Samstag, 10. Januar 2015

Die Oliven werden wieder geerntet:

Ab Oktober ist wieder Olivenerntezeit. Da wird alles andere hintangestellt. Manche Taverne hat erst am Abend geöffnet, und der Wirt sieht schon etwas ermattet drein, und auch manch andere Dienstleistung ist nur ab 18 Uhr zu haben. Am Wochenende rückt die gesamte Familie in den Olivenhain aus und holt so viele Oliven wie möglich von den Bäumen. Manch einer ist für jeden Regentag dankbar, denn da fällt die Ernte Gott sei Dank aus. 
Hilfe kommt von den vielen ausländischen Arbeitern. Albaner und Bulgaren reisen für die Zeit der Ernte an. Pakistaner und Bangla Desher sind ursprünglich für den Bau der Sportstätten für die Olympischen Spiele oder großer Hotelprojekte ins Land gekommen. Die meisten sind nicht legal im Land. Unglaublich, dass man hier sogar Großprojekte mit Legionen von Schwarzarbeitern umsetzen kann. Und wenn die Polizei einen Schwarzarbeiter erwischt, wandert dieser einmal ins Gefängnis. Und der Arbeitgeber muß angeblich eine Strafe von € 10.000 zahlen. Das würde mich jetzt schon interessieren, ob die großen Baufirmen das je bezahlt haben….





Die Traum-Autobahn:

Vor einiger Zeit fuhr ein griechischer Freund mit uns im Auto auf der Autobahn mit. Als der Beste aller Ehemänner es einmal laufen lassen wollte und die 130 km/h überschritt, wurde unser Freund ängstlich und nervös. Kein Wunder, der Peloponnes ist nicht gerade mit vielen Autobahnen gesegnet, und auf den normalen Straßen geht es üblicherweise ständig bergauf und bergab und um die Kurve. Von schnellem Fahren kann da keine Rede sein. Aber das Fahren auf der Autobahn ist ein Traum, denn sie ist so gut wie leer. Muß man denn auch horrende Mautgebühren bezahlen. Einmal Kalamata - Athen und wieder zurück (drei Stunden pro Strecke nach Fahrweise des Besten aller Ehemänner) kostet satte € 33. Für viele Griechen einfach zu viel in der Krise. Fast jeder Athener hat ein Haus irgendwo auf dem Land (oft in seinem Heimatdorf). Das Haus ist nach unserer Auffassung öfters eher eine Gartenhütte, aber für den Sommer tut sie es auch. Nur soll jetzt Benzin und Maut bezahlt werden, um in das Haus zu kommen. Da bleibt dann kein Geld mehr zum Leben. Deswegen sind viele dieser Gebäude verwaist. 
Aber zurück zur Autobahn. Die Maut ist nicht bei der Ausfahrt zu bezahlen, sondern man muß auf der Strecke circa acht Mal stehen bleiben, um seinen Obolus zu leisten. Dafür redet die Dame im Mauthäuschen auch schon mal mit bei der aktuellen Diskussion im Auto. Und siehe da, bei der Rückfahrt sitzt sie im Häuschen in die andere Richtung und freut sich über ein Wiedersehen. Aber nicht nur mit freundlichen Damen hat man es zu tun. Wenn es blöd hergeht, steht schon mal ein Schaf auf der Autobahn. Auf der Fahrbahn habe ich bis jetzt noch keines gesehen, aber einen Meter daneben schon. Der Schäfer fand offensichtlich das Gras direkt neben den Autos am nahrhaftesten für seine Schützlinge.




Der Böse Blick:

