Freitag, 23. Januar 2015

Ein Grieche denkt anders

bzw.

Wir denken offensichtlich anders als die Griechen

Ein Grieche fragt mich, ob ich ihn bis zum nächsten Ort mitnehmen kann, sein Auto ist in der Werkstatt. 
Er steigt ein und sagt "Wow, das Auto ist ganz neu!" 
Ich "Nein, schon fünf Jahre alt." 
Er "Tatsächlich, und da ist es so sauber?"
Ich persönlich hätte ja immer gedacht, daß man einfach nur zu putzen braucht, um etwas sauber zu halten, aber diese Methode dürfte sich noch nicht überall herumgesprochen haben.



Flugangst:

Flugangst ist ja am Balkan weit verbreitet, so auch unter den Griechen. Kürzlich saß ein netter griechischer Herr im Flieger nach Athen neben mir. Kurz vor dem Start bekreuzigte er sich, danach noch einmal und danach noch einmal. Da wurde sogar mir alter Flugtante schon ganz anders. Es wird doch wohl alles gut gehen? Wir erhoben uns in die Lüfte, aber der nette Herr saß wie zur Salzsäule erstarrt auf seinem Sitz, den Blick starr geradeaus gerichtet. Es hatte ihn doch nicht der Angst-Schlag getroffen? Aber nein - kaum hatten wir die Reiseflughöhe erreicht und es ertönte der kurze Gong, erwachte er plötzlich zum Leben und wurde fast wieder er selbst. Trotzdem hat er vor lauter Nervosität sein Essen nicht hinunter bekommen (ja, es gibt noch Fluglinien, wo man etwas zu essen bekommt!). 
Ab dem Sinkflug vor der Landung fing die ganze Prozedur wieder von vorne an. Das letzte Bekreuzigen fand nach dem geglückten Aufsetzen der Maschine statt. Ich hoffe, der nette Herr gehört nicht zu jenen, die auch beim Vorbeifahren an jeder Kirche, Kapelle und jedem Marterl das Kreuz schlagen, denn dann hat er während Heimatferien viel zu tun ….


Apropos Marterl:

Immer, wenn einer mit dem Auto in den Graben fährt - und das scheint oft zu sein - wird an der Stelle, wo das Unglück passiert ist, ein Marterl aufgestellt. Über die Griechen und das Autofahren habe ich mich ja an früherer Stelle schon ausgelassen - die seltene Verwendung des Blinkers, die dafür exzessive Verwendung der Warnblinkanlage, die glatzerten Reifen, das Mysterium des Vorrangs und des Kreisverkehrs, all das führt zur häufigen Errichtung der kleinen Häuschen am Wegesrand.
Meine nicht griechische Freundin war von den kleinen Häuserln so angetan, daß sie auch eines wollte - für sich selbst zu Hause im Garten oder so, und natürlich ohne Todesfall. Da ist ihr aber der griechische Verkäufer der Fertigmarterl in die Quere gekommen, denn der hat nicht eingesehen, warum man sich so etwas freiwillig in den Garten stellt, und hat sich schlichtweg geweigert, ihr eins zu verkaufen. Umsatz hin oder her!








Und das bringt mich gleich zu den Kapellen:

Fertighäuser gibt es meines Wissens nicht in Griechenland. Aber Fertigkapellen stehen abholbereit am Straßenrand. Falls also jemand mal eine braucht - ich könnte eine vermitteln …





Verbreitete griechische Ansichten:

"Ein Hund wird blind, wenn er Zucker frisst." Hatte ich vorher noch nie gehört. Außerdem kenne ich Hunde, die täglich Kuchen fressen, und die sind noch immer nicht blind. Meine Recherche hat ergeben: ein Hund kann von größeren Mengen Schokolade sterben, weil Theobromin auf ihn giftig wirkt. Blind wird er aber nicht.

"Schlangen können Hausmauern hinaufkriechen." Gesehen habe ich das auch noch nie, aber ich wohne ja auch in keiner so schlangenreichen Gegend. Laut meiner Recherche können Schlangen Mauern hinaufklettern, wenn es Ritzen gibt oder Spalten, aber auf einer ganz glatten Mauer geht das nicht.

