Mittwoch, 10. Dezember 2014

Fahrende Verkäufer:

Als ich neu hier war, dachte ich, daß der kommunistische Bürgermeister oder jemand ähnlicher irgendwelche mehr oder weniger wichtigen Durchsagen im Dorf
macht. Aber kurz darauf fuhr ein Pickup vorbei, und ich sah, daß der einen Lautsprecher auf dem Dach hatte und sein Fahrer die  Durchsagen machte. Am Tag fahren mehrere solcher Wagen durch die Dörfer, und sie verkaufen alles, was man so brauchen könnte. Für alle, die kein Auto haben, recht praktisch. Gemüse und Obst sind die Bestseller, aber es sind auch Schuhe, Socken und Hemden zu bekommen, sowie ein bißchen Baumaterial, Tontöpfe, Plastiksessel und was sonst das Herz noch so begehrt. 
Aber auch umgekehrt findet der Transport statt. So kann man auch seine Metallabfälle diesen unermüdlich durch die Dörfer ziehenden Händlern mitgeben. Man muß sich nicht um den Abtransport kümmern, muß keine Gebühr bezahlen, und der Händler hat auch noch was davon.






Chronik eines Hauskaufs:

Herr A aus Deutschland sucht ein Haus in Griechenland und wird im Dezember bei Frau B aus Holland fündig. Der Verkauf wird beschlossen, und Herr A fliegt für einige Wochen nach Deutschland, um das Finanzielle zu regeln. Das Geld darf nicht von Deutschland nach Holland überwiesen werden, es muß zunächst nach Griechenland.
Herr A beauftragt einen Notar mit der Durchführung des Verkaufs, der Mitte Jänner stattfinden soll. Doch am 10. Jänner meldet sich dieser, daß alles aufgeschoben werden muß, denn die griechische Regierung hätte soeben beschlossen, eine neue Steuer für die Verkäufer von Immobilien einzuführen, und zwar rückwirkend ab 1. Jänner. Es handelt sich dabei um eine Spekulationssteuer. Frau B ist geschockt, denn sie muß nun plötzlich eine Steuer bezahlen, mit der sie vorher nicht gerechnet hatte. Es ist von 20% auf die Differenz zwischen ihren eigenen Kosten für das Haus und dem Verkaufspreis die Rede. Fast noch schlimmer ist die Tatsache, daß aber niemand Genaues weiß. Wie hoch ist die Steuer wirklich? Wie wird sie genau berechnet? Wann kann der Verkauf durchgeführt werden? Die Abwicklung soll über die involvierten Notare passieren. Diese bekommen aber keine genauen Informationen von der Regierung, wie sich die Steuer berechnet und wie sie abzuführen ist. Sollten sie aber einen Fehler bei der Berechnung machen, werden sie dafür haftbar gemacht. Aus diesem Grund beschließen die Notare, in den Streik zu treten. Wer außerhalb Griechenlands hat je von streikenden Notaren gehört? Noch dazu kursieren die wildesten Gerüchte. Diese Anwältin will wissen, daß sich alles schon in einer Woche klärt, während jener Makler meint, daß das alles Unsinn wäre und sich noch lange hinziehen werde. Die Verkäuferin und der Käufer sind genervt, denn die Verkäuferin braucht das Geld, um sich ein neues Haus zu kaufen, und der Käufer will unbedingt schon einziehen, weil er ein winterfestes Haus braucht. Täglich neue Nachrichten über Termine und Abwicklung halten alle Beteiligten auf Trab und frustrieren sie weiter. 
Um es kurz zu machen - der Verkauf kommt Mitte Mai zustande. Der Notar handelt nun den riesigen Stoß an Akten über Hausverkäufe ab. Fast fünf Monate lang konnte in diesem Land niemand ein Haus kaufen oder verkaufen.
Der Käufer geht am Tag des Verkaufs zur Bank und läßt einen Scheck über den Kaufpreis ausstellen. Dieser wird dann gleich um die Ecke beim Notar an die Verkäuferin übergeben, welche nun ihrerseits in dieselbe Bankfiliale zurückmarschiert, um den Scheck dort einzulösen. Und weil es sich um eine größere Summe handelt, müssen beide auch den Kaufvertrag auf der Bank herzeigen.
Griechen kaufen und verkaufen übrigens derzeit so gut wie nicht. Praktisch alle Häuser haben zumindest Teile, die illegal erbaut wurden. Diese müßten nun im Nachhinein legalisiert werden, was inzwischen viel Geld kostet, und das will oder kann der Verkäufer nicht bezahlen. Andererseits muß der Käufer nachweisen, woher er das Geld zum Kauf hat, dieses ist aber in den meisten Fällen Schwarzgeld.
Die Aufregung bei Frau B über die neu eingeführte Steuer war übrigens umsonst, denn die Regierung hat sich nach Monaten entschlossen, die Steuer erst ab einem Verkaufspreis von € 150.000 einzuheben, und ihr Haus hatte einen niedrigeren Wert. Wetten, dass jetzt auch das schönste und größte Haus hier nicht mehr als € 150.000 kostet?






Griechischer Bauer fährt auf Urlaub? Wohl eher nicht. Es scheint sich um eine touristische Dienstleistung zu handeln.





Hilde und Herbert schauen nach, wer zu Besuch kommt.






Und Kopf ab!

