kleben bleiben sollten. Der Effekt war mäßig.











Samstag, 17. Mai 2014

Lange habe ich heimlich die riesigen Zitronen der Nachbarin bewundert. Jetzt hat sie mir einen ganzen Sack davon geschenkt!





Also - ich will auf keinen Fall Katholiken beleidigen, auch nicht meine polnischen Freunde. Und schon gar nicht polnischen Katholiken! Aber immer, wenn ich Schafe mit so einem Gesicht sehe, habe ich nur eine Assoziation - die schwarze Madonna von Tschenstochau!





Von Piloten und Bomben:

In Kalamata befindet sich ein Militärflughafen, von dem aus Jung-Piloten mit kleinen Doppeldeckern fliegen lernen. Über die lästigen Geräusche habe ich bereits früher berichtet. Allerdings werden diese aus Geldmangel immer seltener. Zwischendurch drehen auch richtig schnelle Jets ihre Runden, und kürzlich ging es rund her - Bombenstimmung sozusagen. Ich wohne jetzt nahe der Insel, die militärisches Sperrgebiet ist. Auf diese wurde früher gerne geschossen, aber auch hier hat der Geldmangel zu einer Beruhigung geführt. Nur kürzlich haben sie eine Woche lang Bombenabwerfen geübt. Ein dumpfer Knall und eine Erschütterung - einmal hat das Garagentor nur so gewackelt - und nun weiß auch ich, die in Frieden aufgewachsen ist, wie sich der Krieg anhört und anfühlt. Nicht ganz natürlich, aber mir reicht schon diese Variante!




Pfefferbaum:

Eigentlich bin ich ja jetzt reich - wenn die Auskunft diverser Gärtner hier stimmt. Sie sind beeindruckt vom Baum in meinem neuen Garten -irgendeine Art von Schinus (Pfefferbaum) soll er sein. Und angeblich zwischen 50 und 150 Jahre alt (so genau nimmt man das nicht, in diesem Land ist vieles Zeugs ja Jahrtausende alt). Und angeblich € 150.000 wert. Von denen ich aber nichts habe, weil ich den großen Baum ja nicht ausgraben kann, denn dann wäre er kaputt. Somit bin ich nur theoretisch reich - an Geld. An Freude sowieso, denn ich habe mir schon eine gemütliche Hängematte an ihm aufgehängt, wo ich die Seele baumeln lassen kann. Das ist der wahre Reichtum!





Zwei Tage lang wehte der Sandsturm aus Richtung Libyen übers Land und schaffte ein seltsames Licht. So weit mußte der Sand nicht fliegen, immerhin liegen wir hier auf der Höhe von Tunis. Aber solche Geschenke könnten sie sich ruhig behalten, das Putzen danach ist echt mühsam!




Nach mühsamen Wochen des Freilegens diverser Gartenbeete von den diversen Unkräutern wurde ich schlussendlich mit einer Blütenpracht belohnt (und mit Kreuzweh!).







Boote einmal anders. Auf Stelzen harren sie ihres Einsatzes im Wasser.




Viele Wörter im Deutschen kommen ja aus dem Griechischen - "spartanisch" zum Beispiel. Damit dieser Wortschatz nicht verloren geht, bemüht man sich, auch vieles in diesem Zustand zu halten, wie auf dieser Toilette hier.





Hochwürden verlassen das Dorffest.




Burg von Methoni:

Die Burg von Methoni ist die größte auf dem Peloponnes und wurde über die Jahrhunderte von den verschiedenen Herrschern gehalten - Venezianern und Osmanen hauptsächlich. Griechen wurden hier auf dem Markt als Sklaven verkauft.
Neben den Restaurierungsarbeiten, die erahnen lassen, wie die Burg einmal ausgesehen hat, ist auch die Vielzahl an Blumen, die auf dem Areal wachsen, beeindruckend. Vom nahegelegenen Sandstrand kann man das mächtige Bauwerk auf sich wirken lassen.
Der Eintritt ist wunderbarerweise gratis, aber außerhalb der Hochsaison ist nur bis 15 Uhr geöffnet. Dafür aber angeblich ab 8 Uhr. Das muß ich doch glatt einmal überprüfen!
















Donnerstag, 27. März 2014

Heute war ich schon im Meer! Allerdings nur mit meinem rechten Fuß und das nur für eine Sekunde. Den hat es unerwartet erwischt, als ich dieses Foto mit Selbstauslöser gemacht habe. Das nenne ich fotografische Aufopferung, ich bin begeistert von mir!






Nun komme ich einmal zu den typisch griechischen Klischees. Wie man weiß, ist davon nicht alles richtig, aber doch einiges! Es gibt hier aber auch viele Leute, die den negativen Klischees nicht entsprechen, das muß auch gesagt werden.