"Die Griechen müssen so viele Steuern zahlen." Steuern hat es immer gegeben, aber auch viel Kreativität, um diese zu umgehen. Damit ist es nun teilweise vorbei. Und damit die Steuern auch wirklich bezahlt werden, gibt es nun strengere Regeln und höhere Strafen bei Nichtbezahlung. Manches davon ist für uns eher skurril. Zum Beispiel die KFZ-Steuer. Sie muß einmal im Jahr auf der Post einbezahlt werden, und zwar zwischen 22. Dezember und 5. Jänner. Dann steht das ganze Land auf der Post Schlange. Die Beitragshöhe bezieht sich wie bei uns auf die Stärke des Motors. Wer aber ein neues Auto im Dezember kauft, bezahlt für das Jahr genauso viel wie der, der im Jänner kauft. Ich nehme einmal an, dass im Dezember die Autoverkaufszahlen nicht nicht gerade einen Höhenflug hinlegen. Wer zu spät dran ist mit dem Einzahlen, bezahlt die doppelte Steuer. Viele zahlen aber auch gar nichts, und es hat leider keine Folgen. Nur für die Unfallopfer, die von solchen Personen geschädigt werden…



Auf dem Finanzamt:

Ich begleite meine Freundin Maria aufs Finanzamt. Sie hat ein paar Dinge dort zu erledigen und tritt diesen Weg schon mit etwas Nervosität an. Vor dem Eingang schickt sie einen flehentlichen Blick gen Himmel und sagt "Gott hilf mir!".
Also rein ins Amt! Zwei sehr positive Dinge fallen mir gleich auf: Erstens, es ist eingeheizt. Das ist nicht selbstverständlich. Aber das Finanzamt ist in Kalamata und da wird beim Heizen generell nicht so gespart wie auf dem Land. Und auch wenn alle Steuern direttissima an die Deutschen geschickt werden (die böse Frau Merkel), dürfte doch noch etwas für die Heizung übrig geblieben sein.
Zweiter positiver Punkt: es gibt keine langen Schlangen und die Wartezeiten sind sehr human. Aber wer geht hier auch schon freiwillig aufs Finanzamt?
Der richtige Schalter ist rasch gefunden, aber der Finanzbeamte schaut sehr streng. Noch ein kurzes Stoßgebet, vielleicht hilft's. Er verlangt die notwendigen Dokumente, um dann ein sehr wichtiges Papier ausstellen zu können - die Bescheinigung, dass man dem Finanzamt nichts schuldig ist und dass alle Steuern bezahlt sind. Ohne dieses Papier ist man bei vielen Unternehmungen kaum handlungsfähig, zum Beispiel beim Verkauf eines Hauses oder der Gründung einer Firma.



Maria legt alles vor, und dann folgt ein längerer Blick in den Computer. Der Beamte kritzelt ein paar Zahlen auf das von Maria ausgefüllte Formular und erklärt ihr, dass sie eine Steuerschuld von €154 hat, und zwar aus 2010. Meine Freundin kann es nicht glauben, hat sie doch damals eine Steuerberaterin angeheuert und bezahlt, um sich darum zu kümmern. Wie dem auch sei, die Schuld über ursprünglich €40 ist innerhalb der letzten Jahre mit Zinsen auf €154 angewachsen. Maria war ja geistig schon auf alles vorbereitet, und so ist sie nun auch willens, ihre alte Schuld zu bezahlen. Das soll sie am Schalter neun tun.
kreativer Wegweiser zum Schalter 9

Dort angekommen, gibt es zwar einen Schalter am Gang, es stellt sich aber heraus, dass man in das Büro hineingehen muss. Ich bleibe draußen und schaue mir das Schauspiel von dort an. Ein bisschen warten, dann eine kurze Diskussion mit der Dame am Schreibtisch, dann weiter zur anderen Dame auf der anderen Seite des Büros, dann zurück zur ersten. Zwischendurch wird noch der Kollege befragt, der aber gerade mit der Reparatur des Druckers beschäftigt ist. Er stellt den Drucker auf den Kopf, schüttelt ihn in allen Richtungen, bis viel Schmutz und ein seit einem Jahr verschollenes Lineal herausfallen, und begutachtet dann sein Werk. Dazwischen eine kurze Info an meine Freundin, welche daraufhin das Stockwerk wechselt und dort ihr Glück im Bezahlen ihrer Schuld versucht. Ich gehe nicht mit und schaue mir inzwischen alles an. Am Gang sind die alten, ausgemusterten Drucker und Kopierer abgestellt, ein zerlegter Kasten, ein wunderschöner antiker Schreibtisch (wen muss man bestechen, um den zu bekommen?), und die alten Akten stehen sozusagen zur freien Entnahme in den Regalen. Das zum Thema Datenschutz.