Im Frühsommer ist Spinnen- und Schlangenzeit. 
Die Spinnen sind ja meine speziellen Freunde, wie ich in einem früheren Blog schon erwähnt habe. Sie nehmen mir die Freude an meinen Morgenspaziergängen, denn sie hängen sich über die Wege, von einem Baum zum anderen, und schauen auf mich herab. Oder sie schauen mir direkt ins Gesicht, wenn sie ihre Netze ein Stockwerk tiefer gebaut haben. Ich bin aber nicht sehr erpicht auf Kontakt mit ihnen und tue alles, um sie mir vom Leib zu halten. Daher kann man mich in der Früh regelmäßig durch die Gegend gehend sehen, einen Stock oder die Hundeleine vor mir auf und ab schwenkend, um ja nicht in ein Netz zu laufen. Das gibt sicher ein gutes Bild ab. Aber ich kann sie nicht ausstehen, diese klebrigen Fäden, und ihre Produzenten schon gar nicht.
Viel lockerer war ich da immer bei den Schlangen. Ich weiß, daß es nur eine gefährliche hier gibt, die Sandviper. Und ich war der festen Überzeugung, daß mir die sicher sowieso nie unterkommen wird. Bis sie dann neben meinem Gartentor lag. Ich hätte sie eh nicht bemerkt, aber der Gartenarbeiter hat sie entdeckt, mich vor ihr gewarnt und sie gleich mit der Schaufel geköpft. Klein war sie noch und mußte schon ihr Leben lassen. Und ich hab' ganz schön blöd geschaut, daß ich doch so bald mit einer Sandviper Bekanntschaft gemacht habe.









Diesmal keine nackten!

Schnecken gibt es hier auch, aber sie kommen mit hübschen Häuschen auf dem Rücken, während sich bei uns ja die nackten inzwischen durchgesetzt haben. Inklusive Häuschen sind sie vielleicht 2 mm groß, aber es gibt viele von ihnen, und die sind ganz schön böse, wenn sie einen Baum befallen. Die paar Nacktschnecken hier (größer und gefleckt) sind zum Glück vernachlässigbar (bis jetzt zumindest). Aber für alle gibt es nur eine Lösung: den unerbittlichen Einsatz von Schneckenkorn! 






In High Heels auf Verbrecherjagd:

Gesichtet auf dem Athener Flughafen. Bin gespannt, wie diese Polizistin den Verbrechern nachläuft. Vielleicht erlegt sie sie ja mit einem gezielten Wurf ihres Schuhwerks?




















Ikea-Großkampftag:

Einkaufen bei Ikea in der Vorweihnachtszeit kann tatsächlich fast Spaß machen - aber nur im krisengeschüttelten Griechenland. Denn wo sich auf den Verkaufsflächen noch viel Publikum tummelt und das Restaurant voll ist (was wäre ein Grieche ohne Essen?), lichtet es sich plötzlich vor den Kassen. Während man in Wien um diese Jahreszeit eine halbe Stunde aufs Bezahlen warten muss, gibt es hier keine Wartezeit. Nur mehr als € 1.500,- darf man nicht bar bezahlen (ein Versuch, das Ausgeben größerer Schwarzgeldmengen zu unterbinden). Weiter zum Versandschalter, keiner ist vor uns. Der Transport von 10 Möbelstücken über mehr als 300 km kostet € 49,-. 
Nur der Bereich mit der Weihnachtsdeko ist nicht so groß ausgefallen, aber die interessiert hier auch niemanden so stark, denn Weihnachten hat nicht dieselbe Bedeutung wie bei uns. Oder wird einfach nur gespart

Die erschöpften Einkäufer:







Disco-Weihnacht:

Manch einer hier leistet sich eine Weihnachtsbeleuchtung. Die fällt dann aber meistens so bunt wie möglich aus und muss wild blinken. Könnte man fast mit einer Freiluftdisco verwechseln. Der bei uns besinnliche Heilige Abend wird ja hier auch tatsächlich manchmal zur Party.






Völkerverbindende Tätigkeit:

In den meisten Ländern ist es ja so, dass man selber besser ist als die anderen. Hier ist das auch nicht anders. Der Albaner steht schon deutlich unter dem Griechen, und der Pakistaner und der Bangla Desher sind ganz unten angesiedelt.
Seit der Krise wird leider auch im früher so sicheren Griechenland vermehrt eingebrochen. Meist bekommt man zu hören, dass es die Albaner sind, und die Bulgaren lassen angeblich immer gern was mitgehen.
Im Einbrechergeschäft hat sich aufgrund der Krise und der demographischen Gegebenheiten (1 Mio. illegal Eingewanderte bei 10 Mio. Griechen) auch einiges geändert. Kürzlich wurden im Dorf gleich hintereinander in mehreren Häusern eingebrochen, und zwar nicht nur bei den "wohlhabenden" Ausländern, sondern es wurden auch einige einheimische Pensionisten um ihre Rente unter der Matratze erleichtert. Die Täter wurden gefasst. Es waren sozusagen die Nachbarn aus dem Dorf - Griechen mit einer Verbindung nach Bulgarien, wo das Diebsgut zu Geld gemacht wurde. Zwei Wochen waren sie im Gefängnis, jetzt laufen sie schon wieder frei herum.
In einem anderen Dorf wurde bei einer deutschen Familie eingebrochen - zu sechst. Zwei Griechen, zwei Albaner und zwei Pakistaner. Das nenne ich Völkerverständigung! Im Verbrechen sind die Unterschiede plötzlich weg.

Donnerstag, 14. August 2014