Griechische Geschäftstüchtigkeit:

Die griechische Geschäftstüchtigkeit gibt es - sagen wir mal - nur in beschränktem Ausmaß.
Der eine Gärtner erklärt mir, als ich meine Lücken in den Beeten mit Pflanzen auffüllen will, daß ich eigentlich eh nichts brauche oder das ja im nächsten Jahr erledigen kann.
Der andere Gärtner antwortet nur mit "Nein", als ich ihn frage, ob er auch Englisch kann. Erst als ich ihm verständlich mache, daß er jemanden holen oder anrufen soll, telefoniert er mit seiner Tochter, damit ich der erklären kann, was ich will.
Wenn es etwas nicht gibt oder nicht so gibt, wie man es sich vorstellt, kommt selten jemand auf die Idee, einem doch etwas Ähnliches anzubieten. Am besten schaut man sich selbst im Geschäft um, was man alles so brauchen könnte.
Andererseits wird man hier selten das Opfer von ruchlosen Marketingmaßnahmen, denn Marketing ist für viele ein Fremdwort. Das ist dann irgendwie auch wieder sympathisch!
Der Grieche wartet auch gerne auf das Wunder, das ihm ohne viel Arbeit ein gutes Einkommen bringt. Hier in der Gegend soll das Wunder in Form von reichen Russen in Erscheinung treten. Es trifft allerdings nur sehr selten ein. 
Aber der Juwelier lernt lieber Russisch als Englisch, denn wozu sich mit zwanzig Leuten abgeben, mit denen man Englisch sprechen muß? Dann doch lieber mit dem einen reichen Russen, der noch dazu so beschränkt ist, daß er zu überhöhten Preisen kauft. Träumen von warmen Eislutschern nennt man das bei uns.
Oder der Betreiber des leeren Frozen Yogurt-Geschäfts, dem ich letzten Juni darauf aufmerksam gemacht habe, daß nicht jeder diesen Ausdruck versteht und er doch vielleicht besser zeigen soll, was er eigentlich verkauft. Er erklärt mir, daß ihm das schon mehrere Leute gesagt hätten, daß er das vielleicht im nächsten Jahr machen werde, schultert sein Handtuch und geht an den Strand.
Auch wieder irgendwo sympathisch. Von "Burnout" hat hier noch kaum jemand etwas gehört. Bestenfalls glaubt man, es sei jemandes Haus abgebrannt.
Sympathisch vielleicht schon, aber definitiv nicht ziel- und unter anderem in die Krise führend, wie wir wissen. 
Und man sollte halt auch rechnen können, ob das, was man macht, profitabel ist. Aber kaufmännisches Rechnen ist auch nicht jedermanns Sache. Siehe dazu die hausgemachte Nudeln verkaufende Hausfrau, die nicht richtig auf einen Zwanziger herausgeben kann. 
Und wenn es sich finanziell nicht ausgeht, zieht man halt wieder zu den Eltern und zweigt etwas von Omas Rente ab. Irgendwie kommt man schon über die Runden.


To xero:

Der Beste aller Ehemänner hat die Theorie entworfen, daß sich ein Grieche zuerst überlegt, was er am schlechtesten kann, und dann genau in dem Bereich ein Geschäft aufmacht. Hier fühlen sich nämlich offensichtlich viele Leute zu Tätigkeiten berufen, zu denen sie kein Talent haben, und eine Ausbildung sowieso nicht.
Dazu gibt es die Gegentheorie "Der Grieche weiß alles und kann alles.". Er braucht sich also nicht zu überlegen, was er gut oder schlecht kann, er kann sowieso alles.
To xero - ich weiß! Diesen Satz hört man in einer Diskussion zwischen Griechen im Minutentakt, was wohl die zweite Theorie bestätigt. Und eine Meinung zu auch unwichtigen Dingen hat man auf jeden Fall einmal. Und der, der auf alle Meinungen hört, der hat es nicht leicht, denn er wird nie wissen, was er tun soll.


Bezahlung für Arbeit: 

Die Arbeitslosigkeit hier ist sehr hoch, aber trotzdem gibt es viele Arbeiten, zu denen sich nur Ausländer hergeben. So gibt es gestaffelte Raten für die Arbeit von Griechen, Albanern und Pakistanern bzw. Bangla Deshern. 
Der Grieche sollte am meisten verdienen, ist aber auch schon immer wieder in der Situation, daß er nur arbeitet und bezahlt wird, wenn es Arbeit gibt. So manch einer ist zum Tagelöhner geworden. Er erfährt kurzfristig, ob und welche Arbeit es gibt. Gibt es keine, gibt es auch kein Geld.
Die Albaner sind auf die Olivenernte und den Steinmauerbau spezialisiert. Sie bekommen € 50 pro Tag, haben dafür aber üblicherweise auch Arbeitsmaterialien mit.
Die Pakistaner und Bangla Desher wiederum sind für die niedrigsten körperlichen Arbeiten zuständig und verdienen € 25. Dafür werden Steine geschleppt, Holz gehackt und ähnliches.
Und dann gibt es noch wenige West- und Mitteleuropäer - oft Frauen, die mit Griechen verheiratet sind - die im Service arbeiten oder putzen oder Lokale betreiben. Diese sind beliebt bei Ausländern, die hier ein Haus haben, denn sie garantieren einen gewissen Standard.
Tja, so läuft das hier. Wer also gerne in den griechischen Arbeitsmarkt eintreten will, weiß jetzt bescheid, was ihn erwartet.