Die blauen Glasaugen gegen den Bösen Blick sind ja allen Griechenland- und Türkei-Urlaubern bestens bekannt. Bis jetzt habe ich diese für eine Tradition gehalten, mit der es nicht viel auf sich hat. Das blaue Glasauge ist ja hübsch anzusehen und macht sich ganz gut auf dem Innenspiegel des Autos. Aber weit gefehlt! Den Bösen Blick gibt es wirklich, zumindest im Glauben vieler Leute hier. Meine Freundin, eine ansonsten ganz vernünftige Mittdreißigerin, glaubt doch tatsächlich an ihn! Zuerst dachte ich, sie zieht mich auf, aber dann wurde mir schön langsam bewusst, dass sie eine ziemlich ernste Miene bei ihren Erklärungen machte.
Also - was ist der Böse Blick eigentlich? Den bekommt man von jemandem Missgünstigen. Aber diese Person denkt sich nicht "Jetzt schicke ich der anderen Person den Bösen Blick hinüber", sondern das geht ganz unbewusst. Und der oder die Missgünstige sagt vielleicht sogar noch etwas Nettes zu einem. Aber die mit dem Bösen Blick bedachte Person fühlt die negativen Strömungen, die da daherkommen. Sie bekommt zum Beispiel Kopfweh und es wird ihr flau im Magen. Besonders in Acht nehmen muss man sich vor Menschen mit zusammengewachsenen Brauen oder stahlblauen Augen, die sind speziell gefährlich, von ihnen geht besonders oft der Böse Blick aus.
Nun - was tun gegen den Bösen Blick? Zunächst einmal das Auge mitführen! Das gibt es zum Beispiel als Schlüsselanhänger oder als Schmuck und hilft schon einmal. Weitere beliebte Methoden sind eine Knoblauchzehe in der Hosentasche, ein Kohlenstrich hinter dem Ohr oder ein offener Hemdknopf. Dann sieht man nicht perfekt aus (oder riecht nicht perfekt) und ruft dadurch weniger Neider auf den Plan. Sich drei Mal anspucken lassen (wenn geht, ohne Spucke) hilft auch. Und dann gibt es noch das Gebet. Die griechisch-orthodoxe Kirche bestätigt übrigens die Existenz des Bösen Blicks! Das Gebet gegen den Bösen Blick kann man nur einmal im Jahr lernen, nämlich am Karfreitag, wo einen jemand einweiht. Braucht man es schon vorher während des Jahres, hat man Pech gehabt, man muss warten. Und nach dem Lernen merkt man es sich dann besser!
Auch der Lebensgefährte meiner Freundin glaubt an den Bösen Blick, er bekommt Migräne. Und da meine Freundin eine ganz Nette ist, betet sie für ihn. Sie merkt auch gleich, wenn es wirkt. Denn dann tränen ihr nämlich die Augen und sie muss gähnen. Ihr Mann bringt die ganze Prozedur insofern zu Ende, indem er die Unterwäsche wechselt und sich das Gesicht wäscht, aber von unten nach oben! 
Als ich diese Ausführungen zum ersten Mal gehört habe, musste ich von Herzen lachen (was natürlich nicht den Bösen Blick auslöst), und der Beste aller Ehemänner meinte, dass er immer schon gewusst hätte, dass die Griechen fünfzig bis siebzig Jahre hinten wären, aber in diesem Fall seien sie ja sogar fünfhundert Jahre hinten! Siehe Hexenverbrennung und so. 

Vor einem Jahr hat er übrigens noch gemeint, die Griechen wären dreißig bis fünfzig Jahre hinten. Vor zwei Jahren waren es noch zwanzig bis dreißig Jahre. Mir scheint, der Zeitraum wird umso länger, je länger man hier lebt.

raffinierte Kombination aus Auge und weiteren Glücksbringern


Die Stare sind da!

Pünktlich am 1. Jänner waren sie da und ich traute meinen Augen nicht! Vor meinem Haus flog ca. 20 Minuten lang ein unendlicher Schwarm an Staren vorbei. Ich konnte es nicht glauben, es kamen Unmengen von ihnen vorbei. Leider flogen sie unterhalb des Hauses und haben sich nicht viel von den grünen Feldern abgehoben, daher auch keine guten Fotos. Jedenfalls mußte ich gleich an Hitchcocks "Vögel" oder einen Heuschreckenschwarm denken, es war aber nicht bedrohlich, nur unglaublich anzusehen. Meine Schätzung lag bei einer Million Tiere. Und auf einer Ornithologen-Website habe ich dann nachgelesen, dass die Schwärme tatsächlich bis zu einer Million Vögel beinhalten können. 
Einige von ihnen sind nicht weitergezogen, sondern haben sich entschlossen, hier zu bleiben. Hauptsächlich nach Sonnenaufgang und in der Abenddämmerung, aber auch tagsüber ziehen sie in ihren Formationen über die Hügel, lassen sich zwischendurch auf den elektrischen Leitungen nieder und zwitschern wild drauf los. Leider hat inzwischen auch die Jagdsaison begonnen und hin und wieder knallt es, und ein Vogel mehr wird nicht aus seinem Winterquartier zurückkehren.
Die süßen kleinen Bachstelzen sind schon länger hier, und auch die Flamingos werden wohl wieder in der nahegelegenen Lagune überwintern. Die kann ich diesen Winter nicht besuchen, dafür kann ich nicht gut genug gehen. Aber welche Wohltat es ist, die Natur im Winter so lebendig zu sehen!









