Freitag, 31. Januar 2014

Sinnvolle Gespräche mit dem Hund:

Da, wo ich her bin, sagt man oft zum Hund "Na, was ist mit Dir?", als ob der Angesprochene Antwort geben könnte. Hier in Griechenland sagt man "Ja, wo bist Du denn?" zum Hund, der vor einem sitzt. Na wo wird er wohl sein? Es wundert mich nicht, daß die Tiere aller Länder einen manchmal anschauen, als hätte man sie nicht ganz beieinander.




Spätes Elternglück:

Der Beste aller Ehemänner und ich sind ja sozusagen späte Eltern geworden. 
Für unsere Ratten und natürlich auch uns selber haben wir eine neue Bleibe gesucht (mit Hausisolierung und Heizung und Kamin). Das Umsiedeln hat mich an meine Kindheit erinnert, wo die Kinder oft beim Ausflug im Auto auf Bergstraßen dem Papa von hinten ins "Gnack" gespieben haben. So ist es mir auch ergangen. Zum Glück haben die vier Helden vorher kein Futter bekommen. 
Außerdem mußte ich beruhigend auf sie einreden, wenn sie geweint haben. "Wir sind eh gleich da!" habe ich gesagt, auch wenn es noch zehn Kilometer waren. Kommt uns bekannt vor, oder nicht? Ich hatte ja immer geglaubt, daß Hunde so gern Auto fahren. Das dürfte aber nur in Ländern der Fall sein, wo es gute und gerade Straßen gibt. Hier, wo es beständig um die Kurve geht, man in Schlaglöcher rumpelt und es einen über Asphalthügel haut (Ausbesserungen der Straße), wird sogar der vorlauteste Hund ganz ruhig. Entweder leidet er still oder er bringt bestenfalls einen Heuler heraus.


Im neuen Heim angekommen, muß man den Kindern auch die neue Hundehütte schmackhaft machen. Aber außer kurz einmal die Nase reinstecken ist nichts weiter drin. Erst als die Hütte mit mehreren weichen Teppichen ausgestattet wird und direkt neben der Haustür steht, ziehen sie begeistert ein. Auf die Weise entgeht ihnen natürlich nichts, was Frauerl und Herrl so machen, denn schließlich müssen diese ja immer bei der Hütte vorbei. Und auch die Essensausgabe kann man so nicht verpassen. Außerdem läßt sich hier aus erhöhter Lage auch gut jeder vorbeigehende Hund anbellen, man hat sozusagen Oberhand und spielt den Helden.
Und wie das so mit Kindern ist, muß man sich andauernd mit den Ergebnissen ihrer Verdauung auseinandersetzen. Regelmäßig komme ich mir vor, als würde ich beim Entminungsdienst arbeiten. Bewaffnet mit Schauferl und Kübel - zum Glück ohne kugelsichere Weste und Visier - mache ich mich im Garten auf die Suche nach ihren Hinterlassenschaften, denn die lieben Kleinen haben noch nicht kapiert, daß sie ihr Geschäft auf der Wiese nebenan machen sollen. Aber es wird schon werden, man hofft zumindest. 
Berti hat ein Gummischnürl gefressen, das auch partout hinten wieder rausgekommen ist, aber leider nicht ganz, dann ist es steckengeblieben, was ihn doch etwas nervös gemacht hat. Auch hier mußte man ein wenig nachhelfen.


Unterhalten muß man sie auch und müde machen, das heißt spazierengehen, damit sie dann nur ermattet in ihrer Hütte liegen und friedlich sind. Wenn sie zu viel Energie haben, spielt es sich in der Hütte ab! Da pumpert es stundenlang, wenn sie sich aufeinander werfen und hin- und herkugeln. Die halbe Nacht hört man sie dann. 



Sascha, der kleinste, genannt das Pipihendi oder das Springinkerl, hat seinen sehnlichsten Wunsch erfüllt bekommen, nämlich im Haus zu wohnen. Nur hat er sich seinen Einzug aber sicher anders vorgestellt. Er ist uns vors Auto gesprungen und hat sich einen komplizierten Oberschenkelbruch zugezogen. Er muß mindestens zwei Monate im Haus bleiben und darf sich nicht viel bewegen. Jetzt bin ich also auch noch Krankenschwester. Der Patient ist bis jetzt allerdings sehr angenehm. Die meiste Zeit verbringt er in seinem Hundepark, das ist so etwas wie eine Gehschule. Aber auch er will am liebsten mit Frauli und Herrli auf dem Sofa liegen, genauso wie ein Menschenkind. Daher gibt es am Nachmittag eine ordentliche Arbeitsteilung zwischen dem Besten aller Ehemänner und mir. Ich gehe mit den drei gesunden Ratten an die frische Luft, und er hält gemeinsam mit Sascha ein echt griechisches Mittagsschläfchen.




Aussichten:

Über die Aussichten in meinem neuen Heim kann ich mich nicht beschweren. Auf der einen Seite der Blick auf das schneebedeckte Taygetos-Gebirge, auf der anderen das Meer. 