Nach zwanzig Minuten kommt Maria und ist den Tränen nahe. Sie darf ihre alte Schuld nicht bezahlen. Sie muss zuerst eine Erklärung abgeben, warum sie für dieses Jahr nicht bezahlt hat. Die Tatsache, dass ihre damalige Steuerberaterin die Daten zwar im Computer eingegeben, aber nie richtig abgeschickt hat, hilft ihr nicht weiter. Und die Chancen, dass diese den von ihr verursachten Schaden bezahlt, gehen gleich null. 
Maria hat nun eine neue Steuerberaterin und macht in ein paar Tagen einen neuerlichen Anlauf beim Finanzamt. Viel Glück!

Heiliger Xerox, steh uns bei!
Die Kaffeeversorgung der Beamten funktioniert einwandfrei



Und hier wieder ein paar Stimmungsfotos:





















Samstag, 10. Januar 2015

Die Oliven werden wieder geerntet:

Ab Oktober ist wieder Olivenerntezeit. Da wird alles andere hintangestellt. Manche Taverne hat erst am Abend geöffnet, und der Wirt sieht schon etwas ermattet drein, und auch manch andere Dienstleistung ist nur ab 18 Uhr zu haben. Am Wochenende rückt die gesamte Familie in den Olivenhain aus und holt so viele Oliven wie möglich von den Bäumen. Manch einer ist für jeden Regentag dankbar, denn da fällt die Ernte Gott sei Dank aus. 
Hilfe kommt von den vielen ausländischen Arbeitern. Albaner und Bulgaren reisen für die Zeit der Ernte an. Pakistaner und Bangla Desher sind ursprünglich für den Bau der Sportstätten für die Olympischen Spiele oder großer Hotelprojekte ins Land gekommen. Die meisten sind nicht legal im Land. Unglaublich, dass man hier sogar Großprojekte mit Legionen von Schwarzarbeitern umsetzen kann. Und wenn die Polizei einen Schwarzarbeiter erwischt, wandert dieser einmal ins Gefängnis. Und der Arbeitgeber muß angeblich eine Strafe von € 10.000 zahlen. Das würde mich jetzt schon interessieren, ob die großen Baufirmen das je bezahlt haben….





Die Traum-Autobahn:

Vor einiger Zeit fuhr ein griechischer Freund mit uns im Auto auf der Autobahn mit. Als der Beste aller Ehemänner es einmal laufen lassen wollte und die 130 km/h überschritt, wurde unser Freund ängstlich und nervös. Kein Wunder, der Peloponnes ist nicht gerade mit vielen Autobahnen gesegnet, und auf den normalen Straßen geht es üblicherweise ständig bergauf und bergab und um die Kurve. Von schnellem Fahren kann da keine Rede sein. Aber das Fahren auf der Autobahn ist ein Traum, denn sie ist so gut wie leer. Muß man denn auch horrende Mautgebühren bezahlen. Einmal Kalamata - Athen und wieder zurück (drei Stunden pro Strecke nach Fahrweise des Besten aller Ehemänner) kostet satte € 33. Für viele Griechen einfach zu viel in der Krise. Fast jeder Athener hat ein Haus irgendwo auf dem Land (oft in seinem Heimatdorf). Das Haus ist nach unserer Auffassung öfters eher eine Gartenhütte, aber für den Sommer tut sie es auch. Nur soll jetzt Benzin und Maut bezahlt werden, um in das Haus zu kommen. Da bleibt dann kein Geld mehr zum Leben. Deswegen sind viele dieser Gebäude verwaist. 
Aber zurück zur Autobahn. Die Maut ist nicht bei der Ausfahrt zu bezahlen, sondern man muß auf der Strecke circa acht Mal stehen bleiben, um seinen Obolus zu leisten. Dafür redet die Dame im Mauthäuschen auch schon mal mit bei der aktuellen Diskussion im Auto. Und siehe da, bei der Rückfahrt sitzt sie im Häuschen in die andere Richtung und freut sich über ein Wiedersehen. Aber nicht nur mit freundlichen Damen hat man es zu tun. Wenn es blöd hergeht, steht schon mal ein Schaf auf der Autobahn. Auf der Fahrbahn habe ich bis jetzt noch keines gesehen, aber einen Meter daneben schon. Der Schäfer fand offensichtlich das Gras direkt neben den Autos am nahrhaftesten für seine Schützlinge.




Der Böse Blick:

Die blauen Glasaugen gegen den Bösen Blick sind ja allen Griechenland- und Türkei-Urlaubern bestens bekannt. Bis jetzt habe ich diese für eine Tradition gehalten, mit der es nicht viel auf sich hat. Das blaue Glasauge ist ja hübsch anzusehen und macht sich ganz gut auf dem Innenspiegel des Autos. Aber weit gefehlt! Den Bösen Blick gibt es wirklich, zumindest im Glauben vieler Leute hier. Meine Freundin, eine ansonsten ganz vernünftige Mittdreißigerin, glaubt doch tatsächlich an ihn! Zuerst dachte ich, sie zieht mich auf, aber dann wurde mir schön langsam bewusst, dass sie eine ziemlich ernste Miene bei ihren Erklärungen machte.
Also - was ist der Böse Blick eigentlich? Den bekommt man von jemandem Missgünstigen. Aber diese Person denkt sich nicht "Jetzt schicke ich der anderen Person den Bösen Blick hinüber", sondern das geht ganz unbewusst. Und der oder die Missgünstige sagt vielleicht sogar noch etwas Nettes zu einem. Aber die mit dem Bösen Blick bedachte Person fühlt die negativen Strömungen, die da daherkommen. Sie bekommt zum Beispiel Kopfweh und es wird ihr flau im Magen. Besonders in Acht nehmen muss man sich vor Menschen mit zusammengewachsenen Brauen oder stahlblauen Augen, die sind speziell gefährlich, von ihnen geht besonders oft der Böse Blick aus.
Nun - was tun gegen den Bösen Blick? Zunächst einmal das Auge mitführen! Das gibt es zum Beispiel als Schlüsselanhänger oder als Schmuck und hilft schon einmal. Weitere beliebte Methoden sind eine Knoblauchzehe in der Hosentasche, ein Kohlenstrich hinter dem Ohr oder ein offener Hemdknopf. Dann sieht man nicht perfekt aus (oder riecht nicht perfekt) und ruft dadurch weniger Neider auf den Plan. Sich drei Mal anspucken lassen (wenn geht, ohne Spucke) hilft auch. Und dann gibt es noch das Gebet. Die griechisch-orthodoxe Kirche bestätigt übrigens die Existenz des Bösen Blicks! Das Gebet gegen den Bösen Blick kann man nur einmal im Jahr lernen, nämlich am Karfreitag, wo einen jemand einweiht. Braucht man es schon vorher während des Jahres, hat man Pech gehabt, man muss warten. Und nach dem Lernen merkt man es sich dann besser!
Auch der Lebensgefährte meiner Freundin glaubt an den Bösen Blick, er bekommt Migräne. Und da meine Freundin eine ganz Nette ist, betet sie für ihn. Sie merkt auch gleich, wenn es wirkt. Denn dann tränen ihr nämlich die Augen und sie muss gähnen. Ihr Mann bringt die ganze Prozedur insofern zu Ende, indem er die Unterwäsche wechselt und sich das Gesicht wäscht, aber von unten nach oben! 
Als ich diese Ausführungen zum ersten Mal gehört habe, musste ich von Herzen lachen (was natürlich nicht den Bösen Blick auslöst), und der Beste aller Ehemänner meinte, dass er immer schon gewusst hätte, dass die Griechen fünfzig bis siebzig Jahre hinten wären, aber in diesem Fall seien sie ja sogar fünfhundert Jahre hinten! Siehe Hexenverbrennung und so. 