Neujahrsglück:

Zum neuen Jahr wünscht man einander auch hier viel Glück, man braucht aber auch Glück, dass man nicht gleich eine ordentliche Rechnung beim Zahnarzt aufreißt. Denn allerorts kann man Neujahrskuchen kaufen, in denen Glücksmünzen eingebacken sind. Die gute Hausfrau (hier wohl eher nicht der gute Hausmann) macht den Kuchen natürlich auch selbst. Als nicht wissender Ausländer kauft man nichtsahnend den Kuchen und beißt dann vielleicht gleich auf die Münze. Zum Glück waren wir aber vorgewarnt, und den Besten aller Ehemänner hat es getroffen, er hat jetzt hoffentlich für dieses Jahr das Glück gepachtet. Aber eigentlich war er gleich enttäuscht, denn als guter Kaufmann machte er folgende Rechnung: der Kuchen kostet € 12, und eine € 2-Münze ist eingebacken, also muss man nur € 10 ausgeben. Aber siehe da, es war doch glatt eine falsche Münze!
Das erste Stück des Kuchens gehört übrigens dem Weihnachtsmann, das zweite dem Haus, in dem man wohnt, und ab dem dritten Stück dürfen die Bewohner des Hauses zuschlagen. Aber danach wandern das Weihnachtsmann- und das Haus-Stück doch noch in die Mägen der Hausbewohner.





Der Weihnachtsmann:

Das Christkind kommt hier nicht, sondern der Weihnachtsmann. Und der kommt eigentlich erst am 1. Jänner, denn da hat er hier Namenstag. Deswegen sind die Geschäfte zwischen Weihnachten und Neujahr voll mit Leuten, und die tauschen nichts um oder lösen Gutscheine ein. Nein, sie besorgen erst die "Weihnachts"geschenke.







Und das bringt mich gleich zu den Namenstagen:

Der Geburtstag ist hier nicht wichtig. Gefeiert wird der Namenstag. Und nachdem hier immer wieder dieselben Namen kursieren, hat dann praktisch das halbe Land zugleich Namenstag und feiert, zum Beispiel die Giannisse, die Giorgiosse, die Panagiotisse (gesprochen Jannis/Hans, Jorgos/Georg, Panajotis/Peter). Wenn man Namenstag hat, erwartet man üblicherweise Freunde, man lädt sie aber nicht ein, denn sie wissen ja von sich aus, wie man heißt und wann die Namenstage sind (vermutlich heißt mindestens einer in der Familie genauso). Man stellt sich also darauf ein, dass den ganzen Tag Gratulanten vorbeikommen und bereitet Imbiss und Umtrunk vor. Und wenn man allen seinen Freunden und Verwandten, die Giannis heißen, gratulieren will, fängt man am besten schon früh genug an. Meistens hört man aber erst früh wieder auf. 


Und warum heißen die alle gleich?

Die Tradition besagt, dass die ersten Kinder nach den Großeltern väterlicherseits, danach nach den Großeltern mütterlicherseits benannt werden. Nachdem auch in Griechenland die Großfamilie inzwischen mehr oder weniger ausgestorben ist, bleiben danach nicht mehr viele Möglichkeiten, seine  Kinder zu Jennifers und Justins zu machen. Das ist einerseits sehr beruhigend, andererseits doch etwas langweilig.


Und warum haben die alle trotzdem so viele Verwandte?

Wenn die Familien hier auch nicht größer sind als bei uns, warum haben sie dann alle so viele Onkel, Tanten, Cousins und Cousinen? Weil man hier auch entfernte Verwandten als Familie sieht. Da gibt es die Tanten und Cousins ersten, zweiten und dritten Grades. Und die kennt man auch. Während ich mir nicht sicher bin, dass ich alle meine Cousinen und Cousins auf der Strasse gleich erkennen würde.


Und noch einmal viel Glück:

Am Dreikönigstag treten hier zwar keine Könige auf wie bei uns, aber es gibt ein spektakuläres Schauspiel zu bestaunen - die Segnung des Wassers. Ein Kreuz muss aus dem Meer geholt werden. Und zwar von jungen Männern, die dem Kreuz hinterher springen, das der Oberpope (sage ich jetzt einmal so leger) am Hafen ins Meer wirft. Derjenige, der es herausholt, wird eine Menge Glück im Neuen Jahr haben.

