Donnerstag, 3. Oktober 2013


Die Hunde:

Fast jeder Ausländer, der längere Zeit in Griechenland verbringt, wird zum Hundebesitzer. Die Streuner, die es in großer Zahl gibt,  sind durchwegs recht freundlich und freuen sich über jeden Bissen, den man ihnen zukommen läßt. Dazu einmal streicheln, und der Hund geht schon mit einem mit, wenn man das will.
Für die Rüden ist der Sommer eine wilde Zeit. Da wird schwer um die läufigen Hundedamen gekämpft, sie sind lange von zu Hause weg und fressen kaum. Außerdem werden sie von ihren Rivalen gebissen und gekratzt und hinken mitunter schon ordentlich daher. Da denke ich mir dann schon manchmal, ob es die Hunde an der Leine bei uns nicht doch besser haben. Sie bekommen ihr tägliches Futter und werden geliebt.
Unser Rudi galoppierte an, sobald wir unser griechisches Dorf erreicht hatten. Leider sah er ziemlich mitgenommen und abgemagert von den Kämpfen aus, die er mit dem anderen Rüden unseres Hausbesitzers um eine süße Hundedame ausgefochten hatte. Der andere hatte diese letztendlich erobert und dann mit nach Hause gebracht. Unser Vermieter hat aber schon zwei Hunde, und so ist Franzi - so haben wir sie genannt - ratet, wo gelandet? Bei uns natürlich! Jetzt gehen der große weiße Rudi und die kleine schwarze Franzi bei uns aus und ein.
Gassi gehen und das Gacki in das Sacki geben muß man hier ja zum Glück nicht. Das kann der Hund alles alleine erledigen. Man braucht sie nur zu füttern und lieb zu haben. Aber wenn man das als griechischer Hund bekommt, hat man sozusagen einen Lottogewinn gelandet.



Rudi wird auf Vordermann gebracht und schläft sich aus.




Franzi:

Franzi ist eine ganz Brave und Liebe und schnell von Begriff. Nach einem Tag hört sie schon auf ihren Namen und geht an der Leine, fährt gemütlich im Auto mit und legt sich im Lokal unter den Tisch und genießt das Leben rund um sie.
Früher vermutlich schlecht behandelt, ist sie trotzdem nicht scheu, denn Streicheleinheiten, von wem auch immer, läßt sie sich auf keinen Fall entgehen. Einen besonderen Riecher hat sie für hundeaffine Damen. Diese werden üblicherweise mit einer Einkuschel-, Abschleck- und Treuer-Blick-Attacke erobert.
Aber auch von den Herren der Schöpfung wird sie verwöhnt. Vincent aus Holland verpasst ihr eine Kopf-Ohren-Nacken-Massage, die sie sicher nie mehr vergißt. Vincent ist einschlägig vorgebildet. Jeden Tag vor dem Schlafengehen massiert er seinen Hasen. In der Immobilienbranche zu Hause, überlegt er aber schon eine Karriere als Tiermasseur. Ich wollte, daß er auch zu mir nach Hause kommt, aber mein Fell war ihm nicht weich genug.



Das Herrl hat die Franzi schon lange um den Finger gewickelt, ohne daß der es bemerkt hat. Sie ist nämlich eine ganz eine Odrahde (Hochdeutsch sprechende schlagen bitte im österreichisch-deutschen Wörterbuch nach). Der Beste aller Ehemänner (und Beste aller Hundebesitzer) stellt ihr die herrlichsten Menüs zusammen und verwöhnt sie mit exzessiven Streicheleinheiten. Hund, was willst Du mehr?


Franzi fährt Auto.



Franzi hat einen eigenen Hundenapf bekommen.



Griechische Sprachprobleme:

Auf der Fähre nach Patras (auf Griechisch Patra):
Der Beste aller Ehemänner hat verschlafen, und wir haben es nicht mehr ins Self-Service-Restaurant zum Frühstück geschafft. Also müssen unsere Brotreste vom Vortag her. Ich versuche, diese etwas aufzubessern und gehe an die Bar.
Ich: Do you have butter?
Barmann: Three o'clock!
Er war der Meinung, ich hätte ihn gefragt, wann wir in Patra(s) ankommen. Butter und Patra sind für einen nuschelnden Griechen ja wirklich dasselbe.

Wir gingen mit deutschen Freunden - Griechenland-Neulinge - essen. Die gut Englisch sprechende Kellnerin erklärte den Wein: "It tastes of bits.". Der weitgereiste und sogar thailändischen Akzent verstehende Freund war ratlos, was wohl die bits sein könnten. Aber inzwischen habe ich mich ja schon ins Griechische eingehört. Bits = peach, Pfirsich, so einfach ist das!

Wie man sich wegen mangelnder Sprachkenntnis um ein Geschäft bringen kann:

Wir beschlossen, unserer Franzi auf der Terrasse ein gemütliches Eck zu schaffen. Dazu wollten wir eine Decke kaufen. Wir hatten dabei an ein Geschäft mit diversen Haushaltswaren in einem der nächsten größeren Orte gedacht. Gefunden haben wir in den Regalen nichts, also mußte die Verkäuferin her. "Blanket" verstand sie nicht. Alles Zeigen und sonstige Charade-Kunststücke halfen nicht. Schlussendlich legte sich der Beste aller Ehemänner im Geschäft auf den Boden, begab sich in Embryo-Stellung, schloß die Augen und legte die zusammengefalteten Hände unter den Kopf. Da ging der Verkäuferin ein Licht auf und sie brachte uns - einen Schlafsack. In dem Moment fiel uns ein, daß wir ja auch unseren alten, unbenutzten Schlafsack von zu Hause verwenden könnten. Wir bedankten uns recht freundlich und gingen unseres Weges.

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