Und - welch ein Zufall - auch der Friedhof ist gleich in der Nähe! Nur ein Blick aus dem Küchenfenster! Meine erste Assoziation war "Telegraph Hill", so viele Maste stehen hier herum. Wozu brauchen Tote so viel Strom? Mit San Francisco gibt es aber weiters keine Ähnlichkeiten. 


Aber neben der Kapelle steht noch ein Gebäude, das natürlich mein Interesse erweckt hat. Ich habe meinen Kopf durch dir Tür gesteckt und mir im ersten Moment gedacht, daß es sich um irgendeine Art von Rumpelkammer handeln muß. Bei näherer Betrachtung hat sich aber herausgestellt, daß das viele Kisten mit Knochen sind. Hatte ich das nicht erst kürzlich in Madeira? Es ist nämlich so: die Einheimischen müssen hier nichts für ihr Grab bezahlen. Dafür werden sie nach fünf Jahren wieder ausgegraben. Der älteste Sohn hat die Ehre, die Knochen zu säubern. Die kommen dann in kleine Kisten und in die "Rumpelkammer", wo sie regelmäßig von ihren Angehörigen besucht werden.



Die Nachbarschaft:

Über die neuen Nachbarn gibt es nichts zu meckern!



Auch die menschlichen Nachbarn haben sich bis jetzt sehr freundlich gezeigt und Obst und Olivenöl vorbeigebracht. Wenn das so weitergeht, werde ich hier wohl nie Öl kaufen müssen!

Samstag, 18. Januar 2014

Absurde Konversation mit einem Automaten:

Ich habe mir ein paar Wochen "Heimaturlaub" geleistet. Kaum war ich wieder da, genauer gesagt 20 Minuten nach der Landung der Maschine auf dem Athener Flughafen, bot sich mir schon wieder die Gelegenheit, einen weiteren Beitrag zum Blog zu schreiben.
Der Flughafen ist ja sehr modern, besonders der Parkplatz. Man meldet sich per Internet mit seinem Autokennzeichen an und reserviert einen Platz. Bei der Einfahrt in den Parkplatz wird das Kennzeichen automatisch erkannt (leider nur ein griechisches, aber man kann auch einen Code einscannen). Bezahlt wird bei der Ausfahrt. 
Ich stecke also mein Ticket in den Schlitz im Kassenautomaten, um zu bezahlen, aber nichts passiert. Der Automat bedankt sich und wünscht mir eine gute Fahrt. Ich nehme aber stark an, daß ich ohne Bezahlen nicht aus dem Parkplatz herauskomme, auch wenn der Automat so tut, als wäre schon alles erledigt. Also drücke ich den Knopf, um Hilfe zu rufen. Ich erkläre der Dame am anderen Ende, daß der Automat meine Karte nicht einzieht. Sie sagt interessanterweise "Warum nicht?". Ich, gerade erst aus einer hektischeren und perfekteren Welt zurückgekehrt, lasse mich hinreißen und sage "Sollten das eigentlich nicht Sie wissen?" statt "Das wüßte ich auch gerne.". Nun gut, die Lösung bestand darin, daß zu einem anderen Automaten weitergefahren wurde, der mein Geld dann auch prompt haben wollte. Interessieren würde mich jetzt, wie lange es dauert, bis der Automat repariert wird, denn schließlich ist ja noch nicht geklärt, warum er nicht funktioniert.


Die Stasi in Griechenland?



Im Dorf sah ich immer ein kleines, verrostetes Schildchen, das ganz unmotiviert irgendwo am Straßenrand steht. Das Alphabet hatte ich mir gerade so recht und schlecht beigebracht, und meiner Meinung nach stand auf dem Schild STASI. Was also hat die Stasi mit Griechenland zu tun? Daß dieses Land einen kommunistischen Einschlag hat, habe ich ja früher schon erwähnt. Aber eine Verbindung zur DDR-Stasi? Das konnte ich mir nicht vorstellen. Aber nachdem das Schild so unscheinbar und verrostet aussieht, dachte ich mir, daß es wohl früher einmal einen Zweck gehabt haben muß, aber jetzt nur mehr einfach so herumsteht, ganz ohne Funktion - bis ich in der Griechisch-Stunde über die öffentlichen Verkehrsmittel lernte. Das Ganze spricht sich "Stassi" aus und ist die Bushaltestelle, die Bus"station". Darauf bin ich nicht von selbst gekommen, denn praktisch nie blieb hier ein Bus stehen, geschweige denn, daß ich einen durchfahren gesehen hätte. Bis ich ihn eines Tages doch noch gesichtet habe. Er hat sich beim Stasi-Schild eingebremst, und ein einzelnes Männlein ist ausgestiegen, vermutlich kein früherer DDR-Agent, sondern einfach ein autoloser Mitmensch. Den Bus habe ich seither nie wieder gesehen. Gibt es Fata Morganas in Griechenland?

Sonntag, 22. Dezember 2013


Griechenland, das letzte kommunistische Land Europas?

