Samstag, 18. Januar 2014

Absurde Konversation mit einem Automaten:

Ich habe mir ein paar Wochen "Heimaturlaub" geleistet. Kaum war ich wieder da, genauer gesagt 20 Minuten nach der Landung der Maschine auf dem Athener Flughafen, bot sich mir schon wieder die Gelegenheit, einen weiteren Beitrag zum Blog zu schreiben.
Der Flughafen ist ja sehr modern, besonders der Parkplatz. Man meldet sich per Internet mit seinem Autokennzeichen an und reserviert einen Platz. Bei der Einfahrt in den Parkplatz wird das Kennzeichen automatisch erkannt (leider nur ein griechisches, aber man kann auch einen Code einscannen). Bezahlt wird bei der Ausfahrt. 
Ich stecke also mein Ticket in den Schlitz im Kassenautomaten, um zu bezahlen, aber nichts passiert. Der Automat bedankt sich und wünscht mir eine gute Fahrt. Ich nehme aber stark an, daß ich ohne Bezahlen nicht aus dem Parkplatz herauskomme, auch wenn der Automat so tut, als wäre schon alles erledigt. Also drücke ich den Knopf, um Hilfe zu rufen. Ich erkläre der Dame am anderen Ende, daß der Automat meine Karte nicht einzieht. Sie sagt interessanterweise "Warum nicht?". Ich, gerade erst aus einer hektischeren und perfekteren Welt zurückgekehrt, lasse mich hinreißen und sage "Sollten das eigentlich nicht Sie wissen?" statt "Das wüßte ich auch gerne.". Nun gut, die Lösung bestand darin, daß zu einem anderen Automaten weitergefahren wurde, der mein Geld dann auch prompt haben wollte. Interessieren würde mich jetzt, wie lange es dauert, bis der Automat repariert wird, denn schließlich ist ja noch nicht geklärt, warum er nicht funktioniert.


Die Stasi in Griechenland?



Im Dorf sah ich immer ein kleines, verrostetes Schildchen, das ganz unmotiviert irgendwo am Straßenrand steht. Das Alphabet hatte ich mir gerade so recht und schlecht beigebracht, und meiner Meinung nach stand auf dem Schild STASI. Was also hat die Stasi mit Griechenland zu tun? Daß dieses Land einen kommunistischen Einschlag hat, habe ich ja früher schon erwähnt. Aber eine Verbindung zur DDR-Stasi? Das konnte ich mir nicht vorstellen. Aber nachdem das Schild so unscheinbar und verrostet aussieht, dachte ich mir, daß es wohl früher einmal einen Zweck gehabt haben muß, aber jetzt nur mehr einfach so herumsteht, ganz ohne Funktion - bis ich in der Griechisch-Stunde über die öffentlichen Verkehrsmittel lernte. Das Ganze spricht sich "Stassi" aus und ist die Bushaltestelle, die Bus"station". Darauf bin ich nicht von selbst gekommen, denn praktisch nie blieb hier ein Bus stehen, geschweige denn, daß ich einen durchfahren gesehen hätte. Bis ich ihn eines Tages doch noch gesichtet habe. Er hat sich beim Stasi-Schild eingebremst, und ein einzelnes Männlein ist ausgestiegen, vermutlich kein früherer DDR-Agent, sondern einfach ein autoloser Mitmensch. Den Bus habe ich seither nie wieder gesehen. Gibt es Fata Morganas in Griechenland?

Sonntag, 22. Dezember 2013


Griechenland, das letzte kommunistische Land Europas?

Diese Aussage wird jetzt vielleicht manchem seltsam vorkommen. 
Optisch könnte man schon des öfteren den Eindruck gewinnen. Wahrscheinlich nicht auf den Inseln mit viel Tourismus. Aber am Festland sehen die Gebäude und Orte manchmal schon so aus wie zum Beispiel im früheren Jugoslawien oder in Albanien. Schließlich sind wir ja auch in Griechenland am Balkan.
Es gibt Supermärkte und Tavernen, in die seit Jahrzehnten nicht mehr investiert wurde. In den Regalen über weite Strecken gähnende Leere und außer ein paar Tischen nackte und ungemütliche Räumlichkeiten in der Taverne. Auch die Geschäftstüchtigkeit der Inhaber mutet fallweise eher kommunistisch an. Es gibt natürlich aber auch das Gegenteil!


Manche griechische Intellektuelle und Schriftsteller, von denen ich einige in letzter Zeit gelesen habe, sehen das politische System als sozialistisch. In den letzten Jahrzehnten haben sich die regierenden politischen Parteien ihre Wähler dadurch gekauft, daß sie ihnen Stellen im Staatsapparat verschafft haben, egal, ob diese qualifiziert dafür waren oder nicht. Nicht einmal das Erscheinen am Arbeitsplatz dürfte immer erforderlich sein. So wurden immer mehr Stellen geschaffen und der Apparat zum Erliegen gebracht.
Auch manche Bürger sehen das so. Sie meinen, daß jemand, der investieren will, eher als Ausbeuter der Mitarbeiter gesehen wird denn als jemand, der Arbeitsplätze schafft.
Wie dem auch sei - es gibt auch eine Menge privater kleiner Unternehmen, die rasch, zuverlässig und professionell arbeiten und gar nicht kommunistisch wirken. Bleibt nur zu hoffen, daß es bald noch mehr von ihnen gibt.

Das Wetter:    

Wie wir alle vom Urlaub wissen, ist es in Griechenland im Sommer heiß. Im Winter kann es hier in Messinien aber auch sehr feucht werden. Im November wurde ich stark geprüft. Fast jeden Tag Regen! Und nicht ein einfacher Landregen. Nein, die wildesten Gewitter mit krachendem Donner, daß man glaubt, das Haus fällt zusammen. Und der Regen fällt horizontal, denn es bläst öfter ein Scirocco-Sturm aus Richtung Sahara, der ist aber immer warm und kann auch 20 Grad haben. Manche Leute hier nennen das den postumen Gruß von Gadaffi.



Das Wetter im Dezember war wiederum bis jetzt ein Traum. Fast jeden Tag Sonnenschein! Tagsüber genügt ein Pullover, und mit dem ist einem oft heiß. An einem geschützten Platz geht es auch noch ohne alles. Die Sonne hat immer Kraft, man kann jetzt gut braun werden, wenn man will. 

 
Für die Griechen ist jetzt übrigens noch nicht Winter. Der soll im Jänner und Februar mit niedrigen Temperaturen und wieder Regen kommen. Mal sehen! Im Jänner kommt dann angeblich auch der Altweibersommer, ein paar Wochen mit ungewöhnlich warmen Temperaturen.
Schnee gibt es hier nicht, aber in weiter Entfernung kann man schon seit einiger Zeit die schneebedeckten Berge des Taygetos-Gebirges sehen.
Die Blätter sind komplett erst von den Feigen- und Kakibäumen abgefallen. Die anderen Laubbäume haben schon verfärbte Blätter und werden jetzt kahl. Die meisten Bäume hier sind aber Olivenbäume, und die sind immer grün. Auf den Wiesen wuchert nur so das Grünzeug. Der Winter ist also sehr grün hier, sogar bunt, denn es blüht immer etwas. Und die Vögel singen dazu.


Ein Hund und sein Knochen:

Ein Hund und sein Knochen - dieses Bild hatte man früher immer vor Augen. Inzwischen kommt das Futter aus der Dose und kaum mehr ein Knochen zum Hund. Nicht so bei uns! Der Beste aller Ehemänner besucht regelmäßig den örtlichen Fleischhauer, um ihm seine Abfälle abzuluchsen. Hier werden nämlich sehr viele Teile vom Fleisch weggeworfen. Die fette Haut und die Knochen enden dann bei uns in einem großen Topf und werden gekocht. Ich flüchte in der Zwischenzeit, denn die Gerüche dieser Zutaten sind nichts für meine feine Städternase. Das Fett wird dann mit Nudeln oder Reis gemischt. 
Und den Knochen, sei er auch noch so riesig, bekommt natürlich Franzi. Dieser wird sodann von ihr in eine weit entfernte Ecke des Gartens abtransportiert und dort vergraben. Franzi freut sich riesig über ihren "geheimen" Coup, wir sehen ihr aber an der Nasenspitze an, was sie gerade gemacht hat. 


Von Zeit zu Zeit gräbt sie einen ihrer Schätze wieder aus und nagt an ihm stundenlang mit Genuß. Kommt man nur in ihre Nähe, wird der Schatz streng bewacht. Wenn sie aber einen guten Tag hat, überlässt sie einen ihren Jungen.

Weitere Impressionen:








































Samstag, 14. Dezember 2013


Was mir an den Griechen gefällt:

  • Die Griechen sind sehr freundliche Leute. Man wird (fast) immer nett begrüßt und verabschiedet, wenn man in ein Geschäft kommt. Und wenn man eine gemeinsame Sprache spricht, entwickelt sich gleich ein Gespräch, denn einem Plauscherl sind die Griechen nicht abgeneigt. Es spielt also immer die persönliche Komponente mit. Auch das Sich-Bedanken mit der Hand auf dem Herz finde ich noch immer sehr schön.
  • Außerdem sind die Griechen sehr hilfsbereit. Hat man ein Problem, wird gleich herumtelefoniert, wie es zu lösen sein könnte. Auch sonst ist eine helfende Hand gleich zur Stelle.
  • Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. Obst, Süßigkeiten, selbstgekochtes Essen werden immer gern unter die Leute gebracht. Einmal loben und man bekommt gleich noch etwas geschenkt.
  • Man freut sich auch, wenn der Nicht-Grieche Griechisch spricht (oder es zumindest versucht). Kürzlich packte ich im Supermarkt mein noch spärlich vorhandenes Griechisch aus. Vor lauter Freude bekam ich von der Besitzerin gleich eine Vokabellektion zum Thema Obst und Gemüse. Sie hatte so eine Freude mit mir, daß sie gleich auch noch einige Stücke selbstgebackenen Kuchens aus der Küche holte. Gemerkt habe ich mir vom Gemüse nur die Zwiebeln, denn einer der Nachbarorte hier heißt "Zwiebeln". Daher erwarte ich noch mehr süße Leckerbissen im Laufe meiner sprachlichen Fortschritte, wenn ich dann auch noch "Gurke", "Birne" und "Kraut" auf Griechisch sagen kann.

Neben den Oliven sind auch die Orangen, Riesenzitronen, Mandarinen und Kakis reif geworden! 





Ich habe gehört, daß Griechenland bis vor einiger Zeit einen Vertrag mit Spanien hatte, in dem es sich verpflichtete, große Mengen Orangen von dort zu importieren. Und hier werden sie nach wie vor oft nicht gepflückt und fallen ab. Verrückt!


  



Erdnüsse:

Jetzt weiß ich, warum Erdnüsse so heißen, wie sie heißen. Ich habe am Straßenrand einem Bauern einen Sack Erdnüsse abgekauft. Zu Hause wunderte ich mich dann, warum sie innen so blaß waren. Ein Biß in die Nuß - sie schmeckte wie Erde. Dem Besten aller Ehemänner ist gleich ein Licht aufgegangen: "Die muß man selbst rösten!". Also ab ins Backrohr mit ihnen! Das Timing zwischen nicht ganz durch und verbrannt ist allerdings schwierig. Nächstes Mal kaufe ich sie mir wieder im Supermarkt.




Interessantes urzeitlich aussehendes Insekt an meiner Hauswand - was sagen die Biologen? 



Und was ist eigentlich das? Eine nicht ausgewachsene Gottesanbeterin?




Hier gibt es beim Fleischhauer etwas mehr zu kaufen als immer nur Schnitzelfleisch. Braucht jemand einen Schafskopf? Im Angebot um € 1,-! Oder einen Fuß von der Kuh? Oder ein paar Gedärme? Kali orexi - guten Appetit!





Decken in allen Größen, Mustern und Materialien gibt es jetzt überall zu kaufen!


Auch Handschuhe, aber ich habe bis jetzt keine gebraucht und niemanden mit welchen gesehen.



Regeln in Griechenland:

Man sagt ja, bei uns sei alles überreglementiert. Das ist hier nicht so. Entweder gibt es keine Regeln (was ich aber in den meisten Fällen nicht glaube), oder es gibt Regeln, die man aber nicht kennt, oder es gibt Regeln, die man zwar kennt, aber nicht nicht zur Kenntnis nimmt.
Ich nehme zum Beispiel stark an, daß es in Griechenland ein allgemeines Rauchverbot in Lokalen gibt, denn man sieht überall dieses Zeichen:


Die Realität sieht aber so aus:


Das ist schön für die Raucher, aber schlimm für die Nichtraucher wie mich. 
Andererseits schert sich hier kein Mensch darum, ob man mit fünfzig oder sechzig Sachen durch die Ortschaft fährt, wo eigentlich vierzig vorgeschrieben sind. Das ist wiederum sehr angenehm. Der andauernde Blick auf den Tacho entfällt. Wie sagte doch kürzlich der Beste aller Ehemänner: "Was mir an diesem Land so gefällt, ist, daß noch nie jemand an dieser Stoptafel stehengeblieben ist.".





Bienenkot:

Habt Ihr Euch jemals mit Bienenkot beschäftigt? Also ich nicht - bis jetzt. Vor zwei Wochen hat ein fleißiger Imker in unserer Nachbarschaft Hunderte von Bienenstöcken aufgestellt. Hier ist es ja im Winter ziemlich grün, und es blüht immer etwas, im Moment hauptsächlich gelbe Blumen. Nun ja, Honig habe ich ja sehr gerne. Und irgendwo muß er ja auch produziert werden. Aber wie das so ist - bitte überall, aber nicht bei mir! Man sieht gar nicht so viele Bienen fliegen, aber man sieht ihre Hinterlassenschaften - auf meiner Hose, wenn ich in der Sonne sitze, auf dem geparkten Auto, auf der Terrasse, auf der weißen zum Trocknen aufgehängten Wäsche. Die ist jetzt mit gelben Tupfen verziert. Die Viecher lassen im Fliegen ihre kleinen gelben Würstel fallen, und das sicher noch einige Monate lang! Außerdem hat eine unseren armen Berti-Hundewelpen in die Oberlippe gestochen. Der sah aus wie Homer Simpson und konnte sein Futter fast nicht fressen mit seinem geschwollenen Maul. 
Ich habe im Internet recherchiert. In Deutschland hat so ein geplagter Nachbar vor Gericht nicht Recht bekommen. Ich will natürlich nicht klagen, aber nächste Saison soll sich der Imker bitte eine andere Nachbarschaft aussuchen!








Die Weihnachtsdeko wird erst gegen Mitte Dezember aufgestellt - sehr wohltuend!





Warum die Ortstafel von Papoulia ausgerechnet am Friedhof gelandet ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Theorie des Besten aller Ehemänner: "Wahrscheinlich liegt da einer, der an die Tafel angefahren ist und tot war, die Tafel hat aber nicht mehr ins Grab hineingepasst."