Es weht eine steife Brise an diesem Tag. Drei Grad mit eisigem, starkem Wind. Gefühlte null Grad oder weniger.



Die diversen Würdenträger treten in Aktion.



Nein, das sind nicht die Heiligen Könige, das sind die Ministranten. Und nein, nicht diese Kreuze werden ins Wasser geworfen.



Und geschummelt wird auch. Das Kreuz ist aus Holz und kann so nicht untergehen. Der Verlust eines goldenen Kreuzes wird natürlich nicht riskiert. Nachdem aber vor ein paar Jahren sogar das Holzkreuz irgendwie verloren gegangen ist, hängt es nun an einer Schnur. Im Hintergrund ist bereits der erste tapfere Schwimmer zu sehen.



Und da springen sie schon!



Ein Fischerboot nebelt uns ein und tutet.



Ein kurzer Kampf ums Kreuz …..



… und schon wird es an Land gebracht.



Schnell raus aus dem Wasser mit den Helden!




Die Prozession geht mitsamt Blasmusik einmal rund um den Hauptplatz weiter.





Und dann ab ins Kaffeehaus!



Kältewelle:

Ungefähr alle zehn Jahre bricht eine Kältewelle übers Land, und ich durfte sie gleich miterleben (ich hätte aber auch gern darauf verzichtet).
Es begann damit, dass eines Morgens die nahegelegenen Hügel angezuckert waren und das 60 km entfernte Taygetos-Gebirge tief im Schnee versunken war.





Dann folgte der Nordsturm. Es pfiff wild ums Haus, und die Hunde wurden kurzfristig obdachlos, weil ihnen die Hütte von der Terrasse geweht wurde.



Danach kam die Sonne, aber auch der Frost in der Nacht. Glatteis auf der Straße ist ja eher ungewöhnlich für das südliche Griechenland. Und den Garten hat es leider getroffen, der viele seiner Blüten einbüßen mußte. Auch die Bananen haben ein trauriges Bild abgegeben.




nachher
vorher















Jetzt ist alles wieder vorbei, und hoffentlich dauert es wieder mindestens zehn Jahre bis zur nächsten Hundekälte!




Mittwoch, 10. Dezember 2014

Fahrende Verkäufer:

Als ich neu hier war, dachte ich, daß der kommunistische Bürgermeister oder jemand ähnlicher irgendwelche mehr oder weniger wichtigen Durchsagen im Dorf
macht. Aber kurz darauf fuhr ein Pickup vorbei, und ich sah, daß der einen Lautsprecher auf dem Dach hatte und sein Fahrer die  Durchsagen machte. Am Tag fahren mehrere solcher Wagen durch die Dörfer, und sie verkaufen alles, was man so brauchen könnte. Für alle, die kein Auto haben, recht praktisch. Gemüse und Obst sind die Bestseller, aber es sind auch Schuhe, Socken und Hemden zu bekommen, sowie ein bißchen Baumaterial, Tontöpfe, Plastiksessel und was sonst das Herz noch so begehrt. 
Aber auch umgekehrt findet der Transport statt. So kann man auch seine Metallabfälle diesen unermüdlich durch die Dörfer ziehenden Händlern mitgeben. Man muß sich nicht um den Abtransport kümmern, muß keine Gebühr bezahlen, und der Händler hat auch noch was davon.






Chronik eines Hauskaufs:

Herr A aus Deutschland sucht ein Haus in Griechenland und wird im Dezember bei Frau B aus Holland fündig. Der Verkauf wird beschlossen, und Herr A fliegt für einige Wochen nach Deutschland, um das Finanzielle zu regeln. Das Geld darf nicht von Deutschland nach Holland überwiesen werden, es muß zunächst nach Griechenland.
Herr A beauftragt einen Notar mit der Durchführung des Verkaufs, der Mitte Jänner stattfinden soll. Doch am 10. Jänner meldet sich dieser, daß alles aufgeschoben werden muß, denn die griechische Regierung hätte soeben beschlossen, eine neue Steuer für die Verkäufer von Immobilien einzuführen, und zwar rückwirkend ab 1. Jänner. Es handelt sich dabei um eine Spekulationssteuer. Frau B ist geschockt, denn sie muß nun plötzlich eine Steuer bezahlen, mit der sie vorher nicht gerechnet hatte. Es ist von 20% auf die Differenz zwischen ihren eigenen Kosten für das Haus und dem Verkaufspreis die Rede. Fast noch schlimmer ist die Tatsache, daß aber niemand Genaues weiß. Wie hoch ist die Steuer wirklich? Wie wird sie genau berechnet? Wann kann der Verkauf durchgeführt werden? Die Abwicklung soll über die involvierten Notare passieren. Diese bekommen aber keine genauen Informationen von der Regierung, wie sich die Steuer berechnet und wie sie abzuführen ist. Sollten sie aber einen Fehler bei der Berechnung machen, werden sie dafür haftbar gemacht. Aus diesem Grund beschließen die Notare, in den Streik zu treten. Wer außerhalb Griechenlands hat je von streikenden Notaren gehört? Noch dazu kursieren die wildesten Gerüchte. Diese Anwältin will wissen, daß sich alles schon in einer Woche klärt, während jener Makler meint, daß das alles Unsinn wäre und sich noch lange hinziehen werde. Die Verkäuferin und der Käufer sind genervt, denn die Verkäuferin braucht das Geld, um sich ein neues Haus zu kaufen, und der Käufer will unbedingt schon einziehen, weil er ein winterfestes Haus braucht. Täglich neue Nachrichten über Termine und Abwicklung halten alle Beteiligten auf Trab und frustrieren sie weiter. 
Um es kurz zu machen - der Verkauf kommt Mitte Mai zustande. Der Notar handelt nun den riesigen Stoß an Akten über Hausverkäufe ab. Fast fünf Monate lang konnte in diesem Land niemand ein Haus kaufen oder verkaufen.
Der Käufer geht am Tag des Verkaufs zur Bank und läßt einen Scheck über den Kaufpreis ausstellen. Dieser wird dann gleich um die Ecke beim Notar an die Verkäuferin übergeben, welche nun ihrerseits in dieselbe Bankfiliale zurückmarschiert, um den Scheck dort einzulösen. Und weil es sich um eine größere Summe handelt, müssen beide auch den Kaufvertrag auf der Bank herzeigen.
Griechen kaufen und verkaufen übrigens derzeit so gut wie nicht. Praktisch alle Häuser haben zumindest Teile, die illegal erbaut wurden. Diese müßten nun im Nachhinein legalisiert werden, was inzwischen viel Geld kostet, und das will oder kann der Verkäufer nicht bezahlen. Andererseits muß der Käufer nachweisen, woher er das Geld zum Kauf hat, dieses ist aber in den meisten Fällen Schwarzgeld.
Die Aufregung bei Frau B über die neu eingeführte Steuer war übrigens umsonst, denn die Regierung hat sich nach Monaten entschlossen, die Steuer erst ab einem Verkaufspreis von € 150.000 einzuheben, und ihr Haus hatte einen niedrigeren Wert. Wetten, dass jetzt auch das schönste und größte Haus hier nicht mehr als € 150.000 kostet?






Griechischer Bauer fährt auf Urlaub? Wohl eher nicht. Es scheint sich um eine touristische Dienstleistung zu handeln.





Hilde und Herbert schauen nach, wer zu Besuch kommt.






Und Kopf ab!

Im Frühsommer ist Spinnen- und Schlangenzeit. 
Die Spinnen sind ja meine speziellen Freunde, wie ich in einem früheren Blog schon erwähnt habe. Sie nehmen mir die Freude an meinen Morgenspaziergängen, denn sie hängen sich über die Wege, von einem Baum zum anderen, und schauen auf mich herab. Oder sie schauen mir direkt ins Gesicht, wenn sie ihre Netze ein Stockwerk tiefer gebaut haben. Ich bin aber nicht sehr erpicht auf Kontakt mit ihnen und tue alles, um sie mir vom Leib zu halten. Daher kann man mich in der Früh regelmäßig durch die Gegend gehend sehen, einen Stock oder die Hundeleine vor mir auf und ab schwenkend, um ja nicht in ein Netz zu laufen. Das gibt sicher ein gutes Bild ab. Aber ich kann sie nicht ausstehen, diese klebrigen Fäden, und ihre Produzenten schon gar nicht.
Viel lockerer war ich da immer bei den Schlangen. Ich weiß, daß es nur eine gefährliche hier gibt, die Sandviper. Und ich war der festen Überzeugung, daß mir die sicher sowieso nie unterkommen wird. Bis sie dann neben meinem Gartentor lag. Ich hätte sie eh nicht bemerkt, aber der Gartenarbeiter hat sie entdeckt, mich vor ihr gewarnt und sie gleich mit der Schaufel geköpft. Klein war sie noch und mußte schon ihr Leben lassen. Und ich hab' ganz schön blöd geschaut, daß ich doch so bald mit einer Sandviper Bekanntschaft gemacht habe.









Diesmal keine nackten!

Schnecken gibt es hier auch, aber sie kommen mit hübschen Häuschen auf dem Rücken, während sich bei uns ja die nackten inzwischen durchgesetzt haben. Inklusive Häuschen sind sie vielleicht 2 mm groß, aber es gibt viele von ihnen, und die sind ganz schön böse, wenn sie einen Baum befallen. Die paar Nacktschnecken hier (größer und gefleckt) sind zum Glück vernachlässigbar (bis jetzt zumindest). Aber für alle gibt es nur eine Lösung: den unerbittlichen Einsatz von Schneckenkorn! 






In High Heels auf Verbrecherjagd:

Gesichtet auf dem Athener Flughafen. Bin gespannt, wie diese Polizistin den Verbrechern nachläuft. Vielleicht erlegt sie sie ja mit einem gezielten Wurf ihres Schuhwerks?




















Ikea-Großkampftag:

Einkaufen bei Ikea in der Vorweihnachtszeit kann tatsächlich fast Spaß machen - aber nur im krisengeschüttelten Griechenland. Denn wo sich auf den Verkaufsflächen noch viel Publikum tummelt und das Restaurant voll ist (was wäre ein Grieche ohne Essen?), lichtet es sich plötzlich vor den Kassen. Während man in Wien um diese Jahreszeit eine halbe Stunde aufs Bezahlen warten muss, gibt es hier keine Wartezeit. Nur mehr als € 1.500,- darf man nicht bar bezahlen (ein Versuch, das Ausgeben größerer Schwarzgeldmengen zu unterbinden). Weiter zum Versandschalter, keiner ist vor uns. Der Transport von 10 Möbelstücken über mehr als 300 km kostet € 49,-. 
Nur der Bereich mit der Weihnachtsdeko ist nicht so groß ausgefallen, aber die interessiert hier auch niemanden so stark, denn Weihnachten hat nicht dieselbe Bedeutung wie bei uns. Oder wird einfach nur gespart

Die erschöpften Einkäufer:







Disco-Weihnacht:

Manch einer hier leistet sich eine Weihnachtsbeleuchtung. Die fällt dann aber meistens so bunt wie möglich aus und muss wild blinken. Könnte man fast mit einer Freiluftdisco verwechseln. Der bei uns besinnliche Heilige Abend wird ja hier auch tatsächlich manchmal zur Party.






Völkerverbindende Tätigkeit:

In den meisten Ländern ist es ja so, dass man selber besser ist als die anderen. Hier ist das auch nicht anders. Der Albaner steht schon deutlich unter dem Griechen, und der Pakistaner und der Bangla Desher sind ganz unten angesiedelt.
Seit der Krise wird leider auch im früher so sicheren Griechenland vermehrt eingebrochen. Meist bekommt man zu hören, dass es die Albaner sind, und die Bulgaren lassen angeblich immer gern was mitgehen.
Im Einbrechergeschäft hat sich aufgrund der Krise und der demographischen Gegebenheiten (1 Mio. illegal Eingewanderte bei 10 Mio. Griechen) auch einiges geändert. Kürzlich wurden im Dorf gleich hintereinander in mehreren Häusern eingebrochen, und zwar nicht nur bei den "wohlhabenden" Ausländern, sondern es wurden auch einige einheimische Pensionisten um ihre Rente unter der Matratze erleichtert. Die Täter wurden gefasst. Es waren sozusagen die Nachbarn aus dem Dorf - Griechen mit einer Verbindung nach Bulgarien, wo das Diebsgut zu Geld gemacht wurde. Zwei Wochen waren sie im Gefängnis, jetzt laufen sie schon wieder frei herum.
In einem anderen Dorf wurde bei einer deutschen Familie eingebrochen - zu sechst. Zwei Griechen, zwei Albaner und zwei Pakistaner. Das nenne ich Völkerverständigung! Im Verbrechen sind die Unterschiede plötzlich weg.