Diese Aussage wird jetzt vielleicht manchem seltsam vorkommen. 
Optisch könnte man schon des öfteren den Eindruck gewinnen. Wahrscheinlich nicht auf den Inseln mit viel Tourismus. Aber am Festland sehen die Gebäude und Orte manchmal schon so aus wie zum Beispiel im früheren Jugoslawien oder in Albanien. Schließlich sind wir ja auch in Griechenland am Balkan.
Es gibt Supermärkte und Tavernen, in die seit Jahrzehnten nicht mehr investiert wurde. In den Regalen über weite Strecken gähnende Leere und außer ein paar Tischen nackte und ungemütliche Räumlichkeiten in der Taverne. Auch die Geschäftstüchtigkeit der Inhaber mutet fallweise eher kommunistisch an. Es gibt natürlich aber auch das Gegenteil!


Manche griechische Intellektuelle und Schriftsteller, von denen ich einige in letzter Zeit gelesen habe, sehen das politische System als sozialistisch. In den letzten Jahrzehnten haben sich die regierenden politischen Parteien ihre Wähler dadurch gekauft, daß sie ihnen Stellen im Staatsapparat verschafft haben, egal, ob diese qualifiziert dafür waren oder nicht. Nicht einmal das Erscheinen am Arbeitsplatz dürfte immer erforderlich sein. So wurden immer mehr Stellen geschaffen und der Apparat zum Erliegen gebracht.
Auch manche Bürger sehen das so. Sie meinen, daß jemand, der investieren will, eher als Ausbeuter der Mitarbeiter gesehen wird denn als jemand, der Arbeitsplätze schafft.
Wie dem auch sei - es gibt auch eine Menge privater kleiner Unternehmen, die rasch, zuverlässig und professionell arbeiten und gar nicht kommunistisch wirken. Bleibt nur zu hoffen, daß es bald noch mehr von ihnen gibt.

Das Wetter:    

Wie wir alle vom Urlaub wissen, ist es in Griechenland im Sommer heiß. Im Winter kann es hier in Messinien aber auch sehr feucht werden. Im November wurde ich stark geprüft. Fast jeden Tag Regen! Und nicht ein einfacher Landregen. Nein, die wildesten Gewitter mit krachendem Donner, daß man glaubt, das Haus fällt zusammen. Und der Regen fällt horizontal, denn es bläst öfter ein Scirocco-Sturm aus Richtung Sahara, der ist aber immer warm und kann auch 20 Grad haben. Manche Leute hier nennen das den postumen Gruß von Gadaffi.



Das Wetter im Dezember war wiederum bis jetzt ein Traum. Fast jeden Tag Sonnenschein! Tagsüber genügt ein Pullover, und mit dem ist einem oft heiß. An einem geschützten Platz geht es auch noch ohne alles. Die Sonne hat immer Kraft, man kann jetzt gut braun werden, wenn man will. 

 
Für die Griechen ist jetzt übrigens noch nicht Winter. Der soll im Jänner und Februar mit niedrigen Temperaturen und wieder Regen kommen. Mal sehen! Im Jänner kommt dann angeblich auch der Altweibersommer, ein paar Wochen mit ungewöhnlich warmen Temperaturen.
Schnee gibt es hier nicht, aber in weiter Entfernung kann man schon seit einiger Zeit die schneebedeckten Berge des Taygetos-Gebirges sehen.
Die Blätter sind komplett erst von den Feigen- und Kakibäumen abgefallen. Die anderen Laubbäume haben schon verfärbte Blätter und werden jetzt kahl. Die meisten Bäume hier sind aber Olivenbäume, und die sind immer grün. Auf den Wiesen wuchert nur so das Grünzeug. Der Winter ist also sehr grün hier, sogar bunt, denn es blüht immer etwas. Und die Vögel singen dazu.


Ein Hund und sein Knochen:

Ein Hund und sein Knochen - dieses Bild hatte man früher immer vor Augen. Inzwischen kommt das Futter aus der Dose und kaum mehr ein Knochen zum Hund. Nicht so bei uns! Der Beste aller Ehemänner besucht regelmäßig den örtlichen Fleischhauer, um ihm seine Abfälle abzuluchsen. Hier werden nämlich sehr viele Teile vom Fleisch weggeworfen. Die fette Haut und die Knochen enden dann bei uns in einem großen Topf und werden gekocht. Ich flüchte in der Zwischenzeit, denn die Gerüche dieser Zutaten sind nichts für meine feine Städternase. Das Fett wird dann mit Nudeln oder Reis gemischt. 
Und den Knochen, sei er auch noch so riesig, bekommt natürlich Franzi. Dieser wird sodann von ihr in eine weit entfernte Ecke des Gartens abtransportiert und dort vergraben. Franzi freut sich riesig über ihren "geheimen" Coup, wir sehen ihr aber an der Nasenspitze an, was sie gerade gemacht hat. 


Von Zeit zu Zeit gräbt sie einen ihrer Schätze wieder aus und nagt an ihm stundenlang mit Genuß. Kommt man nur in ihre Nähe, wird der Schatz streng bewacht. Wenn sie aber einen guten Tag hat, überlässt sie einen ihren Jungen.

Weitere Impressionen: