Dienstag, 25. März 2014

Vergiftete Idylle:




Der Winter hier ist ja wunderbar. Durch den Regen grünt und blüht alles, und das bliebe auch noch eine Weile so, wären da nicht die Bauern, die, bewaffnet mit Giftfässern und Gesichtsmasken, auf die Felder ausrückten, um Unkrautvernichter zu sprühen. Es soll kein hohes, dürres Gras auf den Feldern stehen, denn dadurch steigt die Brandgefahr. Das ist ja einzusehen und auch wichtig. Aber wie wäre es mit Umackern oder Mähen? Giftsprühen geht halt schneller, und viele Bauern sind nicht gerade gebildet, und es ist ihnen daher egal, daß das Ganze ja auch in den Boden geht. Das Gift ist eigentlich in der ganzen EU verboten, wird aber in Deutschland noch immer produziert und nach Griechenland geliefert. Das erinnert mich irgendwie daran, daß trotz aller Kürzungen das Militärbudget des Landes nicht angetastet wurde. Schließlich wollen Deutschland und Frankreich ja ihre Rüstungsmaterialien an den Mann bringen.
Das Leitungswasser hier macht einigen Menschen Probleme, und so trinken viele nur Wasser aus der Flasche.
Ich habe auch von einer viel spazieren gehenden Frau mit Hund gehört, beide leiden unter Atemproblemen.
Und angeblich sterben hier einige Bauern schon in ihren Fünfzigern.
Ich bin keine Agrar- und Spritzmittelexpertin, aber das sind die Dinge, die man hier so zu dem Thema hört ….







Und hier wieder ein paar Eindrücke:





















































Kleiner Dorfrundgang:

Diese Kirche ist eindeutig das schönste Gebäude im Dorf. Hier errichten ja Privatpersonen Kirchen in großer Anzahl - in Gärten, Olivenhainen, auf Firmenarealen. Die Kirchen gehen von ganz klein bis zu ganz schön groß. Sogar Fertigkirchen habe ich schon gesehen neben der Autobahn nach Athen. 



Dieses Auto parkt hier offensichtlich schon längere Zeit und wird es vermutlich auch noch in Zukunft. Vielleicht wächst es ja einmal komplett zu.




Ich nehme an, der Müllcontainer ist kein Opfer von blinder Zerstörungswut geworden, sondern nur Opfer von Sorg- und Hirnlosigkeit. Jemand hat vermutlich seine Zigarette auf das Papier im Container geworfen. So steht er hier nun zum Ärger von nur ganz wenigen Leuten im Dorf und wird nicht abgeholt oder ersetzt.


Katzen wohnen hier in rauen Mengen!



Früher bestanden die Dörfer aus alten Steinhäusern. Restauriert wie dieses werden leider nur wenige. 


Die meisten werden ihrem Schicksal überlassen.



Dieses Boot wurde hier vor Jahren von einem Ausländer geparkt, der eigentlich gar nicht hier gewohnt hat. Als ihm das Geld ausging, wollte er es verkaufen, konnte aber nicht, weil er die Papiere nicht mehr finden konnte. Seitdem steht es hier, und es wachsen schon Sträucher auf ihm.



Die zwei Geschäfte im Dorf - geöffnet auch sonn- und feiertags.





Erdbeben:

Erdbeben habe ich schon zwei erlebt. 1986 hat ja eines Kalamata komplett in Schutt und Asche gelegt. Das erste hier habe ich im Bett erlebt. Die Kastentüren haben ein paar Sekunden lang geklappert. Beim zweiten war ich in einem wichtigen Meeting mit vielen Leuten, es hat gerumpelt, aber keiner hat ihm Beachtung geschenkt, die Diskussion ging einfach weiter.
Die Häuser hier sind übrigens erdbebensicher gebaut. Es werden Betonskelette mit viel Eisen errichtet, bevor darin die Wände aufgezogen werden.



Sonntag, 9. März 2014

Fasching:

Der Fasching wird hier groß gefeiert. Am Faschingssamstag steigen überall Partys und es erwachen auch Lokale zum Leben, die ich sonst bis jetzt nur geschlossen gesehen habe. Der Faschingsmontag ist sogar ein Feiertag. In vielen Orten gibt es Umzüge. Den im nächsten Ort habe ich versäumt, denn es hat in Strömen geregnet. Ich habe aber danach noch ein paar Wägen des Umzugs gefunden ….






Sogar Faschingskrapfen gibt es. Sie sind nur halb so groß und nicht mit Marillenmarmelade gefüllt, und noch dazu gratis beim Bäcker.



In der darauf folgenden Fastenzeit werden viel Gemüse und Meeresfrüchte gegessen, denn die Speisen sollen kein Blut und keine Milch beinhalten.

Archäologie in Obststeigen:

Vor einiger Zeit beschloss ich, das Archäologische Museum aufzusuchen, um mich über die örtlichen Funde kundig zu machen. Dabei stieß ich auf einen Herrn, der im Freien Scherben zu einem Krug zusammensetzte. Er erzählte mir, daß er mehr oder weniger nur noch ein archäologischer Tagelöhner sei, der durchs ganze Land ziehe, um jeweils für einige Wochen schlecht bezahlte Arbeit zu finden. Er verwies mich an einen deutschen Kollegen, den ich auch im Museum fand. Dieser hat fünf Jahre eine Notgrabung geleitet, und zwar auf dem riesigen Gelände des jetzigen Luxushotels Costa Navarino. Die Scherben versucht er jetzt zusammenzusetzen. Das ist Arbeit für Jahre. Er ist umgeben von unzähligen meterhoch aufgestapelten Türmen von Obststeigen, in denen die Scherben gelagert sind. Fotografieren durfte ich die Obststeigen nicht, dazu hätte ich eine Genehmigung des Ministeriums gebraucht. Und es soll ja vor der wissenschaftlichen Publizierung nicht an die Öffentlichkeit dringen, was alles gefunden wurde, obwohl ich ja eh nur die Obstkisten fotografieren wollte. Der deutsche Herr ist übrigens in Wien angestellt. Die Griechen haben natürlich kein Geld mehr für die Archäologie, die Deutschen haben inzwischen auch schon des öfteren aufgegeben, aber die Wiener Akademie hat noch Geld. Mal sehen, wie lange noch 





Geschichten von der Krise - Teil 1:

Warum ein Hotel daran Schuld ist, daß ich kein Heizöl bekomme:

Der Tankstellenbesitzer kann meinen 800l-Öltank nicht befühlen, weil er kein Geld hat, das Öl vorzubestellen (in Wirklichkeit Diesel fürs Auto, denn das kostet hier gleich viel, ist aber besser in der Qualität). 800l verkauft eine Tankstelle in Österreich vermutlich in einer halben Stunde. Wie kommt es, daß er kein Geld hat? Er hat vor der Krise ein Hotel gekauft, und zwar mit einem Kredit von der Bank. Die Bank hat den Kauf zu 100% finanziert Seit zwei Jahren kann der Mann nun seinen Kredit nicht zurückbezahlen, hat alle Zahlungen an die Bank eingestellt und bekommt infolge dessen auch kein Geld mehr. Nun hat er sich an einen von sechs Anwälten in Griechenland gewendet, die Kreditnehmer vertreten, die nicht mehr bezahlen können oder wollen. Der Anwalt habe ihm geraten, gar nichts mehr zurückzuzahlen, die Chancen stünden gut, daß die Bank eines Tages gar nichts mehr von ihm fordern würde.

Warum ein junger Installateur vermutlich bald keine Ölheizung mehr reparieren kann:

Der Installateur erzählte kürzlich, daß er schon seit ewigen Zeiten weder ein Service noch eine Reparatur einer Ölheizung gemacht hat. Im Winter viel eingeheizt hat man hier nie, aber jetzt verheizen die Leute bestenfalls Holz. Das Öl können sie sich nicht mehr leisten.

Die Geschichte geht weiter 

Erinnert Ihr Euch noch an den Tankstellenbesitzer, der kein Öl liefern konnte, weil er es nicht vorfinanzieren konnte? Nun, als er es letztendlich dann doch lieferte, hatte er wieder nicht die bestellte Menge mit, und noch dazu hatte er seinen Zähler manipuliert. Als der Beste aller Ehemänner das bemerkt hat (leider erst, nachdem der Öllieferant wieder abgefahren war), wurde er fuchsteufelswild, hat die Tankstelle aufgesucht und die Summe zurückverlangt, um die wir beschissen wurden, und ist letztendlich mit der Hälfte der Summe nach Hause gekommen. Der Tankstellenbesitzer hat dann aber offensichtlich nachgedacht, daß ihm dadurch ein Kunde abhanden kommen könnte und dieser die Geschichte ja sogar noch anderen Ausländern weiter erzählen könnte - den fast einzigen, die im Moment gute, liquide Kundschaft sind. Deshalb durfte der Beste aller Ehemänner sich noch zusätzlich einen Hochdruckreiniger aussuchen, den es auch auf der Tankstelle zu kaufen gibt. Der Beste aller Ehemänner - wieder zu Hause mit der Schachtel eingetroffen, stellt fest, daß Teile von dem Gerät fehlen. Er fährt wieder zurück und will sich die fehlenden Stücke aus einer anderen Schachtel herausnehmen, aber - siehe da - auch diese sind schon ganz zerfleddert und nur noch bruchstückhaft vorhanden. Der Tankstellenbesitzer hat versprochen, die fehlenden Teile innerhalb einer Woche zu besorgen ……





Und hier kommt die Fortsetzung:

Öl haben wir, aber die Heizung funktioniert trotzdem nicht. Jetzt muß der Installateur her, und zwar der beste, der auch prompt kommt. Er soll das Ganze zum Laufen bringen und die Heizung richtig einstellen. Also, Messgeräte hat er mal keine, er arbeitet nach Gefühl, und auch Werkzeug dazu borgt er sich vom Besten aller Ehemänner aus. So ein Heizungsbrenner hat ja allerhand Schrauben, da kann man einmal ein bißchen herumdrehen. Lieber heraus- oder hinein drehen? Er entscheidet sich für heraus. Dann noch ein paar Schläuche montieren, von denen der Beste aller Ehemänner aber in Erinnerung hat, daß sie vorher anders angebracht waren. Dann noch ein Glas herausnehmen. Letztendlich läßt er sich vom Besten aller Ehemänner überzeugen, daß er es doch anders machen soll, und die Heizung legt einmal los. Nun kommt der Abgastest. Bei uns würde jetzt einer eine Sonde in das Heizungsrohr stecken. Hier aber läuft der Installateur zig Mal nach draußen, um zu kontrollieren, wie der Rauch aussieht, der aus dem Rauchfang kommt. Aufregend - wie im Vatikan! Ist er schwarz oder ist er weiß? Kommt viel oder wenig? Kommt überhaupt etwas? Irgendwann ist er mit dem Rauchergebnis zufrieden (Habemus papam!) und zieht von dannen. Honorar verlangt er fast keines. Irgendwie ist nämlich ersichtlich, daß er vielleicht nicht den vollen Durchblick hat. Eine halbe Stunde später gibt die Heizung wieder den Geist auf ….


OSCAR sitzt im Keller und heizt uns leider nicht ein

Habemus papam, aber keine Wärme!



Sonntag, 2. März 2014

Wer glaubt, er müßte nach Afrika oder zumindest in den Kaukasus, um mit dem Auto ein Flussbett durchfahren zu müssen, der irrt. Auch in Methoni bekommt man dieses Spektakel schon geboten. Mein Mucki hat es tapfer geschafft und wurde nicht ins Meer geschwemmt!
Im Hintergrund übrigens die riesige Festung von Methoni!




Die etwas andere Art der Postzustellung und -versendung:

Kürzlich wurde ich gefragt "Wie ist Deine genaue Adresse? Ich schicke Dir mal einen Brief!". Tja, das ist gar nicht so einfach. Man weiß den Namen des Dorfes, zu dem man gehört, aber einen Straßennamen gibt es nicht, auch keine Hausnummer. Es gibt nun zwei Möglichkeiten, zu seiner Post zu kommen:
Man nimmt sich ein Postfach im nächstgrößeren Ort und schaut zwischendurch immer mal vorbei. Das ist aber nicht so einfach, denn es gibt einen Mangel an Postfächern. Die Hoffnung besteht allerdings in der Krise, denn ohne Postfach spart man sich immerhin € 50 pro Jahr, und vielleicht gibt jemand sein Postfach aus finanziellen Gründen auf.



Die andere Möglichkeit besteht in der kostengünstigeren Variante, sich die Post ins Dorf liefern zu lassen, aber nicht zu seinem Haus, was ja ohne Straße und Hausnummer schwierig ist, sondern in die "Poststelle". Das kann die örtliche Taverne sein oder der Greißler, wo alle Post fürs Dorf in eine Box kommt. Man geht dort vorbei und sucht sich seine Post heraus. Das ist natürlich hochinteressant, denn so weiß man immer auch gleich, wer sonst noch im Dorf Post von wem bekommt.

Greißler und Poststelle

Und wie verschickt man eigentlich Post? Der beste Tip dafür ist wahrscheinlich ein Postamt. Briefkästen gibt es zwar auch, aber deren Leerung verläuft etwas inkonsequent. Der Beste aller Ehemänner hat einmal Post in einen Postkasten eingeworfen. Die Karte kam nach ca. zwei Monaten in Österreich an. Abgestempelt wurde sie sechs Wochen nach Einwurf in den Briefkasten. Es würde mich aber nicht wundern, wenn sich in den Sommermonaten die Leerungsintervalle doch etwas verkürzen würden. Der Beste aller Ehemänner hat ob dieser Erfahrung seinen nächsten Versuch des Postversandes direkt auf dem Postamt gemacht und den Brief noch dazu express aufgegeben. Der hat es dann in blitzschnellen zwei Wochen nach Österreich geschafft!


Die Luxusvariante mit Angabe der Leerzeiten


Die etwas abgespecktere Variante mit dem Gambling-Effekt - kommt die Urlaubskarte an oder nicht? Wird der Postkasten geleert, und wenn ja, wann?