Montag, 26. Mai 2014

Und irgndwaunn bleib i daunn durt!

"Und irgndwaunn bleib i daunn durt!". Wieviele Österreicher haben sich das in Anlehnung an den STS-Song nicht schon gedacht?
Kürzlich wurde ich von einem griechischen Freund gefragt, warum man als "Europäer" (das sind die aus dem "zivilisierten" Teil Europas), freiwillig nach Griechenland kommt. Also:
  • Mir gefällt das Klima. Es ist wärmer, hat aber doch Jahreszeiten.
  • Mir gefällt die Landschaft hier. Hügelig mit den Bergen im Hintergrund und dem Meer im Vordergrund. 


  • Mir gefällt die Flora. Hier blüht immer etwas, und im Winter ist alles wunderbar grün. Jede Woche entdecke ich Neues.
  • Mir gefällt die Fauna. Große Tiere gibt es hier nicht mehr. Aber man sieht schon mal die Abdrücke von Wildschweinen und hört das Heulen der Schakale. Von verschiedenen Insekten wimmelt es nur so. Und im Winter zwitschert es den ganzen Tag von den Singvögeln, die hierher gezogen sind. Am meisten gefällt mir natürlich meine private Fauna mit Karli, Berti und Saschi!

  • Mir gefällt die freundliche Art der Menschen hier. Sie sind unaufdringlich, entspannt, hilfsbereit und gastfreundlich.
  • Nach Jahren der Lichtverschmutzung kann ich jetzt immer den Sternenhimmel genießen. Ich hatte schon gar nicht mehr in Erinnerung, was alles da draußen im Weltall ist.
  • Hier ist vieles einfacher. Man darf es als korrekter Europäer fast nicht sagen.                                                          Es ist sicher nicht gut, aber angenehm unkompliziert. Zum Beispiel kommt aller Müll in dieselbe Mülltonne. Keine fünf verschiedenen Mistkübel mehr und Sammeln von verschieden Abfällen. Es gibt sogar Recycling-Tonnen, aber die werden angeblich auf derselben Müllhalde entleert wie der andere Müll, also bleibt man bei der einen Tonne.                                                   Die griechische Sackerlwirtschaft habe ich am Anfang nicht mitgemacht. Brav habe ich meine Einkaufstasche mitgebracht und alles so nach Hause transportiert, jetzt vergesse ich aber immer öfter und es sammeln sich auch schon Unmengen an Plastiksackerln bei mir an.         
  • Der Straßenverkehr hat irgendwie schon Regeln, aber wer hält sich schon daran? Es ist ein tolles Gefühl, wenn man Stoptafeln, doppelte Sperrlinien und schraffierte Flächen überfährt, Parkverbote missachtet und praktisch nie blinkt (soll sich doch der hinter mir überraschen lassen, was ich als nächstes tue). Und das alles ohne jegliche Folgen, denn die Polizei macht nur ganz selten auf Hauptstrecken Verkehrskontrollen. Einzig Alkohol am Steuer kann ich wirklich nicht gut heißen, denn das kann ja bekanntlich auch für andere schlecht ausgehen. Kürzlich fuhr ich am helllichten Tag hinter einem Besoffenen, der tatsächlich eine Schlangenlinie über beide Fahrsteifen zog. Von Überholen ist da natürlich keine Rede.
  • Ein Smartphone braucht man hier wirklich nicht! Wo mir in Wien Susi (wo ist der nächste Bankomat, wo die nächste Apotheke, etc.) und Handyparken bzw. Info über Kurzparkzonen wertvolle Dienste geleistet haben, fragt man hier einfach oder weiß es einfach eh schon. Emails können auch warten, bis ich wieder zu Hause bin. Hier glotzen nicht alle Kinder im Restaurant neben dem Essen auf ihre Computerspiele, und nicht jeder checkt minütlich seinen Email-Eingang. Das liegt aber, glaube ich, nicht daran, daß die Griechen um so vieles vernünftiger sind (oder vielleicht sind sie es doch?), sondern an der finanziellen Lage und daran, daß zum Beispiel der EDV-Unterricht hier ohne Computer stattfindet, die meisten Leute also auch weniger Bezug zu solchen Dingen haben.
  • Mir gefällt, daß hier ein guter Mix von Menschen aus ganz Europa ist, die sich in der Gegend angesiedelt haben. Die internationale Community besteht hauptsächlich aus Griechen, die früher im Ausland gelebt haben, Deutschen, Schweizern, Holländern, Belgiern, Österreichern, schrulligen und nicht schrulligen Engländern und Südosteuropäern, die aber im Gegensatz zu den Westeuropäern hauptsächlich zum Arbeiten hier her gekommen sind.

Was mir hier nicht gefällt:


  • Wie sagte kürzlich der Beste aller Ehemänner zu einem Griechen? "Griechenland ist ein wunderbares Land, aber Ihr müßt Eure Sprache ändern!" Der gute Mann lachte laut auf, aber er wird sich vermutlich nicht vom Griechischen abbringen lassen. Abgesehen von komplizierter Grammatik und langen Wörtern hätten sie zumindest irgendwann zur lateinischen Schrift wechseln können. Aber was soll's? Werden wir uns halt weiterg'frettn damit!
  • Die meisten Einheimischen trinken das Wasser aus der Leitung, aber von einigen Zugezogenen habe ich schon gehört, daß sie gröbere Verdauungsprobleme davon bekommen haben. Und auch ich bilde mir ein, daß mir davon flau im Magen wird. Das heißt also regelmäßiges nach Hause Schleppen von sauschweren Mineralwasserflaschen und Unmengen von Müll. 
  • Schwächelnder Wasserdruck in der Leitung macht das Duschen ein bißchen langweilig, aber das automatische Bewässern des Gartens fast unmöglich, weil das schwache Rinnsal irgendwo in der Leitung verreckt.  
  • Müll in der Natur, obwohl 200m weiter der Müllcontainer steht.

  • Griechen, die Hundebabys in den Gärten von Ausländern aussetzen. Wahrscheinlich besser für den Hund, aber die anderen können doch nicht alle Probleme dieses Landes lösen.
  • Wenn mir noch etwas einfällt, melde ich mich wieder!

Die griechische Mittagspause:

An die griechische Mittagspause werde ich mich wohl nie gewöhnen. So viel Südländerin kann ich nicht werden.
Es fängt schon damit an, wie man "Mittag" definiert. Für mich findet "Mittag" zwischen zwölf und ein Uhr statt, bevor der frühe Nachmittag anbricht. In Griechenland beginnt der Mittag zwischen ein und zwei Uhr mit dem Mittagessen. Danach haut man sich aufs Ohr und macht eine kleine Pause bis fünf Uhr oder länger. Das heißt, daß Geschäfte zwischen acht und zehn Uhr aufmachen und zwischen ein und ein Uhr dreißig wieder schließen, bevor sie von ca. fünf oder halb sechs wieder bis acht oder neun oder manchmal länger geöffnet haben. Hat man viel zu erledigen, muß man sich sputen, denn bald sind die Geschäfte wieder zu. Dann muß man für einige Stunden eine Beschäftigung finden, bevor man weiter einkaufen kann.
Im Hochsommer kann ich ja eindeutig einen Sinn in dieser Regelung erkennen, denn in der Nachmittagshitze würde wohl kaum jemand besonders aktiv sein. Aber im Winter warten zu müssen, bis es dunkel ist, bevor man einkaufen gehen kann, ist für mich nicht attraktiv. So sieht man denn auch am Abend nur wenige Leute in den Geschäften. Und um diese Uhrzeit interessiert mich dann doch das Abendessen schon viel mehr als irgendwelche Erledigungen.
Zwischendurch gibt es aber auch große oder ganz kleine Geschäfte, die den ganzen Tag offen halten. Da soll noch einer den Überblick bewahren. Aber das ist ja bei uns auch nicht gerade übersichtlich gestaltet.
Tagsüber schlafen ist auch so eine Sache, die nicht meine ist. Im Hochsommer schlafe ich schon mal vor lauter Hitze ein, aber im Winter ist der Nachmittag ja die beste Zeit, um hinaus zu gehen. Den schönen Tag schlafend vorbeigehen zu lassen, um dann danach im Dunkeln zu munkeln, empfinde ich als Zeitverschwendung. Dabei bin ich nicht allein, denn es gibt auch Griechen, die nie tagsüber schlafen. Man muß sich also gut merken, wen man tagsüber anrufen darf und wen nicht. Denn jemanden während seines Mittagsschläfchens anzurufen schickt sich nicht. Diese Leute rufen auch partout dann zurück, wenn ich beim Abendessen sitze - viel zu früh für das Gefühl vieler Griechen. 
Einen finanziellen Vorteil haben die Tavernenbesitzer. Zuerst kommen die  Ausländer zum Abendessen. Und wenn diese das Lokal wieder verlassen, trudeln schön langsam die Griechen ein. Sie können/müssen also in zwei Schichten arbeiten. Segen oder Fluch?


Architektonische Besonderheiten:


  • Das griechische Haus oder die griechische Wohnung sind nach unserer Sichtweise - gelinde gesagt - verbaut. Denn man tritt durch die Eingangstür und steht üblicherweise im Wohnzimmer. Einen Platz zum Schuhe abstellen gibt es nicht, denn die behält man praktischerweise gleich an. Und für Taschen und Jacken findet sich schon irgendwo ein Plätzchen.
  • Was es kaum gibt, sind Stockhäuser mit einem Stiegenhaus innen. Da muß man schon ein bißchen suchen, um so etwas zu finden. Üblicherweise führt außen eine Treppe in den ersten Stock. Superpraktisch, wenn man im Winter bei Regen ins Erdgeschoß muß!
  • Eine Spezialität sind die Badezimmer ohne Deckenbeleuchtung. Die Beleuchtung des Spiegelschranks muß ausreichen. Das hat natürlich auch seine Vorteile. Man schreckt sich in der Früh nicht so, wenn man in den Spiegel schaut.
  • In der Küche sehr beliebt sind Gitter zum aufrechten Einschlichten von Tellern. So bringt man zehn Teller unter, wo man mit klassischem Stapeln fünfzig hinstellen kann.
  • Im Schlafzimmer befindet sich neben einem zu kleinen Doppelbett von 160 cm Breite (für mich ein bequemes Einzelbett) immer ein Einbauschrankungetüm. Normalerweise sind die Schlafzimmer so klein, daß man nur umzufallen braucht, um auf jeden Fall auf dem Bett zu landen. Einen 3m-Schiebeschrank, wie bei uns oft üblich, sucht man hier vergebens. Ich hätte mir gerne einen in den Keller gestellt, aber es ist keiner zu bekommen. Meine letzte Hoffnung ist Ikea, wo ich allerdings auf der griechischen Website bis jetzt keine bei uns üblichen Schränke gesehen habe. Aber ich werde mich einmal auf den dreistündigen Weg machen und selbst nachschauen.
  • Terrassentüren hat hier fast jeder, aber die Terrassentür zumachen, wenn man draußen ist, kann man nicht, denn es gibt weder einen Griff, noch hält die Tür von alleine, ohne immer wieder weit aufzugehen. Fliegengitter sind oft eingebaut, was ganz wichtig ist. Bei der Terrassentür zieht man es wie eine Rollo zum Boden hinunter (was man genau einmal macht, weil man sich nicht zehn Mal am Tag bis zum Boden bücken will) oder man schiebt es von links nach rechts, wozu man schon einiges Geschick benötigt, um nicht aus der Führung zu kommen. Die Spezialität in meinem Haus ist, daß man das Gitter, sobald es einmal eingerastet ist, von außen nicht wieder öffnen kann, man also einen Retter von innen braucht. Was, wenn alle zugleich auf der Terrasse sein wollen? Dann sind alle Terrassenbesucher ausgesperrt oder, wenn man auf das Gitter verzichtet, alle Fliegen und Gelsen im Haus, weil man ja die Tür von außen nicht zumachen kann. Da hilft nur noch der Einfallsreichtum eines Hobbyhandwerkers (= des Besten aller Ehemänner). 
  • Fenster und Türen kippen kann man hier nicht. Ich habe erst ein Haus mit dieser Funktion gesehen. Schade! 
  • Isolierung ist hier leider ein ziemliches Fremdwort. Auch in nach griechischer Manier isolierten Häusern wird es trotz tagelangem Sonnenscheins im Frühjahr nicht sehr warm. 
  • Ein Detail am Rande, das mir noch aufgefallen ist, betrifft englische Hausbewohner hier. In allen Häusern von Engländern, die ich gesehen habe, war das Bücherregal im Stiegenhaus - eigentlich ganz praktisch, um den Platz fürs Regal für anderes zu nutzen. 
  • PS: Der Beste aller Ehemänner ist ja ein Tüftler und hat schon den Trick herausgefunden, wie man das Fliegengitter wieder öffnen kann. Insekten, Ihr könnt jetzt anfliegen, bei mir kommt Ihr nicht mehr rein!


Preise:

Arbeit für 53 2-metrige Zypressen in steinige Erde pflanzen 150,-
1 Laib Brot 0,80 
1 Artischocke 0,40
Essen restaurant, 2 Vorspeisen, 1 Hauptspeise, Wasser, Bier 22,-   
Maut Kalamata - Athen 17,-
1/4 griechische Butter 2,50
1/4 deutsche Butter bei Lidl 1,69
Milch 1,37 - 1,57
1,5 l Flasche Wasser im Restaurant 1,00
6 Flaschen Wasser im Supermarkt 0,99 - 1,50  
Heiße Schokolade 2,50 
Cappuccino 2,50
Büschel Kräutertee 1,-
Hängematte 9,90
Schlauchwagen billig 5,-
Diesel 1,32 - 1,40
Auskünfte bei Bauingenieur, Anwalt, Notar 0,-   
handgepflückter Blumenstrauß 1,-     
Kinderhaus aus schlechtem Holz, genutzt als Hundehütte 258,-
Jahresservice Ford Kuga in der Ford-Werkstätte 176,-
Parken am Flughafen Kalamata 0,-   
Nobelfriseur Haare schneiden 18,-

Der Nobelfriseur hat ja wirklich gute Preise, allerdings nur eine kurzärmelige Jacke zum Drüberziehen, sodaß man die geschnittenen Haare praktisch überall auf und unter der Kleidung hat. Bürste zum Abbürsten gibt es aber auch keine. Die Friseurin hat meine Kleidung mit einem breiten Tixoband behandelt, auf dem die Haare kleben bleiben sollten. Der Effekt war mäßig.











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