Vor einem Jahr hat er übrigens noch gemeint, die Griechen wären dreißig bis fünfzig Jahre hinten. Vor zwei Jahren waren es noch zwanzig bis dreißig Jahre. Mir scheint, der Zeitraum wird umso länger, je länger man hier lebt.

raffinierte Kombination aus Auge und weiteren Glücksbringern


Die Stare sind da!

Pünktlich am 1. Jänner waren sie da und ich traute meinen Augen nicht! Vor meinem Haus flog ca. 20 Minuten lang ein unendlicher Schwarm an Staren vorbei. Ich konnte es nicht glauben, es kamen Unmengen von ihnen vorbei. Leider flogen sie unterhalb des Hauses und haben sich nicht viel von den grünen Feldern abgehoben, daher auch keine guten Fotos. Jedenfalls mußte ich gleich an Hitchcocks "Vögel" oder einen Heuschreckenschwarm denken, es war aber nicht bedrohlich, nur unglaublich anzusehen. Meine Schätzung lag bei einer Million Tiere. Und auf einer Ornithologen-Website habe ich dann nachgelesen, dass die Schwärme tatsächlich bis zu einer Million Vögel beinhalten können. 
Einige von ihnen sind nicht weitergezogen, sondern haben sich entschlossen, hier zu bleiben. Hauptsächlich nach Sonnenaufgang und in der Abenddämmerung, aber auch tagsüber ziehen sie in ihren Formationen über die Hügel, lassen sich zwischendurch auf den elektrischen Leitungen nieder und zwitschern wild drauf los. Leider hat inzwischen auch die Jagdsaison begonnen und hin und wieder knallt es, und ein Vogel mehr wird nicht aus seinem Winterquartier zurückkehren.
Die süßen kleinen Bachstelzen sind schon länger hier, und auch die Flamingos werden wohl wieder in der nahegelegenen Lagune überwintern. Die kann ich diesen Winter nicht besuchen, dafür kann ich nicht gut genug gehen. Aber welche Wohltat es ist, die Natur im Winter so lebendig zu sehen!









Neujahrsglück:

Zum neuen Jahr wünscht man einander auch hier viel Glück, man braucht aber auch Glück, dass man nicht gleich eine ordentliche Rechnung beim Zahnarzt aufreißt. Denn allerorts kann man Neujahrskuchen kaufen, in denen Glücksmünzen eingebacken sind. Die gute Hausfrau (hier wohl eher nicht der gute Hausmann) macht den Kuchen natürlich auch selbst. Als nicht wissender Ausländer kauft man nichtsahnend den Kuchen und beißt dann vielleicht gleich auf die Münze. Zum Glück waren wir aber vorgewarnt, und den Besten aller Ehemänner hat es getroffen, er hat jetzt hoffentlich für dieses Jahr das Glück gepachtet. Aber eigentlich war er gleich enttäuscht, denn als guter Kaufmann machte er folgende Rechnung: der Kuchen kostet € 12, und eine € 2-Münze ist eingebacken, also muss man nur € 10 ausgeben. Aber siehe da, es war doch glatt eine falsche Münze!
Das erste Stück des Kuchens gehört übrigens dem Weihnachtsmann, das zweite dem Haus, in dem man wohnt, und ab dem dritten Stück dürfen die Bewohner des Hauses zuschlagen. Aber danach wandern das Weihnachtsmann- und das Haus-Stück doch noch in die Mägen der Hausbewohner.





Der Weihnachtsmann:

Das Christkind kommt hier nicht, sondern der Weihnachtsmann. Und der kommt eigentlich erst am 1. Jänner, denn da hat er hier Namenstag. Deswegen sind die Geschäfte zwischen Weihnachten und Neujahr voll mit Leuten, und die tauschen nichts um oder lösen Gutscheine ein. Nein, sie besorgen erst die "Weihnachts"geschenke.







Und das bringt mich gleich zu den Namenstagen:

Der Geburtstag ist hier nicht wichtig. Gefeiert wird der Namenstag. Und nachdem hier immer wieder dieselben Namen kursieren, hat dann praktisch das halbe Land zugleich Namenstag und feiert, zum Beispiel die Giannisse, die Giorgiosse, die Panagiotisse (gesprochen Jannis/Hans, Jorgos/Georg, Panajotis/Peter). Wenn man Namenstag hat, erwartet man üblicherweise Freunde, man lädt sie aber nicht ein, denn sie wissen ja von sich aus, wie man heißt und wann die Namenstage sind (vermutlich heißt mindestens einer in der Familie genauso). Man stellt sich also darauf ein, dass den ganzen Tag Gratulanten vorbeikommen und bereitet Imbiss und Umtrunk vor. Und wenn man allen seinen Freunden und Verwandten, die Giannis heißen, gratulieren will, fängt man am besten schon früh genug an. Meistens hört man aber erst früh wieder auf. 


Und warum heißen die alle gleich?

Die Tradition besagt, dass die ersten Kinder nach den Großeltern väterlicherseits, danach nach den Großeltern mütterlicherseits benannt werden. Nachdem auch in Griechenland die Großfamilie inzwischen mehr oder weniger ausgestorben ist, bleiben danach nicht mehr viele Möglichkeiten, seine  Kinder zu Jennifers und Justins zu machen. Das ist einerseits sehr beruhigend, andererseits doch etwas langweilig.


Und warum haben die alle trotzdem so viele Verwandte?

Wenn die Familien hier auch nicht größer sind als bei uns, warum haben sie dann alle so viele Onkel, Tanten, Cousins und Cousinen? Weil man hier auch entfernte Verwandten als Familie sieht. Da gibt es die Tanten und Cousins ersten, zweiten und dritten Grades. Und die kennt man auch. Während ich mir nicht sicher bin, dass ich alle meine Cousinen und Cousins auf der Strasse gleich erkennen würde.


Und noch einmal viel Glück:

Am Dreikönigstag treten hier zwar keine Könige auf wie bei uns, aber es gibt ein spektakuläres Schauspiel zu bestaunen - die Segnung des Wassers. Ein Kreuz muss aus dem Meer geholt werden. Und zwar von jungen Männern, die dem Kreuz hinterher springen, das der Oberpope (sage ich jetzt einmal so leger) am Hafen ins Meer wirft. Derjenige, der es herausholt, wird eine Menge Glück im Neuen Jahr haben.

Es weht eine steife Brise an diesem Tag. Drei Grad mit eisigem, starkem Wind. Gefühlte null Grad oder weniger.



Die diversen Würdenträger treten in Aktion.



Nein, das sind nicht die Heiligen Könige, das sind die Ministranten. Und nein, nicht diese Kreuze werden ins Wasser geworfen.



Und geschummelt wird auch. Das Kreuz ist aus Holz und kann so nicht untergehen. Der Verlust eines goldenen Kreuzes wird natürlich nicht riskiert. Nachdem aber vor ein paar Jahren sogar das Holzkreuz irgendwie verloren gegangen ist, hängt es nun an einer Schnur. Im Hintergrund ist bereits der erste tapfere Schwimmer zu sehen.



Und da springen sie schon!



Ein Fischerboot nebelt uns ein und tutet.



Ein kurzer Kampf ums Kreuz …..



… und schon wird es an Land gebracht.



Schnell raus aus dem Wasser mit den Helden!




Die Prozession geht mitsamt Blasmusik einmal rund um den Hauptplatz weiter.





Und dann ab ins Kaffeehaus!



Kältewelle:

Ungefähr alle zehn Jahre bricht eine Kältewelle übers Land, und ich durfte sie gleich miterleben (ich hätte aber auch gern darauf verzichtet).
Es begann damit, dass eines Morgens die nahegelegenen Hügel angezuckert waren und das 60 km entfernte Taygetos-Gebirge tief im Schnee versunken war.





Dann folgte der Nordsturm. Es pfiff wild ums Haus, und die Hunde wurden kurzfristig obdachlos, weil ihnen die Hütte von der Terrasse geweht wurde.



Danach kam die Sonne, aber auch der Frost in der Nacht. Glatteis auf der Straße ist ja eher ungewöhnlich für das südliche Griechenland. Und den Garten hat es leider getroffen, der viele seiner Blüten einbüßen mußte. Auch die Bananen haben ein trauriges Bild abgegeben.




nachher
vorher















Jetzt ist alles wieder vorbei, und hoffentlich dauert es wieder mindestens zehn Jahre bis zur nächsten Hundekälte!